CRAFT! Bier-Abend in Köln – ein Resumée und eine Ankündigung

Es gibt Abende, die sind so angenehm stimmig und passend, dass sie lange in Erinnerung bleiben. Ein solcher Abend war der CRAFT! Abend, den Torsten Goffin und Marco Kramer zusammen mit den Bierexperten Sebastian Sauer und Detlef Rick im Kölner Marieneck veranstaltet haben. Es liegt natürlich auch daran, dass ich das Gefühl habe, nach Hause zu kommen wenn ich mit dem Zug den Rhein überquere und entsprechend eine gewisse Sentimentalität mitgebracht habe. Es liegt auch daran, dass es schön war, Freunde wiederzusehen – die, die hinter den Töpfen für uns gekocht haben und die, mit denen ich dann später am Tisch saß. Überrascht war ich, das ein halbes Dutzend Menschen meinen Aufruf im Blog gefolgt sind und teils aus Hannover angereist sind, befriedigend, dass sie das nicht bereut haben, im Gegenteil. Sebastian und Detlef haben kurzweilig und kompetent durch den Abend geführt und das Menü von Torsten und Marco hat ziemlich perfekt gepasst.

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Craft-Beer ist ein Thema, mit dem ich mich zunehmend in diesem Blog beschäftige, auch wenn ich noch wenig Ahnung habe und die Artikel über Bier hier deutlich weniger kompetent sind als die über Weine, man möge mir das verzeihen, aber Dinge entwickeln sich. Allein schon deshalb war der Abend lehrreich, denn es gab so ganz nebenbei viel zu lernen. Beispielsweise war mir bis zum letzten Sonntag nicht klar, dass Kölsch und Alt nicht wirklich weit voneinander entfernt sind. Sie beruhen auf der gleichen Brauart und vor dem Krieg sahen beide mehr oder weniger gleich aus. Das Alt ist irgendwann noch dunkler geworden während man beim Kölsch irgendwann auf geröstetes Malz verzichtet hat, auch weil es heute andere Konservierungsmöglichkeiten gibt als noch vor dem Krieg. Ebenso wenig war mir klar, dass eine Gose aus dem Raum Goslar oder Leipzig kommt. Ich dachte immer, das wäre nur eine Übersetzung der belgische Geuze.

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Doch der Reihe nach. Als Aperitif gab es ein Saisonbier, welches in Zusammenarbeit der Braustelle Köln und der italienischen Brauerei Endorama entstanden ist. Die Braustelle Köln und einer ihrer Macher, Sebastian Sauer, war sowieso geradezu omnipräsent an diesem Abend. Das so genannte Lama Ding Dong geht auf Sebastians Kappe, aber auch die Biere aus den Serien Freigeist und The Monarchy. Außerdem braut er das Fritz IPA mit. Lama Ding Dong war ein angenehmer Einstieg, hopfig, fruchtig, mit Rauchmalz gebraut.

Im ersten Gang gab es Karotten, Pastinake und Kohlrabi als Tempura im Bierteig. Das Entrée wurde von zwei Bieren begleitet, die nacheinander gereicht wurden. Das wäre vielleicht die einzige Kritik, die wirklich anzubringen wäre. Ich hätte mir gewünscht, die beiden Biere, die es jeweils zu den Gängen gab, parallel serviert zu bekommen. Zumal teils die Gerichte mit dem zweiten, servierten Bier gekocht wurden und die Teller schon leer waren, als das Bier gereicht wurde. Doch das ist lediglich eine kleiner Hinweis. Im Glas fand sich das Jan de Lichte von De Glazen Toren, einer kleinen belgischen Brauerei, die erst vor wenigen Jahren von einem Pensionär gegründet worden ist. Das Jan de Lichte wird, wie in Belgien häufig vorkommend, mit einigen Gewürzen gebraut. Es ist ein oben in der Flasche helles, unten in der Flasche trübes, relativ stark schäumendes Bier mit deutlich fruchtigem Charakter. Die mitverbrauten Orangenzesten und das Koriander bringen sowohl Süße, als auch eine leichte, sehr angenehme Schärfe. Die Gewürze sind ausgezeichnet eingebunden und tragen das Bier, ohne dominant zu werden. auf das Jan de Lichte folgt das Fritz Indian Pale Ale von Fritz Wülfing, einem Bonner Brauer, der zwischenzeitlich in Siegen gebraut hat und jetzt bei Vormann in Hagen braut, wenn ich es richtig verstanden habe wiederum mit Sebastian Sauer zusammen. von den IPAs, die ich bisher aus Deutschland probiert habe, ist es zwar leider das mit dem wenigsten schönen Etikett, jedoch mit der eindeutig besten Qualität. Eine ordentliche Stammwürze, fruchtige Noten von Steinobst und Grapefruit, Pinie und ein bisschen was Exotisches, schönes Hopfenbitter und eine frische Säure ergeben ein substanzreiches IPA, wirklich gelungen.

