Weinrallye No. 44: Brise Cailloux vs. La Pierre Noire

Heute ist Weinrallye und ich freue mich sehr über das positive Feedback, dass die Themenauswahl hervorgerufen hat. Die Weine und Winzer der Rhône sind das Thema und allein in der Facebook-Gruppe gibt es schon 30 Zusagen. Wir werden das Thema heute also von vielen, auch ungewöhnlichen Seiten aus beleuchten können.

Ich für meinen Teil möchte zwei Weine der Nord- und der Südrhône gegenüberstellen. Es sind zwei Weine, die man nicht mal so eben aufmacht. Das sind eher Tropfen, die bewusst genossen werden wollen, zum Osterfest, mit Wein-Freunden oder zu anderen besonderen Anlässen wie beispielsweise einer Weinrallye.

Mit den Weinen möchte ich zwei Winzer vorstellen, die mit ihrer Arbeit und ihren Lagen jeweils zur Gebietsspitze gehören. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nach den Ideen der Biodynamie wirtschaften. Der Stil ihrer Weine allerdings könnte kaum unterschiedlicher sein, was nicht zuletzt den so unterschiedlichen Bedingungen geschuldet ist, die es an Nord- und Südrhône gibt und Vergleiche zwischen den beiden Gebieten kaum sinnvoll erscheinen lassen.

Ähnlich der Weinrallye ist der Aufmacher der aktuellen Revue du Vin de France die Rhône: In diesem Fall die Nordrhône und ihre Syrah. Wer zum Artikel blättert, stößt auf eine großformatige Abbildung des Weines, den ich hier präsentieren möchte. Es ist die 2008er Ausgabe des Brise Cailloux. Ein Wein der Domaine du Coulet von Matthieu Barret. Dessen No Wines Land hatte ich als Einstimmung auf die Rallye kürzlich schon vorgestellt.

© Vinaturel: Steillagen im Cornas

Matthieu Barret besitzt insgesamt 12,9 Hektar Lagen, deren Filetstücke, die Lieux-dits »Les Mazards«, »Les Reynards«, »Les Arlettes«, »Les Eygas« und »Pieds la vigne« alle samt im Cornas liegen. Die Appellation Cornas wird selbst in der Revue du Vin de France als Aussenseiter gegenüber Côte-Rôtie und Hermitage betitelt. Auch wenn sie vor langer Zeit einmal Weltruf genossen hat und zu den ältesten Weinregionen Frankreichs zählen dürfte, wurde das Gebiet, deren heutiger Namne aus dem Keltischen stammen dürfte und so viel wie »verbrannte Erde« bedeutet, schon vor über 2.000 Jahren erwähnt. Übrigens soll auch Karl der Große schon vor Ort einen Wohl auf die Winzer ausgesprochen haben und bis ins 19. Jahrhundert hinein stand Cornas, was den Ruf betrifft neben Châteauneu-du-Pape.

© Vinaturel: Betonei trifft Eichenfässer

Lange Zeit wurden auf den steilen, terrassierten Hanglagen mit den für die Nordrhône so typischen Granit- und Kalksteinböden keine oder ausgesprochen wenige Weine von internationalem Rang hergestellt, die Appellation ist klein (550 ha), nur um die 100 Hektar werden überhaupt bearbeitet. Mittlerweile aber finden diese urwüchsigen Gewächse wieder immer mehr Liebhaber und auch die Qualität der kleinen Handvoll Winzer steigt stetig. Der Arbeitsaufwand kann mit dem verglichen werden, der die Steillagenwinzer an der Mosel jährlich erwartet, entsprechend wenige Winzer unterziehen sich der Tortur, finden sich doch zu Füßen des Cornas in der Ebene Lagen, die viel einfacher zu bearbeiten sind – auch wenn die Qualität entsprechend geringer ist.

Matthieu Barret jedenfalls hat sich 1999 dazu entschieden, sein Dutzend Hektar im Cornas zu erwerben, 2001 hat er auf Biodynamie umgestellt. Die Erträge seiner Lagen liegen teils unter 17 hl/ha, entsprechend dicht sind die Weine.

© Vinaturel: Matthieu Barret

Der Cornas Brise Cailloux stammt je zur Hälfte von den Einzellagen »Les Arlettes« und »Les Mazards«. Aus der ersten Lagen stammen die jüngeren Reben (7-20 Jahre alt), der Syrah aus »Les Mazards« ist älter. Der Wein wird zu 70% entrappt, 30% wird mit Stiel vergoren, die Weine werden 12 Monate lang zur Hälfte in Eiche, zur Hälfte im Betonei vergoren. Was heraus kommt ist Nordrhône, ja Cornas pur. Wir sprechen von einem 2008er Brise Cailloux, der eigentlich noch zu jung ist und sich noch entsprechend wild und ruppig gebärdet. Schweißige Lederaromen und ein Korb voller Gewürze bestimmen die Nase, speziell Nelkenaromen treten hervor. Je länger der Wein sich öffnen kann desto feiner und kräutriger wird die Nase. Im Geschmack findet sich zunächst wenig Frucht, viel mehr schwarze Schokolade, wiederum Nelken und andere orientalische Gewürze. Sollte der Name der Traubensorte tatsächlich vom Namen der persischen Stadt Shiraz abstammen kann man das hier nachvollziehen.

