Grillo und Zibibbo von Marco de Bartoli – drei Weißweine aus Sizilien

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Kürzlich habe ich endlich mal wieder ein paar neue Weine aus Sizilien probiert, die Insel, mit der ich mich im letzten Jahr länger beschäftigt habe, und die auch übernächste Woche auf der Vinitaly wieder bei mir im Fokus sein wird. Auf dem Tisch standen drei Weine von Marco de Bartoli, einem Vollblutwinzer mit einer unglaublichen Präsenz – man kann es auf dem Foto erahnen. Der Mann war Sizilien (er ist 2011 gestorben). Aber nicht das Sizilien, das unter der Mafia kapituliert hat sondern das, das anpackt und Dinge ändern will. De Bartoli produziert Wein im Marsala-Gebiet und auf Pantelleria. Marsala ist ja der Wein, der lange praktisch als einziger sizilianischer Wein produziert wurde und, wie so viele andere aufgespritete Weine, vor allem nach England verschifft wurde, von wo man diese Weine mit auf Schiffsreisen und in die Kolonien gebracht gbracht hat. Marsala hat bei uns heute fast nur noch Bedeutung als Kochwein, meist ein billiger Fusel aus dem Supermarktregal. Wie großartig Marsala schmecken kann, beweist Marco de Bartoli, doch dazu später. Heute geht es um drei trockene Weißweine aus den für Sizilien typischen Sorten Grillo und Inzolia. Die drei Weine sind völlig überraschend mit Glaskorken verschlossen.

Sole e Vento 2012
Der erste Wein vereint die beiden Sorten zum Sommerspaßwein Sole e Vento. Der Wein besteht aus 70% Zibibbo von der Insel Pantelleria und 30% Grillo aus Contrada Samperi im Bereich Marsala. Auf der Insel, die schon auf halben Wege nach Afrika liegt und vor allem bekannt ist für ihre exzellenten Süßweine, herrscht vulkanischer Boden vor, im Bereich Marsala sind die Böden lehmig und sandig.

Den Zibibbo findet mit sonst häufiger unter dem Namen Muscat d’Alexandrie. Der Muscat ist eine sehr alte Sorte, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt und sich längst über die ganze Welt verteilt hat. Auf Sizilien wird die Sorte bereits seit dem 16. Jahrhundert Zibibbo genannt. Der würzig-duftige Muscat-Ton ist dann auch genau der, der das Aromenspektrum vorgibt. Er wird unterstützt vom Grillo, der eine sizilianische Sorte ist und wahrscheinlich im 19. Jahrhundert aus einer natürlichen Kreuzung von Zibibbo und Cataratto Biano Lucido ist.

Der Sole e Vento ist genau der richtige Sommerwein für Menschen, die nicht gut mit Säure klarkommen. Der Wein ist duftig und frisch, riecht nach Sommerblüten und Orangen, etwas Ananas, Holunderblüten und dieser typisch muskatigen Note. Die Frische kommt vor allem durch das schöne Zusammenspiel von leichter Säure und zitronigen Noten.

© Maurizio Gjiovovich/Marco de Bartoli

© Maurizio Gjiovovich/Marco de Bartoli

Pietranera 2012
Der zweite Wein ist zu 100% Zibbibo und stammt von der Insel Pantelleria. Die Weinstöcke sind mehr als 60 Jahre alt und im traditionellen Alberello-Buschstil erzogen. Die Stöcke stehen auf Pietranera, also auf dem schwarzen, vulkanischen Boden und sie ziehen dort Mineralien ohne Ende, zumindest schmeckt das so.

Dieser mineralisch-steinige Geschmack verbindet sich perfekt mit dem leichten Muskatton des Weins. Der wird übrigens zu zwei Drittel in Stahl und zu einem Drittel in Barriques ausgebaut, die dem Wein einen leichten Ton geben, jedoch nicht zu viel. Zumindest aber könnte die leicht cremige Note am Gaumen daher rühren. Wie üblich bei Muskat-Weinen ist der Duft und Geschmack intensiv. Neben der Muskat- und Rosenblütennote finden sich hier traubige Noten, wiederum Holunderblüten und Ananas und ein paar orientalische Noten. auch hier ist die Säure zurückhaltend aber vorhanden. Der Wein passt perfekt zu Sushi und Sashimi, würde ich mal behaupten.

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Grappoli del Grillo 2011
Der Grappoli aus der Sorte Grillo, die im Bereich Marsala angebaut wird, ist ein ganz anderer Typ Wein. Er wurde in großen Holzfässern ausgebaut und lange auf der Feinhefe belassen. So hat der Wein eine cremige Struktur und typische leicht oxydative Noten. Sprich, er duftet durchaus nach mürben Apfel und Birne. Dazu kommen getrocknete Provence-Kräuter, Orangenschale und Melone.

Am Gaumen gibt es wieder ordentlich Mineralität mit salzigen Noten, dazu cremige Noten und mürben Frucht. Der Wein hat viel Schmelz und eine dichte Frucht und eine gute Länge. So habe ich Grillo bisher noch nicht kenngelernt. Der Wein hat mir viel Spaß gemacht. Nur zu den oxydativen Noten habe ich mittlerweile ein gespaltenes Verhältnis. Sie sorgen halt für diese mürben Apfel- und Birnennoten. Das finde ich durchaus attraktiv, machen allerdings die Weine zu gleich, denn dort, wo man das häufiger findet, also bei Chardonnay, Chenin Blanc oder wie jetzt beim Grillo oder auch bei Sauvignon Blanc, unterschiedet sich die Aromenstruktur nicht mehr so großartig. Trotzdem, das tut dem Ganzen keinen Abbruch. Bei der Erkundung des alternativen Siziliens waren die drei Weine jedenfalls wieder eine schöne Entdeckung.

Sie wurden mir von vinaturel zur Verfügung gestellt, wo es die Weine auch zu kaufen gibt. Die Weine kosten € 12.50, € 18.50 und € 19.50

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