Der zweite Gang aus der Hand von Torsten Goffin war für mich der gelungenste: tagesfrisch geräucherte Forelle erster Güte, ein Erbsen & Minz-Parfait von angenehm cremiger Substanz und ein Shot aus dem Sud der Räucherforelle mit Bier und Espelette gekocht. Dazu eine Dunkle Gose, ein säuerliches Bier, welches traditionell in den Bereichen Goslar und Leipzig gebraut wurden und das heute in der Kölner Braustelle entsteht, Kölns kleinster Brauerei, die sich auf das Brauen historischer Biere verlegt hat. Mir hat dieses leicht milchsaure Bier ausgesprochen gut gefallen. Obergärig gebraut mit etwas Koriander und geräuchertem Hikoree wirkt es fast ein wenig salzig, mit einem leichten Apfelton. Danach, wieder aus der Feder von Sebastian Sauer, das Freigeist Abraxxxas. Es wurde im Stil einer Lichtenhainer Weiße gebraut und ähnelt etwas der Gose, denn es ist säuerlich und bekommt durch die Verwendung von Rauchmalz ein besonderes Aroma. Ursprünglich ein leichtes Bier, hatte dieses 6% Alkohol.

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Marco Kramer hat zum ersten Mal für eine solche Veranstaltung sein Rind sous vide gegart und dann kurz angebraten. Das Fleisch war fein und auf den Punkt. Dazu gab es Zwiebeln Karotten und Ingwer, leicht scharf aus dem Wok, vor allem aber ein konzentrierten Sößchen mit einem dunkeln Bier abgeschmeckt – ganz ausgezeichnet. Als Begleitung fanden sich hier zwie entsprechend kräftige dunkle Biere. Das De Glazen Toren Cuvée Angelique wurde im Stile eines Belgian Dark Ales gebraut, schwer, dunkel, süßlich, mit dichtem Schaum und ordentlichem, aber ausgezeichnet eingebundenem Alkohol. Daneben das Freigeist Hoppeditz, ein Doppelsticke Alt-Bier, das mit ziemlicher Sicherheit einzige Alt-Bier aus Köln. Als Dopppelsticke bezeichnet man die schweren starken Altbiere, die es seit einiger Zeit wieder im Uehrigen in der Düsseldorfer Altstadt gibt. viel kräutriges Hopfenaroma ist hier im Spiel, dazu malzige Noten und karamelisierter Zucker und ich meine so etwas wie eine Rumnote geschmeckt zu haben.

Der Variantenreichtum hiesiger Biere wurde zum Dessert fortgesetzt. Ananas, Bier und Pfeffer als Sorbet und Zabaione passen einfach sensationell gut zu Bier, eine wirklich großartige Kombination. Die Biere? Ein Phoebe Caulfield von Freigeist, ein Imperial Stout welches irgendwann einmal ursprünglich in England für den russischen Zarenhof gebraut wurde. Das Imperial Stout, für das eine große Menge Röstmalz genutzt wird, ist tiefdunkel und in diesem Fall wird es mit Roggen gebraut. die Süße findet sich nur im Mittelteil und da auch ziemlich dezent. Zudem ist dieses Bier fast gar nicht säuerlich. Dafür aber sehr süffig und dicht mit 8% Alkohol. als Counterpart gab es das Methusalem von The Monarchy. Ein stark röstig schmeckendes, dunkles Bier, das sein Brautradition bei den Dortmunder bzw. Münsterländer Altbieren hat und ewig lange haltbar ist.

