Coume del Mas, Quadratur 2007, Languedoc

Eine meiner frühesten Wein-Begegnungen mit Frankreich war eine Reise ins Languedoc und Roussillon. Ich habe in Sête gewohnt und von diesem Stützpunkt aus das Land bis hinunter zur spanischen Grenze erobert. Einer der Orte, den ich mit am schnellsten wieder verlassen habe, ist Collioure. Nicht, weil es dort hässlich gewesen wäre oder langweilig, nein eher, weil es zu schön war, um wahr zu sein, und weil das vor langer Zeit auch diverse, in Paris ansässige Künstler erkannt hatten und dort  geraume Zeit verbracht haben. Matisse ist so einer und Picasso. Und auf den Spuren derer und weil es, wie gesagt, zu schön ist, drängeln sich dort die Massen. Ich bin dann schnell weitergereist, nach Banyuls-sur-Mer, den nächstgrößeren Ort, um dort in den Kellern der Templer eine Führung mitzumachen.

Banyuls, um abzuschweifen, ist ein Wein, dessen Trauben in einem Zustand der Vertrocknung sehr spät geerntet werden. Um den Zucker zu erhalten, wird die Maischegärung durch Zugabe von Alkohol gestoppt. Dieser gespritete Wein, Vin Doux Naturel, genannt wird dann meist in Gärballons oder Fässern im Freien gelagert. Diese jeder Witterung ausgesetzten Weine oxidieren und altern nachvollziehbarerweise schneller als ihre geschützten Kollegen, was gewollt ist, um einen Effekt zu erzielen, der im katalanischen Rancio genannt wird. Das Spannende an diesen Weinen ist, dass trotz aller Süße dieser Wein erstaunlich trocken ist im Abgang.

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Aber ich komme eigentlich auf Banyuls, weil der in Collioure beheimatete Philip Gard einige uralte Rebflächen sein Eigen nennt, die genau zwischen diesen beiden Küstenorten beheimatet sind. Hier erzeugt er Weine, die mit zu den heutigen Crus des Südens zählen, in einer Reihe mit Gauby oder Negly, um nur zwei zu nennen. Die Weine sind teils sehr rar – vom Abysses gibt es gerade mal 1.300 Flaschen -, definitiv aber sind sie das Ergebnis feinster Weinbergsarbeit, zu der die Ertragsreduzierung zählt. Beim Quadratur sind es gerade noch 15 hl pro ha (!).

Da könnte man denken, dass da vielleicht nur ein wenig reduzierte Soße ins Glas läuft, übertrieben in allem. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch wenn der Wein – 45% Grenache, 40 % Mourvèdre, 15 % Carignan – dicht ist, dunkel in der Farbe, extraktreich, so ist er doch ausgesprochen subtil, alles andere als fett, und neben dem Duft von Gewürzen und Kräutern, Kaffee, schwarzen Oliven und ein klein bisschen Dörrobst überhaupt nicht überbordend. Das Feine ist die kühle Mineralik des Weines – er wächst auf braunem Schiefer -, der dem Quadratur eine Klarheit gibt, die großartig ist.

daube de boeuf

Dazu Daube de Boeuf mit Brot, Rindsragout mit Gewürzen aus der Region. Denn die Tage werden wieder länger, es wird trüber, regnerischer – und so ein Ragout ist herrlich!

Coume del Mas, Quadratur 2007, Languedoc, hervorragend, 28,50 Euro hier

4 Kommentare

  1. Schöne Beschreibung – und den eher subtilen als fetten Charakter verdankt der Wein vermutlich nicht zuletzt seinem hohen Mourvèdreanteil… sicher auch in ein paar Jährchen mehr noch interessant 🙂 .

  2. Mann, mann das sieht richtig lecker aus. Und das gerade zur Mittagsessenzeit. Ich glaube, ich muss mir auch so ein Fläschchen bestellen 🙂

  3. Pingback: Weine des Südens (2) – Languedoc, Roussillon und Rhône » originalverkorkt

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