Cool Climate & Consorten: Ein Pinot-Noir-Tasting rund um den Globus, Teil 2

Hier kommt der zweite Teil des Cool-Climate-Pinot-Tastings, das am 20.11.2017  im Hamburger Witwenball mit freundlicher Unterstützung von Riedel stattfand. Den ersten Teil findet ihr hier.

Von links: Daniel Twardowski, Axel Bode, Hendrik Thoma, Frank Krüger

 

Flight 4
: J. Christopher – Evening Land – Dog Point – Noëllat

 

Christopher, »Sandra Adele« Pinot noir 2014, Oregon, Williamette Valley
Die beiden ersten Weine des Flights stammten aus demselben Anbaugebiet und aus sehr nahegelegenen Weinbergen im Williamette Valley. Oregon ist noch ein recht junges Weinbaugebiet, allerdings in Bezug auf Burgundersorten hoch renommiert. Jay Christopher Somers hat sich vor einigen Jahren mit Ernst Loosen zusammengetan um das Weingut J. Christopher neu zu gründen. Ursprünglich hatte er schon 1996 angefangen, aber es hakte an vielen Ecken und Enden. Christopher hat 2004 einige Zeit bei Ernie Loosen an der Mosel gearbeitet und damals entstand die Idee, einen gemeinsamen Pinot zu machen. Loosen, der in den USA schon lange aktiv ist (siehe das Riesling-Weingut Ste. Michelle), hat Christopher dann bei seiner Neugründung mit Know-how und Kapital unterstützt. Die Weinberge Abbey Ridge und Charlie’s Vineyard liegen in den Dundee Hills und sind geprägt durch Vulkangestein mit Eiseneinschlüssen. Christopher arbeitet seit langer Zeit biodynamisch und ohne Bewässerung. Der Ausbau erfolgt über 20 Monate hinweg in neuen und gebrauchten Fässern.

Bei diesem und dem folgenden Wein hatten wir am Abend des Öffnens am meisten Angst, dass sie völlig untergehen würden in der Probe. Sie wirkten sehr nah beieinander – was man bei einer gemeinsamen Herkunft so deutlich auch nicht immer hat bei jungen Weinen.  Doch leider schienen sie gerade in einer schwierigen Phase zu sein. Einerseits wirkt der Weine recht süßlich, dazu ein wenig grün und weich am Gaumen. Doch konnte sich der Weine auf sehr angenehme Weise steigern. Die grobe Herkunft (Übersee), wollte der Wein nicht verbergen, warum auch: »Neue Welt, kühle neue Welt mit gutem Holz, vielleicht etwas plakativ.« Daniel Twardowski allerdings brachte es auf den Punkt als er meinte: »Das ist an sich ein sehr guter Wein, doch er wirft gegen die anderen keinen Schatten.« Letztlich fehlte ihm ein wenig die Länge und er konnte die leichte Rumtopf-Note nicht wirklich integrieren.

Zur Verfügung gestellt von weinamlimit.de.
Der Preis liegt bei € 56,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,33 und teilte sich den Platz mit Tom Litwans »Auf der Mauer« und bezeichnenderweise mit Evening Langs »Seven Springs La Source«. (Platz 19 / 30).

 

Evening Land, »Seven Springs La Source« 2014, Oregon, Dundee Hills
Sashi Moorman und Rajat Parr scheinen im modernen Cool Climate Weinbau der USA allgegenwärtig. Neben Sandhi und La Côte engagieren sie sich nun auch noch bei einem der ältesten Weingüter von Oregon, Evening Land. Der älteste, obere Teil des Seven Springs Vineyards, La Source genannt, wurde 1984 von Al McDonald gepflanzt und ist ebenfalls geprägt von Eisen- und Vulkangestein.

Auch bei diesem Wein gab es beim Öffnen eine Melange aus Süße und leicht grüner Kernigkeit und wir hatten hier wie bei J. Christopher eine Idee von leicht feuchtem, angewelktem Laub in der Nase. Doch auch hier brauchte der Wein Zeit, um sich zu finden und entsprecht balancierter und offener zeigte er sich beim Tasting. Eine gute Konzentration und Stoffigkeit verband sich hier sowohl im Duft als auch am Gaumen mit einer ausgeprägt feinen Kirschfrucht, tendenziell mehr Sauerkirsche als Süßkirsche. Was ein wenig, und mit Wärme ein wenig mehr störte, war die Teer- und Klebstoffnote, die zwar diskret aber vorhanden war. Ambitioniert ist der Preis, der einerseits dem Pinot-Hype in den USA geschuldet sein mag und andererseits dem aktuellen Pop-Star-Image der beiden Weinmacher.

Zur Verfügung gestellt von weinhalle.de.
Der Preis liegt bei € 74,90.

Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,33 und teilte sich den Platz mit Tom Litwans Auf der Mauer« und mit J. Christopher (Platz 19 / 30).

 

Dog Point, Pinot Noir 2014, Marlborough
Wenn man Daniel Twardowskis Aussage noch mal aufgreifen möchte, dann warfen zum aktuellen Zeitpunkt keine Weine einen Schatten gegen diesen Pinot noir. Der Wein stammt wie Blank Canvas aus Marlborough. Allerdings hat das Weingut und vor allem die Familie deutlich mehr Tradition. Denn die Inhaber von Dog Point gehörten zu jenen, die das Weingut Cloudy Bay groß und berühmt gemacht haben. Als Cloudy Bay an LVMH verkauft wurde, was es für die Ehepaare Sutherland und Healy Zeit, zu gehen. 2004 wurden die ersten Dog Point Weine abgefüllt, die von Anfang an biologisch-organisch erzeugt wurden. Und zwar von 80 Hektar Weingärten, die Ivan und Margaret Sutherland bereits ab den 1980er Jahren gekauft und angepflanzt hatten – noch vor dem großen Sauvignon-blanc-Boom.

Dass es neben Sauvignon blanc in Marlborough noch weitaus mehr zu entdecken gibt, zeigt dieser Pinot eindrucksvoll. Die Rebstöcke wurden 1983 in den lehmig-kalkmergeligen Hügeln gepflanzt und lieferten 2014 35 hl / ha. Vergoren wurde mit rund 20 % Ganztrauben in kleinen Open-Top-Edelstahlfermentern. Ausgebaut wurde der Wein über 18 Monate in französischem Holz mit rund 35 % Neuholzanteil.

Was bei diesem Wein beeindruckt ist die Verbindung aus vollreifer Frucht und der Gesamtkühle, die der Wein ausstrahlt. Der Wein holt einen mit seiner Saftigkeit und Frucht ab, er ist zugänglich und gleichzeitig tief und komplex. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das schwer zu toppen, zumal neben der Frucht, Erde, Kräuternoten und Unterholz zusätzliche aromatische Schichten eröffnen. Natürlich wurde hier überlegt, ob das nun der angekündigte Gevrey-Chambertin oder doch eher ein Vosne-Romanée sein könnte. Dass das dann ausgerechnet wieder Marlborough war, nötigte jedem mehr als Respekt ab. »Ein Hammer! Vor solchen Weinen haben Sie langsam Angst im Burgund. Oder zumindest Respekt«, hieß es. Oder auch: » Das ist wieder Marlborough? Nein, wirklich? Und das kostet € 33? Ich kaufe meine Pinots in Zukunft nur noch dort.«

Zur Verfügung gestellt von vinabonus.de / Neuseeland-Weinboutique.de.
Der Preis liegt bei € 33,-.

Der Wein wurde zwischen 17,25 und 19 Punkten bewertet und kam auf eine durchschnittliche Bewertung von 17,97 (Platz 3 / 30).

 

Georges Noëllat, Vosne-Romanée 2014, Burgund
Interessanterweise wurde beim ersten echten Burgunder kaum auf Burgund getippt. Der Wein zeigte sich »zwar gut, aber er verrät seine Herkunft nicht.« Das dürfte ein vorrübergehendes Phänomen sein, aber es war die aktuelle Momentaufnahme eines Vosne-Romanée, der zwar in gewissen Maße nur ein Ortswein ist, aber einer von alten sélection-massale-Reben in den Parzellen Les Jacquines, Champs Perdrix, Hautes-Maizières und Les Vigneux. Zusammen mit dem Können des sehr angesagten Maxime Cheulin, der bei Emmanuel Rouget und in der Domaine Gros gelernt hat und seinen Nachbarn Louis-Michel Liger-Belair als Freund und Berater zur Seite hat, sollte das eigentlich ein hervorragender Wein sein. Doch er zeigt es noch nicht so ganz.

Bei Cheulin wird komplett entrappt, kühl vorvergoren und in 40 % neuem Holz ausgebaut. Das Holz merkt man hier durchaus, doch wirkt es gut eingebunden. Beim Öffnen wirkt der Wein noch zart, fast floral, kräutig und mit Luft kommt etwas von der Vosne-Würze. Die ist am nächsten Tag nicht mehr so präsent dafür hat sich eine leicht volatile Note in den Vordergrund geschoben. Aromatisch ist man hier bei Sauerkirschen samt Steinen und etwas Kirschlikör, der mit Wärme eine leichte Süße an den Gaumen bringt. Dazu ist der Wein seidig, fein. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte er mit Ranking besser abgeschnitten, doch im Vergleich fehlt ihm tatsächlich aktuell ein wenig die Tiefe und Spannung.

