Alte Weinberge – Alte Rebsorten: Einblicke in eine ganz andere Weinbautradition Teil 1

Während ich in den Urlaub fahre, übergebe ich das Blog Andreas Jung. Er ist einer der führenden Rebsortenforscher, Ampelographen genannt. Mich fasziniert die Ampelographie, das Erkennen der Rebsorten und vor allem ihre historische Verbreitung zunehmend. Ich musste aber kürzlich in einem austausch mit Andreas Jung feststellen, das alles noch viel komplizierter ist, als ich mir es vorgestellt habe. Viele aussagen, die in der Vergangenheit zur Namensgebung und Abstammung von Rebsorten getroffen wurden, müssen immer wieder in Zweifel gezogen werden.

So geht es in den nächsten Folgen um alte Weinberge mit alten Rebbeständen und Andreas Jung zeigt exemplarisch anhand einiger Sorten, wie schwierig die Suche, die Bestimmung und der Abgleich mit früheren Aussagen ist.

Ihr könnt die Arbeit von Andreas Jung unterstützen. Dieser baut nämlich ein lebendiges Archiv mit alten Rebsorten auf. Wie wäre es mit einer Rebpatenschaft? Sie hilft Andreas dabei, seine aufwendige und teure Arbeit fortzusetzen. Sie bedeutet auch, dass Rebsorten konserviert werden können, die sonst – so wie viele andere auch – aussterben. Wer die Sortenerhaltung in Rebsortenarchiven unterstützen will, kann dies durch Rebsortenpatenschaften tun: www.rebenpatenschaft.de. Wer alte Sorten wieder in den Anbau nehmen will, kann sich hier orientieren: www.historische-rebsorten.de.

Alte Sorten früher und heute
Aktuell listet das Bundessortenamt (BSA) in der Beschreibenden Sortenliste Reben 111 Ertragsrebsorten, die mit zertifiziert virusfreien, kommerziell genutzten Ertragsklonen saatgutrechtlich zugelassen sind (Stand 2013). Zieht man die Neuzüchtungen des 21. und 20. Jahrhunderts ab, so verbleiben 26 historische Traditionssorten, die sich in klonaler Bearbeitung durch deutsche Erhaltungszüchter befinden. Basierend auf italienischen Zuchtklonen werden zertifizierte Edelreiser der EU-Sorten Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot mittlerweile auch aus staatlicher Produktion angeboten. Pflanzgut der zum Anbau zugelassenen, aber nicht durch Züchter beim BSA eingetragenen EU-Sorten Syrah, Sauvignon vert, Chenin blanc oder Grüner Veltliner muss weiterhin in der EU eingekauft werden. Die übergroße Mehrheit der autochthonen Sorten wird zusammen mit anderem Zuchtmaterial in Kleinstmengen ohne amtliche Sortenprüfung und ohne phytosanitäre Auflagen in staatlichen Züchtersortimenten erhalten. Nur wenige dieser Sorten sind in den genehmigten Versuchsanbau gelangt oder wie in Hessen zum Anbau freigegeben worden. Die erfolgreichste Ausnahme stellt der Rote Riesling, eine rote Farbvariante des Rheinrieslings dar, der 2014 beim BSA zur Sortenprüfung angemeldet wurde.

27 beim Bundessortenamt eingetragene Traditionsrebsorten, das sind 6,7 % der 400 Sorten, die noch 1878 in den Rebschulen von ADOLF BLANKENHORN im Kaiserstuhl käuflich erhältlich waren. Heute nicht mehr praxisrelevant also sind 93,3 % der noch vor 120 Jahren käuflich erhältlichen Rebsorten, die jeder Winzer damals für ein paar Kreuzer frei erwerben konnte und ohne Auflagen oder Kontrollen anbauen durfte. Darunter befanden sich neben reinen Weinsorten auch Tafeltrauben und Sorten für beiderlei Gebrauch, die in Weinberge, Gärten und an Spaliere gepflanzt wurden. Nach dem Tiefpunkt der Kleinen Eiszeit um 1788 wurden in der Gärtnerei CORTHUM (1816) in Zerbst, Sachsen-Anhalt, bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts rund 300 Rebsorten zum Kauf angeboten, zusammen mit Rosen und Obstgehölzen. Die Sortimente von CARL BRONNER (1875) und FREIHERR VON BABO (1844) in Weinheim und Wiesloch bewegten sich in einer Größenordnung von 300-400 Sorten. 1522 Sorten hatte GUISEPPE ACERBI bis 1846 in Italien gesammelt, darunter waren 400 ungarische Sorten, 619 Sorten aus Italien und 503 Sorten aus dem restlichen Europa. Kurz vor dem Erscheinen der Reblaus sollen im Turiner Sortiment des Le COMTE DE ROVASENDA 6666 Rebsorten konzentriert gewesen sein. In Ungarn hatte FRANZ SCHAMS fast 10.000 Akzessionen aus Ungarn und ganz Europa zusammengetragen. Dann kam die Reblaus und die Krise…

