Wein aus Amphoren: Die Teroldego »Morei« und »Sgarzon« 2009 von Elisabetta Foradori

Es gibt wenige Weine, die mich auf der Prowein 2011 tiefer beeindruckt hätten als die beiden Teroldegos Morei und Sgarzon.

Dass ich ein Fan der Weine von Elisabetta Foradori bin, ist kein Geheimnis, ich schreibe gerne über ihre Weine. Der klassiche Teroldego und der Granato sind schon Klassen für sich in ihren Preissegmenten, jetzt ist Elisabetta Foradori jedoch noch einen Schritt weiter gegangen. Sie hat neben einem Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Nosiola  – leider konnte ich ihn nicht mehr probieren – zwei Teroldegos auf Flasche gezogen, die schon jetzt, in ihrer Jugend eine große Faszination ausüben, so geschmeidig, charaktervoll, subtil und elegant wirken sie.

Diese Weine wurden acht Monate lang in Amphoren ausgebaut. Es gibt viele Diskussionen über diese Form des Ausbaus und ich für mich selber kann sagen, dass ich der Idee eher skeptisch gegenüber stand, bisher, diese beiden Weine haben mir zunächst jedoch einmal gezeigt, dass durchaus große Weine entstehen können.

Foradoris 400 Liter-Amphoren werden handgefertigt und wurden nicht, wie sonst eher üblich, in der Erde versenkt, sie stehen frei. Sie wurden mit 350 kg leicht angequetschtem Traubengut gefüllt. Während der Spontangeährung werden die Gefäße lediglich mit Tüchern abgedeckt, der Maischekuchen wurde täglich von Hand untergetaucht. Nach Abschluss der Gährung wurden die Amphoren dann verschlossen und der Wein blieb mit seinen Schalen für acht Monate in den Amphoren.

Für Foradori war es zunächst ein Wagnis und eine Herausforderung, mit Amphoren zu arbeiten. Sie hat vor sieben Jahren damit begonnen, zum gleichen Zeitpunkt, als sie die Arbeit in den Weinbergen auf Biodynamie ungestellt hat. Damals, so sagt sie, war die Qualität des Traubenmaterials noch nicht so gut, dass der Amphorenausbau stabil funktioniert hätte, heute sei das etwas anderes. Trotzdem müssen die Selektion und die Sauberkeit im Keller noch strikter sein als eh schon, die Arbeit mit den Amphoren sei subtiler.

So subtil, wie die Weine selbst, würde ich sagen. Die beiden Weine stehen sich da in nichts nach, tragen jedoch einen ganz eigenen Charakter in sich. Der Sgarzon, im Dialekt des Campo Rotaliano bedeutet dies so viel wie Austrieb, stammt aus der namensgleichen Einzellage. Das Klima ist kühler als beim Morei, entsprechend mischt sich eine Kühle und deutlichere Säure in das Bild als beim dunkleren, dichteren Morei, was im Dialekt dunkel bedeutet. Beiden fehlt das Holz, das man vom Granato gewohnt ist kein bisschen. Beide wirken jugendlich frisch. Und ich bin sehr gespannt, wie sich diese Weine entwickeln werden.

 

6 Kommentare

  1. Hört sich sehr interessant an. Hast Du ungefähr eine Vorstellung davon, wieviel diese beiden Schätzchen kosten könnten? Und wo es sie gibt? Bin ja selbst kein großer Esoteriker, aber Experimente dieser Art von überzeugten Leuten, die auch wirklich Wein machen können, haben uns schon immer weitergebracht.

  2. Da die Mengen ausgesprochen begrenzt sind, werden die Weine wohl kaum in den freien Verkauf gelangen.

  3. Bin auch ein Fan der Weine der charmanten Elisabetta. Es geht nix über einen gereiften Granato zu Wildhasenrücken mit weisser Pfeffersauce. Bei Amphorenweinen habe ich so meine mentalen Reserven, ich habe noch nie einen mich wirklich überzeugenden getrunken. Es waren bisher aber nur Weissweine (Pinot Grigio und Cuvees wie Gravners Breg im Friaul und Soave im Veneto). Die waren oxidativ, geschmacklich unsauber und sauteuer. Aber vielleicht kann Elisabetta es besser als ihre männlichen Kollegen? Teroldego kann man ja auch kaum umbringen 😉

  4. Der Weiße von Foradori ist übrigens ein reinsortiger Nosiola. Ich bin mal gespannt darauf, ich habe ihn noch nicht probiert, man sagte mir aber, der Wein wäre hervorragend.

    Elisabetta Foradori meint, sie hätte einige Jahre gebraucht um den eigentlich so robusten Teroldego so in die Amphore zu kriegen, dass er stabil und fein wird. Sie begründet dies mit der Entwicklung, die die Rebstöcke im Zuge der Biodynamie genommen haben.

  5. Hab gerade zufällig blind ein 1996er Sgarzon ins Glas bekommen. Kaum Alterunserscheinung und Röst/Kaffee Noten ohne Ende. Aber irgendwie charmant …

  6. Pingback: Quo vadis Amphore: 2010 Vigneti Trebbio / Toskana IGT | Drunkenmonday Wein Blog

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