Mit Zwiesel 1872 im Schlosshotel Lerbach

Vor einigen Wochen hatte ich eine Einladung im Postfach. Sie betraf die Anfrage, ob ich Lust hätte, eine neue Glasserie vom Glashersteller Zwiesel Kristallglas kennenzulernen, und zwar in einem angemessenen Rahmen. Im Gegensatz zu den meisten Mails, die ich erhalte und in denen ich aufgefordert werde, dieses oder jenes zu probieren oder zu promoten, fand diese Einladung konkrete Aufmerksamkeit, denn die Präsentation der Glasserie Wine Classics sollte im Schlosshotel Lerbach stattfinden, inklusive Menü im Gourmetrestaurant Nils Henkel und der Möglichkeit, mit selbigem Sternekoch am kommenden Morgen zu kochen. Das, so fand ich, war eine Einladung, die weniger nach Butterfahrt denn nach ernst gemeintem Interesse klang, außerdem habe ich, auch wenn ich zuhause selten aus Zwiesel-Gläsern trinke ich eine emotionale Markenbindung – Zwiesel hat meine ersten Weinveranstaltungen unterstützt und Gläser zur Verfügung gestellt. Die Pressereise in eines der führenden Restaurants der Republik war genauso dezent wie professionell organisiert, natürlich freut sich Zwiesel, wenn ich über die die neue Serie schreibe, vor allem jedoch war es angenehmes Beisammensein, Genuss auf hohem Niveau und ein Vernetzen mit Bloggern, die teils aus ganz anderen Bereichen stammten und es war auch jemand dabei, den ich gerne einmal kennenlernen wollte, Astrid, Arthurs kochende Tochter.

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Das Schlosshotel Lerbach liegt etwas abseits der Zentren von Köln und Bonn im Bergischen. Fährt man durch den Park die lange Auffahrt zum Hotel entlang, entschwindet man ein wenig der schnellen Welt und kommt schon in den ersten Minuten ein wenig herunter. Das Schloßhotel ist kein protziger Luxustempel, alles ist klassisch gediegen und dankenswerterweise nicht überfrachtet. Das Luxus des Zimmers ist die Größe, nicht der Schnickschnack. Auf dem Schreibtisch liegt die Einladung zu einem Treffen in der Lounge und so begebe ich mich dorthin und schaue, was mich erwartet.

Wir sind eine kleine Gruppe, die sich bei ein bis zwei Gläsern Champagne Bruno Paillard brut trifft und sich langsam ein wenig annähert. Es sind schließlich Nils Henkel und der Sommelier Thomas Sommer persönlich, die uns zum Essen geleiteten. Die folgenden sechs Gänge geben einen guten Eindruck von Henkels präziser „Pure Nature“ Küche. Eine Mischung die stark auf Regionalität setzt, jedoch nicht ausschließlich, die immer leicht wirkt und mit einer gekonnten Auswahl von Kräutern und Gewürzen die Gerichte in der Balance hält.

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Das Schlosshotel ist für Zwiesel natürlich kein unbekannter Ort, denn auch sonst trinken die Gäste ihre Weine aus Zwiesel-Gläsern. Thomas Sommer musste sich allerdings sehr kurzfristig mit der umfangreichen Glasserie auseinandersetzten, die insgesamt aus 13 Varianten besteht. Er war gerade erst vom internationalen Sommelier-Contest eingetrudelt, hat die passende Auswahl der Gläser und auch die der Weine zu den Gängen allerdings erwartungsgemäß professionell gemeistert. Zu Amuse Bouche und dem ersten Gang, Entenleber mit Birkensaft, Gerstenmalz und Süßdolde hat Sommer einen 2006er Rüdesheimer Berg Rottland Riesling Spätlese von Leitz eingeschenkt. Ich musste mich bei diesem Wein erst auf das Glas einstellen. wie man sieht, hat die Serie, die eine red dot Auszeichnung, einen der wichtigsten internationalen Designpreise, erhalten hat, eine durchaus ungewöhnliche Form. Die erste Idee, die ich zu den Gläsern hatte war: das ist ein nordischer Kamintropfen. Und als ich ich mich zu Astrid Paul umdrehte, merkt sie ebenfalls an, die Gläser sähen irgendwie dänisch oder schwedisch, zumindest nordisch aus.

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An den Riesling konnte ich mich sehr gut gewöhnen, er war fantastisch gereift und hatte alles, was ich an Rheingau-Rieslingen mag  an das Glas nicht. Für meinen Zinken ist die Öffnung, die der Kamin oben hat, zu klein. Ich komme mir vor, als müsste ich das Glas wie in einer Persiflage zwischen Daumen und Zeigefinger halten und mit spitzem Mund probieren. Das geht mir beim zweiten Wein, der 2011er Therese, erste STK Lage vom Weingut Erich und Walter Polz aus der Südsteiermark genauso. Schöner Wein, nicht so beeindruckend wie der Berg Rottland, doch harmonisch abgestimmt mit dem Kabelejau aus Island, den Morcheln und Risi Bisi. Das Glas bündelt zwar die Aromen sehr schön, doch auch hier ist mir die Öffnung zu klein, das Glas zu schlank.