Rebsortenarchiv

Andreas Jung mit dem Frühen Leipziger in Radebeul: Foto Copyright: rebenpatenschaft.de

Und immer wieder: das Problem mit der Sortenechtheit
Nach Reblauskrise, zwei Weltkriegen, der Zerstörung der Originalsortimente, mehrfachen Umpflanzungen, Sortimentsverkleinerungen und der Rodung von fünf 5 staatlichen Sortimenten bestand in Deutschland das Problem, dass viele der bis 1878 beschriebenen Sorten nicht mehr fassbar und scheinbar ausgestorben waren. Umgekehrt wurden Hunderte von Sortimentspflanzen mit historischen Sortennamen als Lebendreferenzen in den Sortimenten der staatlichen Rebzüchter geführt, jedoch stellte sich nach ampelographischer Überprüfung heraus, dass z.B. die Rotweinsorten mit den Einführungsnamen Arbst, Batttraube, Bettlertraube, Blaufränkisch, Blauer Damaszener, Blauer Gutedel, Blauer Hängling, Gamay hatif des Vosges, Hartwegstraube, Kölner, Mohrenkönig, Römer, Rosenmuskateller, Rotblättriger Wildbacher, Spätblauer Blussard, Blaue Urbanitraube, Schwarzer Urban (Trier-Vassal) oder Wildbacher (aus Ungarn) u.a. nicht mit den historischen Sorten übereinstimmten, welche unter diesen Namen in der Literatur beschrieben und abgebildet worden waren. Dasselbe traf für die scheinbaren Vertreter von Weißweinsorten wie z.B. Agostenga, Barthainer, Beerheller, Grauer und Roter Veltliner, Harthengst, Javor, Kilianer, Lamberttraube, Olber, Orangetraube, weißer Frankenthaler oder weiße Urbanitraube zu.

