Sizilianischer Hotspot: Vittoria und der SP68 von Arianna Occhipinti

Es wird gerade immer deutlicher: eine der spannendsten und quirligsten Weinregionen ist die Insel Sizilien. Um es zu präzisieren, es tut sich etwas am Etna und es tut sich etwas im Val di Noto. Wer einfach nur von Sizilien als Anbaugebiet spricht, wird der Komplexität des Weinbaus auf der Insel sowieso nicht gerecht. Man sollte das Gebiet zumindest in vier Zonen aufteilen und jede Zone hat seine eigenen autochthonen Sorten und Gegebenheiten.

Arianna Occhipinti. With kind permission: © Levi Dalton, I'll drink to that

© Arianna Occhipinti

Bevor ich in Kürze näher auf die einzelnen Regionen eingehen werde, gibt es heute einen Vorgeschmack in Form des SP68 von Arianna Occhipinti. Die Endzwanzigerin gehört gerade zu den aktuellen Stars der italienischen Weinszene. Sie wird in New York genauso herumgereicht wie in London oder eben in Italien. Das Interessante an ihr ist, dass sie von Sizilien weggegangen ist, um wiederzukommen. Denn das tun dort nur noch wenige. Die wirtschaftlichen Bedingungen sind, gerade jetzt in der Krise, alles andere als gut. Und doch hat sie den Schritt gewagt, von der Weinbauschule in Norditalien zurückzukehren um ihr eigenes Ding zu machen. Die Voraussetzungen dabei waren allerdings auch nicht die schlechtesten, denn sie ist die Nichte eines der COS-Gründers. Und COS (das O bei COS ist der Anfangsbuchstabe von Occhipinti) gehört seit Jahren zu den Vorreitern einer Stiländerung bei sizilianischem Wein, weg von fetten Schlachtschiffen und allzu kaltvergorenen Weißweinen aus seelenlos gemachten internationalen Rebsorten. Bei COS wird schon lange biologisch bzw. biodynamisch erzeugt, hier werden immer mehr Steingutfässer und Amphoren genutzt, nicht zum Selbstzweck, sondern um Charakter zu schaffen. Arianna, die Frau mit der leicht heiseren Stimme und dem markanten Lachen setzt auf dieser Erfahrung auf und will weitergehen. Was bei ihr entsteht, ist ausgesprochen saftiger und frischer Rotwein, bei dem selten, und wenn dann nur wenige gebrauchte Fässer  aus slawonischer Eiche die Frucht und die Ursprünglichkeit veränderen. Besonderen Wert legt die Sizilianerin auf den Frappato, eine urtümliche, lang unterschätze Sorte, die jedoch in den bekanntesten Wein der Gegend, den Carasuolo di Vittoria mit einfließt. Diese Rebsorte, deren DNA noch nicht zugeordnet werden kann, man weiß jedoch, dass irgendwo in ihrem Stammbau Sangiovese auftaucht, ist hell, hat also wenig Farbstoffe, ist fruchtbetont und blumig.

sp68

Im SP68, dem Wein der nach der strada provinciale, der ältesten Weinroute der Insel benannt ist, finden sowohl Frappato als auch Nero d’Avola Eingang. Die Reben, die für diesen Wein verwendet werden, stehen ca. 260 Meter über N.N. und sind noch jung – ca. 10 Jahre alt. Die beiden Sorten werden in biodynamischer Art gepflegt und gehegt, der Traubensaft spontan vergoren und der Wein, der im Edelstahl ausgebaut wird, ist unfiltriert abgefüllt. Das erste Mal bin ich dem Wein auf Ariannas Stand auf der Vinintaly begegnet, und dieser war total belagert. Entsprechend schwer viel eine kritische Auseinandersetzung mit den Weinen. Jetzt hatte ich zwei Tage Zeit und das erste, was bei diesem Wein auffällt ist die ungemein attraktive Nase. Keine Spontinoten, keine Schwere, stattdessen Sauerkirschen und Blaubeeren, so frisch, als wären sie gerade geerntet worden und leicht angedrückt, so dass der Saft herausläuft, während man selbst auf einem feuchten Stein inmitten eines Kräuter- und Blütenfeldes sitzt, in dem Veilchen und Rosen ihren Platz gefunden haben. Die Frische des Weines riecht man schon, am Gaumen aber wird sie präsent. Da ist wieder der Saft von Sauerkirschen, viel Säure, aber nicht zu viel, dazu Mineralität, und eine Hand voll Kräuter. Der Wein ist noch sehr jung und es heißt, dass er ein gutes Alterungspotential hat. Darauf bin ich sehr gespannt und lege eine Flasche weg.

 Bald mehr zu Arianna Occhipinti, Ihrem Onkel und weiteren Erzeugern von der Insel. Der Wein wurde mir freundlicher Weise von vinaturel.de zur Verfügung gestellt und kostet dort € 15,00.

1 Kommentare

  1. Als wir vor ein paar Monaten im Elsass waren, hatte ich die Weine von Arianna Occhipinti in einem Laden gesehen. Ich bin also gleich reingegangen, weil ich von den Weinen zwar schon gelesen, aber noch nichts probiert hatte. Auf meine Frage, was sie denn von den Weinen halten würde, meinte die Verkäuferin: “Naja, nicht so interessant. Schmecken eher modern.” Ich dachte daraufhin natürlich nicht an Cos, sondern eher an Cusumanu und habe etwas anderes gekauft. Lustigerweise fragte mich Julia, kaum dass wir das Geschäft verlassen hatten: “Meinst Du, die Verkäuferin hatte Ahnung von Wein?” Weiß ich natürlich bis heute nicht, aber Deine Beschreibung klingt irgendwie wesentlich vielversprechender. Cos mag ich ja wirklich gern.

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