Buchertberg Gemischter Satz weiss 2011, Herrenhof Lamprecht, Südsteiermark

Ich muss mal gerade meiner Begeisterung Ausdruck verleihen. Normalerweise lasse ich Weinbeschreibungen ein wenig sacken, probiere Weine wenn möglich über drei Tage hinweg und schreibe dann. Jetzt möchte ich aber spontan einen Wein loben, der mir grade jetzt auf der Zunge liegt und ausnehmend gut gefällt.

Buchertberg weiß 2011

Es handelt sich um den gemischten Satz von 25 plus x verschiedenen Sorten, die heutzutage oder historisch in der Südsteiermark vorkommen und die der junge Winzer Gottfried Lamprecht frisch auf eine ehemalige Obstwiese gepflanzt hat, die Buchertberg heißt und zum Herrenhof Lamprecht gehört und vor langer Zeit schon unter Reben gestanden hat. Dieser Wein, der zunächst leicht tropisch nach Sauvignon Blanc riecht, sich dann aber von da weg bewegt in einer komplexe, cremige und leicht holzbetonte Richtung, straft all jene Lügen, die meinen, guter Wein könne eigentlich nur von alten Reben und besten Lagen stammen. Wer diesen wein trinkt weiß: es ist quatsch. Es kommt vor allem auf die Hand des Winzers an. Auf den richtigen Lesezeitpunkt und für das richtige Händchen im Keller. Wobei hier klar gesagt werden muss, dass Gottfried gerade mal ein wenig schwefelt – und das war’s. 25 Rebsorten also, Grau- und Weißburgunder, Sauvignon, Riesling und einige andere Aromarebsorten wie Furmint und Muskateller gibt es hier und dann noch ein paar alte Sorten, die man in Jancis Robinsons dickem Buch über die Rebsorten dieser Welt nachschlagen muss oder die vielleicht in den alten fränkischen gemischten Sätzen vorkommen, die ich zu Anfang des Jahres mal probieren durfte.

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Was ist das nun für ein Wein? Es ist einer, der ziemlich perfekt ausbalanciert ist zwischen Frucht und Säure, Saft und Körper, Würze, Mineralität und einer leichten Salzigkeit, wo der Holzeinsatz sehr angenehm den Stil des Weines unterstreicht, ohne ihn zu prägen. Wunderbar ist die frische Frucht zu Anfang, die dann aufkommende salzige Mineralik und die Gesteinswürze, die dann wiederum im Laufe des Abends in eine geradezu sinnlich-reife Frucht übergeht. Da, wo vorher Exotik war ist jetzt Marille, Birne und reifer Apfel, alles immer noch unterstrichen vom Gestein. Der wirklich Knaller ist, dass es den Buchertberg für 12.95 bei Probiowein gibt und dies ist ein äußerst fairer Preis für ein Wein, der gleichzeitig unkompliziert und komplex ist, der Tiefe hat und doch sehr viel Trinkspass heraufbeschwört, den man ziemlich schnell wegtrinken kann und dann tut es einem leid, dass er schon leer ist.

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Probiert habe ich den Wein übrigens in drei Gläsern. Als Referenzglas hält immer das Gabriel-Glas her, der Unimog unter den Weingläsern, in dem der Wein sich relativ spät entfaltet. Hier finden sich zu Beginn ein paar Noten von Austernschalen, kombiniert mit exotischer Sauvignon Blanc-Frucht. Im Zalto-Glas Bordeaux öffnet sich der Wein viel schneller, hier wird der Sauvignon Blanc zur Seite geschoben und es offenbaren sich leicht salzige Noten und vor allem die Würze, die im neuen Zwiesel Wine Classics Chardonnay-Glas etwas länger braucht. Das Glas (links im Bild) ist ziemlich neu auf dem Markt und ich hatte das Glück, die ganze Serie von Zwiesel zum Testen zur Verfügung gestellt zu bekommen, was ich jetzt auch tatsächlich mache. Bei Freunden und Bekannten kommt das Glas mit dem durchaus eigenen Design spontan nicht besonders gut an, da die meisten die moderne Form mit dem Kamin zuoberst stört. Das stört mich beim Chardonnay-Glas nicht, da die Proportionen für mich stimmig sind, bei schlankeren Gläsern wie dem Riesling oder Sauvignon-Glas ist das problematischer, zumal ich dann mit der Nase ziemlich schnell gegen das Glas stoße. Vom Effekt her, von der Auffächerung der Aromen und der dann wieder erfolgenden Konzentration ist das Chardonnay-Glas gelungen, es liegt gut in der Hand, auch wenn es nicht die Leichtigkeit besitzt, die das Zalto-Glas so einmalig macht.

 

3 Kommentare

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