Offener Brief an (k)einen Kunden

Hallo …,

teile mir doch bitte Deine Kontonummer mit, damit ich Dir das Geld rücküberweisen kann. Ich habe keine Lust, Dir die bestellten Weine zuzuschicken. Warum nicht? Das ist ganz einfach:

Für mich hat Wein einen Wert. Ich habe eh schon ein Problem damit, 20% Rabatt auf Weine zu geben, die mit viel Enthusiasmus und sehr viel Arbeit hergestellt worden sind und nicht überteuert angeboten werden – ihr Geld also in meinen Augen Wert sind. Über 20% hinaus dann noch um einen weiteren Rabatt nachzufragen, weil man Student sei, hat nichts mit Student sein zu tun, das war ich auch und ich hatte selber wenig Geld in der Zeit. Doch habe ich mir eben die Weine gekauft, die ich mir leisten konnte und das war dann im Zweifel einer, der günstiger war als der, den ich eigentlich gerne gehabt hätte.

Ihr lernt wahrscheinlich in Geisenheim auch Betriebswirtschaftslehre und Ihr wisst bestimmt auch, wie ein Händler Weine kalkuliert. Daher wird Dir klar sein, dass bei 20% Rabatt für den Händler nicht mehr viel bleibt. Ausserdem mache ich diese Aktion, Du wirst es vielleicht verfolgt haben, nicht zum Spaß, sondern weil es nicht anders geht.

Deine Frage hat also wenig mit Deinem Status zu tun als vielmehr mit Frechheit, oder Unverschämtheit, bzw. fehlender Wertschätzung dem Wein und dem Händler gegenüber, nenne es, wie Du willst. Und daher verkaufe ich Dir keinen Wein.

Christoph

21 Kommentare

  1. Christian

    Dem kann ich nur zustimmen. Ziemlich dreist.

  2. Nadine

    Heutzutage muss man überall nach einem Rabatt fragen, weil kein Händler mehr von sich aus einen anbietet. Das sollte dir als Geschäftsmann doch eigentlich bekannt sein, das hat absolut nichts mit Dreistigkeit zu tun…

  3. Christoph

    Nadine, ich habe bereits 20% Rabatt gewährt. In Worten »Zwanzig Prozent«.

  4. Christoph

    Ansonsten wäre das auch kein Problem. Ich habe Studenten, Kollegen und anderen immer einen Rabatt gegeben. Dreist finde ich es eben dann, wenn der Wein eh schon um ein Viertel Fünftel günstiger ist.

  5. Peter

    Dann sollen die Rabatt- und Sparfüchse eben bei Aldi einkaufen.

  6. Weinster

    Bei 20% Rabatt sind die Weine 1/5 und nicht 1/4 billiger.

  7. @Nadine: Schon mal auf die Idee gekommen, dass viele Händler keinen Rabatt mehr geben können weil sie von ihren Lieferanten UND Kunden schon bis auf die Unterhose ausgezogen werden? Geiz ist geil und dann noch was oben drauf haben wollen … DAS ist die Unkultur der heutigen Konsumgesellschaft. Dafür wollen wir aber dann schon beste Ware haben, nicht wahr?

  8. Es ist schön zu lesen dass Du konsequent den Wert Deiner Arbeit und Deiner Weine verteidigst und nicht -wie so viele- den Wein unter Wert verjubelst!

  9. Wenn man weiß, wer so in Geisenheim studiert (www.ebs.edu), dann ist diese Mail doppelt unverschämt: Wer dort studiert, zahlt 5000 € im Semester fürs Studium – was jedoch kein Problem ist, schließlich hat Papa das Geld.

    Eine schöne Anekdote zum Thema Wein: Ich war einmal auf einer Party dort, der Enkel einer bekannten Industriellenfamilie feierte seinen Geburtstag. Schon um 21 Uhr wurde da der Champagner quer durch die WG gespritzt. (Spitzname: “Wöff”)

    Also: Gut, dass hier nicht hingeliefert wird.

