Pineau d’Aunis und Côt. Zwei Unbekannte von der Loire

Ich kann es nur immer wieder gebetsmühlenhaft wiederholen: Das Anbaugebiet Loire ist nicht nur ein beeindruckend schöner Landstrich, hier werden auch fantastische Weine produziert und die Vielfalt ist groß. Leider wird das in Deutschland kaum wahrgenommen. Die meisten stolpern irgendwann mal über eine Flasche Sauvignon Blanc aus der Tourraine oder über eine Flasche Schaumwein von Bouvet-Ladubay.

Foto ©: Domaine Bellivière, Danièle & Remi Loisel – Studio Amarante

Dabei ist die Chenin-Blanc-Traube dort fast so vielseitig und komplex wie der Riesling hier, Sancerre und Pouilly-Fumé können brillant sein, ebenso einige ausgewählte Muscadets, was hier aber kaum bekannt ist, ist die mögliche Güte der Rotweine. Neben dem vorherrschenden Cabernet Franc, ich habe hier mal einige zusammengestellt, gibt es jedoch noch ein paar andere Rebsorten, die wirklich selten sind und auch Profis eher selten unterkommen. Eine Sorte ist der Grolleau, dazu werde ich mal was Eigenes schreiben, eine weitere ist der Côt, was allerdings nur eine regionale Bezeichnung für den Malbec ist. Insgesamt findet man Malbec ja nicht mehr allzu häufig in Frankreich, Argentinien ist mittlerweile hautsächlich bekannt für den Anbau dieser Sorte, an der Loire kommt der Wein ganz selten vor. Als ich dann sah, dass Xavier Weisskopf, der sich eigentlich auf Chenin Blanc spezialisiert hat, sich auch dieses Nischenprodukts angenommen hat, war ich gespannt. Weisskopf ist einer der spannenden Nachwuchswinzer aus der Region, der nach eigener Aussage im Geiste eines Jacky Blot und François Chidaine arbeitet. Er besitzt 13 Hektar Weinberge, einen Teil in der AC Tourraine, einen anderen, nämlich den mit Chenin Blanc, in der AC Montlouis. Wer die Appellation nicht kennt – macht nichts, da kamen in den letzten Jahrzehnten keine bemerkenswerten Weine her. Allerdings ändert sich das rapide, seit Chidaine und Blot und die Revue du Vin de France der Meinung sind, dass dies momentan eine der spannendsten Entdeckerregionen ist. Weisskopf, der eigentlich aus dem Norden stammt, wo keinerlei Wein angebaut wird, und erst seit Beginn des Studiums in Chablis dem Wein verfiel, hat im Burgund dann auch Weinbau studiert und an der Rhône im bekannten Gut St. Cosme gelernt, bevor er sich seinen eigenen Weinberg gesucht hat.

Der Côt Vieille Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes stammt von Rebstöcken, die zwischen 65 und 120 Jahre alt sind und einen entsprechend geringen Ertrag von 25 hl/ha erwirtschaften. Die Reben werden einer Maceration Carbonique unterzogen und kommen dann in den Bottich, um einen biologischen Säureabbau zu vollziehen. Danach kommt der Wein noch drei Monate auf die Flasche, bevor er verkauft wird. Es ist also ein Jungwein, den wir hier im Glas haben, einer, der nicht für die lange Lagerung gedacht ist. Das ist gut zu wissen; denn wenn ich eine Flasche mit einem Wein von alten Reben in der Hand habe, gehe ich von einem lagerbaren Wein aus, der tendenziell nach zwei Jahren Lagerung noch zu jung ist. Außerdem erklärt die Kohlensäuremaischegärung auch die expressiven Fruchtnoten in der Nase, Himbeere, Pflaume, etwas Kirsche, leicht kompottig. All das wirkt verführerisch, kann diesen Versuch der Verführung jedoch am Gaumen nicht umsetzen, wie so oft bei Weinen, die diese Art der Gärung durchlaufen haben. Hier wirkt der Wein nicht frisch genug, das Kompott dominiert, dazu kommt eine nicht ganz passende Säure und die Tannine wirken ein wenig stumpf.

Klarer und präziser dagegen wirkt der Pineau d’Aunis Rouge-Gorge 2009. Dieser Wein stammt von der Domaine de Bellivière aus der Appellation Coteaux du Loir, einem Nebenfluss der Loire, deren Gebiet lediglich 75 Hektar umfasst. Eric Nicolas, der Eigner, ist eigentlich ebenfalls Spezialist für Chenin Blanc und macht insgesamt acht Weine aus dieser Rebsorte, vier aus den weißen Coteaux de Loir, vier aus dem Gebiet Jasnières. Für seinen roten Wein baut er eine wirklich seltene Sorte an, die gerade noch auf unter 500 Hektar Gesamtfläche angebaut wird. Der Pineau d’Aunis, der seinen Namen von einer Abtei herleitet, in deren Gärten diese Traube möglicherweise durch Zufallsmutation entstanden ist, wird manchmal auch Chenin Noir genannt. Die Herkunft ist nicht eindeutig, doch wird angenommen, dass zumindest ein Elternteil dieser Rebe der Chenin Blanc ist. Der Wein riecht so, wie ich es erhofft habe: wild und markant. Etwas Himbeere und Kirschen verbinden sich mit leicht medizinischen Jodtönen, Rauch kommt hinzu und Trockenkräuter und Gewürze. Das ist so ein bisschen wie frische Frucht in altem Gemäuer, wobei das Gemäuer trocken ist, nicht modrig. Am Gaumen hat der Wein eine tolle Frucht, wirkt straff, mit angenehmer, durchaus prägnanter, aber nicht störender Säure, mit weichen Tanninen bei mittlerem Körper. Der Wein ist absolut trocken, da findet sich keine Fruchtsüße wie beispielsweise beim Côt. Nicolas, der seine Rebhänge auf biodynamische Wirtschaftsweise umstellt, hat hier einen Ertrag von ebenfalls 25 hl/ha aus dem Weinberg geholt. Das ist gute, konzentrierte Qualität mit klarem, eigenen Charakter, nicht fein, eher robust, doch sehr befriedigend. Der Wein ist mit € 19,- zwar jetzt auch nicht günstig, aber wann trinkt man schon mal Chenin Noir?

