Weinrallye 32, Spätburgunder, Teil 1: Elena Walch, Ludwig 2002

Als ich die Themen-Ankündigung der heutigen Weinrallye las, habe ich mich spontan gefreut. In den Weinblogs taucht Spätburgunder recht selten auf – zumindest ist das mein Eindruck. Iris Rutz-Rudel betreut diese Rallye nun zum dritten Mal mit viel Engagement, siehe Twitter-Einträge und Facebook, und ich danke ihr dafür.

weinrallye_32

Das Thema also spricht mich an. Nur ist es so weit gefasst, dass es schwer war, ein Subthema zu finden.

Was wäre das Co-Thema, fragte ich mich? Zunächst habe ich dazu tendiert, mich über die Freude über die Qualität des deutschen Pinots auszulassen, dann mich dem schweizerischen Pinot anzunähern, dann Pinot Noir in seiner bläschenwerfenden Form als deutschem Winzersekt oder kräftigem Bouzy-Champagner auf den Grund zu gehen. Allein als ich gestern vor dem Flaschenregal stand und merkte, dass der Winzersekt im Bürokeller lag und ich eine Flasche André Clouet Millesimé 1995 öffnen müsste und das so ganz für mich allein, konnte ich mich doch nicht überwinden. Ich hatte des Mittags 60 Weine der verschiedenen Loire-Appellationen probiert und meine Zunge war ein wenig zu müde, um die Feinheit des Champagners noch angemessen würdigen zu können. Wäre noch die Möglichkeit gewesen, etwas sehr Außergewöhnliches zu probieren, nämlich einen Eiswein vom Spätburgunder, den mir Daniel Wagner im Januar in die Hand gedrückt hat. Sie hatten den Pinot einer kleinen Siefersheimer Parzelle zu ernten vergessen, weil er zu großen Teilen einem Hagelschlag im Frühjahr zum Opfern gefallen war. Erst als im Januar die Kollegen zur Eisweinernte hinausfuhren, hat er sich an die Parzelle erinnert und geerntet. Eine winzige Menge – der Wein taucht auf seiner Preisliste überhaupt nicht auf. Aber probiert habe ich ihn dann doch nicht, der ist gerade mal ein Jahr alt und mehr als eine 0,375 ml-Flasche besitze ich nicht.

Also entschied ich mich für einen Pinot aus dem Alto Adige, und zwar von Elena Walch. Das Co-Thema lautet also Winzerinnen, wobei ich also Pinot Noir somit nicht nur mit einem alten Weinrallye-Thema von oben genannter Iris Rutz-Rudel kombiniere, sondern dem Beruf der Gastgeberin Ehre erweisen möchte und eine eigene, auf diesem Blog lose stattfindende Reihe fortführe.

Elena Walch gehört mit Elisabetta Foradori zu den weiblichen Stars der norditalienischen Weinszene. Anders aber als Foradori hat Walch das Winzerhandwerk mitnichten mit der Muttermilch aufgesogen. Vielmehr war sie eine junge, aber schon erfolgreiche Architektin, als sie ihren späteren Mann kennen lernte, der das Weingut Walch führte. Nach der Geburt der zwei Kinder und irgendwann einsetzender Langeweile bat sie ihren Mann, ihr einen Weinberg zur Verfügung zu stellen, einen in guter Lage. Diesen hat sie am Castell Ringberg bekommen und einfach mal so ziemlich alles anders gemacht, als es bei den der Tradition verhafteten männlichen Winzern üblich war. Und anders als es Elisabetta Foradori getan hat, indem diese das Wagnis unternommen hat, aus den traditionell angebauten Rebsorten das Beste, ja die Quintessenz herauszuholen, hat Elena Walch den Vernatsch herausgerissen und internationale Rebsorten gepflanzt, die Reben wurden anders erzogen und ausgebaut wurde ebenfalls different. Das Barrique hielt Einzug.

Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie das ausgesehen haben mag, wie sehr sie belächelt wurde, wer sich da alles an die Stirn getippt hat, damals als es noch kaum weibliche Winzer gab und wenn, dann überhaupt höchstens Töchter – aber bitte keine zugezogenen Diplomirgendwasse. Das dürfte sich dann schnell geändert haben, nachdem Elena Walch Ende der 80er dann ihren ersten Wein auf den Markt brachte. Die Anerkennung kam, zumindest von offizieller Seite, relativ schnell, und wenn sich der Erfolg bei der Avantgarde einstellt, kann die breite Masse ebenfalls beginnen, traditionelle Verhaltensweisen zu überdenken.

Nun, heute stehen 30 Hektar unter Reben und neben der Moderne finden sich auch wieder traditionelle Rebsorten. Besonders bekannt ist sie neben modernen Cuvées wie Beyond the Clouds für ihren Gewürztraminer.

Der Blauburgunder mit dem gar nicht so modern klingenden Namen Ludwig – ich habe einen 2002er geöffnet – stammt aus der Lage Pinzon oberhalb des Dorfes Montan, auf 650 Meter gelegen und nach Südwesten ausgerichtet. Der Pinot steht in nicht zu heißer Lage auf Schottererden mit Lehmanteil. Ausgebaut wurde in einem Drittel neuer und zwei Dritteln gebrauchter französischer Barriques.

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Der Wein wirkt schon beim Öffnen des an der Öffnung leicht angefaulten Korkens ein wenig alt und müde. Bräunlich, mit wenig Rotanteil liegt er im Glas, wirkt wenig frisch und die durchaus vorhandene bodenständige Würze wird überlagert von einer durchdringenden Säure. Das macht leider gar keinen großen Spaß mehr.

Da ich aber den Abend nicht mit einer solchen Pleite beenden wollte, habe ich dann noch eine Flasche Rhini von Hanspeter Ziereisen dekantiert. Ein Glas noch für den Samstagabend und für die müde Zunge und eigentlich probiert wird dann am Weinrallye-Sonntag.

Den Pinot habe ich übrigens mit einem vorzüglich abgehangenen Steak kombiniert. Dazu gab es frisch gemachte Tagliatelle. Eigentlich wollte ich nur einen Salat neben das Steak drapieren, aber dafür hatte ich zu großen Hunger. Der Clou war, dass ich in der Bratbutter nach dem Anbraten des Steaks etwas Tomatenkonzentrat vermischt habe mit etwas Portwein, Balsamico-Crème, Orangen- und Himbeersaft und einer Mischung aus rosa Pfeffer und Flocken von getrockneten Himbeeren und Erdbeeren.

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