Heimatwein: St. Goarer Burg Rheinfels Riesling trocken 2012, Philipps-Mühle, Mittelrhein

Endlich habe ich mal wieder Rheinwein im Glas, Heimatwein. Denn der Riesling stammt aus dem Anbaugebiet, in dem ich lange gewohnt habe. Das Gebiet Mittelrhein beginnt in Königswinter und zieht sich weiter entlang des Rheins bis Bingen (eigentlich beginnt es natürlich in Bingen und zieht sich bis zum Siebengebirge, wenn man es genau nimmt). In den letzten Ausläufern dieses Gebietes rund um den Drachenfels wird vielleicht noch kein Wein produziert, der es mit der großen Weinwelt aufnimmt, doch die Weine werden auch hier endlich besser. Daran dürfte Felix Pieper vom gleichnamigen Weingut Pieper nicht ganz unbeteiligt sein. Zwei seiner Kollegen im Interessensverband Gipfelstürmer Mittlerhein sind Thomas und Martin Philipps, und von den hat man mir hier in Hamburg eine Flasche Riesling in die Hand gedrückt. Das kommt nicht von ungefähr, denn ein Kollege von mir hat mit Thomas Philipps zusammen in Geisenheim studiert.

Phillipsmuehle_riesling_burg_rheinfels_2012

Die Philipps-Mühle liegt am Loreleyfelsen. Auf knapp vier Hektar wird fast ausschließlich Riesling angebaut, der auf Devonschieferböden wächst. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend am Mittelrhein haben die Brüder in den letzten Jahren Steillagen rekultiviert – ein Ansatz, den alle Winzer der Gipfelstürmergruppe verfolgen. „Steillagen retten, Verlorenes Terroir zurückholen, alte Lagen rekultivieren, höchste Qualität, keine Kompromisse“, so lautet das Motto der Gruppe. Das ist aller Ehren wert, denn dem Mittelrhein geht es als Weinbaugebiet nicht gut. Selbst Weinkenner werden höchstens drei, vier, fünf Namen aufzählen können. Das ist nicht viel, doch das Gebiet hat keinen Ruf und mit dem Bacharacher Hahn und dem Bopparder Hamm nur begrenzt viele bekannte Lagen.

Die Philipps-Mühle ist eine alte Getreidemühle und Winzerschenke, zu der früher gerade einmal 0,3 Hektar Wingert gehörten. Man macht hier sein Geld mit Gastwirtschaft, hat allerdings einen Weinladen, eine Vinothek ausgebaut und bietet hier ziemlich erfolgreich Wein an, natürlich auch den eigenen.

Mir hatte die Flasche 2012er Riesling trocken St. Goarer Burg Rheinfels gut gefallen. Das ist Steilhang-Riesling aus dem Schiefer, dessen mineralische Note man deutlich schmeckt. Ein geradliniger und schön stoffiger Wein mit einer angenehmen Kernobstfrucht, die sich gut mit dem Schieferton verbindet und ein klares Säuregerüst aufweist. Der Preis von €9.50 ist nicht unambitioniert und für das Gebiet schon hoch angesetzt. Wenn man damit allerdings dazu beiträgt, Weinkultur und Weinberge am Mittelrhein zu erhalten, finde ich das völlig in Ordnung, denn der Wein ist gut und sollte weiterempfohlen werden.

4 Kommentare

  1. Ich hab ja mit meiner besseren Hälfte irgendwann mal J.P.Zwick aus Hammerstein am Mittelrhein (http://www.weingut-zwick.de/) zu unserem Hauswinzer erklärt – der hat auch ausgesprochen leckere und bezahlbare Gewächse.

    Woher auch immer dieses seltsame Vorurteil kommt, man könnte Mittelrhein nicht trinken: Wir sind damit ausgesprochen glücklich. Wenn ich das nächste Mal vor Ort bin zum Einkaufen (wir fahren üblicherweise einmal im Jahr da hin und trinken uns durch die aktuellen Sorten, um dann zu entscheiden, wieviel Kaddongs wovon wir mitnehmen) frag ich mal, ob er die Initiative kennt und was er davon hält. Ich finde das eine sehr gute Idee…

    Apropos Mittlrhein: Schonmal die 2 Winzer an der Lahn gefragt, ob die da mitmachen wollen ? Die machen auch sehr spannende (im Sinne von sehr interessant eigenwillig) Weine und haben auch das Problem, dass ihre Steillagen nicht wirklich dankbar in der Bearbeitung sind und immer kleiner werden. Lustiges Bonmot der Geschichte: Da es sich für 2 Winzer nicht lohnt, ein eigenes Anbaugebiet zu definieren, hat man sie kurzerhand offiziell “Mittelrhein” zugeschlagen, auch wenn sie wahrlich nicht am Rhein wohnen ;).

    chrysophylax.

  2. Ja, das kommt schon mal vor. Das Gebiet Mosel umfasst ja auch Saar und Ruwer. Da aber die Initiative nicht von mir kommt, habe ich die LAhn-Winzer nicht gefragt, nein. Weingut Zwick kenne ich bisher nicht, nein. Muss ich mal hinfahren, wenn ich wieder dort bin.

  3. Der Zwick ist glaub ich ein ziemlich kleiner Familienbetrieb – was ihn nur umso sympathischer macht. Und bei seinen Getränken sind einige ausgesprochen leckere dabei…

    chrysophylax.

  4. Pingback: Bezahlbarer Steillagen-Riesling mit Ich-will-mehr-davon-Charakter » originalverkorkt

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