Knipser Syrah Réserve 2009 – Mein Rotwein des Jahres (für 2014)

Jetzt habe ich wirklich länger überlegt, ob ich einen Rotwein, der noch gar nicht auf dem Markt ist und den ich nur deshalb probieren durfte, weil mir das Weingut Knipser vorab ein Muster hat zukommen lassen, als Wein des Jahres 2013 betiteln kann. Aber natürlich kann ich, ist ja eh fast alles subjektiv hier. Außerdem gibt Euch diese Empfehlung die Chance, eine Flasche oder zwei oder drei zu reservieren, solange man dazu überhaupt die Möglichkeit hat. 2.000 Flaschen werden in den Handel kommen bzw. direkt ab Weingut verfügbar sein.

knipser

Es handelt sich bei dem Wein um die 2009er Syrah Réserve aus dem Weingut Knipser. In der aktuellen Ausgabe der effilee hatte ich schon den exzellenten einfachen Syrah aus dem Jahr 2007 beschrieben und auch dieser Wein war schlichtweg eine Wucht. nicht weil er wuchtig gewesen wäre, sondern weil mich die Mischung, die stimmige Mischung aus Kraft, Feinheit, Holzeinsatz und Sortentypizität fast umgehauen hat. Vorher kannte ich die absolut empfehlenswerten Syrah von Hanspeter Ziereisen und die meiner Meinung nach nicht empfehlenswerten Syrah von Fritz Waßmer. Das ist jetzt kein breites Spektrum an Erfahrung, doch ist diese Sorte in Deutschland eben auch immer noch selten, sie befindet sich immer noch im Versuchsanbau. Ich kenne aber natürlich einige Dutzend Syrah von der Nordrhône, und das ist ohne Zweifel  die Benchmark, an der sich Weingüter wie Waßmer, Ziereisen oder Knipser messen lassen müssen, und mit Sicherheit auch wollen, denn diese Weingüter haben genau diesen Anspruch.

Die Réserve ist jetzt gewissermaßen die Auslese der Auslese. Denn was ich vorhin als den einfachen Syrah bezeichnet habe, ist natürlich keineswegs einfach. Es ist ein komplexer, tiefgründiger Wein von deutlich eigenem Charakter, wie man ihn in der deutschen Weinlandschaft so momentan kaum noch mal findet. Was natürlich daran liegt, dass rote Weine aus Deutschland, die man als hervorragend bezeichnen darf eigentlich immer aus Spätburgunder gekeltert werden (Ausnahmen wie beispielsweise der 2009er Cabernet Sauvignon Ambrosia „Bestes Fass“ vom Aloisiushof bestätigen die Regel). 2009 war wohl auch ein gutes Jahr für französische Rebsorten in Deutschland, denn ich erinnere mich auch an einen exzellenten Merlot von Wagner-Stempel – aber ich schweife ab und der Satz ist natürlich zu plakativ. Streichen wir ihn.

