And now for something completely different: Muskattrollinger

Ständig gibt es neue spektakuläre oder besondere Weine, über die geschrieben wird. Größer, teurer, rarer heißt meistens die Devise. Oder orangener, biodynamischer, amphoriger.

kistenmacher-hengerer_muskattrollinger

Die letzten Tage hatte ich einen Wein im Glas, der war weder teuer, noch besonders rar, noch auf eine besonders freakige Art ausgebaut. Trotzdem war diese Wein besonders. Die Rede ist vom Muskattrollinger Spätlese 2011 Heilbronner Wartberg vom Weingut Kistenmacher-Hengerer. Muskattrollinger ist eine Sorte, die außerhalb Deutschlands normalerweise Muscat d’Hamburg heißt. Das liegt daran, dass diese Rebsorte möglicherweise die einzige ist, die ihren Ursprung in Hamburg hat, weil sie dort im ausgehenden 18. Jahrhundert in einem Gewächshaus sich entweder zufällig, also wild gekreuzt hat, oder gezüchtet wurde. Jedenfalls sind die Eltern einerseits der weiße Muscat und zum anderen der Trollinger, der im Ursprungsland Italien Schiava grossa heißt und in Südtirol Großvernatsch. Vom Gewächshaus in Hamburg ging es dann nach England, wo die Sorte en gros im Gewächshaus gezüchtet und als Tafeltrauben verwendet wurde. Kein wunder, bei der Aromatik, die sie zweifellos hat. Wein wird aus dieser Traube tatsächlich selten hergestellt und dann tendenziell als schwarzer Süßwein. Einen solchen habe ich beispielsweise mal beim kalifornischen Spitzenweingut Philip Togni probiert. Den Ca Togni gibt es auch tatsächlich hier in Deutschland, nämlich bei der Weinhalle.

Heute geht es allerdings um eine trockene Variante, die Hans Hengerer in Heilbronn ausbaut. Würde man den Wein, der relativ durchsichtig im Glas schimmert (Trollinger hat ähnlich wie Pinot nicht übermäßig viel Farbstoff), in einem schwarzen Glas servieren, würde, da gehe ich jede Wette ein, kaum jemand darauf kommen, einen Rotwein im Glas zu haben. Der Wein duftet die ersten Minuten übermächtig nach Muskat und Rosenwasser. Dann finden sich die ersten roten und blauen Beeren ein, eine Spur von altem Holz, etwas Kräuter und Gewürze. Je länger der Wein im Glas steht, ich empfehle durchaus einen Burgunderkelch, desto klarer wird es, dass man einen ernsthaften, einen geradezu komplexen Wein im Glas hat. Das hat nichts mit einem üblichen Trollinger zu tun, den man mal so nebenbei zum Essen verputzt. Diese parfümigen Noten, die der Wein auf Grund des Muskats zu Beginn hat und die ganz am Anfang etwas abschreckend sein mögen, das gebe ich gerne zu, verweben sich hervorragend mit der Frucht, mit Gewürzen, mit erdigen und rauchigen Noten. Dabei wird der Wein zunehmend burgundischer in seiner Stilistik, hat Biss und ein wirklich gelungenes Säuregerüst. Dabei bleibt der Wein immer angenehm leicht und schwebend.. Das ist, unter Strich, ein exzellenter Wein. Er ist günstig (unter 10 Euro) hat viel eigenen Charakter und ist einfach richtig gut gemacht.

Und jetzt, wo ich davon ganz schön angefixt bin, würde ich sehr gerne noch den Sekt probiert, den Hans Hengerer aus dieser Traube herstellt. Den Wein habe ich ab Hof gekauft.

1 Kommentare

  1. muscat

    Versteht sich von selbst, dass ich den mal probieren muss. 😉

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