Bor­deaux zwi­schen Vino­camp und Vin­Expo, 7 – Gar­ten­party mit Fazit

Wei­ter also an den St. Emi­lion- und Pome­rol-Schlös­sern vor­bei ins Entre-deux-Mers, wo wir abends zu einer Gar­ten­party bei André Lur­ton ein­ge­la­den sind, jenem Kon­zern­chef, nen­nen wir ihn mal so, der aus einem klei­nen Unter­neh­men ein gro­ßes gemacht hat, der den rich­ti­gen Rie­cher hatte, die wei­ßen Entre-deux-Mers in den 60ern euro­pa­weit bekannt zu machen und zur Mode wer­den zu las­sen und dann sein Geld in ver­schie­dene Wein­gü­ter vor den Toren Bor­deaux inves­tiert hat um der Stadt und ihren vor­ge­la­ger­ten Bereich die Wein­berge abzu­trot­zen und eine neue Appel­la­tion zu grün­den. André Lur­ton ist so zu sagen Mr. Pes­sac-Leo­gnan und man muss ihm das hoch anrech­nen, denn ohne ihn wären diese alten Wein­bau­ge­biete wohl heute Wohn­blocks und Gewer­be­flä­chen gewi­chen.

Vor­bei an L’Evangile Rich­tung Châ­teau Bon­net

 

Lur­tons Weine kennt jeder, der schon mal bei Jac­ques vor­bei­schaut, gefühlt stammt jeder zweite Bor­deaux dort von ihm. Und es sind locker 500.000 Fla­schen, die er hier so jähr­lich ver­ti­ckert. Seine Fami­lie, ob Söhne oder Nef­fen besit­zen nicht nur wei­tere Güter im Bor­deaux, son­dern haben sich auch über Spa­nien, Chile und Argen­ti­nien ver­teilt. Eine ganze Wein­dy­nas­tie also.

Châ­teau Bon­net

 

Der alte Herr jeden­falls ist mit sei­nen 87 Jah­ren noch ziem­lich fit und posiert gerne vor sei­ner Samm­lung alter Autos, unter ande­rem Mili­ta­ria, was die vor Ort wei­len­den Chi­ne­sen anspricht. Über­haupt fin­den sich auf der Vin­expo und drum herum deut­lich mehr Asia­ten ein als auf der Pro­wein. Was nicht ver­wun­dert. Der Wein ist ein­fach ange­sag­ter als deut­scher Weiß­wein. Und auch wenn beide Mes­sen inter­na­tio­nal sind zieht der Name der Stadt und des Anbau­ge­bie­tes deut­lich stär­ker. Bemer­kens­wert fand ich, wie selbst kleine Erzeu­ger dar­auf reagie­ren und teil­weise schon mit chi­ne­si­sch-spra­chi­gen Mit­ar­bei­tern auf­war­ten kön­nen um ihre Weine mög­lichst bar­rie­re­frei feil­bie­ten zu kön­nen.

André Lur­ton mit Gast vor his­to­ri­schen Mili­ta­ria

Die Reise geht zu Ende. Bleibt noch ein Fazit: Es war das erste Mal, dass ich auf Ein­la­dung und fremde Rech­nung eine Reise in ein Wein­bau­ge­biet unter­nom­men habe. Die Ent­schei­dung, mich dafür zu bewer­ben, par­al­lel zum Vino­camp für den Bor­deaux­ver­band als Spon­sor des Vino­camps von der Vin­expo und rund­herum zu berich­ten, habe ich mir wohl über­legt. Denn bis­her war ich hier auf mei­nem Blog ganz unab­hän­gig, nun war ich Teil einer PR-Maß­nahme und ich war durch­aus etwas miss­traui­sch zu Beginn. Dass dies ein nicht unwich­ti­ges Thema ist hat sich wohl auch beim Vino­camp gezeigt und ist im Netz in der letz­ten Woche als Thema wei­ter­ge­führt wor­den, siehe die Dis­kus­sion bei Tho­mas Lip­pert und bei Michael Pleit­gen.  In die­sem Fall war das Miss­trauen jedoch unbe­grün­det – nicht zuletzt, weil es kom­plett trans­pa­rent war und ich in dem, was ich geschrie­ben habe kom­plett unab­hän­gig war – und das ist ja auch für die Ein­la­den­den durch­aus ein Risiko, denn sie kann­ten mich nicht.


Bei der letz­ten Ver­kos­tung. Foto © Chris­tian Rie­del

Mich für diese Reise zu ent­schei­den war gleich­zei­tig auch eine Chance, näm­lich die, an Orte zu kom­men, wo ich nor­ma­ler­weise nicht so schnell Zugang finde. Ich habe dies nicht bereut, denn ich bin aus­ge­spro­chen freund­lich emp­fan­gen wor­den und die Reise war sehr gut orga­ni­siert, es hat ein­fach gro­ßen Spaß gemacht, das ist in der Arti­kel­reihe wahr­schein­lich klar gewor­den. Es sind immer die Men­schen und die Geschich­ten vor Ort, über die es sich zu schrei­ben lohnt. Das ich das tun konnte, fand ich sehr befrie­di­gend. Das ich alle Frei­hei­ten sei­tens des C.I.V.B. hatte fand ich eben­falls aus­ge­spro­chen ange­nehm und mir bleibt, herz­lich zu dan­ken.

Nun hat mich das Vino­camp 2011 nach Bor­deaux gebracht, also freue ich mich auf’s nächste Vino­camp, wo ich dann hof­fent­lich mit dabei sein werde.

 

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3 Kommentare

  1. Ein­fach nur toll, die Reihe von Dir in Bor­deaux! Ganz große Klasse. Aber was ich ver­misse: ein Foto von Dir 🙂

  2. Christoph

    Danke sehr! Meinst du, ich sollte ein Foto von mir mit dazu packen? Ich steh da ja nicht so drauf. Aber ich habe zwei von der Reise. Ich schau mal.

  3. Pingback: Fünf Fragen an Christoph Raffelt (@overkorkt) | Blog | Bordeaux Wein

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