Übrigens gibt es englischsprachig zwei hervorragende Seiten über die Loire. Chris Kissack schreibt beängstigend viel auf der Seite des WineDoctor. Dazu kommt ein großer Fundus in Jims Loire Blog.

Den Côt Vieilles Vignes 2009 der Domaine Le Rocher des Violettes gibt es bei Karl Kerler für € 12,-, den Rouge-Gorge 2009 der Domaine de Bellivière gab es im Rahmen einer Aktion des Weinbund Berlin für         € 19,-, ich denke, erhältlich über Hardy Weine.

9 Kommentare

  1. Dem kann ich nur vollinhaltlich zustimmen. Leider wird der Loire viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Auch der ‘Les Rosiers’ von Eric Nicolas oder der ‘Les Demoiselles’ von Dominique Barbous sind tolle Tropfen die jederzeit einen Versuch wert sind.

  2. Ja, da kann ich auch nur zustimmen. Barbous steht hinter der Domaine des Corbillières, nicht wahr?

  3. @Christoph: Ja, das tut er. Absolut geile Weine für wirklich wenig Geld. Dafür mit unvergleichlicher Regionalität und Eigenständigkeit. Echte Weinerlebnisse.

  4. Andréas

    Auch auf die Gefahr der Wiederholung. Gott-sei-dank hält hier jemand die Loire und die Rebsorte Chenin hoch (Romoratin kennen noch weniger!). Übrigens auch Franzosen kennen ihre Loire und die Weine kaum (die Chateaus eben!). Bin ein absoluter Fan von Mont-Louis, viele versuchen sich in Bio – sehr gut. Leider hat uns Stephane Cossais verlassen.

  5. Ich hatte unlängst auch Weine von Weisskopf im Glas und war auch eher enttäuscht. Die Tatsache mit Bio und seine Vergangenheit mit Burgund und St Cosme haben mich interessiert. Aber wenn ich so Recht überlege, dann mag ich die St.Cosme Weine eher auch nicht.

    Pineau d’Aunis und Cot und auch die Romorantin sind dann doch eher auch Rebsorten für Freaks, die tief in der Loirematerie drinstecken.

    Wenn die es dann nach Deutschland schaffen, dann werden die Weine meistens total überteuert angeboten und das wird dann mit dem Exotenstatus begründet oder ist der Tatsache geschuldet, dass es den Wein nur hier oder dort zu kaufen gibt – so quasi exklusiv für Deutschland.

    Ich kann nur jedem raten an die Loire zu fahren und sich dort durch zu probieren und dann einzudecken, wenn man auf der Suche nach Exoten ist.

    Grüße Jens

  6. Hallo Christoph,

    schöner Bericht – und ein Fokus auf ein wirklich entdeckenswertes Freak-Gebiet (jaja Jens, wir finden uns auch überall!) – versuch mal, an die Domaine Les Maisons Rouges heranzukommen – im Hachette schon ab und an mal gelobt, auch biozertifiziert.

    Ich war mal vor Ort, eine tolle Verkostung und absolut liebe Menschen mit sehr guten Chenin Blancs wie auch sehr gute Roten – aus aus Pinot d´ Aunis, sehr gute Qualität für zivile Preise.

    Wenn ich nicht so viel mit dem Priorat machen würde, wäre das auch ein lohnenswertes Feld für mich als Schatzsucher… – im nächsten Leben vielleicht.

    Komm mal auf ein paar Weine mit dem Matze und dem Jens nach Bernburg in den wilden Osten, wir haben da sicher viel Spaß.

    Beste Grüße

    Torsten

  7. Bewusst einen reinsortigen Pineau d’Aunis habe ich bislang nur in zwei mäßig interessanten Rosé-Varianten getrunken. Ich hatte Eric Nicolas und seine Frau mal auf einer Messe getroffen, wo sie alle Weißweine vorgestellt haben – aber leider nicht den Roten.

    Was die Kohlensäuremaischung anbelangt, bin ich ehrlich gesagt zunehmend auch eher skeptisch. Vor allem, seitdem ich mitbekommen habe, wie gut z.B. die Beaujolais werden können, wenn man den Gamay traditionell vinifiziert. Aber okay, ich bin halt auch jemand, der bewusst auf die harmonische Reife im Rotwein warten möchte und die Fläschchen so lange im Keller vergisst.

    Aus Thailand habe ich übrigens einen fürchterlichen Loire-Piraten mitgebracht… einen Chenin Blanc von 2004, angebaut im Bergland an der laotischen Grenze. Ist sicher kein Schmuckstück, aber wenn er Dich interessiert, lieber Christoph, hebe ich den gern auf, damit wir uns gemeinsam damit beschäftigen können.

  8. Christoph

    Lieber Matthias,

    ich finde, wir sollten uns auf jeden Fall gemeinsam mit diesem Wein beschäftigen! 🙂

  9. Ich hab ihn weggestellt, damit sich kein zufällig herumstreunender Gast daran bedienen kann ;). Einen Syrah hab ich übrigens auch noch mitgebracht, aber der hat so viele nationale Medaillen gewonnen, dass er erst einmal im Keller zur Besinnung kommen sollte…

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