Michel Rolland

Spätestens seit »Mondovino« gilt Michel Rolland, der Flying Winemaker par excellence, vielen als böser Bube der Weinglobalisierungswelt. In der Tat berät der Herr mit önologischem Labor in Fronsac über 100 Weingüter auf der ganzen Welt. Angefangen im Bordeaux (z.B. Ausone und zig andere) über Italien (Ornellaia und zig andere), über Kalifornien und Südafrika bis nach Australien, Bulgarien oder Argentinien. Im wird vorgeworfen, mit Robert Parker befreundet zu sein und mit ihm der gesamten Weinwelt den neuen, modernen Geschmack aufgedrückt zu haben. So weit, so gut.

Um einfach mal verschiedenste Weine, die unter Rollands Önologenfingern enstanden sind, zu vergleichen, hat Peter Züllig eine Menge Freunde eingeladen und eine Menge Flaschen geöffnet. Der Artikel zu diesem Abend ist leider nur Abonnementskunden auf WeinPlus vorbehalten. Daher nur drei Zitate, die Essenz:

»Die beiden Weine, die eigentlich seine prägnanteste Handschrift tragen müssten, das Familiengut der Rollands „Le Bon-Pasteur“ (wo Michel aufgewachsen ist) und „Fontenil“, das Weingut, das er zusammen mit seiner Frau besitzt, waren überhaupt nicht stilweisend.« Auch die fünf Piraten, also Weine, die nicht unter seiner Handschrift geschaffen wurden, wohl aber in Weingütern gekeltert wurden, die später von Rolland beraten wurden, konnte man nicht unterscheiden. Insgesamt habe es »so viele unterschiedliche Erfahrungen [gegeben] wie bei fast jeder andern Degustation.«

»Eines ist aber allen Weinen gemeinsam: Es sind überaus fruchtige Weine, dunkle Früchte, blumige Aromen, würzig, oft von Anis dominiert, voller Körper, mit bestimmtem, aber ausgewogenem Holzeinsatz, mittlere bis fast unendliche Länge. All dies sind Eigenschaften, die man dem „modernen, internationalen“ Weinstil zuerkennt. Deshalb „einheitlich“? Zumindest die 20 von uns „getesteten“ Weine waren es nicht! Aber waren es auch Terroir-Weine, wie sie als Gegensatz zum dominierenden, von Michel Rolland bevorzugten Weingeschmack definiert werden. Sie waren es nicht.«

Und das ist es auch, was mich so stört an diesen Weinen, abseits des Verschwörungstheoriequatsches: Es ist das Fette an ihnen, das Dunkle, der fast überreiche Körper. Das sind Weine, die mich erst mit voller Wucht  anspringen und dann gehen, ohne sich zu verabschieden. Und dem Anspruch, Weine zu schaffen, die ihre Umgebung widerspiegeln – und das hat er selbst formuliert –, dem wird er nicht gerecht. Bei den Weinen, die ich von ihm kenne, habe ich eher den Verdacht, dass er häufig die gleichen prägnanten Zuchthefen verwendet, die all diesen Weinen neben einer gewissen ähnlichen Kellertechnik auch etwas Gleiches geben und den Ursprungscharakter etwas verblassen lassen. Aber das ist nur so eine persönliche Theorie …

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