  10. Felix

    @Name: Die ebs ist nicht in Geisenheim. Damit ist wohl die http://www.hs-rm.de/de/fbg gemeint.

    Ich selber studiere in Geisenheim und muss deshalb eine Lanze für die Hochschule und den größten Teil ihrer Studenten brechen. Ich denke auch, dass die Frage nach weiteren Prozenten unangebracht war. Als Unverschämtheit würde ich es noch nicht bezeichnen, möglicherweise ist das aber mit dem Wortlaut der Mail begründet.

    Auf jeden Fall studieren hier grundsätzlich vernünftige Menschen, die sich eingehend mit dem Thema Wein auseinandersetzen und wir wissen auch wie ein Händler kalkuliert. Viele von uns produzieren zu Hause selber Wein.

    Schwarze Schafe gibt es überall.

  11. @ Felix: Das wollte ich auch von meiner Seite aus keineswegs behaupten. Das hat mit Geisenheim überhaupt nichts zu tun und ich würde nicht auf die Idee kommen die Vernunft der Geisenheimer in Zweifel zu ziehen.

    Mir ist nur deshalb der Kragen geplatzt weil ich extra noch mal nachgefragt habe, ob er wirklich trotz 20% Rabatt ernsthaft nach einem zusätzlichen Rabatt fragen würde. Aber er hat damit kein Problem – im Gegensatz zu mir.

  12. Felix

    @ Christoph: Verstanden. Danke für Deinen Blog. Der läuft aber weiter?

  13. Einerseits: Wenn man sich anguckt, mit was für “Rabatten” die einschlägigen Händler werben, wird einem schwindelig. Seht euch mal die entsprechenden Seiten an, “Rabatte” über 50% sind da keine Seltenheit. Wenn jemand da unbedarft rangeht, kann ich mir vorstellen, dass er nach mehr fragt…

    Andererseits: Wenn du einen Rabatt gibst, weil du deinen Laden schliessen musst, und jemand fragt dann nach mehr – dann habe ich das Gefühl er will eine Situation ausnutzen. Das ist schlicht unanständig.

  14. Pingback: Leseempfehlungen zum Wochenende - Winzerblog

  15. Guido

    Etwas kann ja durchaus legitim, aber trotzdem unverschämt sein. Und vor allem: Der Student (wenn er denn überhaupt einer ist) darf nachfragen, klar. Aber Christoph darf auch sagen, “weißte was, dann kriegste gar nichts.” Und Letzteres kann ich deutlich besser verstehen als Ersteres.

  16. Schwarzes Schaf ist eine gute und treffende Bezeichnung für so was!
    Aber leider gibts anscheinend immer mehr solche Schafe.

  17. Stegat

    Ich denke, man kann bei einem Händler, bei dem man wirklich viel und regelmäßig kauft auch nach einem Rabatt fragen. Nicht gerade bei Rabattaktionen. Habe ich auch schon gemacht, und war telefonisch auch meist kein Problem.
    Bei Internethändlern die um 50% Rabatt anbieten liegen entweder die Ausgangspreise entsprechend zu hoch, oder der Wein liegt wie Blei im Regal. Gibt es leider genug Beispiele, wo die Weine direkt in Die Soneraktionen gehen und mit einem ” Rabatt” zum normalen Verkafspreis angeboten werden.

  18. Christoph

    @Stegat: Das sehe ich – wie oben schon kommentiert – genauso. Wenn die Händler nicht eh selber drauf kommen, guten Kunden einen Rabatt einzuräumen, sollte man da durchaus nachfragen können. Auch unter Kollegen ist das üblich, ich habe auch nichts dagegen, wenn ein Geisenheimer Student gerne einen Studentenrabatt hätte. Nur bei eh schon 20% gewährtem Rabatt, aber ich wiederhole mich…

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