Cloudy Bay, eine kleine Sauvignon-Blanc-Vertikale und ein besonders schöner Pinot Noir

Vorletzte Woche musste ich schmunzeln. Ich kam gerade vom Gespräch mit Penfolds Chief Winemaker Peter Gago als ich eine Einladung zu einem kleinen get together mit dem nächsten Chief Winemaker bekam. Es handelte sich dabei um Tim Heath, der die Weine von Cloudy Bay verantwortet. Der war für einen Tag in die Hansestadt gekommen um ein paar Leuten den neuen Jahrgang vorzustellen. Eigentlich hatte ich keine Zeit, bin aber trotzdem hin und habe es nicht bereut.

cloudy_bay_stimmung

Ich muss gestehen, dass ich nicht viel Erfahrung mit Weinen von Cloudy Bay habe. Dieses Weingut liegt außerhalb meines normalen Beuteschemas, so ähnlich wie bei Penfolds. Ich neige ja eher dazu, bei kleinen Weingütern anzuklopfen und nehme das, was die Großen machen, eher am Rande wahr. Das ist nicht immer richtig, wie ich kürzlich auf einer Vergleichsprobe von Jahrgangs-Champagnern feststellen musste, wo ich blind die Weine der berühmten Häuser auch tatsächlich nach vorne gewählt habe, während die Weine einiger von mir verehrten Champagne-Winzer dagegen überhaupt keine Chance hatten.

Alles ist eben relativ. Und so auch bei Cloudy Bay. Es ist das berühmteste Weingut Neuseelands, nicht zuletzt deshalb, weil man dort in den ausgehenden 1980er Jahren einen neuen Sauvignon Blanc-Stil kreiert hat, der seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat und stilbildend war. Vor Cloudy Bay gab es wenig beachteten Weinbau. Mit Cloudy Bay hat sich der neuseeländische Weinbau radikal verändert und die Rebflächen haben sich mindestens verdreifacht. Dort, wo in den Siebzigern vor allem Müller-Thurgau stand (der Weinbauverband war von einem Geisenheimer Professor beraten worden), steht jetzt vor allem Sauvigon Blanc aber auch immer mehr Chardonnay, Pinot Noir, Syrah, Grauburgunder, Riesling, Gewüürztraminer und so weiter. Die Bedingungen sind eigentlich ideal für Weinbau. Viel besser beispielsweise als in Australien, wo man ja für jeden Liter Wein etwa 800 Liter Wasser braucht. Neuseeland hat genügend Niederschlag, gute Böden und Meeresklima.

2014-09-30-19.24.35

Cloudy Bay ist vor einigen Jahren vom Luxusgüter-Life-Style-Konzern Louis-Vuitton- Moët-Hennessy (LVHM) übernommen worden und in die Gruppe Estates & Wines eingegliedert worden. So etwas hat Folgen. Vor allem lässt sich das Marketing natürlich ganz anders organisieren und mit so viel Geld im Rücken wird die Marke noch präsenter. Der Weinmacher aber ist derselbe geblieben, nur das Tim Heath jetzt häufiger durch die Gegend reist und präsentiert – und übrigens auch bei den anderen Projekten der Gruppe vorbeischaut, wie beispielsweise beim Chandon-Projekt in Indien. Eine starke Marke wie Cloudy Bay hat zudem immer noch einen preislichen Marken-Aufschlag. So liegt der Wein bei ca. € 24,-, was preislich fünf Euro über meinem Lieblings-Sancerre (Vacheron) und Lieblings-Neuseeland-Sauvignon (Dog Point) liegt. Aber das ist eben der Preis der Marke.

