Unsere Weinempfehlungen (nicht nur) zur Weihnachtszeit 2016: Weißweine

Weiter geht es mit Weißweinempfehlungen. Auch hier unterteilen wir in einfache, mittelpreisige und teure Qualitäten, die uns in diesem Jahr besonders im Gedächnis geblieben sind. Zusätzlich gibt es natürlich die Kategorie der völlig ungewöhnlichen Weine.

Weißwein – Günstig

Maximin Grünhaus, 2015 Maximin-Grünhäuser Herrenberg Riesling, Empfehlung von Stephan:
Das ist der „Zweitwein“ zum Großen Gewächs, das in 2015 das erste Mal abgefüllt wurde. Ein  Grünhäuser wie er im Buche steht, für den Herrenberg typisch mit Zitronenmelisse, weißen Blüten und weißer Johannisbeere. Relativ säurebetont, aber mit eleganter Säure. Ein enorm frischer, leichter, trockener Ruwer-Riesling, der sich sicher über die nächsten 20 Jahre gut trinken wird. € 13,90 ab Hof.

Weingut Schuster, 2015 Roter Veltliner Altweingarten, Empfehlung von Branko: Roter Veltliner (nicht mit dem Grünen verwandt) ist mengenmäßig ein Minderheitenprogramm in Österreich, in der Qualität aber ein Musterschüler. Der Wagram gilt mit seinen Lössböden als dessen Heimstätte und das Bioweingut Schuster aus Großriedenthal zeigt warum. Dezent in der Nase, etwas Marzipan, etwas gelbe Frucht, aber am Gaumen mit wunderschönem Schmelz und der für Roten Veltliner recht typischen und erfrischenden Herbe. In Österreich wird alles jung getrunken aber ich lege meine Hand ins Feuer: der hier hält problemlos, und das lange. Gibt es schon für € 9,50. Hier schon ausgetrunken: http://www.karl-kerler.de/, in Österreich noch gut erhältlich, sonst ab Weingut

Sebastian Schneider, 2015 Riesling trocken »Der kleine Burgberg«, Empfehlung von Christoph: Jungfernweine haben oft noch mal ein ganz eigenes Flair. So geht es mir auch mit dem Riesling vom kleinen Burgberg. Der Riesling ist der erste Jahrgang aus einer Neuanpflanzung in Bad Hönningen. Sebastian Schneider hat den Riesling in eine 8 zu 8 Süße-Säure-Balance gebracht und ihn neun Monte auf der Hefe liegen lassen. Heraus kommt ein ganz feiner, cremiger und saftiger Riesling, der von einer angenehmen Reife profitiert, aber auch von dem Hefelager. die Frucht changiert zwischen Kern- und Steinobst, es mischen sich Kräuter mit hinein und es findet sich ein gewisser Druck am Gaumen. Man kann den Wein trocken nennen doch eigentlich wirkt er eher halbtrocken, was dem Ganze keinen Abbruch tut. Ein unkomplizierter, geradezu süffiger und trotzdem feiner Mittelrhein-Chrakterwein für € 9,- ab Hof.

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Weißwein – Mittelpreisig

Wagner-Stempel, 2015 Riesling vom Porphyr, Empfehlung von Christoph: Dass ich Daniel Wagners Riesling vom Porphyr seit langer Zeit für eine der besten trockenen Riesling-Spätlesen Deutschlands halte, daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Dieser Wein ist einfach eine Bank. Mit dem 2015er Jahrgang ist der Wein noch mal gelungener. Das liegt am Jahrgang und natürlich daran, was Daniel daraus gemacht hat. Die Frucht ist herrlich aromatisch, der Wein ist stoffig und hat Substanz. Vor allem aber hat dieser Wein eine Säure und einen Druck, dass einem die Jacke fliegen geht. Das ist einfach nur großer Spaß, und zwar einer, den man auch in füg oder zehn Jahren mit diesem Wein noch haben wird. Da bin ich mir ziemlich sicher. € 16,90 bei der K&U Weinhalle.