Die Tannine sind, ich erwähnte es, noch ein wenig ruppig, zu jung ist der Wein eigentlich, langsam, ganz langsam mischt sich saure Kirsche und rote Johannisbeere in das Geschmacksbild. Dies ist ein Terroirwein par excellence und ein Highlight für Syrah-Freunde, würde ich behaupten. So ungeschminkt Schöne findet man diese Sorte selten. Besonders beeindruckend bei all der Dichte und Kraft ist, dass der Wein dies bei lediglich 12,1% (!)Alkoholgehalt schafft. Ach ja, die erwähnte Revue du Vin de France hat diesen Wein auf den ersten Platz der probierten Cornasweine gesetzt.

Barret vs. Gimel

In der gleichen Preisklasse – zwischen 25 und 30 Euro – liegt der SJB5, seit kurzem La Pierre Noire genannt. Dieser Wein verkörpert den Süden der Rhône wie es der Cornas für den Norden schafft. Hier ist alles üppiger, weicher, wärmer, auch alkoholreicher. Ich habe schon lange keinen Wein der Südrhône mehr so genossen wie dieses Monument aus dem Ventoux. Streng genommen gehört die Appellation zur Provence, liegt aber so dicht, auch stilistisch, am Châteauneuf du Pape, dass man den Wein nur so vergleichen kann.

Wir haben 85 % hochreifen Grenache im Glas, gemeinsam vergoren mit 15 % Syrah. Ähnlich wie bei Barret ist die Ertragsmenge extrem gering, sie liegt bei lediglich 15 hl/ha. Dass man dabei Weine von Weltklasse überhaupt für 25 Euro im Verkauf herstellen kann ist erstaunlich. Philippe Gimel schafft es trotzdem. Dieser zurückhaltende Winzer, den ich kürzlich bei der Prowein treffen konnte, hat ein Talent wie wenige, er ist leise und doch voller Enthusiasmus, er ist absolut überzeugt von dem was er tut und überzeugend in der Art, wie er es vermittelt. Gelernt hat er unter anderem im Châteauneuf bei Beaucastel und dessen Weinmacher Claude Gouam hat ihn auch überzeugt, die 15 ha Lagen unterhalb des Mont Ventoux zu erwerben. Dieser Berg spielt eine wichtige Rolle im Mikroklima seiner Lagen, ebenso der Mistral, der hier 100 Tage im Jahr weht. Der Untergrund der Weinberge changiert zwischen rotem, gelbem, blauem und grauem Lehm, der Wasserabfluss ist hervorragend, der Lehm speichert immer genügend Feuchtigkeit.

Wie schon erwähnt wird hier bei Saint Jean du Barroux Biodynamie betrieben, ausgebracht wird zwei Jahre alter Schafdung und zerschredderte Reben, die Erde ruht regelmäßig für ein halbes Jahr, dann wird einmal gepflügt, den Rest regelt die Natur. In den Weinbergen wurden einmal 200 Pflanzenarten gezählt.

Der SJB5, wie auch seine anderen Weine werden in Beton-, Emailletanks und in alten Eichenfässern ausgebaut. In den ersten Jahren ist der Wein ruppig, nicht zuletzt verdankt er das der Tatsache, dass er kaum entrappt wird. Jetzt aber im Alter von (nur) fünf Jahren zeigt sich der Wein schon fein und elegant. Es ist eine Freude, ihn zu trinken. Aus dem Glas strömt Fruchtsüße und etwas, was mich an Salbenbasis erinnert. Nach kurzer Zeit öffnet sich der Wein und eine pfeffrige Würze mischt sich zu den fetten, reifen Früchten. Im Geschmack wirken die Früchte fort, verbunden mit Schokolade und Mokka, die Alkoholsüße der 14.5% findet man am hinteren Gaumen, das ist vielleicht noch der Jugendlichkeit geschuldet. Beeindruckend ist die mineralische Kühle, die Frische, die Säurestruktur, die Elganz und der wirkliche lange Abgang.

© Philippe Gimel: Gimel in seinem Fasskeller

Im Gegensatz zum Syrahpurismus des Brise Cailloux ist hier alles im Übermaß vorhanden, das ist Romanik versus Barock. Das ist beides Rhône, das ist beides voller Leben und das ist genau das, was ich an diesen beiden Gebieten mag.

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