Trinkt mehr Sherry! Teil 3 – etwas zur Geschichte und dazu La Bota 27

Geschichte
Wie in vielen anderen Mittelmeerländern auch wurde Weinbau in Andalusien zunächst durch Exilgriechen und Phönizier geprägt. Dann zogen Katharer und Römer vorbei. Hier sollte erwähnt werden, dass der römische Geschichtsschreiber, Lucius Iunius Moderatus Columella, wenn nicht in Cadiz geboren, so doch gestorben ist. Sein Werk de rustica ist das bedeutendste römische Werk über die Landwirtschaft und somit auch über den Weinbau.

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts kamen bekanntlich die Mauren, die tiefe Spuren ihrer Kultur in diesem Teil Spaniens hinterlassen haben – Gott sei Dank, möchte man sagen. Der Weinbau wurde damals nicht etwa aufgegeben, auch wenn der Koran bekanntlich seine Probleme mit dem Genuss alkoholischer Getränke hat. Der Weinanbau hat zwar seine Schwächephasen in Zeiten religiösen Eiferertums erlebt, grundsätzlich jedoch gab es Kontinuität. In diesen Zeiten wurde die Hauptstadt des Gebietes, das heutige Jerez übrigens Sherish genannt.

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Im Jahre 1264 wurde die Stadt von den Christen zurückerobert und wurde Grenzstadt, was den heutigen Namen Jerez de la Frontera erklärt. Da die Traubenproduktion ein wichtiger Wirtschaftszweig war, wurde sie durch den damaligen König Alfons X. nicht nur gefördert, sondern sogar verordnet. Einer seiner wichtigsten, in Jerez stationierten Militärs hieß Fernán Ibáñez Palomino und gab der heute am weitesten verbreiteten Traubensorte den Namen. Die Weine aus Jerez wurden schon damals weit über die Grenzen Andalusiens hinaus geschätzt und sogar im Tausch mit englischer Wolle nach England vertrieben, wo der Name Sherry geprägt wurde. Im 15. Jahrhundert schließlich wurde der Vorläufer des heutigen Regulationssystems bezüglich der Lese, der Lagerung und des Ausbaus formuliert.

Die spanische Eroberung Amerikas förderte den Absatz des Weines in die entfernten Kolonien während die Heirat Katharina von Aragon mit Arthur von England und später mit seinem Bruder Heinrich VIII dem Export nach England eine weitere Blütezeit ebnete. Sherry gehörte neben Port und Claret aus Bordeaux über Jahrhunderte hinweg zu den wichtigsten Weinen, die in England getrunken wurden. Zur damaligen Zeit, also im 17. und 18. Jahrhundert siedelten sich dann auch die ersten englischen Häuser wie zum Beispiel Harveys an. Es gab zwischenzeitlich große Konflikte zwischen dem Verband der Weinbauern, die ihre Ware schnell los werden wollten und den Händlern, die einen bestimmten gereiften Stil des Weins bevorzugten. diese setzten sich schließlich durch und entwickelten neue Verfahren, um die Qualität des Produktes zu gewährleisten. Im Rahmen dessen entstand das Solera-Verfahren.

Das ausgehende  19. und 20. Jahrhundert wurde zunächst durch die Reblaus-Problematik geprägt, die man jedoch relativ schnell in den Griff bekam. Immer problematischer wurden die Konkurrenz durch Nachahmerprodukte, die den Namen Sherry für Produkte genutzt haben, die nach ähnlichem Verfahren in anderen Teilen der Welt hergestellt. Dies wurde erst 1996 durch eine Verordnung der Europäischen Union zu Gunsten von Jerez geregelt.

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Zum Schluss noch ein Glanzstück: Equipo Navazos La Bota de Fino 27

Es gibt einige Besonderheiten an diesem Fino. Er stammt aus einer Solera der Bodegas Valdespino, einer der besten Bodegas des ganzen Distriktes. Das tatsächlich Einzigartige ist, dass dies ein Einzellagen-Sherry ist, denn die Palomino-Reben stammen samt und sonders aus dem Weinberg Macharnudo Alto, dem höchsten Weinberg rund um Jerez und dem mit dem reinsten Albariza-Boden. Er gilt als beste Lage in Jerez.

Die Solera, die der Bota de Fino 27 Macharnudo Alto zugrunde liegt, schrie förmlich nach Abfüllung, schreibt die Equipo Navazos zu diesem Wein. Und in der Tat ist dies hoch-artifizieller, charaktervoller, reifer Stoff. Viel dichter und komplexer als ich je einen Fino probiert hätte. Aus dieser Solera hat die Equipo auch schon die Nummern 2, 7, 15 und 18 abgefüllt, doch diese hier ist wohl die reifste, mit einem Durchschnittsalter von 11 Jahren.