Camin Larredya, 2013 Jurancon Sec La Part d’Avant, Empfehlung von Stephan: Trockene  aber auch süße) Jurancons sind immer noch ein „best kept secret” und machen sich in Deutschland leider rar. Das biodynamisch arbeitende Weingut Camin Larredya wurde dieses Jahr auf die höchste Drei-Sterne-Stufe im Guide der Revue des Vins de France gesetzt und ist in Deutschland trotzdem nur schwer zu finden. Dieser trockene Jurancon Sec hat die für die Region typischen Trüffelnoten und dazu eher ungewöhnliche Aromen von Tonkabohne und Erbsen. Er ist gehaltvoll, aber gleichzeitig straff und elektrisierend. € 16,50 bei Viniculture.

Domaine des Marnes Blanches, 2014 Savagnin En Quatre Vis, Empfehlung von Christoph: Dieser Savagnin von Pauline und Gerauld Fromont ist für mich ein klares, typisches und unheimlich süffiges Abbild des Jura. Die autochthone Rebsorte Savagnin wird hier duftig, mit feiner Frucht und klarer Struktur gezeigt. Nicht intellektuell und doch anspruchsvoll mit viel Textur und Mineralität. Der En Quatre Vis ist für mich absolut perfekt für jene, die sich mal langsam an dieses noch so unbekannte Gebiet heranwagen wollen. Der Wein ist ungewöhnlich und doch einladend. Man kann, ja sollte mit ihm einen ganzen Abend verbringen.  Der Wein kostet € 19.50 bei Vins Vivants.

Lichtenberger-González, 2015 Leithaberg DAC weiß (Neuburger),  Empfehlung von Branko: Schon wieder so ein Autochthoner. Der Neuburger ist eine wunderschöne, schwierig zu kultivierende Rebsorte, die viel Zuwendung braucht – ein Problemkind eben. Im burgenländischen Leithaberg DAC genießt sie jedoch sogar Herkunftsschutz. Entgegen dem Zeitgeist erbringt sie zurückhaltende, burgundisch anmutende, ruhige Weine, die aber unglaublich lange leben. Das Winzerpärchen Martin Lichtenberger und Adriana González macht daraus einen wundervollen, selbstverständlich schönen Wein: zart nussig, Extrakt mit fein schwingender Säure, leise und nachdrücklich zugleich. Man möchte mit dem Wein unter einer Wolldecke kuscheln. Kostet etwa € 19 hier bei Weinfurore.

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Weißwein – Teuer

Odinstal, 2015 Riesling Basalt, Empfehlung von Christoph: Wenn man sich in Deutschland mit den großen Rieslingen beschätigt, landetman heute fast immer bei den Großen Gewächsen des VDP. Dabei kann man schon mal vergessen, dass es abseits dieses Interessensverbandes noch andere Weingüter gibt, die Großes in Flaschen füllen. Das Weingut Odinstal in der Pfalz zum Beispiel. Hier sind unter der Ägide Von Andreas Schumann drei Rieslinge von drei unterschiedlichen Böden entstanden, die mit Ehre das GG auf dem Etikett tragen dürften. Es gibt den Riesling vom Buntsandstein, vom Muschelkalk und von Basalt. Der Basalt ist der feinste der drei – und doch mit enormer Kraft. € 41,- hier bei vinaturel. Gibts auch in der Magnum.

Domaine Gauby, 2010 Vin de Pays des Côtes Catalanes »Coume Gineste«, Empfehlung von Stephan: In der Aufmerksamkeit und der Präsenz in trendsetzenden Restaurants haben Gaubys Eleven wie insbesondere Matassa dem Altmeister den Rang abgelaufen, alle Sinne ansprechende Meisterwerke, die zu den ganz großen Weinen Frankreichs gehören, sind aber im Hinterland des Roussillon immer noch die Domäne von Gérard Gauby. Der 2010er Coume Gineste ist so perfekt balanciert, harmonisch und gleichzeitig spannend wie es nur die ganz großen Winzer Frankreichs hinbekommen. Aktueller Jahrgang € 69,90 bei Pinard de Picard.