Zudem gab es Sortenakzessionen mit improvisierten Arbeits- und Fantasiebezeichnungen oder tradierten Lokalnamen wie Bozener Seidentraube, Lübek, Mondwein, Ofner oder Platterle, die in der Literatur weder als Synonyme noch als Leitnamen aufgeführt waren. Die Interpretation der historischen Sorten blieb den Nachkriegsgenerationen von ampelographisch unerfahrenen Rebenzüchtern überlassen, die zumeist die falsch benannten Sortimentsakzessionen als Referenzexemplare für gleichnamige historische Sorten akzeptierten, ohne sich an den Widersprüchen zu den botanischen Sortendefinitionen in den ampelographischen Quellen zu stoßen. In Sortenkatalogen wurden historische Sortennamen wie Roter Trollinger (BABO&METZGER 1836) intuitiv der rotbeerigen Variante des Blauen Trollingers als Synonym zugeordnet, obwohl die Abbildung die Sorte Calebstraube / Grec Rose (GALET) zeigt. Zwischen 1803 und 1815 porträtierte der Stuttgarter Hofbotaniker J.S. KERNER vermeintlich triviale Sorten wie Roter Gutedel, Muscat blanc, Gouais blanc, Forment, Ungarischer Gutedel und Roter Hänisch, die sich bei genauem Hinsehen nicht als die erwarteten Sorten von heute entpuppten, sondern die Sorten Hartroete / Roter Portugieser (TRUMMER), Muscadelle (GALET), Grüner Orleans (METZGER), Erdei (NEMETH), Österreichisch Weiße (coll. Klosterneuburg) und Pamid (NEMETH) darstellen. Kerners Rieslinge von Würzburg, von der Mosel und aus Rüdesheim dürften Sauvignon, den jüngst an der Mosel wiederentdeckten Gamay blanc (NEMETH) und die ungarische Mädchentraube darstellen, nicht jedoch den Rheingauriesling. Im Atlas des Freiherrn von Gok porträtiert die Abbildung des Clävners den Kleinen Fränkischen Burgunder (Pinot Franc Guicherd s. 17), während Christian Single (1860) und Johann Metzger (1827) unter Clävner den Spätburgunder (Pinot rouge de Bourgogne Guicherd) verstanden. Den Schwarzblauen Burgunder hingegen bezeichnet Single als Bodenseetraube (Syn. Blauer Silvaner) oder auch als Großer Burgunder. Dieser ist mit der Referenz des Blauen Silvaners (Bodenseeclävner) von Babo&Metzger (1836) identisch, dessen Lebendakzession unter dem Namen „Bettlertraube“ in der DGR in Siebeldingen steht. Diese Sorte Bodenseetraube / Blauer Silvaner entspricht genotypisch einem Affenthaler, weicht aber mit dem eher ungelappten Blatt morphologisch vom Affenthaler-Typus (Single) aus Schwaben stark ab. Dieser Bodenseeclävner (=Affenthaler-Genotyp) war zusammen mit seiner Mutter, dem Blauen Silvaner (Blauer Hängling Babo&Metzger, Bodenseetraube Trummer ) flächendeckend am Bodensee und in der Nordschweiz bis zum Genfer See verbreitet. Als Pinot Franc Guicherd gehörte der württembergische Clävner Gok mit Gamay noir und Gouais noir zu den Hauptrotweinsorten der Champagne, gefunden habe ich ihn in einer Weinbergsbrache bei Halle, dort assoziiert mit Gouais noir Guicherd und Morillon / Möhrchen Babo&Metzger.

Was wissen wir über die Burgundersorten, wenn keine einzige der historischen Abbildungen von Savagnin, Servanin, Pineau, Möhrchen (Morillon), Bourguignon oder Burgunder den heutigen Spätburgunder abbildete, welcher noch vor 200 Jahren als Frühe Persische Korinthe (KERNER) oder als Clävner (METZGER) (Clävner SINGLE) bezeichnet wurde, ohne den Abbildungen des Clävners bei Kerner oder des Clävners im Sortenatlas von Babo&Metzger 1836 zu entsprechen. Noch im Jahr 1905 stufte JEAN GUICHERD in seiner Beschreibung der Rebsorten der Champagne (Dpt. Aube) die von VICTOR PULLIAT (1888) beschriebene Sorte Enfariné richtig als Synonym des Gouais noir der Champagne ein. Beide Referenzabbildungen eines ungelappten, spitz gezähnten Blatts sind zweifelsohne identisch. Mit der Jahrzehnte später von PIERRE GALET als Enfariné des Jura GALET beschriebenen Roten Champagnertraube KERNER haben die übereinstimmenden Sortenbeschreibungen der Enfariné / Gouais noir von PULLIAT und GUICHERD jedoch nichts mehr zu tun. Zwischen Gouais noir (= Enfariné PULLIAT) und dem tief 5-lappigen Blatt der Roten Champagnertraube (= Enfariné du Jura ROUGET) bestehen nicht einmal Ähnlichkeiten. Aber mit der Einstufung des Gouais noir der Champagne als Synonym der Enfariné du Jura (GALET) war dessen eigenständige Sortenidentität getilgt worden, obwohl die Sorte in der Champagne mit fast 7000 ha einst die dritthäufigste Rotweinsorte nach Petit Gamay und Gamay d’ Orleans gewesen war und als Gouais noir (GAILLARD) auch im Dpt. Côte-d’Or und als Goix noir an der Aisne gebaut wurde. Ähnlich geheimnisvoll verschwand der Gamay d’ Orleans (PULLIAT), der heute als Synonym der Abondance / Gros Gamay (GALET) oder des Troyen (GALET) eingestuft ist, in der Originalbeschreibung aber die Sorte Gougenot (VIALA&VERMOREL) mit runden Beeren repräsentiert. Diese Sorte Gougenot wurde von (PIERRE GALET 1990) als Synonym der Sorte Franc noir de la Saone bewertet, die mit langovalen Beeren kein Gougenot gewesen sein kann. Als (falsches) Synonym des Franc noir de la Saone war die eigenständige Identität des Gougenot alias Gamay d’ Orleans getilgt. Mangels Deutschkenntnissen listete PIERRE GALET (1990) den Adelfränkisch als bloßes Synonym des Savagnin blanc (Weißen Traminer), obwohl diese altfränkische, mit Traminer direkt verwandte Sorte vom Steigerwald von FREIHERR VON BABO (1844) als Weißer Grünling / Adelfränkisch beschrieben wurde.

