Drei Flaschen Bier: Ø-Bryg – Dampskipsøl, Emelisse – Smoked Rye IPA, Malmgård – Ceci n’est pas une Belge

Draußen hat der Herbst längst Einzug gehalten und wir müssen zwischenzeitlich schon mal die Heizung aufdrehen. Gerade hier in Hamburg pfeift es gerne mal kalt durch die Gassen und da macht es Spaß mal einige Biere probieren, die eher zum Herbst als zum Sommer passen. Die ersten der Herbst-Reihe bilden zwei rauchige Biere und ein Starkbier aus Finnland.

Drei_Mal_Bier_Bryg_Belge_Emelisse

Ø-Bryg Dampskipsøl
Tja, da wo Steam Beer draufsteht ist nicht unbedingt Dampfbier drin und schon gar keins, dass an das traditionelle Brauverfahren aus Franken erinnern würde. Steem Beer ist eine kalifornische Bierart, und zwar so eine für Blue Collar Worker, also ein einfaches Arbeiterbier, eine Mischung aus Lager und Ale. Der Biertyp ist zu einer Zeit entstanden, wo man in Kalifornien einfach keine Möglichkeiten des kühlen Brauens hatte. Das Land ist heiß und es gab keine Kühlmöglichkeiten. Also hat man auf bestimmte Lager-Hefen zurückgegriffen, die eine Fermentation auch bei höheren Temperaturen erlaubt.

Der Däne Erik Nielsen hat seine Ein-Mann-Brauerei 2010 in der dänischen Hafenstadt Svendborg gegründet und braut bei Œrbæk. Erfahrung hat er im Heimbrauen seit 2001 gesammelt, dann aber irgendwann den Sprung in die Selbständigkeit gewagt. Sein 2010 erschienen erste Bier. Das Brown Ale wurde denn auch direkt als bestes neues Bier Dänemarks ausgezeichnet, womit eine kleine Erfolgsgeschichte begann. So wird es wohl auch nicht mehr lange dauern, bis er seine eigene Anlage hat um nicht mehr anderswo brauen zu müssen.

Bryg_Dampskipsol

Das Dampfschiffbier hat einen Alkoholgehalt von 5,5% und einen IBU von 30. Nielsen verwendet Pale-Ale- und Cara-Munich-Malz sowie Nelson-Sauvin-Hopfen aus Neuseeland. Das Bier ist dunkel-bernsteinfarben mit mittlerer Schäumung. Der duft ist zitronig mit leicht herber, kräutriger Note und einer leichten Karamellsüße. Ähnlich am Gaumen: Noten von Karamellmalz, etwas zitronig, leicht herb, die Zitronen werden von Grapefruit ausgetauscht, in denen ein paar Tannennadeln stecken. Zum Schluss wird es noch ein wenig herb bei gleichzeitig malziger Süße. Man kann es schon lesen, es ist kein Bier, das mich wirklich begeistert hat. Es ist natürlich auch kein typisches Steambeer, wie es früher gebraut wurde, da ist es dann schon komplexer. Es ist allerdings auch kein Dampfbier, wie ich es erwartet hatte. Es ist solide, aber nicht begeisternd.

Emelisse Smoked Rye IPA
Das ändert sich schlagartig beim zweiten Bier des Abends. Es stammt von den ziemlich umtriebigen Brauern der Emelisse-Brauerei in Kamperland. wer mal bei ratebeer reinschaut kann sehen, was ich meine. Da sind bestimmt drei Dutzend Biere aufgeführt. das bürgt natürlich nicht für Qualität, aber die steckt in dieser Flasche auf jeden Fall drin. Das Smoked Rye greift eine alten Brautradition auf, weil früher viele Biere deshalb einen leichten Rauchton hatten, weil das verwendete Getreide geröstet worden war. Weshalb? Weil es in dem Teil von Holland feucht und tendenziell kalt ist und das feuchte Getreide über offenem Feuer getrocknet wurde.

Emelisse_Smoked_Rye

Emelisse hat für das Bier 20% Roggenmalz und 10% Bamberger Rauchmalz verwendet. Dazu kommt IPA-Hopfen der Typen Simcoe und Cascade. Das Bier hat 6,2% Alkohol bei IBU 55. Um es vorab zu sagen, wer auf Dampfbier aus Bamberg und Umgebung steht, wird bei diesem Bier nicht das finden, was er erwartet. So stark ist der Einfluss des Rauchs nicht. Außerdem ist es natürlich ein IPA, was auch nix mit Rauchbier zu tun hat. Was ich hier gelungen finde, ist die Kombination aus diesem frisch-fruchtig-bitteren IPA und der leichten Rauchnote. In der Nase also die etwas schräge Mischung aus IPA-Mango und Grapefruit mit Bacon. am Gaumen leicht röstige Malznoten, leichte Mango-, Gapefruit- und Maracujanoten, dann Bitterstoffe und etwas weißer Pfeffer. Speziell, aber wirklich nett.

Malmgård Ceci n’est pas une Belge
Eigentlich ist Malmgård ein über vierhundert Jahre altes, historisches Anwesen mit 500 Hektar biologisch-organisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Fläche. Seit einiger Zeit aber betreibt Johan Creutz, der 16. Creutz, der das Anwesen führt, eine kleine Mikorbrauerei. Das Getreide für die Malze stammt vom eigenen Land und Creutz hat das Glück, über besonders gutes, weiches Wasser auf seinem Land zu verfügen. Seine Biere kommen ohne jede weiteren Zusätze aus und werden nicht filtriert.

Das Malmgård hat einen Alkoholgehalt von 8% bei 28 IBU. Es ist belgisch und auch wieder nicht. Daher der Name, der gleichzeitig eine Reminiszenz an den belgischen Maler René Magritte darstellt. Creutz verwendet hier eine spezielle belgische Hefe, heimisches Gerstenmalz und mir unbekannte Hopfensorten für diesen Ale-Stil. Das kupferfarbene Bier duftet nach Getreide, Hefe und leichter frucht von mürbem Apfel und Pfirsich. Am Gaumen kommen ein paar rote Beeren hinzu, etwas Wacholder und ansonsten wieder Apfel. Dominant ist auch hier eher die würzige Hefe und das Gerstenmalz, unterstrichen von einem Pfefferton. Das Bier endet leicht süß und erdig. Schön, balanciert, schöne Länge, der Alkohol schlägt nicht durch.

Die Biere habe ich bei Bier-Deluxe erworben.

 

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