Aktuelle Weinbücher für den Gabentisch

Für jene, die sich kurzfristig noch einer oder zwei Weinbücher unter den Gabentisch legen wollen, weil sie als Weinneulinge oder Fortgeschrittene noch etwas lernen wollen, habe ich zwei kurze Empfehlungen.

sniff

Richard Betts: The Essential Scratch & Sniff Guide to Becoming a Wine Expert
Die erste kommt aus den USA, hat so wenige Seiten, dass diese nicht mal nummeriert sind (24) und wurde in der Form eines Sketch-Books gezeichnet. Es behandelt die Basics beim Weinprobieren und wurde von Richard Betts, einem der weltweit raren Master-Sommeliers verfasst.

Die anschaulichen Basics die sich um Farbe und Geruch, den Duft von Beeren oder den Geruch von nassem Hund oder Katzenpisse  drehen, werden ergänzt durch Geruchsproben von Aromen. Diese kann man aktivieren, in dem man über bestimmt Flächen kratzt. Zugegeben, das riecht meist eher wie aus dem Forschungslabor von Haribo und doch finde ich es nicht gänzlich daneben, denn es vermittelt zumindest einen Eindruck. Vielleicht kann die Aroma-Industrie ja noch ein bisschen dran feilen, für die zweite Auflage. Die erste liegt im Ranking von Amazon in den USA gerade auf Platz 63. Nicht etwa in der Abteilung Food & Beverages, nein, im Gesamtranking. Es gibt also, das zeigen die Zahlen ganz deutlich, einen Markt für ein so simples wie anschauliches Buch (zumindest in den USA). Wein will besser verstanden werden. Dieses Bilderbuch unternimmt einen Schritt in die richtige Richtung und ist – nett. Richard Betts Credo lautet dabei: “Wine is a grocery, not a luxury.” Um das Lebensmittel besser zu verstehen, hat er dieses Buch entwickelt. Man kann es beispielsweise bei Amazon für €13,70 käuflich erwerben (affiliate link).

André Dominé: Wein
Das zweite Buch ist der genaue Gegensatz zum ersten. 944 (durchnummerierte) Seiten statt 24. Text und Bild statt Zeichnungen.  Es ist ein klassisches Weinbuch und die Erstausgabe war für mich als angehender Weinliebhaber lange Zeit ein Standardwerk. Entsprechend oft habe ich es Freunden auch schon empfohlen oder geschenkt. Es kommt nicht laut und extremistisch daher sondern will einfach informieren, ohne viel Allüren. Es ersetzt zunächst einmal die alte Auflage. Das war nötig, denn sie war in die Jahre gekommen und wie alles andere auch, verändert sich die Weinwelt rapide. Entsprechend wurde Wein von André Dominé deutlich überarbeitet und aktualisiert. Dazu beigetragen haben Autoren wie Wolfgang Faßbender, Eckhard Supp, David Schwarzwälder, Ulrich Sautter oder Steffen Maus. Diese Autoren wissen einfach, wovon sie reden, und das ist gut.

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Es ist ein Werk, mit dem man sich samt einem  guten Glas Wein in die Ecke setzen und für Stunden verabschieden kann, ein Buch, das genügend Stoff bietet um immer wieder neu hin und her zu blättern. Es liefert einen aktuellen und umfassenden Überblick über die Weingebiete und Weine dieser Welt. Darüber hinaus beschäftigen sich die Autoren mit der Herstellung bzw. den verschiedenen Herstellungsarten des Rebsaftes und schauen auch gerne mal über den direkten Tellerrand hinaus, wenn es zum Beispiel um die Herstellung von Weingläsern geht. Was mir bei der Erstausgabe besonders gefiel war Dominés früher, ernsthafter Blick auf die Bioweine dieser Welt. Das, was Ende der Neunziger bei vielen noch als Orchideengewächs galt, hat er damals schon ernst genommen. Heute ist dieser Wein längst in der Mitte der Weingesellschaft angelangt. Das Thema bleibt entsprechend auch in dieser Ausgabe präsent. Das Buch spricht grundsätzlich alle entscheidenden Weinthemen an, wirft einen Blick in alle Anbaugebiete, zeigt Kartenmaterial und hebt Weine und Weingüter exemplarisch hervor. Dabei bleibt es immer verständlich und fällt nicht in einen abgehobenen Sprachduktus.

Wer sich etwas tiefer in die Welt des Weines hineinbewegen möchte, sollte sich diesen Klassiker ernsthaft anschaffen. Die € 39,90 sind gut investiert. während die erste buchempfehlung natürlich im Wesentlichen ein schöner Gag ist, freue ich mich hier, wieder ein aktuelles und umfassendes Werk zu haben, das ich weiterempfehlen kann. (affiliate link)

6 Kommentare

  1. Jörn

    Einen wunderschönen guten Tag!
    Ich möchte mich für dieses interessante Blog bedanken. Es hat mich dazu gebracht, Wein überhaupt als Getränk in Betracht zu ziehen. Die Weine aus dem Supermarkt hatten mich vorher einfach nie überzeugt (mal abgesehen von diesem Portwein aus dem Edeka, der… egal)

    Ab und zu höre ich auch den Podcast mit Holger Klein. Dort hatten Sie einmal eine App erwähnt, die interessante Infos zu Wein bereit hält. Wissen Sie noch, wie die hieß ?

  2. Philipp

    Ich besitze bereits “Wein – Die neue große Schule” von Jens Priewe. Ist das Buch von André Dominé eine sinnvolle Ergänzung? Aufgrund des Umfangs von 950 Seiten kann man das annehmen, oder?

  3. Christoph

    Sorry, habe den Kommentar über Weihnachten irgendwie übersehen. Die Antwort ist: Ja, Dominés Buch geht deutlich stärker in die Tiefe.

  4. Entschuldigung, in den letzten Wochen sind mir einige Kommentare untergegangen, auch weil so viel Spam durchgerutscht ist. Vielen Dank für das positive Feedback. Das freut mich immer sehr! Bei der App bin ich mir nicht sicher. Ich nutze eine namens Vini Mobile Jahrgänge. Da sind Jahrgangsqualitäten nach Regionen abgebildet. Dann gibt es für iOS Delectable, das ist eine Social-Wine-App. Zusätzlich nutze ich Cellar Tracker, wo ich man seinen Weinbestand abbilden kann und direkt Bewertungen anderer User verfolgen kann. Mehr nutze ich selber nicht. Grüße, Christoph

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