Wagner-Stempel, Teil 1

Mit dem Siefersheimer Höllberg 2003 Riesling des Weinguts Wagner-Stempel aus Rheinhessen startet dieses Weinblog, in dem ich je nach getrunkenem Wein in loser Folge meine Notizen veröffentlichen werde.
Der Siefersheimer Höllberg ist neben dem Heerkretz die beste Einzellage, die das Weingut Wagner-Stempel zu bieten hat. Hier werden die so genannten Großen Gewächse gemacht, die Weine, die den Anspruch und das Selbstverständnis des Weinguts repräsentieren.
Der 2003er war ja für die meisten Winzer auf Grund der Hitze ein ziemlich schwieriger Jahrgang und gerade die Rieslinge hatten darunter stark zu leiden. Leider muss ich auch beim Siefersheimer Höllberg konstatieren, dass ihm die Säure fehlt. Was bleibt, sind opulente Frucht und die für Wagner-Stempels Rieslinge typische Mineralik. Der bisher beste Höllberg soll der 2005er sein – nur hatte ich noch nicht die Möglichkeit, ihn zu probieren. Die 2005er Weine sind komplett ausverkauft.
Für mich gehören die Weine, die Daniel Wagner macht, auf jeden Fall zu den spannendsten in der deutschen Weinszene. Vor allem der Riesling vom Porphyr, dessen Reben aus beiden Lagen, also dem Heerkretz und dem Höllberg stammen. Er hat (der 2004er) eine wunderbare Säure, duftet nach Grapefruit und Pfirsich. Das Einzigartige aber ist die Mineralität dieser Rieslinge, die wohl von der porphyrischen Struktur des Bodens stammt. Der Wein kostet so um die 13 Euro und ist jeden Cent wert.
Und wo ich gerade schon mal bei diesem Weingut bin, will ich auch noch auf den Chardonnay hinweisen. Wer gerne einen etwas fülligeren Wein trinkt, weniger Säure und einen deutlicheren Hang zur Frucht sucht, ist hier richtig. Wenn man an Chardonnay denkt, sucht man ja eher in den Regalen nach Frankreich, Südafrika, Australien, Chile etc. und hat dann meist entweder ein armseliges Tröpfchen auf dem Tisch, durchsetzt mit einem enormen Holzgeschmack, oder man gibt einen Haufen Geld aus. Nicht so hier. Dieser Chardonnay ist frisch, rund, wirklich wunderbar gemacht und kostet um die 8,50 Euro.
Wenn jemand denkt, ich würde auf diesem Weingut arbeiten oder sonst irgendwie mit ihm in Verbindung stehen: Fehlanzeige! Es ist einfach nur mein aktuelles Lieblingsweingut für Weißweine in deutschen Landen.

1 Kommentare

  1. Lieber Christoph Raffelt,

    vor der Geburt meiner beiden Töchter im Sommer 2012 war ich zeitlich bedingt nur ein sporadischer Leser Ihres schönen Weinblogs gewesen. Zwar ist die freie Zeit seitdem noch knapper geworden, erstaunlicherweise gab es aber nun mehr Gelegenheiten, die Beiträge in diesem Blog abends und nachts auf dem Smartphone zu lesen. Schnell gefiel mir das alles so gut, dass mir mangels neuer Beiträge in den Sinn kam, Ihren Blog in freien Minuten Beitrag für Beitrag über die Funktion “Zum vorherigen Beitrag” durchzulesen.
    Den schönen Zufall, dass ich auf diese Weise heute auf den Tag genau sechs Jahre nach Ihrem ersten Beitrag am Anfang dieses Weinblogs angekommen bin, muss ich daher kurz zum Anlass nehmen, Ihnen für die vielen unterhaltsamen und interessanten Momente zu danken. Es war äußerst spannend, die 6jährige Entwicklung dieses Blogs innerhalb von weniger als einem Jahr quasi in konzentrierter Form nachzuvollziehen, mit allen vinophilen Ambitionen, Höhen und Tiefen. Neben Beruf und Familie ein solches Projekt zu verwirklichen und zu pflegen, finde ich beeindruckend und inspirierend. Ihren kritischen und zugleich wohltuend unaufgeregten Umgang mit dem Thema Wein schätze ich sehr, ebenso wie Ihre Würdigung ökologisch ambitionierter Winzer und Ihre Unvoreingenommenheit.

    Statt Ihre Texte immer nur in Ruhe zu konsumieren, wollte ich Sie dies zu diesem Anlass einfach mal wissen lassen. Ich freue mich schon auf weitere Artikel und Podcasts und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute in Hamburg.

    Viele Grüße aus Kreuzberg

    Jan

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