Meine Lieblings-Scheurebe. Jg. 2007 und 2010 von Wagner-Stempel im Experiment

Wenn mich jemand fra­gen würde, welche Weine ich immer wieder mit Begeis­terung trinke, Weine, die für jeden bezahlbar sind, dann würde mir auf jeden Fall Daniel Wag­n­ers Scheurebe ein­fal­len. Ab dem ersten Jahrgang (2006), ist mir dieser Wein ein immer wiederkehren­der Begleiter. Von allen Scheureben die ich kenne mag ich diese am lieb­sten – auch wenn die von Axel Koehler, der anscheinend kein Wein mehr macht, was ein großer Ver­lust ist, her­vor­ra­gend war und auch die 2011er Scheurebe Spätlese vom Weingut Keller.  Die Scheu vom Daniel Wag­ner passt her­vor­ra­gend zu den Por­phyr-Böden der Siefer­sheimer Lagen. Sie bekommt dadurch immer diesen safti­gen, gelbfruchti­gen Charak­ter, die auch Wag­n­ers Ries­linge ausze­ich­nen. Da ist so viel Saft im Wein, dass es ein­fach Spaß macht. Da passt dann auch eine leichte Rest­süße her­vor­ra­gend, denn die Scheu trägt bei Wag­ner –Stem­pel immer genü­gend Säure mit sich und jede Menge Min­er­al­ität.

Aufgemacht habe ich in diesem Fall zwei Weine. Einen 2010er und eine Exper­i­men­tier-Flasche aus dem Jahrgang 2007. Ich habe diesen Wein ein­fach mal liegen lassen um zu sehen, wie er sich mit seinem Schraub­ver­schluss wohl entwick­eln mag. Die Scheu ist ja eigentlich „nur“ ein ein­facher Gutswein, nicht unbe­d­ingt darauf angelegt, sich über Jahre pos­i­tiv weiter zu entwick­eln. Was bei diesem Exper­i­ment her­aus kam, ist ein­fach klasse. Die 2007er Scheu hat sich her­vor­ra­gend entwick­elt, und zwar zu ihrem Vorteil. Besticht die junge frische Scheu durch eben dies, ihre Frische, wird die ältere Scheu ern­sthafter, fast streng, mit einer leichten Herbe und einer Note von Süßholz. Dabei finden sich bisher nur ganz wenige Alterungsnoten, während die Säure, die frischen Gapre­fruit-Noten und die damit ein­herge­hende Frische immer noch klar präsent ist. Der Wein wirkt crémig und wird über Tage immer min­er­alis­cher.

Die 2010er Scheurebe hat mehr mit Ries­ling zu tun als mit Sauvi­gnon Blanc. Ich schreibe das nur mal, weil die Scheurebe ja gerne mal als der rhein­hes­sis­che Sauvi­gnon Blanc betitelt wird. Hier wirkt es eher so, als habe einer den Gut­sries­ling von Wag­ner-Stem­pel über eine Wiese duf­ten­der Blu­men geschüt­tet, ein paar Grape­fruit aufgeschnit­ten und mit Cas­sis abgeschmeckt. Dabei gibt es ordentlich Extrakt und Säure am Gau­men, der Wein ist straff, min­er­alisch und lang und der eigentliche Ham­mer ist – und das war das zweite, fast notge­drun­gene Exper­i­ment – dass er genau diese Eigen­schaften alle­samt noch 12 Tage nach dem Öff­nen der Flasche besaß. Denn nach dem ersten Glas am ersten Abend habe ich die Flasche weggelegt und erst acht Tage später wieder aus dem Kühlschrank geholt.

Den aktuel­len Jahrgang 2011 gibt es übri­gens u.a. bei der Wein­halle.

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4 Kommentare

  1. Du weißt ja – dieser Wein ist seit Jahren fes­ter Bestandteil meiner Wein­proben für Ein­steiger. Zusam­men mit dem Sauvi­gnon Blanc aus gle­ichem Hause. Die bei­den blind gegeneinan­der zu pro­bieren ist immer wieder sehr inter­es­sant. In aller Regel mit einer klaren Präferenz seit­ens der Proben­teil­nehmer (ca. 75/25): Und zwar zugun­sten der Scheu. 

    Inter­es­san­ter­weise ist das im 2010er-Flight zum erstem Mal anders. Insofern kann ich den Ein­druck, dass die 10er Scheu anders ist bestäti­gen.

  2. Haben die Teil­nehmer den 2010er Sauvi­gnon besser gefun­den weil die Scheu zu weit vom erwarteten Geschmacks­bild ent­fernt war?

  3. Pingback: Linkdump vom Fr, 25. Januar 2013 bis So, 27. Januar 2013 Links synapsenschnappsen

  4. Ja, die Scheu ist eine feine Rebe, die Wag­ner auch in ein feines Tröpfchen zu ver­wan­deln weiß. Ich bin bisher aber noch nicht in den Genuss des 2010er gekom­men, und bin ges­pannt, in wie weit ich die Hier beschriebe­nen Unter­schiede eben­falls fest­stel­len kann…

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