Gocher Weinzyklus 3 – Champagne, die Grande Dame wird niemals alt

Das Haus zu den fünf Ringen gehört zu den wenigen historischen Gebäuden der im Krieg zu über 90 Prozent zerstörten Stadt Goch. Zusammen mit dem historischen Rathaus, dem Van-den-Bosch-Haus und dem Mosters-Haus bildet es ein Ensemble von Gebäuden aus dem 16. Jh. Das Gebäude diente ursprünglich als adliges Stadtwohnhaus, in den Kellerräumen befand sich ab 1828 eine große Weinhandlung. Später wurde im hinteren Gebäudeteil Bier gebraut. Bis in die Mitte des 20. Jh.’s bekam man hier das dunkle, niederrheinische Alt der Familie Janßen. Nach dem Krieg baute die Familie dann einen Getränkeverlag auf, der in den Achtzigern in ein Gewerbegebiet verlegt wurde. Das Haus wurde an die Stadt veräußert und befindet sich im Stadium der Renovierung. Dabei ist es nach dem Guss einer neuen Bodenplatte so weit nutzbar, dass das Museum Goch die Räumlichkeiten als Ausstellungsfläche für heimatkundliche Objekte verwendet.

Fuenf_Ringe_Haus

Dieses mit zu den schönsten historischen Gebäuden am Niederrhein zählende Haus bot uns die Kulisse für den dritten Teil des Gocher Weinzyklus. Champagne – Die Grande Dame wird niemals alt war das Thema, zu dem der Veranstalter, der Gocher Juwelier Georg Schotten, geladen hatte, um Funkelndes miteinander zu verbinden: die Präsentation seiner Winterkollektion in Verbindung mit einer Reise durch die Champagne.

Haus_Innen

Michael van den Höövel und ich haben dabei versucht, mit den sechs präsentierten Champagnern eine Auswahl zu treffen, die verdeutlicht, wie heterogen und spannend dieses Weinbaugebiet ist – auch abseits der wenigen bekannten Namen. Sechs Schaumweine aus den unterschiedlichen Regionen der Champagne, ein Abbild verschiedener Rebsorten und Cuvées bis hin zu von Pinot Noir bzw. von Chardonnay geprägten Jahrgangschampagnern. Dabei wechselten sich Winzerchampagner mit denen großer und kleiner Häuser ab.

Vorbereitung

Franck Pascal, Cuvée de Reserve Brut Nature, Vallée de la Marne

Einen wunderbar leichten Einstieg bot der Winzerchampagner von Franck Pascal. Ungewöhnlich in seiner Art, Pinot Meunier geprägt und ohne Dosage abgefüllt, fand er doch Zuspruch; denn er kommt nicht so knochentrocken daher, wie man auf Grund der fehlenden Dosage hätte vermuten können. 4 Hektar besitzt Franck Pascal im Tal der Marne und beginnt mit einem Flaschenpreis von 26 Euro. Cremig ist sie, diese Cuvée de Reserve mit feiner Hefe und einem schönen Duft von reifen Äpfeln. Für mich ein ausgezeichneter Bankett-Champagner, den es ebenso mit einer geringen Dosage von 3 Gramm gibt.

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Louis Roederer Brut Premier, Reims

Ganz anders präsentierte sich der Roederer Brut. Druckvoller und säurebetonter zeigt sich der Einstiegswein von Louis Roederer. 4 Hektar Pascal gegen 300 Hektar Roederer (200 ha plus 100 ha zugekaufte Reben), Winzerfamilie gegen Glamour und Marketing. So kontrastreich ging es zu.

Diesem Wein werden verschiedene in Eichenfässern ausgebaute Reserveweine zugesetzt. Er setzt sich zusammen aus etwa einem Drittel Chardonnay und zwei Dritteln Pinot, davon wiederum ca. 15 % Pinot Meunier. Neben den klaren Hefearomen strömt der Duft von Mandeln aus dem Glas, dazu viel Zitrus und frische Orange und grüner Apfel. Der Wein ist sehr straff und mineralisch – ein ausgewogener, kräftiger, klarer, beeindruckender Stil aus Reims.

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Drappier Brut Rosé, Val de Demoiselles, Côte de Bar

Drappier liegt in einem der Satellitengebiete der Champagne,  an der Côte de Bar im Departement Aube. Lange haben sich Winzer wie Politiker aus den Departements der Marne und Aube um die Zugehörigkeit der Aube-Gebiete zur Appellation Champagne gestritten. Wie Stiefkinder wurden die Gebiete behandelt, in denen der Champagner lange Saulte Bouchon hieß und der Weinbau vor allem durch die Mönche des Klosters Clairveaux forciert wurde.  Seit einigen Jahrzehnten ist das kein Thema mehr, man hat zusammengefunden, nicht zuletzt durch den gemeinsamen Feind, der sämtliche Champagnergebiete in den Weltkriegen entweder verwüstet oder ausgebeutet hat.

