Domaine Richeaume, Cuvée Tradition – eine Herzensangelegenheit

Es ist mal wieder Zeit für Herzensangelegenheiten. Für Weine, die ich schätze. Nein mehr als das. Sie begleiten meine Weinleidenschaft seit vielen Jahren. So komme ich mal wieder auf die Weine der Domaine Richeaume zurück, die ich natürlich nicht das erste mal hier erwähne. Doch habe ich vor wenigen Tagen dankenswerter Weise mehr als ein Paket von vinaturel ins Haus bekommen, in dem sich eine Reihe von Richeaume-Weinen befand. Sogleich mischte sich die Vorfreude auf die Weine mit einer gewissen Wehmut. Denn als ich meinen kleinen Originalverkorkt-Bauchladen noch hatte, war ich mit Henning Hoesch, dem Gründer der Domaine gerade übereingekommen, dass ich seine Weine in mein Programm aufgenommen hätte. Inklusive einiger gereifter und seltener Jahrgänge. Es ist anders gekommen, so laufen die Dinge, und letztlich überwiegt natürlich die Vorfreude auf die Weine.

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In einer kleinen sporadischen Serie über die Weine des provenzialischen Weinguts beginne ich mit der Basisqualität der Weine. Es sei gleich dazu gesagt, dass diese bei ca. € 15,- beginnt, also nicht ganz günstig zu haben ist. Dafür allerdings bietet sie jede Menge Wein. die Tradition-Serie besteht aus Weißwein, Rotwein und Rosé. Natürlich Rosé, schließlich sind wir in der Provence. Genauer gesagt unterhalb der Montagne Saint Victoire, nicht allzu weit von Aix-en-Provence entfernt. Hoesch, der aus einer rheinischen Unternehmerfamilie stammt, hat hier zu Beginn der siebziger einige Hektar Land gepachtet und später gekauft. Er hat das Anwesen und vor allem die Weinberge immer weiter, aber behutsam vergrößert. Henning und später auch sein Sohn Sylvain haben dabei von Anfang an auf biologische Weinbergsarbeit gesetzt – was in den Siebzigern nicht unbedingt üblich war. Es ist jedoch mehr, was die Hoeschs auf Richeaume verwirklichen. Es ist vielmehr eine Kreislaufwirtschaft, die die Domaine quasi autark macht. Sie wird durch den Kreis symbolisiert, der mittlerweile jedes Etikett prägt und den Wein durchschimmern lässt. Dieser Kreis, man schaue sich die Impressionen auf der Website an, wird auch architektonisch und in den Rebanlagen immer wieder aufgegriffen.

 

Foto links: © Richeaume

Foto links: © Richeaume

Überhaupt die Landschaft und die Architektur. Die Domaine Richeaume war eines der ersten Weingüter in Frankreich, bei dem ich mich getraut habe, meinen Fuß über die Türschwelle zu setzen. Vielleicht, weil die Sprachbarriere nicht vorhanden war, möglicherweise aber auch, weil ich einfach so angetan war von diesem Ort. Wer runter fährt in die Provence, sollte einen Besuch vor Ort nicht verpassen und neben Wein auch Olivenöl einpacken.

 

© Richeaume

© Richeaume

Die Hoeschs verbinden in ihren Cuvées im Wesentlichen typische südfranzösische Rebsorten. So nutzen sie für den Rosé Grenache, Syrah und Cinsault, für die weiße Cuvée Rolle (Vermentino) und Clairette.  Was man zunächst in der Provence weniger erwartet sind Cabernet und Merlot. Diese finden sowohl ihren Platz in der Cuvée Tradition, als auch in der teureren Cuvée Columelle (hier schon mal beschrieben). Wer jetzt meint, er hätte hier so einen typischen nach seelenlosem Cabernet und Merlot schmeckenden Allgemeinplatz vor sich, dem darf ich Entwarnung geben. Schon bei der erwähnten Cuvée Columelle habe ich mich damals gefragt,  weshalb man im Süden nicht häufiger Syrah und Cabernet zusammen bringt.

