Champ des Treilles – So ziemlich das Beste, was ich bisher an Bordeaux gekauft habe

Manchmal braucht es Überschriften, die ein wenig reißerisch sind um Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, dem Aufmerksamkeit gebührt. In diesem Fall bin ich der Meinung, dass die beiden Weine, um die es hier geht, jede Aufmerksamkeit verdient haben.

Doch fangen wir nicht direkt bei diesen Weinen an, beginnen wir im Pauillac. Dort gibt es eine enorme Dichte herausragender Châteaux, die immer und beständig unter den besten Weingütern des Bordelais sind, seit weit über hundert Jahren. Es gibt zusätzlich ein Weingut, dass zwar schon immer zu der größeren Anzahl sehr guter Weingüter gehörte, doch erst in den letzten zehn Jahren begonnen hat, sein wirkliches Potential auszuspielen. Es ist Château Pontet-Canet, das in der Médoc-Klassifikation von 1855 den Rang eines 5ième Cru Classé-Weingutes zugesprochen bekommen hat. Heute, oder sagen wir spätestens seit dem 2003er Jahrgang könnte man es deutlich höher einstufen. Dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Zum einen hat die Familie Tesseron, der das Weingut seit Mitte der Siebziger gehört genügend Geld, denn das ist unabdingbar, um einen Cru Classé-Weingut auf höchstem Level fahren zu können. Es war vor allem unabdingbar in der Zeit, in der das Weingut renoviert und neu ausgerichtet werden musste. Heute sind die Weine so teuer, dass dieses Geld längst zurückfließt. Neben dem Geld waren zwei andere Dinge wichtig: eine Vision und Menschen, die diese umsetzen. Eine dieser Personen ist Alfred Tesseron, der seit Anfang der 90er die Geschäfte führt. Die andere Person ist Jean-Michel Comme, der seit 1988 für Weinberge und Keller des Guts verantwortlich zeichnet.

Nun will es der Zufall, dass Jean-Michel Comme (hier Foto und Interview vom Winedoctor) auf der rechten Seite der Gironde selbst ein Weingut besitzt, dass er von seinen Eltern geerbt hat und das in den 20ern von den Großeltern, Einwanderern aus Italien, angelegt worden ist. Es liegt in der ziemlich unbekannten Sub-Appellation Sainte-Foye im Libourne, gar nicht mehr so weit entfernt von Bergerac. Hier hat Comme schon vor langer Zeit auf ökologischen und dann auf biodynamischen Anbau umgestellt. Seine Erfahrungen fließen seit 1988 in die Weinbergsarbeit von Pontet-Canet ein, dass mittlerweile das erste Cru Classé Weingut des Bordelais ist, wo man Biodynamie so konsequent umgesetzt hat, dass man sich offiziell hat zertifizieren lassen.

Natürlich handelt es sich bei Commes Weingut in der Gegend von Sainte Foye um das Château Champs des Teilles. Ich habe in den letzten Tagen zwei Weine probiert, den 2010er Le Petite Champs und den 2009er Grand Vin. Beide werden vom Merlot leicht dominiert, dazu gibt es beide Sorten Cabernet. Die Böden des Weinguts setzen sich aus Kalk und Lehm zusammen und die Rebstöcke sind teils über 50 Jahre alt.

Le Petite Champs 2010
Der jüngere der beiden Weine hat kein Holz gesehen. Er wurde spontan in Betontanks vergoren und ist dort auch 12 Monate gereift. Le Petit hat jede Menge saftige, fleischige Frucht, Kirsch, Holunder, Zwetschgen. Dazu kommt Kakao und Stein und eine leichte Salzigkeit die ihn nach Bordeaux riechen lässt. Zwar hat der Wein 14.5% Alkohol, was so an der Grenze ist, auch wenn man den Alkohol erst einmal nicht schmeckt, aber er wirkt überhaupt nicht konzentriert, also überkonzentriert. Dieser Bordeaux, der gerade einmal 10 Euro kostet hat Struktur und Länge, schönes, leicht rustikales Tannin, was ihn umso mehr klassisch macht. Das ist vom Merlot dominierter Right-Bank-Bordeaux für den kleinen Geldbeutel und er macht viel Spaß. Das dürfte sich auch nicht ändern, wenn man im Laufe der Zeit mal ein paar Flaschen mehr getrunken hat. Der Grund dafür ist simpel. Dieser Wein hat Charakter. Rotweine für zehn Euro, vor allem aus dem Bordelais, haben selten Charakter. Fehlt die Abstinenz von Holz? Nein. Es fehlt diesem Wein genauso wenig, wie es den Weinen von Terroir al Limit oder von COS fehlt. Hier gibt sich die reife Frucht ein Stelldichein mit Säure, Gerbstoffen und einem Gefühl von Mineralität, und das ist einfach gut.

