Clos de los Siete, Argentina 2005, ein Wein von Michel Rolland

Was Robert Parker unter den Kritikern, ist Michel Rolland unter den Winzern. Er ist der Saft- und Kraft-Winzer der Moderne. Michel Rolland personifiziert geradezu die Moderne des Weinmachens, Entschuldigung, des Winemakings; denn Michel Rolland, Spross einer Winzerfamilie aus dem Pomerol, ist kein Winzer mehr im eigentlichen, ursprünglichen Sinne. Er vinifiziert nicht mehr das, was von der Scholle der Familie stammt im Keller zu einem Produkt dessen, was die Verfechter der old school, des old europe so schön terroir nennen. Rolland ist einer der flying winemaker, einer, der den weltweiten Weinstil dadurch beeinflusst, dass er über 100 führende oder führend werdende Weingüter berät oder besitzt.
Rolland hat Önologie studiert und arbeitete in einem Weinanalyselabor, erwarb es später und begann dann analytisch nach einem genau festgelegten und durch wissenschaftliche Methoden fundierten Prinzip Wein zu bereiten. Der Aufstieg erfolgte schnell – und zwar parallel zu dem des Weinpapstes Robert Parker jr.
Das ist natürlich kein Zufall. Verschwörungstheoretiker werden sich das Ihre dabei denken. Ich sage nur, da haben sich zwei gefunden, die sich eine Zeitlang fast bedingt haben; befreundet sind sie eh. Es sind zwei, die zumindest für die Weinwelt Ausdruck der Globalisierung par excellence sind – und eben Ausdruck eines globalisierten Weinstils.
Wie sieht dieser Weinstil aus? Es ist der Weinstil des Tiefen, des Satten, des aus reifem bis überreifem Lesegut extrahierten Saftes. Es sind Weine, in denen das frische Holz der Barriques und deren Röstaromen und Vanilleausdünstungen deutlich hervortreten. Es sind starke Weine, die nach Alkohol duften und schmecken.
Aber es sind keine platten Weine. Und hierin liegt der Clou. Diese Weine als flach zu bezeichnen, als marmeladig, als Anti-Terroir, als New-World, hieße, Rollands Fähigkeiten nicht vollständig gerecht zu werden. Diese Weine sind alles andere als einsilbig. Sie sind eben anders, sie sind neu. Was Rolland macht, ist hohes Niveau, allerdings auf einer neuen Stufe.
Nehme ich zum Beispiel den Wein, den ich gerade im Glas habe, einen Clos de los Siete, Argentinien, Menoza 2005, einen Wein, gemacht aus 50 % Malbec, 30 % Merlot, 10 % Cabernet und 10 % Syrah, einen Wein, der auf einem hypermodernen Weingut entwickelt wird, welches Rolland mit sieben Investoren und Weinmachern dort platziert hat und um dessen Gebäude 350 ha unter Reben stehen. 350 ha, das ist nicht wirklich wenig. Ein Teil der Ernte kommt dem Clos zu gute, einem Wein, der so seit dem 2002er Jahrgang verkauft wird und, wen wundert’s, direkt mal 90 Parker-Punkte bekam. Dieser Wein ist, wie eigentlich immer bei Rolland, eine Wucht. Das kann Spaß machen, kann aber auch ärgerlich sein. In diesem Falle ist es ärgerlich, weil der Wein noch zu jung ist, um getrunken zu werden. Hier überwiegt ganz eindeutig die alkoholische Schwere. Beim 2003er ist das anders. Im Glas hat man gleichfalls die Wucht aus Alkohol, Holz, Vanille und dunklen Beeren, im Mund die erwartete Dichte und dann kommt durch die Dichte wie durch einen Tunnel ein Zug mit Waggons voller Aromen angerauscht: Kakao, Kokos, Brombeeren, Pflaumen. Das ist gut gemacht, wirklich gut gemacht.
Allein, es ist gemacht. Es wirkt gemacht. Und damit habe ich ein Problem. Diese Weine wirken irgendwie nicht ganz authentisch. Sie wirken ein wenig unlebendig. Das ist allerdings auch alles, was ich ihnen vorzuwerfen habe.

Der ganze andere Kram von wegen der Vereinheitlichung der Weine, dem Marketing, dem abgekarterten Spiel zwischen Rolland und Parker …

Da kann ich nur sagen: Ihr müsst den Krempel ja nicht kaufen! Mich jedenfalls hat noch niemand gezwungen, Wein zu kaufen. Mich hat auch noch nie jemand in einen McDonalds gezwungen. Ich gehe einfach freiwillig nicht rein oder tue es doch. Ich verzichte gerne freiwillig auf die Gallos etc. dieser Weinwelt. Und wenn ich manche Winzer so klagen höre, dass Rolland und Parker dem Terroirwein den Dolchstoß versetzt hätten, habe ich den Eindruck, dass sie oftmals ihre eigene Unprofessionalität überdecken wollen. Wenn ich mir zum Beispiel deutsche Websites anschaue und diese vergleiche mit vielen vielen Websites international verkaufender Winzer aus Spanien, Südafrika, Argentinien, Südamerika oder den USA, dann wundert mich nichts mehr. Bei den gerade gekürten besten deutschen Wein-Websites, gekürt durch das deutsche Weininstitut, kann ich nur müde lächeln.

Ich glaube, dass im 21. Jahrhundert viele unterschiedliche Methoden gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Nur eines wird nicht mehr funktionieren: das Sich-Ausruhen auf alten Lorbeeren, Untätigkeit, Arroganz und Ignoranz.

Nachtrag: Nach längerer Zuführung von Luft erwacht auch der 2005er langsam zum Leben. Duft nach Pralinen mit schwarzer Schokolade, leichte Vanille, Brombeer und dunkle Kirsche. Im Mund ebenfalls dunkle Früchte, der Wein bleibt allerdings etwas hart, es dominieren zu vordergründige Tannine. Das mag sich aber mit der Zeit noch ändern.

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