Miniatur Weinblogger-Treffen rund um eine Eselshaut

Kürzlich hatte ich endlich mal die Möglichkeit, Torsten (Allem Anfang…) und Matthias (chezmatze) zu treffen und wir hatten einen ausgesprochen kurzweiligen Abend mit einigen schönen Weinen. Auch wenn Torsten direkt um die Ecke in Köln wohnt hatte es bisher nie geklappt. Nun hat er uns zu Ehren eine Müller-Catoir 1994er Rieslaner Mussbacher Eselshaut Trockenbeerenauslese geöffnet.

Bevor ich jedoch zu dieser Essenz komme stehen noch einige Weine im Weg, die es zu probieren galt bevor der Nektar uns erwartete. Meine 2004er Riesling Spätlese* aus dem Bopparder Hamm Feuerlay von Florian Weingart war nicht unbedringt der Knüller an diesem Abend (ich habe ihn hier schon mal beschrieben und da hat er mir besser gefallen), genauso wenig der Pinot Kappelrodeck 2006 von der Hex vom Dasenstein. Spannender, freakiger auf jeden Fall kam der Riesling BRUCK 2008 von Veyder-Malberg daher. Ein geradezu störischer, karger Riesling von calvinistisch-strenger Schönheit, der im Laufe des Abends eine klare, mineralische Blüte entwickelte und für mich der erste und auch der letzte Wein des Abends war.

Von diesem Wein, den Matthias mitgebracht hatte, hatte ich bisher, ich muss es bekennen, nicht gehört. Das Weingut liegt in der Wachau und Peter Veyder-Malberg hat hier einige der steilsten, von der Aufgabe bedrohte Terrassen mit altem Rebbestand erworben um grünen Veltliner und Riesling anzubauen.

Peter Veyder-Malberg tummelt sich seit Anfang der Neunziger im Weingeschäft, nachdem er in der Werbung gearbeitet hat. Studiert hat er am Napa Valley College und in Wädenswill in der Schweiz, wurde in der Pine Ridge Winery, der Fattoria de Montemaggio und beim Schwarzen Adler ausgebildet und hat nicht zuletzt 14 Jahre lang als Betriebsleiter beim Grafen Hardegg im Weinviertel gearbeitet und die dortige Umstellung auf Biodynamie vollzogen.

Der Riesling aus der Lage »Bruck« stammt aus der Gemeinde Viessling, gilt in diesem Ort als die wärmste Lage und ist trotzdem eine der kühlsten und höchsten in der gesamten Wachau. Der Wein besitzt bei 8,1 Gramm Säure erstaunliche 6,7 Gramm Restzucker, die man vielleicht ein wenig in der etwas fruchtsüßlichen Nase erahnen kann. Am Gaumen jedoch verbindet sie sich vortrefflich mit der Säure und hebt sich mehr oder weniger gegenseitig auf. Es bleibt eine klare Mineralität, eine strenge Würze, eine feine Frucht und eine stimmige Balance.

Pinot Noir von der Mosel bleibt für mich ein Exot und liegt nicht unbedingt auf meiner Weinlandschaftskarte. Dass dort trotzdem gute Spätburgunder gemacht werden beweist Stefan Steinmetz aus Wehr. Wehr liegt dort, wo die gegenüberliegende Seite der Mosel schon luxemburgisch ist. Hier bestimmt der Muschekalk den Boden und die Bedeutung des Rieslings tritt hier hinter Bugundersorten und dem Elbling zurück.

Dies ist der erste Wein, den ich von Stefan Steinmetz probiert habe und ich werde ihn mal im Auge behalten. Denn, was ich gerade im im demokratischen Weinbuchso lese: Es soll bei ihm guten Elbling geben (ich dachte ja immer, das wäre ein Widerspruch in sich) und auch der Sekt hat wohl so einiges für sich. Der Spätburgunder 2008 muss sich in der Kategorie der Weine um die 10 Euro herumschlagen und dürfte es dort nicht einfach haben, sich zu behaupten. Er hat ne schöne Frucht und leichten Holzeinsatz, insgesamt wirkt das alles noch ein wenig vordergründig, stimmt aber hoffnungsfroh.

Einen feinen reinsortigen Cabernet Franc hat uns Matthias mit der Cuvée du Clos du Chêne Vert von Charles Joguet mitgebracht. Dieser Chinon aus Monopollage, dessen durchtränkter Korken Schlimmes erahnen ließ war hervorragend in Form. Keine Spur von Kork oder Muff. Stattdessen Chinon par excellence. Joguet gehört eindeutig zu den Qualitäts-Vorreitern im Chinon, gehörte mit zu denen ersten, die in den Sechzigern und Siebzigern ihre eigenen Weine auf den Markt gebracht haben, alles andere war damals Fassverkauf. Er hat Erträge reduziert und begonnen, von Hand zu ernten, ja, er hat sogar einen Rebhang mit wurzelechten Reben bestückt.