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Zum Schluss gab es dann noch zwei wirklich besondere Biere. Offiziell das niederländische Bommen & Granaten, ein in Bordeaux-Fässern gereiftes, dunkles, starkes Bier aus dem Hause De Molen. Hier stecken etwas mehr als 15% Alkohol drin und das Bier dürfte laut Etikett mindestens 25 Jahre haltbar sein. Ein Bier, dass vor allem und nicht zuletzt nach Erbeerkonfitüre roch und schmeckte. Nicht ganz mein Fall aber ausgesprochen interessant. Ebenso das Mikkeller Black, off the record genossen, mit noch mehr Alkohol, noch intensiver, voller Bitterschokoladen- und Espressonoten, fast eine Zumutung an Intensität. Nach einem solchen Abend mit dieser Fülle an intensiven Geschmackserlebnissen, ist es das i-Tüpfelchen zu viel, auch wenn ich verlegen darum war, es probieren zu können. Zum Plausch fand sich dann ein kühles kölschartiges Getränk namens Helios – perfekt zum Entspannen des Gaumens, quasi der Reparatur-Riesling des Abends.

Diese begeisternde Veranstaltung, die eine feine Mischung aus Horizonterweiterung, Kurzweiligkeit und ungewohnten Aromenkombinationen bringt, ist übrigens noch mal zu haben. Und zwar am kommenden Sonntag, Muttertag, den 12. Mai. Es lohnt sich, das sollte klar geworden sein.

 

9 Kommentare

  1. Hach! Danke für die Blumen. Und für die schönen Fotos. BTW: kann ich das von mir in Originalauflösung haben (gern SW!)?

  2. Ja, natürlich. Leider sind die Bilder, die ich mit der Ricoh gemacht habe nicht so dolle. Habe das Gefühl, dass die Kamera immer grober wird bei schlechten Lichtverhältnissen. Kann das sein, dass der Sensor schlechter wird?

  3. Offen gestanden: ich habe keine Ahnung. Kann ich mir physikalisch nicht wirklich vorstellen (außer zunehmende Verschmutzung, aber das Ding sollte ja gekapselt sein) und davon hätte man doch bestimmt schon bei diesen Technik-VergleichsTest-Wahnsinnigen gelesen, denke ich.

  4. Schöner Bericht, Craft-Beer ist ein ziemlich spannendes Thema. Zur Foto-Problematik: viele Kameras erhöhen bei schlechtem Licht die Empfindlichkeit des Sensors, um mehr Licht einzufangen. Durch die erhöhte Empfindlichkeit (ein bisschen wie früher Filme mit höheren ASA-Zahlen) rauscht das Bild dann zunehmend. Manche Kameras versuchen dann, das Rauschen herauszurechnen, was zu sehr glatten Bildern führt. Kurzum: Bei schlechtem Licht werden die Bilder gröber, je nach Kamera und Größe des eingebauten Sensors sieht man das mehr oder weniger stark.

  5. Ja, das Rauschen hatte ich von Anfang an, das ist ja üblich, vor allem, wenn die Sensoren nicht so groß sind. Ich habe allerdings das Gefühl, dass es schlimmer geworden ist. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein.

  6. A propos Rausch(en) ;): Wir haben hier vor einiger Zeit mal eine kleine Querprobe gemacht mit belgischen Craft Beers unter 6 vol% (natürlich keine Zeit gehabt, darüber zu schreiben). Denn da geht es mir manchmal so wie beim Wein: Ich mag es gern, wenn ein solches Getränk leichter, aber trotzdem irgendwie raffiniert und intensiv ist. Dick kann ja jeder (okay nicht jeder…). Soweit ich mich recht erinnere, waren Rulles, Blaugies, Dupont und ein Bier von de Dochter van de Korenaar unter den Siegern. Wirklich schöne Sachen. Einen kleinen Vorteil hat die Biererei gegenüber der Weinerei natürlich noch: Es geht nicht gar so ins Geld, craft hin oder her. Okay, so lange man sich nicht einen Kasten Xyauyù kauft ;).

    Wäre gern dabei gewesen, schon seit Monaten den Rhein nicht mehr gesehen…

  7. Du kannst davon ausgehen, dass wir Dich ganz konkret vermisst haben. Aber irgendwann wird das wieder…

  8. Pingback: Drei Mal Bier: Craftwerk Tangerine Dream, Hop Head und Holy Cowl » originalverkorkt

  9. Ich kenne dieses Bier Bommen & Granaten, ein in Bordeaux-Fässern gereift. Für mich das Beste auf der Welt.

    VG
    Malte von Segway Köln

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