Bei der Cuvée Tradition Rouge 2010 ist es nicht Syrah, sondern Grenache, die den Löwenanteil ausmacht. Grenache und Cabernet (und ein wenig Merlot) passt allerdings auch. Und die Hoeschs schaffen es, einen Wein zu kreieren, der zunächst nach Grenache schmeckt, so fruchtbetont und saftig, bei dem allerdings dann der Cabernet immer prägnanter wird. So als würde man in einen Dekanter, halbvoll mit Grenache, langsam den Cabernet einfließen lassen. Das ist großartig, vor allem, wenn sich der Wein öffnet. Schon die Einstiegscuvée – ok, sie kostet hier so viel wie bei anderen das Spitzenprodukt – zeigt Dichte und Komplexität und eine ungemein samtige Textur. Es dürfte das Prinzip des Weinguts sein, Weine mit Charakter zu produzieren, die trotzdem nicht zu kantig sind sondern Schmelz und Feinheit besitzen. Hier kommen also Gewürze, Pfeffer mit jeder Menge Frucht von Kirschen und Cassis zusammen und oben drauf noch Schokolade, Mokka und ein Hauch von Süßholz. In der Provence sind Weine von solche Klasse vergleichsweise selten.

Sylvain und Henning Hoesch, © Weingut

Sylvain und Henning Hoesch, © Richeaume

Typischer als der Tradition rouge ist der Tradition Blanc. In der Tradition Blanc 2011 wird Rolle, wie der Vermentino hier auch heißt, mit Clairette zu einer Cuvée geformt, die zunächst zart nach Mandelblüten und leichten Birnen und Quittennoten duftet, wo dann mit zunehmender Luft jedoch deutlich der Kalkstein Einzug hält. Je offener der Weiße wird, desto vielschichtiger wird er und desto schöner ergänzen sich Frucht, Kräuter und Gestein. Diesem Wein kommt zugute, dass ich Weißweine aus dieser Gegend, also von der Rhône runter bis an die spanische Grenze und darüber hinaus immer lieber trinken mag. Hier ist die Frucht nicht zu üppig, die Weine tragen oft eine herbe, sehr kräutrige Note und of steinige Note mit sich, die mir ausgesprochen gut gefällt. auch hier ist es so, dass der Wein, wie schon der Rote, viel Harmonie ausstrahlt. Das ist kein Freakwein, keiner mit zu vielen Ecken und Kanten – wie ich es auch durchaus mag, aber auch nicht immer, aber das ist Stoff, der sich die nächsten Jahre noch deutlich weiter entwickeln dürfte.

© Richeaume

Zum Schluss schließlich der Rosé, der mittlerweile auch Tradition heißt. Wahrscheinlich habe ich Anfang der Neunziger zum ersten Mal einen Rosé von Richeaume probiert und er ist mir immer in Erinnerung geblieben. Der Tradition Rosé 2012 ist ein lachsfarbener Provence-Rosé, wie er hier farblich üblich ist, vielleicht etwas kräftiger als die meisten anderen, die ich aus der Gegend so kenne, doch immer noch typisch. Auch in der Nase ist es Provence. Etwas Himbeer, aber auch Kirsche, Apfel, aber auch Holunderblüte, Kräuter und Mandelblüte und dann wieder der Kalkstein. Der kommt auch hier wieder, nachdem der Wein Sauerstoff bekommen hat. Dann wird die Note markant und kräftig. Sie bestimmt den Geschmack am Gaumen, wird begleitet von Kräutern und saftiger Frucht, vor allem aber auch von Zitronennoten und besagter Kräutermischung. Diese Flasche Wein hat keine Stunde überdauert. So saftig und lecker war dieser Rosé aus Grenache und Cinsault. Ein gutes Zeichen, oder?

Die Weine gibt es bei vinaturel, die mir die Flaschen freundlicherweise auch zur Verfügung gestellt haben. Der Tradition Rosé kostet € 15,-, Tradition Rouge und Tradition Blanc je € 17.50

1 Kommentare

  1. Thomas Timm

    Hallo,

    wir haben einige Flaschen Domaine Richeaume Tradition 2013 gekauft und waren enttäuscht. Der Wein ist sauer und flach und keineswegs die rund 18 Euro wert, die er kostet. Der Syrah, von dem wir ebenfalls einige Flaschen gekauft haben, ist deutlich besser, er schlägt aber auch mit rund dem Doppelten zu Buche. Der Tradition 2013 steht auf einer Qualitätstufe mit Weinen, die ich sonst für weit unter 10 Euro kaufe und selbst in diesem Segement habe ich deutlich bessere getrunken. Meinen Gästen gegenüber war mir das sehr peinlich, hatte ich die Weine der Domaine Recheaume doch so sehr gelobt, dass mit entsprechender Erwartungshaltung entkorkt wurde. Nun ja, dann gab’s eben lange Gesichter. Ich mache keine Werbung mehr für dieses Weingestüt, dessen vermeintlich günstige Weine nichts taugen und dessen “große” Weine entschieden zu teuer sind.

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