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Mit 50 Hektar gehört Drappier zu den kleinen, ausgezeichneten Betrieben in dieser Gegend. Sie tragen das im Namen, was so einige alteingesessene Häuser – Ruinart ist das beste Beispiel – gemacht haben, bevor sie sich dem Vertrieb von Champagner gewidmet haben. Die Drappiers waren Tuchhändler. Irgendwann hat man dem Kunden als Mitbringsel den geschätzten Champagner mitgegeben und der wurde dann zunehmend so beliebt, dass das Geschäft einträglicher war als das des Tuchhandels.

Der Rosé aus einem kleinen Wingert namens Val des Demoiselles, Tal der Jungfrauen, stammt zu 100 Prozent aus Pinot Noir, der bei Drappier drei Tage auf der Maische belassen wird. Ein kräftiger Champagner mit dem Duft von roten Früchten und ein wenig Veilchen und leichten Gewürzen. So kräftig, dass er dem Essen in der Pause nach der Präsentation von Schottens Kollektion mühelos standhalten konnte.

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De Sousa et Fils, Blanc de Blancs Réserve Gran Cru, Côte de Blancs

Der zweite Teil der Tour durch die Champagne begann mit der Vorstellung eines kleinen Hauses aus dem Ort Avize, einem der Zentren der Côte de Blancs. Das 11-Hektar-Weingut De Sousa & Fils hat hier zu einem eigenen klaren Stil gefunden. Ausgezeichnete biodynamische Weinbergsarbeit ausschließlich in Gran Cru Lagen, Spontanvergärung und Ausbau in Barriques, in diesem Fall in 15 Prozent neuen Fässern. Das Ergebnis ist ein wunderbar cremiger Chardonnay mit Aromen von frischem Brioche, Nüssen und Zitrus. Je länger der Wein steht, desto stärker werden die Aromen von reifen Orangen. Für 35 Euro ist dies ein wunderbar reifer und fülliger Champagner sehr guter Qualität.

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Fleury Père et Fils, Millésime 1996, Côte de Bar

Ebenfalls biodynamisch arbeitet Fleury Pere & Fils. Er gehört mit zu den Pionieren in der Champagne. Bekannt geworden als Winzer des Jahres 1993 im Gault Milliau, macht er für mich momentan mit die besten Champagner unterhalb der 100 Euro-Grenze. Der 1996er Millésime hat große Klasse. Eine wunderbare Verbindung aus Frische und Alterungsnoten, reifer Hefe, mürbem Apfel und frischen roten Beerenfrüchten und ein wenig Tabak. Eine klare Pinot Noir-Dominanz sorgt für Kraft. Sehr, sehr harmonisch steht er dem letzten Wein des Abends in nichts nach.

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Billecart-Salmon, Cuvée Nicolas-François Billecart Millésime 1998, Montagne de Reims

Der Billecart-Salmon Cuvée Nicolas-François Billecart 1998 Millésime zeigt ähnlich herrlich harmonische Reife. Chardonnay von der Côte de Blancs und zehn Prozent Pinot Noir aus der Montagne de Reims sowie eine leichte Dosage, die bei Billecart 10 Jahre lang in Holzfässern gelagert wird, bilden einen weichen, Brioche und Zitrus geprägten Wein.

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Es gab eine deutliche Lagerbildung bei den beiden letzten Jahrgangschampagnern. Da mochte der eine lieber Pinot Noir, die andere präferierte den Chardonnay. Außergewöhnliche Klasse kann man beiden Häusern bescheinigen. Das sind beides Weine, die in ihrer Klarheit und Tiefe auf wunderschöne Art die Einzigartigkeit der Champagne präsentieren – und nicht zuletzt einen gelungenen Schlusspunkt für den Abend gesetzt haben.

2 Kommentare

  1. Schöne Probe. Ich habe gestern Abend auch ein paar Champagner probiert. Allerdings durch die Bank ältere Semester. Aber unter anderem auch die oben titelgebende Grande Dame und auch einen Drappier. Mehr bei mir im Blog unter: Sektlaune

  2. Pingback: Gocher Weinzyklus 4 – Der Oberrhein. Eine Weinregion im Dreiländereck » originalverkorkt

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