Ähnlich wie Adelfränkisch und Gouais noir erging es in Deutschland lange verschollenen Sorten wie Kleinberger, Grünfränkisch, der Vogelfränkischen, den Möhrchen, dem Kleinen Burgunder, der Hartwegtraube, der Süßschwarzen, der Bernhardtraube, dem Späten Blauen Räuschling, der (echten) Blauen Frankentraube oder der Mohrenkönigin. Diese Sorten wurden teils schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts als bloße Synonyme bekannterer Sorten wie Elbling, Silvaner, Riesling, Spätburgunder, Tauberschwarz, Gamay, Gelbhölzer oder Lemberger eingestuft, obwohl sie alle noch im 19. Jahrhundert als eigenständige Sorten ampelographisch beschrieben oder abgebildet worden waren. So lange diese Sorten ausgestorben blieben, fielen solche Fehler nicht weiter auf. Problematisch wurde es, als ich in alten Weinbergen über 100 ausgestorbene Sorten wiederfand, die es mehrheitlich gar nicht mehr hätte geben dürfen, da sie in den virtuellen Sortenkatalogen als Synonyme trivialer Sorten geführt waren.

Wenn die an der Bergstraße und am Neckar entdeckte, steirische Bettlertraube (TRUMMER) in Frankreich als Servanin von der Isère (PULLIAT) dokumentiert wurde, in deutschen Sortimenten aber als (falscher) Rotblättriger Wildbacher und als einer von mehreren Kölnern steht, während die Bettlertraube der Deutschen Genbank Reben (DGR) eigentlich ein Massenklon des Affenthalers ist und richtig Bethlentraube (Rebe aus Bethlen / Beclean) heißen müsste, dann wird es mit der Benennung von Freilandfunden kompliziert. Bis heute rächt es sich, dass es in der Weinwissenschaft nie zwingend botanische Regeln einzuhalten gab. Bei Sortenbeschreibungen pickten sich Ampelographen und Züchter nach eigenem Gutdünken die ihnen geläufigsten Namen als Hauptnamen aus der Summe von richtigen und falschen Lokalnamen heraus oder sie erfanden einfach neue, auch lateinische Namen. Nicht selten wurden lokale Sorten mit ähnlichen Sorten aus anderen Regionen gleichgesetzt und deren Namen als echte oder vermeintliche Synonyme akkumuliert. Nicht immer basierten solche Gleichsetzungen auf geprüftem Anschauungsmaterial: In einer offensichtlich am Schreibtisch gefällten Entscheidung stufte der Elsässer J.L. STOLTZ (1852) den im französischen Rebsortiment bei Montpellier erhaltenen Kleinen Räuschling der Bergstraße (= Fütterer BABO&METZGER) fälschlicherweise als identisch mit dem elsässischen Kleinräuschling / Knipperlé und der Folle Blanche aus dem Armagnac ein; ebenso falsch interpretierte er die von mir im Taubertal entdeckte Elsässer Morendutte (= Blauer Augster / Bajor Fekete NEMETH) als Poulsard noir (GALET), Olivette noir (GALET) und Urban Blau (BRANAS&TRUEL). Außer einer gewissen Ähnlichkeit haben diese Sorten absolut nichts miteinander zu tun. Spätere Generationen kopierten diese Synonymsammlungen und fügten neue aus anderen Quellen hinzu. Ganze Akkumulationen solcher Synonymschwärme finden sich heute vermengt ohne spezifische Quellenangaben in sortenbezogenen Internetkatalogen. Heute stellt sich heraus, dass viele dieser vermeintlich synonymen Sorten einst eigenständige Sorten waren, die mancherorts in den alten Mischsätzen noch zu finden sind. Den Grünen Kanigl, die Bettlertraube, den Blauen Kölner, den Schwarzen Alben, Schwarzen Heunisch oder den Gelben Augster kannte ich nur von den photorealistischen Bildtafeln aus Slowenien der Gebrüder KREUZER (2001); es war aber nicht schwer, diese und andere gut dokumentierte, zuvor verschollene Sorten wie den Römer Purcsin (NEMETH), den Chatus (GALET), die Weiße Alicante (BABO&METZGER), den Gelben Ortlieber (STOLTZ) oder den perlmuttfarbigen Chasselas (KERNER) im Weinberg wiederzuerkennen. Nicht selten musste ich dabei geltende Lehrmeinung in Frage stellen. Die zahlreichen Synonyme des Cot (GALET) beziehen sich historisch auf mindestens die drei in Deutschland und in der Schweiz gefundene Sorten: den Kaiserstühler Cot (GALET) mit kleinen, schlehenblauen, runden Beeren (= Arbst BABO&METZGER), den Malbek (PULLIAT) von der Mosel mit großen, purpurschwarzen Beeren (= Samoreau / Cot GUICHERD) und den Cot der deutschen und schweizer Sortimente mit recht langen Trauben und blauschwarzen, kurzovalen Beeren (= Cot rouge Viala&Vermorel = Jacobin BABO&METZGER = Malbech CALO ET AL. = Grosbec / Noir de Lorraine PULLIAT).

