Prowein 2008: La Dégustation des Grands Crus de Bordeaux

War für mich die Verkostung der bio-dynamischen Weine in dieser Fülle schon ein Erlebnis. So wird der Montag in bleibender Erinnerung sein. Schließlich bin ich lediglich das, was Franzosen wohl als fidèle amateur bezeichnen, und nichts weiter. Es ist mein Hobby, eines, das viel Raum einnimmt, nicht selten den Geldbeutel strapaziert, wo aber ab einer gewissen Preisgrenze das Ende der Fahnenstange erreicht ist. In den letzen 15 Jahren habe ich ziemlich viele unterschiedliche Weine verkostet, war bei diversen Proben, habe horizontale und vertikale Verkostungen mitgemacht, aber nie eine Veranstaltung wie diese besuchen können.

Außer den wenigen superteuren und raren Château-Weinen, die eh bald ausverkauft sein dürften, waren tatsächlich über 100 weitere Weine vorhanden, was nett ist; aber nötig dürften diese es auch kaum haben, dafür ist der Jahrgang zu gut, sind die Weine trotz der Preise allzu begehrt. Präsentiert wurde der hoch gepriesene Jahrgang 2005. Er gilt als einer der besten der letzten 50 Jahre. Das kann ich letztlich nicht beurteilen. Wohl aber kann ich sagen, dass es ein ausgezeichneter Jahrgang ist. Und ich kann ziemlich sicher sagen, dass es mir kaum vergönnt sein wird, jemals einen dieser Weine zu Hause auf dem Tisch stehen zu haben. Das ist grundsätzlich auch nicht schlimm. Nur ein wenig schade ist, dass sich das Preisniveau derart in die Höhe geschraubt hat, dass selbst die unbekannteren kleinen Châteaux schon zur Luxusware aufgestiegen sind.

Rheinterassen, Bordeaux Jahrgangsverkostung 2005

Drei Gebiete hatte ich mir vorgenommen, zwei weitere habe ich gestreift, irgendwann war ich einfach nicht mehr aufnahmefähig. Zudem war es voll und relativ schnell waren die wenigen Flaschen einiger Weingüter leergetrunken, auffälligerweise waren es die der teuersten …

Ich hatte mich auf Pessac-Léognan, Saint-Julien und Sauternes festgelegt. Zunächst die weißen Pessacs. Alle Weine zu beschreiben wäre unsinnig, hervorheben kann ich aber:

Pessac-Léognan Blanc

Château Carbonnieux, sehr floral und kräutrig mit Duft und Geschmack nach Honigmelone.

Château Malartic-Lagravière, floral, gelbe Früchte und Mango, starke, aber gut eingebundene Säure, viel Schmelz; eine schöne Überraschung eines mir bisher völlig unbekannten Weingutes, das gilt genauso für den Roten des Weingutes.

Château Pape Clément, mineralisch, riecht leicht nach abgebrannten Feuerwerkskörpern, Feuerstein, Mirabelle, reif gelbe Früchte, schöner Schmelz, perfekte Säure; für mich neben Schmitz-Hoch-Lafitte der beste weiße Pessac an diesem Tag.

Château Smith Haut Lafitte, floral, leicht mineralisch, sehr warmer Ton, noch starkes Holz, trotzdem sehr frisch, schöne Säure.

Pessac-Léognan Rouge

Château de Fieuzal, in der Nase erdig, Paprika, rote Früchte, Pfeffer; im Mund Pfeffer, Paprika, Tomate, leicht vanillige Süße, viel Schmelz, wirkt schon sehr fertig.

Domaine de Chevalier, im ersten Augenblick in der Nase eine fischige Note, die schnell verfliegt, dann viel Cassis, dunkel, schwarze Beeren, relativ viel Vanille, süßlich, jetzt schon sehr ausgewogen und sehr, tja, süffig.

Château Haut-Bailly, erdig, Brombeeren, Schwarzkirschen und Holz, sehr viel Biss, sehr extraktreich, noch sehr verschlossen, aber mit viel erkennbarem Potential.

Château La Louvière, sanft, warm, Kirschebrombeervanille, leicht schokoladig in der Nase, im Mund sehr saftig, extraktreich, aber frisch, nicht marmeladig, worauf die Nase hingedeutet hatte, sehr präsent, so ein Everybodys-Darling-Wein auf sehr hohem Niveau, ohne ihn abwerten zu wollen.

Château Malartic-Lagravière, leichtes Menthol in der Nase, Balsamico und rote Grütze, im Mund warm mit leichtem Holz, saftig, Süßkirschen, extraktreich und sehr ausgewogen.

Château Smith Haut Lafitte, Menthol in der Nase und viele Früchte, Schokolade, im Mund erdig, Früchte, zwar noch sehr verschlossen, aber schon sehr elegant. Der Wein braucht noch viel Zeit und dürfte dann ein echtes Schmuckstück sein.

Stilleben

Saint-Julien

Château Talbot, erdig und vegetabil, zartbitter, warme Komposition aus roten und dunklen Früchten, schöne Säure, ein St. Julien, den ich mir direkt als klassischen Vertreter in den Keller legen würde.

Château Léoville Barton, in der Nase schon ein sehr eleganter Duft nach süßen Kirschen und Schokolade, am Gaumen Schwarzkirschen, Schokolade, Brombeeren, Marzipan, sehr elegant, wunderbar.

Château Beychevelle, für mich mein Rotwein des Tages, in der Nase sehr zurückhaltend, Cassis und Tabak, im Mund ein Wechselspiel von Früchten, Schokolade, sehr weich, sehr filigran, sehr elegant.

Sauternes

Château Suduiraut, für mich der Star der angebotenen Sauternes, zwar ziemlich süß, aber enorm komplexe Nase von Birnen, Steinfrüchten, dazu eine wunderbare Kühle, als hätte man die Früchte kurz schockgefrostet. Sehr, sehr ausgewogen. Der letzte Wein des Tages war ein gelungener Schlusspunkt.

Ich hab’s einfach mal aufgeschrieben, um es für mich selber zu behalten. Dazu kommen natürlich noch Weine, denen ich eher neutral gegenüberstand, nur ganz wenige waren in meinen Augen nicht gelungen bzw. noch so verschlossen, dass ich mir ein Urteil kaum erlauben würde.

Für mich war diese Veranstaltung in der Halle der Rheinterassen jedenfalls eine wunderbare Gelegenheit, meine Nase und den Gaumen zu schulen. Beeindruckend, wie unterschiedlich diese Weine dann tatsächlich sind, deren Weinberge teils vielleicht nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen. Theoretisch ist mir das alles klar: unterschiedliches Mikroklima, auf der anderen Seite der Straße mag der Boden wieder anders beschaffen sein, die Zusammensetzung der Rebsorten ist immer anders, der eine Wein liegt länger auf der Maische als der andere. Beim einen Weingut schaut Michel Rolland vorbei, beim anderen macht’s der alte Kellermeister mit gichtigen Fingern noch selbst.

Trotzdem, und das muss ich immer wieder betonen, fasziniert es mich jedesmal aufs Neue. Und das macht die Beschäftigung mit diesem Getränk so einzigartig.

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