Drei Flaschen Bier: Urstrom, Firestone Pale 31 und Brooklyn Brewery E.I.P.A.

Vor ein paar Tagen bin ich mehr oder weniger zufällig  in einem Supermarkt über ein Braufaktum-Regal gestolpert und dachte: Hey, ein Bier von Garrett Oliver, dem Braumeister der Brooklyn Brewery! Dazu noch ein weiteres, bezahlbares Pale Ale und um die Ecke im gleichen Laden ein Biobier aus Flensburg.

Indian Pale Ale wurde im 19. Jahrhundert entwickelt, um Bier in die indischen Kolonien der britischen Krone verschiffen zu können. Um also den Herausforderungen einer langen Schiffsreise in verschiedenen Klimazonen trotzen zu können brauchte das Bier eine hohe Stammwürze und wurde mit viel Hopfen direkt im späteren Lagergefäß gebraut. Das Ergebnis ist ein bernsteinfarbenes Bier mit einem hohen Gehalt an Bitterstoffen und einem komplexen Aromenspektrum.

Das East India Pale Ale von Garrett Oliver, dem Vorreiter der Craft-Beer-Bewegung, vielleicht einer der umtriebigsten Braumeister auf dem ganzen, dynamischen Markt, verwendet Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale Malz, Caramelmalz), Hopfen (Willamette, East-Kent-Golding, Target, Centennial). Es ist also ein, was die Zugaben angeht, sehr reines Bier. In der Nase findet sich eine Spur Honig und getrocknetes Steinobst, und auch die herben Noten sind deutlich. Im Mund schäumt es leicht auf, auch hier sind die Steinobstfruchtnoten dominant, dazu kommt eine leichte, wirklich ganz zurückhaltende Süße vom Caramelmalz, die den herben Noten jedoch nur leicht entgegen steht. Ein sehr schnörkelloses, straightes Pale Ale mit einer guten Länge, dessen Herbe mir sehr gut gefällt.

Daneben steht das Pale 31 von Firestone Walker. Dort, wo eigentlich berühmte kalifornische Weine entstehen haben die Jungs von Firestone ein ganzes Sortiment von Craft-Bier entgegen gestellt, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die Biere alle im Holzfass ausgebaut werden (dem Wein also nicht unähnlich). Seit 1996 wird in einem Gebäude der Firestone Vineyards in Paso Robles gebraut. Verwendet wurde Wasser Malz der Sorten Premium Two-Row, Maris Otter Pale, Munich, Crystal sowie Hopfen der Sorten Bittering—Fuggle; Late Kettle—Cascade, Centennial, Chinnok; Dry Hops—Cascade, Centennial, Chinook. Das Bier hat kein 5% Alkohol und  ist im Prinzip eine Cuvée. Teils wurde es herkömmlich gebraut, teils im so genannten Firestone-Union-Verfahren, wo die überlaufende Flüssigkeit während der Fermentation in eichenholzfässern aufgefangen und später wieder ins Fass gefüllt wird. Das Bier wirkt etwas weicher und feiner als das East India. Es duftet etwas stärker nach Karamell, dazu kommt der Duft von getrockneten Orangenschalen und eine exotische Note. Der Bier schmeckt ausgesprochen trocken, die Bitterstoffe sind moderat aber deutlich und auch hier finden sich die Orangenzestennoten, etwas Vanille und etwas Florales. Schade, dass so ein Bier für eine kleine Flasche drei Euro kostet und man hier sonst so etwas kaum bekommt.

. Das Urstrom stammt aus der Privatbrauerei Sauer & Hartwig. Die beiden Braumeister – der erfahrenere ist Werner Sauer – haben ihr Unternehmen erst 2011 gegründet. Bisher sind sie Bier-Verleger und lassen in der Gasthausbrauerei Hansens in Flanesburg brauen – wohl aber nach eigenen Vorgaben und mit dem ziel, eine eigene Brauerei zu gründen. Gelernt haben sie ihr Handwerk jedenfalls, und zwar in Weihenstephan. Momentan werden drei Biere gebraut. Neben dem Urstrom ist es ein Pure-Malt und ein Vintage, dass jedoch noch reift und noch nicht verfügbar ist. Das Urstrom wird als Pilsener mit Aromahopfen aus Tettnang gebraut sowie mit Braugerste von Bioland-Höfen der Region rund um Flensburg. Das naturtrübe Bier hat natürlich deutlich weniger Bitterstoffe als die Pale Ales, es wirkt trotzdem anständig gehopft, parallel findet sich ein deutlicher Karamell-Ton vom Malz. Das Bier hebt sich aus dem Pilsener-Markt eigenständig uns wohltuend ab, es hat ein gutes Volumen, eine schöne Länge, eine feine Süße, die ziemlich gut mit den Bitterstoffen harmoniert. ein schönes Projekt!

 

1 Kommentare

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