Bouzeron Aligoté 2006, Domaine A. et P. de Villaine, Bourgogne

Als ich gestern den Aligoté 2006 von de Villaine ins Glas geschüttet und geschnuppert habe, war ich ausgesprochen positiv überrascht. Der Wein stand, obwohl ich ja durchaus einiges mit den Weinen der Villaines zu tun habe, seit ein paar Jahren im Keller und ich habe ihn nicht gebührend beachtet. So ist er vor sich hin gealtert und hat mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel.

Fünf Jahre sind nun für einen guten Wein kein Problem, bei einem gewöhnlichen Aligoté hatte ich jetzt allerdings nicht mehr viel erwartet. Aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. Der Wein ist geradezu aristokratisch gealtert. Aligoté ist ja die zweite weiße Rebsorte in der Bourgogne, genießt aber im Gegensatz zum Chardonnay keinen besonderen Ruf. Er wird vor allem mit Cassis zum Kir befördert, nimmt man statt Aligoté dann Crémant de Bourgogne, erhält der Kir den Zusatz Royal.

Dieser Bouzeron allerdings wäre für so etwas viel, viel zu schade und normalerweise nimmt man für einen Kir auch eher einen frischen Aligoté. Bouzeron ist eine 60 Hektar-Gemeinde nahe Rully im Bereich der Côte Châlonnaise, die seit dem Jahr 1997 als eigene Appellation gewertet wird, und zwar auf Grund der guten Qualität, die  Aligoté hier hervorbringt. Auf dieser guten Grundlage aufbauend, produzieren die in Rully mit ihrer kleinen Domaine ansässigen Aubert et Pamela de Villaine neben Chardonnay und Pinot Noir aus Rully und Mercurey eben jenen Aligoté. Dass die Villaines Wein produzieren können, zeigen sie als Mitbesitzer der legendären Domaine de la Romanée-Conti. Dass sie neben diesen teuren Spitzenweinen in gleicher sorgfältiger biodynamischer Art auch günstige Weine im Burgund machen, finde ich aller Ehren wert.

Der Aligoté ist dabei mit unter 13 Euro der Einstiegswein, und auch wenn er in seiner Jugend mit Frische und Klarheit, schöner Mineralik und Präzision überzeugt, gewinnt dieser Wein nach einigen Jahren gewaltig. Finesse kommt hinzu, Volumen und schöne Balance zwischen frischen Zitrustönen und gerösteten Haselnüssen, salziger Mineralik und einem Hauch von Brioche, bestrichen mit Honig.

Schön, wenn eine solche Überraschung den Abend versüßt.

1 Kommentare

  1. Ich muss ja sagen, dass ich bislang um die “besseren” Aligotés herumgeschlichen bin. Wohl auch deshalb, weil ich den de Villaine-Aligoté gern gekauft hätte, aber seit FuB nicht mehr existiert…

    Zwei angebliche Spitzen-Aligotés kenne ich theoretisch, und von beiden ist mir abgeraten worden. Derjenige von Lalou Bize-Leroy, der einzigen Grande Dame, wenn es nur eine geben würde, sei (so der Weinhändler in Reims) “total enttäuschend, das ist doch nicht Burgund!”, und der von Coche-Dury (so der Sommelier bei Harrods) “wenigstens zehn Pfund zu teuer”. Also habe ich keinen davon gekauft und kenne ich aus eigenem Erleben weiterhin nur die Genossenschafts-Aligotés.

    Übrigens finde ich es auch absolut super, was die de Villaines mit ihrem Neffen da auf ihrem eigenen Weingut machen. Von der Art der Pflege über den Keller bis zum Preis.

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