Für eine solch unbekannte Subappellation wirklich ein Grand Vin

Le Grand Vin 2009
Dieser Wein dagegen lag im Holz, wovon 30% neu waren und der Rest aus Erst- und Zweitbelegung. Er stammt, wie auch der Le Petit Champs, aus einem exzellenten Jahrgang. Der Wein hat von allem reichlich. Frucht ist in Hülle und Fülle vorhanden, sie ist konzentriert, aber es ist nicht zu viel. Der Holzeinsatz ist spürbar, aber ebenfalls gekonnt. Neben der Frucht finden sich auch hier wieder genügend Säure und etwas Trockenkräutriges und Steiniges, vor allem aber Mokka und flüssige Schokolade. Der Wein ist üppig und saftig, wieder typisch Bordeaux rechtes Ufer mit einem klaren Merlot-Anteil. Doch naturgemäß schmelziger und voluminöser als der Le Petit. Dieser Wein aus einer weitgehend unbekannten Zone des Gebiets dürfte das Beste repräsentieren, was man hier, wo man nicht mit den Böden von Pauillac oder Pomerol gesegnet ist, rausholen kann, und das ist mehr, als ich vermutet hätte. Diesen Wein neben Weinen wie beispielsweise Poujeaux oder andere ehemalige Top-Cru-Bourgeois-Güter zu stellen, dürfte gar kein Problem sein. Da kommt dieser Wein ganz klar mit. Man erkennt hier die Hand eines Könners und im Gegensatz zu Pontet-Canet, der enorm dich und konzentriert scheint und bei aller Liebe häufig nicht mehr das repräsentiert, was ich eigentlich an Weinen dieses Gebietes so schätze, kann Jean-Michel Comme hier machen was er will. Seine Weine werden weder zu Kritikern noch zu irgendwelchen Concours geschickt. Er braucht keine Punkte. Ein Absatzproblem dürfte er trotzdem nicht haben.

Gekauft habe ich die Weine letzte Woche hier bei einfachweinkaufen.de. Allerdings finde ich sie schon heute nicht mehr im Angebot. Bei ABC-Wines gibt es beide, den Grand Vin für € 15.50 und Le Petit Champs für € 9.95, wenn auch aus dem Jahrgang 2011. Der Großmeister des Frankreich-Weinangebots, Sébastien Visentin hat die Weine ebenfalls, nur wie immer leider ohne Preis und nur auf Anfrage. Trotzdem, für diese Weine lohnt sich eine Anfrage. Wenn ihr bezahlbaren Bordeaux auf exzellentem Niveau haben wollt, kauft Euch beide Varianten.

Um schließlich noch mal auf die Überschrift zurückzukommen: Wenn ich Preis, Spaß, Überraschung und Lust zusammennehme, dann stimmt jedes Wort und nichts ist übertrieben. Das gilt vor allem für den Le Petit Champs. Er zeigt, dass Bordeaux ohne Holz sehr gut geht. Ja, ich würde ihn dem Grand Vin vorziehen. Er hat mehr Charme, macht mehr Lust auf Wein, muss nichts beweisen und bleibt einfach richtig guter Wein.

3 Kommentare

  1. Ich hab auch schon einiges über den Wein gehört leider hab ich keine Bezugsquelle gefunden hat einer einen Tip für mich?

  2. Pingback: Beeindruckender, bezahlbarer Syrah von der Nord-Rhône: Eric Textier Brézème 2010 » originalverkorkt

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