Weinrallye 38: Underdog Scheurebe

Der Würtz war heute ganz schön früh unterwegs mit seinem Beitrag zur 38. Weinrallye und hat einen Beitrag verfasst, der den Nachfolgenden von der Pflicht entbindet, über die Herkunft jener Rebsorte, die heute Thema der Weinrallye ist, lang auszuschweifen. Dirk Würtz schreibt über Herkunft und Namensänderungen der Scheurebe und weist auf eine Besonderheit hin, die mir nicht präsent war, nämlich, dass es die einzige entnazifizierte Rebsorte im hiesigen Rebsortenspiegel ist.

Marquee, der in seinem Blog “allem Anfang…” über kulinarische Eskapaden berichtet, hat das heutige Thema postuliert und für mich war es keine Frage, mich für die trockene Heimersheimer Scheurebe 2009 von Axel Koehler zu entscheiden. Dort – Heimersheim gehört zu Alzey – liegt die Wiege dieser Züchtung, die ein gewisser Dr. Georg Scheu zu Anfang des 20. Jahrhunderts gekreuzt hat, wobei ein Elternteil dieser ziemlich erfolgreichen Neuzüchtung der Riesling ist. Der andere Elternteil dürfte eine bis dato unbekannte Wildrebensorte sein die wohl genau wie der Riesling aus dem Spektrum der Aromarebsorten stammen dürfte.

Die duftige, spätreifende Sorte wird häufig als der rheinhessische Sauvignon Blanc betitelt und es gibt glücklicher Weise immer mehr Winzer, die die Originalität und Qualität dieser Rebsorte für sich wiederentdecken, und dies nicht nur für den Bereich der Beeren- und Trockenbeerenauslesen sondern ebenso im trockenen Bereich. Ähnliches gilt auch für die Huxelrebe, die ebenfalls aus dem Kreuzungslabor des Dr. Scheu stammt.

Axel Koehlers Liebe gilt neben den anderen klassischen weißen, rheinhessischen Rebsorten Riesling, Weiß- und Grauburgunder und Silvaner eindeutig der Scheu. Er verzichtet bewusst auf den Anbau von Sauvignon Blanc und hält ihn für weitestgehend überflüssig in einem Landstrich der mit der Scheurebe doch so eine feine Spezialität als Alternative zu bieten hat. Ich gebe ihm weitestgehend Recht, auch wenn es durchaus einigen Sauvignons aus der Ecke gibt, die ich richtig gerne mag, finde ich es schlicht abwechslungsreicher, wenn der Fokus auf den Rebsorten liegt, die zur Region gehören.

Koehler macht ja erst seit wenigen Jahren seinen eigenen Wein auf dem familieneigenen Weingut, ich hatte es hier schon mal ausführlicher beschrieben, und sein 2009er Jahrgang ist vom Angebot her umfangreicher als die Jahrgänge davor, eine Neuerung ist eben jene Scheurebe als  Ortswein. Bisher gab es diese als Gutsweinqualität, und auch diese ist herrlich frisch und duftig. Der Wein wurde im Steingut und im alten Holzfass ausgebaut, spontanvergoren, wie alle Weine Axel Koehlers, dessen Betrieb zwar von keiner Bio-Institution zertifiziert wurde, in dessen Weinberge jedoch kein Gramm Chemie kommt. Koehler kommt der Idee des Naturweins sehr nahe, wer in seine Weinberge schaut sieht, was ich meine und andere Winzerkollegen mögen den Kopf schütteln darüber, wie Koehler arbeitet, wie wild die Hänge aussehen und wie wenig er scheinbar verändert. Dabei arbeitet Axel Koehler mit sehr viel Energie und Überzeugung daran, die Reben so stark und gesund wie möglich zu kriegen.

Zurück zum Wein. Dieser präsentiert sich in der Nase zurückhaltend. Das ist keine Aromenbombe wie man es vielleicht erwarten mag wenn man schon viel Sauvignons und Scheureben in der Nase hatte.Es sind eher leicht florale Noten und feine Frucht von Stachelbeeren und Johannisbeeren die ich hier finde. Zusammen mit ein wenig Süßholz und einem klaren Ausdruck des Bodens: Würze und Mineralik bestimmen den Wein stärker als irgendwelche Obstfrüchte. Da wird schnell klar, dass dieser Wein kein Schmeichler ist. Der Wein hat neben den feinen Aromen ordentlichen Biss, Salz und Extrakte – dabei aber trotzdem ein schöne Crèmigkeit.

Wie ich es von allen wilden Weinen des Axel Koehler kenne ist auch die Scheurebe ein Wein, der Luft und Zeit braucht. Ein langsamer Wein gewissermaßen. Einer, der eine gewisse Aufmerksamkeit einfordert. Einer, den ich immer dekantieren würde und der sich am zweiten Tag noch mal deutlich offener zeigt als am ersten. Und einer, der die Besonderheiten von Sorte und Boden schön zusammenführt.

Ach ja. Und der Begriff Underdog im Titel der Rallye mag richtig sein und die Scheurebe wird wahrscheinlich nie die Verbreitung finden, die der Sauvignon Blanc bereits hat. Aber die Scheurebe findet wieder merklich mehr Wertschätzung, so, wie es glücklicher Weise auch anderen, zwischenzeitlich geschmähten Sorten ergeht. Es gibt immer mehr Winzer, die sich mit Liebe und Verantwortung wieder den klassischen (bzw. schon fast als klassisch zu bezeichnenden neugezüchteten) Sorten widmen und nicht den gerade modernen Reben. Und es gibt wieder zunehmend mehr Publikum, welches diese Bemühungen honoriert. Und das ist ein guter Weg.

3 Kommentare

  1. Nimmt man die Gesamtanbaufläche als Indikator, so war es tatsächlich einmal so, dass die Scheurebe bei weitem mehr Bedeutung als der Sauvignon Blanc hatte. Und diese Zeiten sind gar nicht mal so lange her. Aber heute ist die Anbaufläche der Scheurebe nach wie vor rückläufig. Insofern vermag ich Deinen Optimismus zum Schluß nicht ganz zu teilen…

  2. Ja, was die Hektar, also die Gesamtanbaufläche angeht hast Du sicher Recht. Vielleicht ist es auch nur ein persönlicher Eindruck da ich so einige Winzer kenne – und auch Konsumenten – die zurückkehren zur Scheurebe. Und die Winzer sind ihre Abfüllungen immer schnell los.

    Also, ich arbeite jedenfalls gerne mit daran, dass es der Scheu nicht so ergeht wie dem Rieslaner. Denn den gab es auch mal trocken ausgebaut in gut. Ich wüsste aber niemanden mehr der das macht.

  3. Übrigens: Ich habe letzte Woche die neuen offiziellen Zahlen bekommen (erhoben 2009) und da ist es – wer hätte es gedacht – immer noch so, dass die Scheurebe um den Faktor 3 häufiger in Deutschland vertreten ist als der Sauvignon Blanc.

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