Joe Cools Empfehlung: XBerg 2014, Weingut Schwedhelm

Nein, dieser Wein ist nicht aus Kreuzberg, zumindest nicht vom Berliner Kreuzberg, auch wenn der früher gerne so abgekürzt wurde. Der Wein wurde nicht in der Hauptstadt gekeltert. Da keltert auch nur einer, und das ist der Hauptstadtwinzer Daniel Mayer. XBerg ist ein Wein aus dem Zellertal. Und das liegt natürlich nicht in Berlin. Es liegt auch nicht im Allgäu, auch wenn es sich vielleicht so anhört. Man findet es an der Grenze von Rheinhessen zur Pfalz. Es gibt Winzer wie H.O. Spanier, die machen dort rheinhessischen Wein, und zwar das geheimnisvollste und düsterste Großen Gewächs, das ich kenne. Es heißt »Am Schwarzen Herrgott« und das trifft es gut. Es gibt dort außerdem Winzer, die machen pfälzer Wein. Und zu denen gehören Georg und Stephan Schwedhelm. Der Riesling »Zeller Schwarzer Herrgott«, gehört für mich zu den schönsten trockenen Rieslingen außerhalb der Großen-Gewächs-Spektrums und unterhalb der Fünfzehn-Euro-Grenze. Neben dem Zeller Schwarzen Herrgott liegt der Zeller – na? Kreuzberg, genau. Und von dort kommen Riesling (ca. 60%), Chardonnay (ca.30%) und Scheurebe (ca. 10%) für den xBerg.

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Die Schwedhelms waren mir zum ersten Mal vor einigen Jahren aufgefallen, als man Weine in den Weinkontoren von Gerd Rindchen bekommen konnte. Dann schrieb irgendwann der Würtz darüber und war begeistert und mittlerweile hat sich die Qualität weiter herumgesprochen. Die Brüder Schwedhelm haben mit den Medienagenten ein neues Konzept entworfen und sich an eine, wie ich finde, sehr schöne neue Identität gewagt. Der XBerg fällt etwas raus, der dürfte so etwas sein wie der Spontan vom Lubentiushof oder der Biodynamite vom Weingut Pflüger: Markenweine, die inhaltlich und grafisch aus dem Konzept fallen.

Die Cuvée duftet nach einer Menge Kern- und Steinobst, etwas grün, etwas gelb aber auf jeden Fall frisch aus dem Kühlschrank geholt. Dazu kommt ein wenig Stein. Jedoch kein offensichtlicher Kalkstein, obwohl die meisten Lagen im Zellertal auf Kalk gepflanzt sind. Es ist eher Flussstein, dazu ein Geruch, als würde eine Wanze über den Flusskiesel laufen.

Im Mund baut sich ein schöner Druck auf. Der Wein wirkt frischer und kompromissloser als in der Nase. Hier gibt es etwas mehr grün und vor allem Zitrusfrüchte diverser Sorten, jedoch immer gelb und grün, unterlegt mit  dem schon erwähnten Kernobst und einer Kinderhand voller herber Kräuter. Das ist der richtige Wein, um die die ersten Frühlingstage einzuläuten. Der Wein erwartet die Sonne.

Ich habe ihn hier für 12.90€ gefunden. Die probierte Flasche aber wurde mir vom Weingut zugeschickt.

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