Riesling Spätlese Spay 2011, Florian Weingart, Mittelrhein

Der junge Wingert oberhalb des Ortes Spay am Mittelrhein konterkariert die etwas triste Realität dieses Anbaugebietes. Während im Jahre 1999 noch ca. 550 Hektar unter Reben standen, sind es heute 100 Hektar weniger. Vieles davon befindet sich im Steilhang, dieser ist aufwändig zu bewirtschaften und bringt selten einen entsprechenden finanziellen Erlös ein. der Mittelrhein gehört nicht zu den bekannten deutschen Weinbaugebieten und wer sich dort nicht gut auskennt, wird kaum einen Winzer nennen können. Der Verband deutscher Prädikatsweingüter nennt acht erste Lagen und lediglich fünf Winzer, die in diesem Spitzenverband vertreten sind. Einer, um dessen Mitgliedschaft der Verband stetig buhlt und der diese genauso stetig von sich weist, ist Florian Weingart. Der in Spay beheimatete Winzer besitzt 6.5 Hektar, vor allem im Bopparder Hamm, jedoch auch im Oberdiebacher Fürstenberg. Diese Fürstenberger Lagen, aus denen immer wieder ausgesprochen schöne, saftige Weine entstehen, dürfte Weingart allerdings mittlerweile verpachtet haben, zumindest war dies sein Plan, auch wenn er im aktuellen Jahrgang noch einmal einige Weine aus dem Fürstenberg gekeltert hat.

Am nördlichen Ende des legendären Bopparder Hamms, angrenzend an die Gemarkung Engelstein hat Weingart vor einigen Jahren Grund gekauft, um dort seine neue Kellerei zu bauen. Ein Vorhaben, das bis heute nicht realisiert ist und weiterhin für sehr viel Unruhe in der Gemeinde sorgt, denn die Erschließung des Geländes und die Planverfahren sind so langwierig und wirken so absurd, als wären sie Teil einer kafkaesken Geschichte. Neben seinen Bauplänen ist dort ein neuer Weinberg entstanden und hat, wenn ich mich recht erinnere, 2009 seinen ersten Jahrgang hervorgebracht. Dieser Kabinett aus Spay war, so ist es häufiger bei ersten Jahrgängen, ein faszinierend virbrierend, lebendiger Wein. Die letzten Jahrgänge aus diesem letzten Stück des Hamm sind mir nicht weiter aufgefallen, wohl aber die frisch abgefüllte 2011er Spätlese Spay feinherb.

Der Bopparder Hamm bringt normalerweise sehr saftige Rieslinge hervor, voll mit ausgeprägter Steinobstaromatik und gerade bei Weingart mit sehr viel Schieferwürze. Der Hamm – hochdeutsch Haken – ist in weiten Teilen so zur Sonne gedreht, dass in warmen oder heißen Jahren schnell die Gefahr besteht, dass die Trauben überreif werden bzw. die Mostgewichte so hoch sind, dass die trockenen Rieslinge zu alkoholisch werden. So hat Weingart, der zwar ein Meister der süßen, vor allem edelsüßen Rieslinge ist, zwar eigentlich ein Faible für trockene Spätlesen, in 2011 hat er jedoch kaum eine machen können. Schon die feinherben Spätlesen liegen bei 12 oder 12.5% und so ist auch die Spätlese aus Spay feinherb ausgefallen – was ihr nicht im mindesten zum Nachteil gereicht. Im Gegenteil wirkt dieser Wein nur leicht feinherb, mit einer sehr klaren, wieder sehr vibrierenden Säure wird die Süße noch zusätzlich abgepuffert. Was mich besonders fasziniert an diesem fast scheuen Wein ist das Filigrane. In der Nase überwiegt der Duft nach feuchtem Schiefer und Kräutern den der Frucht. Am Gaumen verbindet sich Frucht und Stein vortrefflich mit einer leicht karamelligen Aromatik. Dabei bleibt die ganze Geschmacksvielfalt des Rieslings etwas in der Schwebe, schmeckt spielerisch leicht, ohne dass es ihm an Rückgrad oder Länge mangeln würde. Hier gewinnt einfach das Subtile, das Feine. Terry Theise, der Weingarts Weine für Skurnik Wines in die USA importiert, schreibt, Weingarts Weine wären 2011 »from another world“. Wenn er dies Schwebende, dies Ätherische damit meint, kann ich ihm nur zustimmen.

5 Kommentare

  1. Mit Freude gelesen. Weisst Du was zu Mengen Und Verfügbarkeit in 2011? Spezielle im “unteren” Teil der Prädikatsskala? Ich frage aus GRÜNDEN…

  2. Vielleicht rufst Du den Florian Weingart mal an? Ich könnte das natürlich auch machen. Die Mengen jedenfalls waren grundsätzlich ganz gut.

    Ja, die Gründe sind ja so, dass ich das Weinen kriege, dass ich da in Hamburg dann gerade anfange und so etwas nicht mitmachen kann.

  3. Ich denke, sobald die Zahlen klarer sind, werde ich mal anrufen. Was anderes: dieser Post hier taucht bei mir in iTunes auf als Podcast auf – warum auch immer…

  4. Der hat mir auch gut gefallen, dieses Jahr wie überhaupt insgesamt die feinherben und halbtrockenen Weine von Weingart. Der Hamm Feuerlay Kabinett halbtrocken beispielsweise, komplex und leicht zugleich, mit einer angenehmen Säure. Weniger gut fand ich die trockenen Weine, aber das kann zumindest teilweise noch werden, letztes Jahr fand ich beispielsweise die trockene Spätlese vom Bopparder Hamm Ohlenberg eher enttäuschend, jetzt ein herrlicher Wein mit vollen Aromen.

    Was die Menge angeht, ist es glaub ist es wohl untershciedlich, je nach Wein, aber Weingart rechnet wohl wieder damit, um Weihnachten dann ausverkauft zu sein, also je nach Wein kann es schon sein, dass man sich beeilen muss.

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