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Das ändert sich mit dem nächsten Gang und einem meiner Lieblingsweine. Zu Bretonischer Makrele, Gurke, Taschenkrebs und Getreidesalat gibt es eine ungewöhnliche Kombination, ein 1996er Vina Tondonia Rerserva Blanco von Lopez de Heredia, Rioja. Das ist kein Schlürfwein, kein Spaßwein sondern ein intellektuelles, tiefes, komplexes Meisterstück. Rioja alter Schule, bernsteinfarben mit dem Duft von Vanille, Toffee, Walnüssen, Butterfudge, gerösteten Mandeln und und und. Am Gaumen fein und streng, präszise und supertrocken. Der Wein passt – ich hätte es wirklich nicht erwartet – ausgezeichnet zur Markrele. Und das Chardonnay-Glas aus der Wine Classics Serie gefällt mir außerordentlich gut. Es ist mittlerweile sogar ein ständiger Begleiter, habe ich doch zum weiteren Testen eine ganze Reihe der Gläser von Zwiesel 1872 zur Verfügung gestellt bekommen. Als Freund von Zalto-Gläsern und dem Universalglas von René Gabriel habe ich mittlerweile zwei Gläser aus der Wine Classics Serie adaptiert, das Chardonnay- und das Pinot-Glas. Sie sind etwas gedrungener als die anderen Gläser, verfügen über einen breiten Boden, der dem Wein viel Luft gibt, jedoch oben auch über eine breitere Öffnung, die mir Raum lässt.

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Zum Lammrücken aus der Eifel mit Mairübchen, Amalfizitrone und Spinat, meine präferierten Gang, der auch von Henkels Seite aus am meisten Überraschungsmoment hatte, fand sich ein 2008er Poeira von Jorge Nobre Moreira ein, Wein aus Portugal, wie ich ihn liebe, mit viel Würze feiner Frucht und Frische, viel Frische.

Schließlich dann eine 2010er Cuvée Hügelland Beerenauslese vom Weingut Seehof in Westhofen mit einer deutlichen Scheurebe-Note, einem feinen, sauternesähnlichen Pilzgeruch und einer angenehm zurückhaltenden Süße. Sie begleitete Gariguette-Erdbeeren, Ivoireschokolade, Rhabarber und Mascarpone-Eis. Sehr fein, sehr köstlich, vor allem in dieser Kombination.

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Dass Zwiesel es ernst gemeint hat, uns zu begeistern und zu beglücken wurde dann noch mal am zweiten Tag deutlich. Kochen mit Nils Henkel stand auf dem Programm und ein abschließendes Amuse Bouche-Menü, zu dem ich leider nicht bleiben konnte. Seit Ihr voreingenommen, was Sterneköche angeht? Vergesst es bei Nils Henkel, er hat nichts mit den lauten und teils um Aufmerksamkeit heischenden Fernsehköchen zu tun. Henkel ist ein ruhiger, ganz unprätentiöser Charakter. Genau deshalb hat es viel Spaß gemacht, ihm über die Schulter zu schauen und ein wenig selbst Hand anlegen zu können. Überhaupt macht es für mich als Hobbykoch Spaß zuzusehen, wie präzise man in der Küche arbeiten kann (ich habe mir danach zuhause erst einmal meine japanische Klinge frisch geschleift).

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Wir haben gemeinsam vorbereiten und gegessen. Und zwar Rindertartar im Frühlingsbeet, gedämpfter Zander mit Frühlingsmorcheln und gebratene Jakobsmuschel mit Karottenkümmelsud, Karottencouscous und Erdnüssen. Rindertaratar zerkleinere ich seitdem ebenfalls selbst, der Zerteilung des Zanders zuzuschauen war eine Wonne und selbst mal ein paar Jakobsmuscheln auseinander zu nehmen war auch nicht zu verachten.  Kurz gesagt, hat Zwiesel nicht nur eine interessante und diskussionswürdige Glasserie herausgebracht, die man mir in einem wunderbar entspannten Rahmen näher gebracht hat, es hat nachhaltig Freude bereitet und ich war mal wieder im Schloßhotel Lerbach, unweit des Ortes, wo mein Sohn geboren wurde und dort, wo meine Cousine, die hoffentlich bald hier im Blog ein wenig aus der Wein- und Craftbeerszene Südafrikas berichten wird, ihre Ausbildung gemacht hat.

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