Der einzige Ausweg aus dem Dilemma miteinander verwechselter oder irrtümlich gleichgesetzter und getilgter Sorten ist, bei der Benennung von Wiederentdeckungen, Neufunden und Erstnachweisen, genauso wie bei der Identitätsüberprüfung von Sortimentsakzessionen, auf botanisch definierte Sortennamen zurückzugreifen, wie sie in den ampelographischen Originalquellen des 19. und 20. Jahrhunderts hinterlegt wurden. Jede historische Sorte sollte einmal durch einen Namen und einen Autor definiert worden sein, der die Sorte in ihren phänotypischen Merkmalen ausreichend beschrieben und möglichst abgebildet sowie lokale Synonyme gesammelt hat. Wendet man dieses Gesetz der botanischen Artdefinition konsequent auf Sortenebene an, so werden aus den in alten Weinbergen gefundenen Sorten Schwarzer Albe (TRUMMER), Elbing noir de Hongrie (KERNER, SICKLER), Schwarzelbling (BABO&METZGER) und Schwarzer Burger (PULLIAT) (Burger als Synonym des Elblings) vier eindeutig, durch Autor und Jahr der Veröffentlichung differenzierbare Sorten, deren Literaturquellen, Synonyme und Standorte strikt getrennt zu halten sind. Sortimentsakzessionen ohne Literaturreferenzen können nur durch ihren Standort in Sortimenten definiert werden, denn wie sollte man den am Neckar mit Trollinger, Lagrein, Rotem und Blauem Urban in einem alten Weinberg gefundenen Schwarzelbling der Deutschen Genbank Reben (DGR, BS) sonst zuordnen. Ähnliches gilt für den Mohrenkönig im Sortiment von Magaratch (Krim), der mit dem steirischen Mohrenkönig (TRUMMER) bzw. der Mohrenkönigin (RATH), aber nicht mit der Akzession Mohrenkönig Gf, Gm (= Schweizer Briegler) oder dem Weinsberger Schwarzen König (= Schwarzer Malvasier METZGER) in deutschen Sortimenten identisch ist, ebenso wenig mit der in Seußlitz und in Grünberg (Polen) gefundenen schwarzen Muskattraube Black Prince BROOKSHAW, auch nicht mit dem Black Prince in Magaratch und nicht mit der bei Klingenberg entdeckten, vom Bodensee beschriebenen Mohrenkönigin (MOHR). Die Widersprüche zwischen Sortimentsakzessionen und historischen Referenzen sind wahrlich zahlreich, nicht nur in Deutschland.

Literaturliste:Bibliographie
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Kramberger; preslikave Vojko Stiplovsek; fotografija Marjan Smerke] Umetniski
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