CB-Vineyard

Zwei, einer ganzen Menge von Weingärten, die zu Cloudy Bay gehören. © Cloudy Bay

Tim Heath hat also den Jahrgang 2014 Cloudy Bay Sauvignon Blanc präsentiert. Der ist natürlich auf der Südhalbkugel entstanden und wurde somit im März/April geerntet und vor ein paar Wochen abgefüllt. Neben der frischen Abfüllung gab es dann eine Reihe weiterer Jahrgänge, und da wurde es wirklich interessant. Der 2014er Sauvignon Blanc ist ultrafrisch, grün, grasig, sehr (Achtung:) mineralisch und nicht mehr exotisch wie in den letzten Jahren. Er wird auch nicht mehr nur im Stahl ausgebaut, sondern in Teilen auch im großen, älteren Holz. Außerdem wird spontan angegoren. Das ist neu und tut dem Wein gut. Was ich nicht erwartet hatte war die Entwicklung des Sauvignons über Jahre hinweg bis zu einem 2009er, der in der Magnum gereift war und immer noch höchst frisch und fruchtig daherkam. Die älteren Weine werden mit der Zeit voller, etwas breiter und cremiger, das Grüne verschwindet ganz, manchmal sind Noten von Gemüse (Spargel) dabei, aber das Säurerückgrat bleibt immer erhalten. Vor allem der 2010er war ein Knaller: straff, erfrischend, saftig, mundfüllend, dicht und lang. Ein außerordentlich guter Sauvignon, der nicht aus dem Holz kommt.

Eine ganz andere Lesart des Sauvignon bietet der Te Koko. Dieser wird komplett spontan vergoren und landet in kleinen französischen Holzfässern, in geringen Anteilen neu. Die Idee stammt vom Anfang der 1990er, also von jenem Team, das heute Dog Point betreibt. Damals war es wohl der erste Wein in Neuseeland, der spontan vergoren wurde (so zumindest meine Informationen). Der Wein macht in Teilen einen biologischen Säureabbau durch, ist viel cremiger und voller als der normale Sauvignon Blanc. Ich mag ja diese Art, mit Sauvignon umzugehen auch in den Lagenweinen von Vacheron, dem Section 94 von Dog Point oder anderen holzbasierten Sauvignons (Daguenau, Tement, Gross, Terlan etc), wenn es nicht zu viel Holz ist. Der sonst oftmals so plakativ wirkende Sauvignon Blanc bekommt dadurch eine ganz andere Feinheit und Dichte. Das merkt man beim Te koko, auch wenn hier die Grenzen des Machbaren für mich noch nicht erreicht sind. Der Wein hat mir gut gefallen, war aber etwas zu glatt und definitiv sehr jung. Auch den Te Koko würde ich gerne mal in einer Jahrgangstiefe erleben. Vielleicht ist das nächstes Jahr auf dem Weingut möglich.

Was mich schon immer angemacht hat, war der Pinot Noir von Cloudy Bay, der so gar nicht versucht, irgendwelchen französischen Vorbildern nahezukommen. Sehr eigenständig ist er, mit nur leichter Holznase und vor allem viel Frucht. Wenn ich ihn in eine Vergleichsprobe packen wollte, würde ich Pinot aus dem Sancerre, Elsass und von Mosel und Ahr mit daneben stellen.

cloudy_bay_heath_te_wahi

Tim Heath, Chief Winemaker

Kühlt und komplex steht der Te Wahi Pinot Noir da, den ich zum ersten Mal probiert habe. Die Frucht stammt nicht aus Marlborough sondern aus Central Otago, wo die Reben geerntet und vergoren werden, bevor der Wein dann ins heimatliche Weingut gebracht und ausgebaut wird. Der Wein wirkt im Aromenspektrum deutlich dunkler als der eher rotfruchtige und erdbeerige Marlborough Pinot Noir. Hier gibt es Blaubeeren, Brombeeren, Sauerkirsche und mehr Unterholz. Am Gaumen findet sich eine ausgewogene Mischung aus roter und dunkler Beerenfrucht und Erde. Der Wein ist schön frisch, hat eine angenehme Säure und ein zurückhaltendes Holz bei feinem Tannin und einer erstaunlichen Länge. Das war für mich neben dem 2010er Sauvignon Blanc deutlich der Wein des Abends.

2 Kommentare

  1. Pingback: In Neuseeland – Teil 9: Marlborough, Im Johanneshof, bei Greywacke und Dog Point » originalverkorkt

  2. Ansgar Gründler

    Wir haben 2014er Cloudy Bay und waren verwundert, da er ganz anders schmeckt. Wir waren schon der Meinung einer Fälschung aufgesessen zu haben. Dann haben wir den Artikel entdeckt. Es stimmt, der 2014er schmeckt viel grüner und mineraliger. Er erinnert etwas an den Grünen Veltliner von F.X. Pichler.

    Danke für Ihren Artikel. Den Pinot Noir werden wir probieren.

    Ansgar Gründler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.