Im Glas bot sich eine Balance aus reifen dunklen Früchten und Holz, Tertiäraromen von Leder und etwas Sandelholz. Ich hätte diesen Duft den ganzen Abend weiter inhalieren können. Am Gaumen ebenfalls die dunklen Früchte, schwarze Johannisbeere, Brombeeren aber im Besonderen, etwas schwarze Kirsche rundet ab, dazu wieder feiner Holzeinsatz, Paprika, Tomatenessenz, etwas Salmiak. Hinten raus vielleicht ein klein wenig kurz, aber das trübt das Gesamtbild kaum.

Einen 2000er Clos de Vougeot Grand Cru von Jacques Prieur hat man nun auch nicht alle Tage im Glas. Dieser Abend hatte es in sich auf dem Weg zur Rieslaner TBA. Als steinig kann man diesen Pfad kaum bezeichnen. Den Stein schmeckte man höchstens in diesem Burgunder. Den Stein, die Frucht, die Kräuter.

Die Domaine Jacques Prieur, zur Hälfte im Besitz des Handelshauses Antonin Rodet, besitzt 20.68 Hektar Primeur und Grand Cru sowie Monopol-Lagen im Burgund und gehört damit zu den Domainen mit der größten Range an Spitzenweinen.

Auf Burgund wäre ich bei diesem Wein nicht gekommen, den Wein hat Torsten uns verdeckt eingeschenkt. Matthias lag mit deutschem Spätburgunder ebenso daneben wie ich mit kalifornischem Pinot. Mich hat die Wucht, die Kraft in der Nase überrascht und erinnerte mich durchaus an manchen Russian River Pinot. Genauso aber fiel mir die 15.5%-Alkoholbombe des 2003er Spätburgunder von Künstler wieder ein, die wir kürzlich in der Bonner Weinrunde dabei hatten.

Erstaunlich, dass der 2000er Vougeot dann nur moderate 13% in sich trug und doch so massiv wirkte, mit einem etwas brandigen Abgang. Darüber hinaus jedoch barg dieser Wein eine große Strahlkraft und Finesse. Frisch, kräftig, mit viel Pfeffer, roten und dunklen Früchten, feiner Kräuterwürze und Minzaromatik und einer feinen Länge. Schönes Burgund!

Ach ja, und dann die Mussbacher Eselshaut. Die kleine Flasche wirkt wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Nicht, dass es das Weingut Müller-Catoir nicht mehr gibt, nein, das steht weiter mit in der Spitze der Pfalz und produziert bemerkenswerte Rieslinge und, ja, nicht zuletzt edelsüße Rieslaner. Nur aus der Lage Mussbacher Eselshaut gibt es keinen mehr, nur aus dem Herzog und Schlössel.

Wer aus Deutschland nur Beerenauslesen vom Riesling oder vielleicht Huxelrebe kennt wird überrrascht sein, Rieslaner hat eine ordentliche Säure zu bieten. Diese Neuzüchtung von 1921 (Silvaner x Riesling) führt mit nicht mal 90 Hektar ein Schattendasein, mehr noch als Scheu- und Huxelrebe. Was Schade ist, im edelsüssen Bereiche hat sie große Qualitäten, ich habe aber auch schon gute trockene Weine getrunken. Ich weiss allerdings nicht, ob überhaupt noch ein Winzer trockene Rieslaner ausbaut.

Man sieht es an der Farbe, dieser Wein hat ein paar Jahre auf dem Buckel, er hat schon in den ersten Jahren eine tief orangene Farbe besessen und genau so tief nach vollreifen Aprikosen geduftet haben, sagt Torsten. Nun befindet er sich auf dem Weg zum gereiften Wein, die Aprikose steht als Frucht immer noch deutlich im Vordergrund, jetzt aber eher als kandiertes Trockenobst. Hinzu kommt der Sud schwarzen Tees und der Duft in Zucker eingelegter Quitten. Der Wein ist herrlich stoffig im Mund. Dicht, mit viel Fruchtsüße und ganz präsenter, druckvoller Säure. Das ist hervorragend, die Säure hält die Frucht so schön im Zaum, dass der 94er immer noch zu vibrieren scheint. Im Nachhall dieser Fruchtexplosion kann man sich dann durchaus verlieren.

3 Kommentare

  1. Hallo Christoph,

    habe es gerade aus (fast) erster Hand erfahren: Es gibt in Franken noch ein paar trockene Rieslaner. Der Marienhof in Volkach (das Gut der ehemaligen deutschen Weinkönigin) hat einen im Programm: http://www.dumbsky-marienhof.de. Der ist zwar trocken, aber doch ein bisschen mit Restsüße abgepuffert, ähnliche analytische Werte wie der Bruck. Die Trockenen Schmitts sollen auch einen machen (dementsprechend furztrocken), auch wenn in ihrem Weinshop keiner drinsteht: http://www.weingut-robert-schmitt.de. Das sind natürlich nicht die einzigen, aber viele scheint es in der Tat nicht mehr zu geben…

    Viele Grüße, Matze

  2. Kleine Ergänzung zum Spätburgunder von Steinmetz: Der hat in der offenen Flasche (Kühlschrank a. o. Vacuvin o. Ä.) noch eine sehr schöne Entwicklung hingelegt und deutlich an Tiefe und Komplexität gewonnen. War auch nach drei Tagen immer noch nicht am Ende.

  3. Pingback: Liaison Crémant, Stephan Steinmetz, Mosel » originalverkorkt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.