Dieser karamellfarbene Stoff wurde pur, ohne Filterung (wie es für Fino normalerweise üblich ist), abgefüllt. Er ist dunkler als ein üblicher Fino und er ist im Duft expressiv. Da ist einfach von allem satt, dabei merkt man allerdings schon im Duft, dass der Wein streng und absolut straight bleibt, bei aller Fülle. Diese Fülle ist eine Mischung aus Hefe, Mandeln, etwas grünen Walnüssen, Zitrus, Feigen und Salz. Da ist wenig Wärme drin, das ist mitnichten ein molliger Wein wie man es von einem Cream oder so kennt. Am Gaumen ist es ähnlich. Er ist üppig aber kühl, streng, leicht salzig mit dem Geschmack von Kumquatschale  und Limonenschale und Kalk. Ich finde, dass der kreidigkalkige Boden hier sehr gut schmeckbar ist und ich benutze hier gerne mal den Begriff von Mineralität, denn hier finde ich ihn angebracht. Er kommt noch besser, wenn man leicht salzigen Schinken dazu probiert oder gegrillten Sardinen. Das passt geradezu perfekt. Was den Wein auf der imaginären Punkteskala dann noch weiter nach oben treibt, ist die Länge und die, wie auch schon beim Manzanilla bemerkt, die ständige Veränderung im Glas. Diese Weine, diese absolut trockenen Sherrys mit 15% Volumen und dieser Strenge im Geschmack sind herausfordernd, etwas ungewohnt, wenn man es nicht gewöhnt ist, aber begeisternd, wenn man sich etwas herangetastet hat. Ich kann nur eine große Empfehlung aussprechen!

Dieser Sherry stammt ebenso wie der Manzanilla von Weine & Feinkost in Wuppertal. Ihr findet ihn hier.

Hier geht es zu Teil 2 der kleinen Sherry-Serie.

Hier geht es zu Teil 1 der kleinen Sherry-Serie.

10 Kommentare

  1. Pingback: Trinkt mehr Sherry! Teil 2 – Böden, Trauben, Herstellungsarten und Stile » originalverkorkt

  2. Hallo Christoph,

    sehr anschauliche und gut recherchierte Erfahrungen, Erlebnisse, Erkenntnisse. Sherry ist für mich auch aus dem BLick geraten und es bleiben nur Erinnerungen an Zeiten von vor über 35 Jahren, ala Sherry mal angesagt war. Dann tauchte er nochmal zu meinen Bioladenzeiten kurz auf, weil einer unserer Großhändler einen unglaublich guten biologischen hatte. Danach war er für mich völlig verschwunden und taucht auf einmal an völlig anderer Stelle in abgewandelter Form wieder auf. Deine Beschreibungen im dritten Teil erinnern mich sehr an die Geschmacksensationen die mir hier bei einem sehr speziellen Wein auch begegnen.
    Neben den auch oft erwähnten “Vin Jaune” oder dem Tokajer, sollte auch der Vin de Voile erwähnt werden. Eine bis auf Kleinigkeiten ähnliche Machart (allerdings ohne Anreicherung) und 6 bis 8 Jahre im Fass. Vin de Voile von Plageoles, Oxytemps von Brunet sind außergewöhnliche Beispiele. Aber nicht nur hier im Gaillac werden von sehr wenigen Winzern solche Dinger gemacht. Es gibt auch ein sensationelles Beispiel im Gers. Pissenlits von Dominique Andiran ist eines der geilsten und überraschendsten oxidativen Weine die ich je probiert habe. Jede Sünde wert.
    Ich bin sicher, dass immer noch in allen kleinen Ecken der Weinwelt Erstaunliches ausgegraben werden kann.
    Danke für den tollen Berich.

  3. Man kann ja von Peñín und seinen Schnellverkostungen halten, was man will. Aber der gute Mann hat den Sherrys von Equipo Navazos von Anfang an fast die volle Punktzahl gegeben (an 100 kann ich mich jetzt nicht erinnern, aber mehrmals 99). Ich hatte das damals gelesen, aber nicht damit gerechnet, diese seltenen Fläschchen irgendwo kaufen zu können. Danke also für den tollen Bericht und die Bezugsquelle!

    Ich habe für den 14. übrigens gerade den Zug gebucht & freue mich schon sehr auf das Treffen!

  4. Christoph

    Yeah, Matthias, habe schon von Deiner definitiven Zusagen gehört. Ich freue mich sehr auf den Abend. Könnte den Fino von der Equipo mitbringen…

  5. Hallo Karl, ich versuche ja auch, mich weiterhin als Trüffelschwein zu engagieren. Das macht durchaus mehr Spaß, als den zichsten Bordeaux zu beschreiben (Nichts gegen Bordeaux).

  6. Dorit

    “Reconquista” ist nicht die Eroberung Amerikas, sondern die christliche Wiedereroberung der iberischen Halbinsel nach der muslimischen Herrschaft.

  7. Christoph

    @Dorit, Ja, Danke für den Hinweis!

  8. Pingback: Trinkt mehr Sherry! Teil 4 – Las Palmas del Gonzalez-Byass » originalverkorkt

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