Marcillac Lo Sang del Païs 2011

Kürzlich habe ich eine Weinentdeckung gemacht, wie ich sie liebe: ein kleiner Wein aus einer fast völlig unbekannten Rebsorte aus einer ursprünglichen, ebenso unbekannten Landschaft. Der Marcillac, den ich in der Weinhalle gekauft habe, wo ich ihn jetzt nicht mehr finde, stammt von der Domaine du Cros und seinem Winzer Philippe Teulier. Seine 22 Hektar umfassende Domaine ist praktisch die Domaine des Marcillac, das insgesamt aus lediglich 160 Hektar Rebfläche besteht. Das Gebiet liegt im Herzen des Aveyron im Südwesten Frankreichs, das vor allem durch seine Messe (Laguiole), durch seinen Käse (Laguiole) und seine Rinderrasse (Aubrac) bekannt ist.

Marcillac Lo Sang del Pais 2011

Viel seltener trifft man die dortige Rebsorte Fer Savadou, die die Einheimischen Mansois nennen. Wenn man den Wein im Glas hat und schon mal den einen oder anderen Wein aus dem Südwesten Frankreichs getrunken hat, kann die etwaige Herkunft erahnen. Der Wein schmeckt einfach ursprünglich, eigenwillig würzig, so wie Tannat, Duras oder Bracol eigenwillig, charakterstark und würzig schmecken. Das Besondere dieses Weins ist die die Kombination von Gewürzen, Himbeeren, Johannisbeeren und präsenten Gerbstoffen, die jedoch komplett weich und rund sind. Dazu hat der Wein gerade einmal 12.5% Alkohol und  – er kostet keine 9 Euro! Entsprechend ist dies ungewöhnlich viel eigenständiger, charaktervoller Stoff für’s Geld. Dieser Stoff, der in einem dem Wein ebenbürtig ländlichen Flaschendesign angeboten wird, beliebt zudem noch einige Jahre zu altern, so dass man ihn getrost in größeren Menge weglegen kann, wenn man ihn nicht direkt großherzig an Freunde verteilt.

In der Weinhalle scheint er gerade ausverkauft, den 2012er allerdings gibt es bei Pinard de Picard. Und da gibt es auch noch einen etwas teureren, eine Cuvée de Vieilles Vignes, die ich auch unbedingt mal probieren möchte. Diese südwestfranzösischen Weine machen einfach immer wieder großen Spaß.

 

 

 

2 Kommentare

  1. Hallo Matze,
    hier muss ich leider korregierend eingreifen. Eventuell hast Du da zuviel Vertrauen in die Infos, die Du in der Weinhalle über den Wein, die Domaine und das Gebiet und dessen Sonderstellung bekommen hast. Das passiert oft, wenn Weine über normale Handelswege nach Deutschland kommen und sie in “größerem” Stil vertrieben werden.
    Das es “der” Winzer des Gebietes ist, zählt eher zu den typischen Sprüchen, wenn man einen Wein aus so einem Winzgebiet verkaufen muss. Bei meinen Besuchen im Gebiet kommt der Wein im Vergleich mit dem was seine Nachbarn produzieren eher nicht so gut weg. Was eventuell auch erklärt, warum der Wein seinen Weg nach Deutschland findet. Zwar sind 22 ha schon eine Menge und die wenigsten Winzer schaffen es, eine solche Menge nur regional zu verkaufen, aber trotzdem nicht wirklich genug, um in Mengen zu exportieren.
    Dann zur Cepage. Fer Servadou ist ein Synonym für Braucol. Der Tip an alle Blogger sich für solche Dinge an folgende Seite zu halten, die mit dem önologischen Forschungszentrum und Conservatorium in Montpellier verbunden ist und eindeutige und richtige Infos zu Rebsorten, deren Verbreitung, Synonyme und Herkunft bereit stellt : http://www.vitis.org
    Dort werden ständig auch neue Ergebnisse von gentechnischen Untersuchungen bezüglich der Herkunft durch Kreuzungen eingepflegt.
    Braucol ist die bestimmende Sorte dort und eindeutig und herkunftsmäßig mit dem Gaillac verbunden. Dort hat er allerdings einen etwas anderen Charakter. Im Marçillac ist er etwas härter, mineralischer, dafür aber manchmal auch frischer.
    Noch eine persöhnliche Meinung – Duras gehört charakterlich nicht in die Reihe – und eine komplette Zustimmung : die Südwestler können richtig Späß machen und lassen noch Entdeckungen zu.
    Viel Spaß dabei.

  2. Ja, zum Braucol habe ich das mittlerweile auch auf der Pfanne, ich bin mittlerweile glücklicherweise im Besitz des Standardwerks von Vouillamoz und Robinson. Für die anderen Infos zum Stand des Winzers innerhalb des Gebietes vielen Dank, diese Informationen hatte ich tatsächlich nicht. Und Matze ist der Matthias von Chez Matze 😉

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