Die Barrique-Spezialisten

Die Barrique-Spezialisten

Zurück zum Syrah: Was bei der Réserve wieder einmal deutlich wird, ist Knipsers Gefühl für das richtige Holz. Das ist bei den Spätburgundern eine ganz klare Sache, und das wird auch hier wieder deutlich. Die Holznote in diesem Syrah ist so ausgefeilt, dass ich das Gefühl hatte, die müssen mit dem Küfer durch die Wälder von Tronçais spaziert sein, um jede Eiche und später jede Fassdaube persönlich auszuwählen. Fakt ist jedenfalls, für mich sind die Knipsers so etwas wie die Magier des Holzeinsatzes. Beim 2009er, den ich im September letzten Jahres erhalten habe, steht das Holz natürlich stärker im Vordergrund als bei der 2007er Réserve, die ich parallel dazu probiert habe. Trotzdem ist es keine Spur zu viel. Was dann aus dem Glas strömt ist pure Syrah-Eleganz. Es ist das, was man sich wünscht, wenn man einen teuren Hermitage im Glas hat – und nicht immer bekommt. Es ist das, was die Sorte so unvergleichlich macht, es ist die schwebende, auf markanter Säure basierende Leichtigkeit rund um einen fest gewirkten Kern aus Würze und Frucht. Bildlich gesprochen ist dieser Wein ein Tänzer, maskulin, muskulös, dabei grazil, sich jeder Muskelkontraktion bewusst und immer voller Lebendigkeit. Wunderbar ist das Spiel aus dunkler Frucht (Schwarze Johannisbeere, Zwetschge, Holunder), Gewürzen, Kräutern und Blüten wie Pfeffer, Wacholder, Veilchen, Tabak, dazu feines Sattelleder und zum Schluss ein Hauch von Orangen. Wie beim 2007er entwickelt sich dieser Wein über Tage hinweg. Mal steht der Pfeffer mehr im Vordergrund, mal die Frucht, mal die noch gar nicht erwähnte erdig-steinige Note. Stets präsent bleibt aber das  Dialektische dieses Weins, die Spannung zwischen dem Schwebenden und dem Geerdeten. Und all  das zusammen genommen macht diesen Wein für mich groß. Dass das dann auch noch möglich ist mit einer Rebsorte, die hier so etwas wie eine Orchideensorte darstellt, macht den Wein darüber hinaus besonders und im Moment einzigartig.

Ein vergleichsweise unspektakulärer Weinberg, der Großkarlbach

Ein vergleichsweise unspektakulärer Weinberg in Großkarlbach

Es wird ihn ab 1.9.2014 geben. Ich weiß nicht, ob man ihn privat beim Weingut resevieren kann, aber einen Versuch wäre es wert. Die 2007er Réserve kostet um die € 60,-.

3 Kommentare

  1. Hallo Christoph,
    zugegeben – ich bin erst über die Jahre zum Syrahfreund geworden und deshalb richten sich meine Lauscher auch immer auf, wenn jemand über einen Guten berichtet, denn es gibt davon auch genug Schrott.
    Besonders interessant, wenn dann auch noch einer von deutsch-pfälzischem Boden auftaucht. Noch interessanter, wenn es um solche Mengen geht. Das erinnert mich ein wenig an eine kleine Idee auf Matzes Blog, mal was über den Zusammenhang von Qualität und Menge zu machen. Ich behaupte ja rundheraus, dass wirklich tolle Qualität nicht in Menge zu machen ist. Menge heißt hier provokant, jenseits der ~30000 Flaschen.
    Zwei Dinge vermisse ich allerdings in deinem Bericht, die mir ein noch zu bildendes vorläufiges Vorurteil verbieten :
    a. wie ist der gemacht? Also technisch-konventionell, oder Bio oder gar naturel?
    b. ein Vorurteil hängt mir da schwer am Bein – die Realation zum Preis. Ich weiß, dass das Ganze müßig ist, aber sollte man das Thema deshalb aussparen? Auch bei der Weinrally haben sich ja nur wenige getraut, dann doch einen Strich zu ziehen und zu sagen, dass es für den Preis keinen guten (im Sinne von Qualität ohne Preis-Relativierung) Wein geben kann. Bei den hochpreisigen Weinen fragt man sich das doch auch in umgekehrter Richtung. Ab wo kann man solche “Bomben” erwarten und welcher ist es mir trotzdem wert, wenn er noch teurer ist?
    Daneben : von meinen zwei Lieblingen kommt tatsächlich auch einer aus dem Rhonegebiet : Gilles Flacher’s Saint Joseph.

  2. «Ich weiß nicht, ob man ihn privat beim Weingut resevieren kann, aber einen Versuch wäre es wert.»

    – Habe gefragt, man kann.

  3. Axel Geertz

    “Habe gefragt, man kann” – Ich habe reservieren lassen und den Wein bekommen.

    Morgen – 25.03.2016 – wird die erste der drei Flaschen geöffnet und über Ostern getrunken. Der “einfache” Syrah 2009 war schon sehr gut; die Reserve 2009 soll dann überraschen.

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