Christophs und Holgis Mixtour No. 11

Couchkissenweinrock’n’roll am ersten Weihnachtstag

Holger und ich haben unser alljährliches Weihnachtsritual mit einem beindruckenden (wenn auch noch deutlich zu jungen) 2007 Silvaner aus einer der Toplagen Frankens, dem Escherndorfer Lump, begonnen. Bisher kannte ich den Silvaner nur vom Horst Sauer. Der ist schon beeindruckend. Diesen hier aus dem Juliusspital hier hätte ich nicht so hoch eingeschätzt, er liegt aber jenseits der Erwartungen. Holgi muss schweigen; denn er hatte eine Schnupfennase und konnte den satten Duft nach Steinobst, Kräutern, Mineralen und Broccoli nur erahnen. Der Wein schmeckt herrlich frisch und doch tief und passt außerordentlich zur Begleitung einer Branaghschen Shakespeareverfilmung. Die kurzweiligen Kabbeleien zwischen Beatrice und Benedikt in der Staffage des 17. Jahrhunderts. Dazu dieser klassische Wein, der in seiner Ausgewogenheit ziemlich gut zu derselben in Shakespeares Dialogen passt. Der Film bleibt und wird immer wieder gern gesehen. Der Silvaner bleibt in Erinnerung, ist jung und doch schon ein Großer und ich würde ihn immer wieder gerne trinken.

Zu Wynns 1998er Michael Shiraz gab es einen ernsthaften Woody Allen Beziehungsfilm aus der englischen Upperclass. Dazu passt der Wein nicht wirklich, da hätte man vielleicht eher einen Bordeaux trinken wollen. Zum dargereichten Ragout vom Hirsch mit handgefertigten Tagliatelle allerdings harmonierte dieser perfekt ausgereifte Shiraz außerordentlich. Ich habe, glaube ich, zuletzt beim Konsum des 1991er Penfolds 389 einen so harmonischen australischen Syrah getrunken.

Der Renommierwein des Gutes Wynns wird nur in den besten Jahren in neuen und gebrauchten Fässern aus amerikanischer Eiche und gebrauchten Fässern aus französischer Eiche abgefüllt. Dadurch dominiert das Holz nicht sonderlich, gibt aber ein gutes Rückgrat. Wunderbare Mischung aus Kirschen, Himbeeren, Brombeeren, Gewürzen und etwas Erdigem. Dazu das durchgekochte Fleisch mit nur leicht durchdringendem Wildgeschmack. Der Wein ist voll, dicht, samtig und man möchte nicht aufhören.

Zum Schluss dann irgendwann zu fortgeschrittener Stunde, SCHTONK! läuft schon lange und erheitert den Abend, nicht zuletzt, weil wir die Dialoge längst auswendig mitsprechen können, die großen Gläser ausgespült und mit Traiser Rotenfels befüllt. Racknitz-Adams haben hier einen Klasseriesling produziert. Duft nach Mineralen und Hefe, etwas Gemüse und Kräutern mit einem Hauch von Zitronen. Im Mund ziemlich dicht und fest und voller Minerale und Steinobst und Kräuter.

2007er Escherndorfer Lump, Silvaner, Großes Gewächs, Juliusspital Würzburg, Franken
1998er Wynn’s, Michael Shiraz, Coonawarra, Australien
2007er Traisener Rotenfels, Riesling, Weingut von Racknitz, Nahe
dazu
1993er Arizona Dream, Emir Kusturica mit Johnny Depp, Jerry Lewis, Faye Dunaway
1993er Much ado about nothing, Kenneth Branagh, mit Michael Keaton, Emma Thompson, Denzel Washington
2005er Match Point, Woody Allen, mit Scarlett Johansson, Jonathan Rhys Meyers, Emily Mortimer
1991er SCHTONK!, Helmut Dietl, mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Harald Juhnke


2 Kommentare

  1. Habe doch tatsächlich mal den Silvaner aus dem Juliusspital mit passendem Film verköstigt. Ich muss euch sehr recht geben! Einmaliger Wein zu Shakespeare – das lohnt sich!
    Danke für den Tipp!

  2. Pingback: Weinrallye No. 45: The Dead Arm Shiraz 1999 » originalverkorkt

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