Le Beaujolais Nouveau est arrivé – zum Glück der von Jean-Paul Brun

Es muss so im November 1987 oder 88 gewesen sein, da war ich unterwegs auf Orchesterfreizeit mit meiner damaligen Schule. Damals hatte ich eine Mitschülerin, deren Eltern nebenbei einen kleinen Frankreich-Wein-Import betrieben. Ich erinnere mich an Café de Paris und Weine von Cheval-Quancard, deren Entre-deux-Mers names Canter lange der Standardwein meines Vaters war. Diese Mitschülerin jedenfalls hatte ein, zwei Kisten Wein mit zur Orchesterfreizeit gebracht und natürlich hatten wir nichts Besseres zu tun, als diese in einer kleinen Gruppe abends zu vertilgen. An diesem Abend saß ich die meiste Zeit auf dem oberen Etagenbett unseres Zimmers im Landschulheim bei Daun in der Eifel und trank. Von einem Moment auf den anderen jedoch wurde mir speiübel und ohne mich noch bewegen zu können ergoss sich der Inhalt meines Magens aus der Höhe des oberen Etagenbetts. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich für den Rest des Abends Hohn und Spott gepachtet hatte.

brun_beaujolais_nouveau_01

Ich konnte zwar damals tatsächlich nicht wirklich viel vertragen und Besäufnisse, wie sie in dem Alter eben stattfanden, endeten für mich immer irgendwie mit dem Kopf über der Kloschüssel, doch diese Spontanentleerung war selbst für mich nicht normal, zumal es mir danach wieder blendend ging. Ich versuchte also, den anderen zu erklären, dass ich mitnichten zu viel getrunken hatte, aber das war natürlich für die Katz. Die anderen tranken fröhlich weiter, während ich den Boden des Zimmers geschrubbt habe. Ich bin dann irgendwann ins Bett gegangen und habe gar nicht mehr mitbekommen, dass in der Nacht noch mehrere aus der Gruppe mit heftigsten Magenkrämpfen ins Krankenhaus gebracht wurden und es auch sonst keinem, der mitgetrunken hatte, wirklich gut ging.

brun_beaujolais_nouveau_02

Ich habe danach kein Glas Beaujolais Nouveau mehr angerührt – 20 Jahre nicht. Ich hatte allerdings auch nie das Gefühl, dass ich wirklich etwas Entscheidendes verpasst hätte. Letzten Samstag dann habe ich bei den Wein-Rebellen die Weine für die kommende WRINT Weihnachtswein-Sendung abgeholt. Dort standen zwei Sorten von Beaujolais Nouveau. Und war der von Jean-Paul Brun, einem der besten Weinmacher dieses Gebiets (ich habe hier schon mal etwas mehr über ihn geschrieben). Einer der Weine sieht aus, wie so ein junger Spaßwein eben heute aussieht, bunt, mit Blumen drauf und mit einer leichten Restsüße. Der andere, der Terres Dorées L’Ancien 2013 sieht nicht nur aus wie ein seriöser Beaujolais, er hat auch die Anlagen dazu. Er hat nichts, aber auch gar nichts mit der Plörre zu tun, die den Ruf des Beaujolais über Jahrzehnte so nachhaltig beschädigt hat. Das hier ist zwar ganz junger Wein, und auch definitiv ein Spaßwein, aber einer, der es trotzdem in sich hat. Natürlich geht es um Frucht, aber nicht nur. Der L’Ancien riecht zunächst einmal nach frischem Brotteig (nicht nur nach Hefe) in den jemand eine aufgeschnittene Banane gerührt hat. Dann erst kommt die eigentliche Frucht. Das ist jetzt allerdings auch nicht so die übliche Erdbeer-Himbeer-Frucht die immer ein bisschen so schmeckt wie die Bonbons aus der Metalldose im Auto. Es ist eher Cassis, also etwas dunkler, fast ein kleines bisschen erdig und auf jeden Fall schmeckt der Wein außer Brotteig und Frucht nach Stein. Ist das schmackhaft? Ja, das ist es und zu einer Brotzeit mit kernigem Brot, guter Wurst und Käse ist das ein schöner Begleiter.

Den Wein gibt es bei den Wein-Rebellen in Hamburg, und zwar ausschließlich im Laden. Wo es ihn sonst noch geben könnte, kann ich nicht sagen.

P.S.: Kaum ist der Artikel veröffentlicht, gibt es schon eine Ergänzung von Florian Siepert, der mir direkt mal das Beaujolais Nouveau-Standardwerk empfohlen hat. Es findet sich im Blog Paris by Mouth und Ihr findet es hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.