Wein am Sonntag: Clément Baraut, Herbes Folles blanc 2015

Herbe Folles, zu Deutsch Unkraut nennt Clément Baraut seine Einstiegsweine von der Loire. Das deutet schon mal darauf hin, dass Barault nicht zum Mainstream gehört, sondern entweder ein Schelm oder ein Querkopf ist. Das Unkraut, das er hier in Flaschen füllt, ist Chenin blanc aus biologisch zertifiziertem, im wesentlichen biodynamisch geprägtem Anbau, in dem der Begriff Unkraut ja noch einmal anders gewichtet wird als in der konventionellen Landwirtschaft.

Barault stammt urspünglich aus Paris, hat aber länger im Burgund und Bordelais gearbeitet, dort auch Oenologie studiert und in den 1990er als erster assistierender Weinmacher im Premier-Cru-Weingut Château Haut-Brion gearbeitet. Schnell ist ihm klar geworden, dass es ihm in seiner Weinleidenschaft weniger um die perfekte Kellertechnik ging als um die bestmögliche Arbeit im Weinberg. Er hat also angefangen, sich mit alternativen Möglichkeiten zur Agrarchemie zu beschäftigen, die gerade damals und auch in weiten Teilen noch heute der Standard in Bordeaux ist. Es hat ihn schließlich weg von Bordeaux an die Loire, genauer gesagt ins Anjou verschlagen, wo Baraut als Berater gleich an zwei hervorragenden Jahrgängen (1989, 1990) mitwirken konnte. Schon 1989 fing er an, aus zugekauften Reben Wein zu machen, selbst angebaut hat er ab 1994, wobei er ab Ende der 1990er so viel als Berater »biologischer Weinkultur« zu tun hatte, wie er selbst nannte, dass er zum Weinmachen gar nicht wirklich gekommen ist. In dieser Zeit hat er sich nicht nur einen exzellenten Ruf im als Berater in der Anjou-Subappellation Savennières erworben, sondern auch in Bezug auf sein Wissen rund um vin naturel. Als Baraut 2008 zwei Hektar in der Savennières-Subappellation »Roche aux Moines« von keinem Geringeren als Nicolas Joly übernehmen konnte, war das Ansporn genug, sich ganz dem eigenen Weinmachen zu widmen.

Der Herbes Folles 2015 ist ein völlig unkonventioneller Chenin blanc, der immer ganz vin naturel ist. Er wird in hohem Maß durch die weitgehende Abwesenheit von Schwefel charakterisiert sowie durch eine flüchtige Säure, die zunächst deutlich die Nase bestimmt. Sie erinnert mich an wenig gesüßte Grapefruit- und Limettenlimonade, etwas Gurkenwasser, Kräuter und ganz frischen grünen Apfel, ein Hauch von Quitte und Bienenwachs, also einem Hauch dieser typischen Chenin-Marker. Am Gaumen ist der Herbes Folles dann charmanter, als die Nase vermuten lässt, cremig geradezu und trotzdem ganz frisch. Auch hier bestimmt das Weglassen den Charakter. So etwas mag man, oder man hasst es. Ich mag diesen unorthodoxen, absolut erfrischenden, saftigen Nature-Stil.

Vin de France, Vin sec, 11.4 %, für € 13.90 bei Vins Vivants

Mehr zu Chenin blanc im Blog gibt es unter anderem hier: »Rebsorten im Portrait«

 

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