Attila Homonna, 2013 Furmint Határi, Empfehlung von Branko: Furmint steht für mich auf einer Stufe mit Riesling. In der Art, wie er den Boden widerspiegelt, in der Langlebigkeit und in seiner edlen Erscheinung. Das Tokaj ist seine Brutstätte und wie überall gibt es auch hier einige richtige Qualitätsfanatiker, wie Attila Homonna. Sein Lagenwein Határi stammt teils aus 120 (!) Jahre alten Reben, verwendet nur den frei abfließenden Most und wurde 11 Monate im 5 hl Stockinger-Fass ausgebaut. Ein Furmint so schneidend und klar wie eine Stahlklinge. Tiefgründig, fest, reife Säuren, noch ungestüm, ein Monolith. Für seinen Preis eigentlich ein Schnäppchen. Für € 39,90 hier bei Grubis Weine.

 

Weißwein – Ungewöhnlich

Domaine Berthet-Bondet, 2008 Château Chalon, Empfehlung von Stephan: Auch wenn in den letzten Jahren weltweit eine Art Jura-Hype entstanden ist, der sich mehr aus Kopenhagen, London und New-York als aus Hamburg oder München speist, fristen die oxidativen Weine aus dem Jura immer noch ein Nischendasein. Mit die besten Vin Jaunes, unter Hefeflor sechs Jahre und ein paar Monate im kleinen Holzfass gereifte Savagnins, kommen aus der Appelation Château Chalon rund um das gleichnamige Dorf. Jeder mag seinen Vin Jaune anders, für mich ist Subtilität in der Oxidation das entscheidende Qualitätskriterium. Der 2008er Château Chalon von Berthet-Bondet riecht typisch nach gelben Gewürzen und Erde, hat aber auch dezente Fruchtnoten zu bieten und ist seidig im Mund und gezähmt in der Säure. Man trinkt ihn besser in 20 Jahren, aber mit 24 Stunden Belüftung entfaltet sich der Berthet Bondet Château Chalon auch heute schon sehr schön und bietet sich gerade im Winter als weißer Meditationswein an. Für € 37,- bei Agora Freiburg.

Čotar, 2012 Malvazija, Empfehlung von Branko: Ich trinke so viele „ungewöhnliche“ (ja, sagt ruhig Naturweine) Flaschen, dass sie bei mir fast schon die Norm sind. Einer meiner Lieblinge ist Čotar aus dem Slowenischen Karst und das nicht nur, weil der Senior Branko heißt. Die Weine werden nicht geschwefelt, maischevergoren und natürlich ohne jeden Schnick-Schnack vinifiziert. Der Malvazija 2012 war eine Woche auf der Maische und verbrachte 2 Jahre in alten 500l und 2000l Fässern. Mich begeistert die unglaubliche Frische dieser Weine, egal wie alt sie sind. Komplexität, ausgeprägte, feine Säure und die karge Mineralität des Karst. Wie kühle Meeresgischt, nur trinkbar. Er kostet um die € 25, in D vielleicht hier, in AUT hier bei Vinonudo.

Pheasants Tears, 2013 Chinuri Skin Contact, Empfehlung von Christoph: Amphorenausbau und Orangewine, als die Maischevergärung von Weißweinen sind ja nicht nur hier im Blog immer wieder Thema. Da gibt es gelungene und weniger gelungene Vertreter dieses Fachs. Pheasant Tears aus Georgien, gegründet vom Amerikaner John Wurdeman, gehört zu jenen, die das können. Georgien hat mit die längste Tradition an Amphorenausbau im so genannten Quevri und dieser Wein aus der autochthonen Rebsorte Chinuri zeigt dies beispielhaft. Dieser Wein schmeckt auch Menschen, die noch nie auch nur annähernd etwas mit diesem Weintypus zu tun hatten. Gleichzeitig zeigt er all das, was diese Art von Wein für mich so besonders und wertvoll macht. Er kostet bei Lobenberg €16.50.

Die weiteren aktuellen Empfehlungen sowie die der letzten Jahre gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Martin

    Hallo Christoph, Stefan und Branko,

    vielen Dank für die tolle Serie. Ich würde mich gerne mal an das Thema Orange-Wine heranwagen, habt ihr da vielleicht eine oder zwei Empfehlungen, die ich mal probieren sollte?

    Viele Grüße!

  2. Hallo Martin, der letzte in er Liste ist ja schon ein Orange-Wine. Dazu kann ich z.B. empfehlen: Zidarich, Sepp Muster, Werlitsch und CLaus Preisinger. viele Grüße, Christoph

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