Zur Verfügung gestellt von vinisüd.de.
Der Preis liegt bei € 65,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,33. Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,88 (Platz 14 / 30).

 

Fazit
Bei diesem Flight zeigt sich einmal mehr die Problematik junger Weine, oder besser, junger Pinots. Es gibt Weine, die sind so offen und einladend, so auf den Punkt da, dass es eine große Freude ist. Der Dog Point ist so ein Wein. Und er übertrumpft damit die anderen Weine des Flights deutlich. Das hat aktuell Trinkfluss, das macht Spaß. Und, es ist sicher kein Wein nur für das Hier und Jetzt. Alle Anlagen deuten darauf hin, dass der Wein mit Zeit noch zulegen wird. Proben älterer Weine im Weingut haben mir das bestätigt. Die drei anderen Weine waren sicher nicht in Top-Verfassung, doch das kann sich schnell wieder ändern. Nett fand ich folgendes Zitat: »Kompliment an die ganze Weinwelt, denn bisher hatten wir in jedem Flight mindestens einen Burgunder.«

 

Flight 5
: Pinard – Kollwentz – Manincor – Burn Cottage

Vincent Pinard, »Charlouise« 2014, Sancerre
Wer einmal einen Belle Dame Pinot von Vacheron im Glas hatte oder einen La Moussière von Alphonse Mellot, dürfte bereits eine Ahnung davon haben, wie gut roter Sancerre sein kann. Vincent Pinard unterstreicht dies eindrucksvoll mit seinem Sancerre »Charlouise« aus dem Örtchen Bué. Dort stehen auf Kimmeridge- und Oxford-Kalkböden mit Feuersteineinschlüssen mindestens 50 Jahre alte Pinot-Stöcke. Die Frucht wird zu 100 % entrappt, dann kühl vorvergoren und in großen Fudern aus Tronçais-Eiche spontan vergoren. Der Ausbau erfolgt über 18 Monate in 66 % neuer und einjähriger Belegung.

Das man hier im Sancerre ein deutlich kontinentaleres Klima hat als im Burgund wird bei diesem Wein deutlich. Er hat eine kühlere Anmutung, die Säure ist präsenter, der Wein ist durchaus knackig mit prägnanten Sauerkirschfrucht. Wirkt er beim Öffnen noch etwas rustikal, hat sich das zum Tasting hin zu einer etwas ruralen, ausgesprochen attraktiven, erdigen Noten hin verschoben. Jetzt strahlt der Wein, bleibt knackig, kirschig, zeigt einen Hauch von Menthol und Minze, hat viel Balance und Kraft am Gaumen und eine schöne Länge. Das hat allgemein sehr gefallen, nachdem man sich an die andere Art der Säure gewöhnt hatte.

Zur Verfügung gestellt von www.wein-kreis.de.
Der Preis liegt bei € 38,20.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 17,47 (Platz 8 von 30).

 

Kollwentz, »Dürr« Pinot noir 2014, Burgenland, Leithagebirge
Der Kontrast zum Sancerre fällt massiv auf, ja der Kontrast zu allen anderen Weinen des Flights hat sich über Nacht verstärkt. Der Kollwentz fällt mit seiner rauchigen, röstigen Note aus dem Rahmen des gesamten Tastings. Nirgendwo steht das Holz soweit neben der Frucht. Die Frucht dieses Pinots stammt aus der historischen Riede Dürr, die bereits 1570 erwähnt wird. Sie liegt am Südhang des Leithagebirge mit umliegenden Wald und einem Boden, der sich aus Muschelkalk und sandigem Lehm zusammensetzt. Andi Kollwentz hat den Wein 16 Monate in, so scheint es, relativ stark geflämmtes Holz gelegt, reduktiv ausgebaut und ohne Schönung und Filtration gefüllt.

Der Pinot zeigt beim Öffnen ein wenig Schießpulver-Reduktionsaromatik, die aber mit der Zeit verfliegt. Aromatisch erinnert der Wein als Waldbeerenkompott und Kirschen, Leder und Lakritze. Während die Nase eher einen kräftigen, tiefen Pinot suggeriert, zeigt er sich am Gaumen eher schlank und zum jetzigen Zeitpunkt unharmonisch, da gibt es nichts zu rütteln.

Zur Verfügung gestellt von Kollwentz.
Um die € 45,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 15,66 (Platz 27 von 30).

 

Manincor, »Mason di Mason« Blauburgunder 2014, Südtirol
Im Gesamtgefüge des weltweiten Pinot-Angebots, das wir an diesem Nachmittag auf dem Tisch hatten, liegt Manincor gar nicht so weit weg von Kollwentz, allerdings doch auf der anderen Seite der Alpen. Das traditionsreiche (400 Jahre) und zu den biodynamischen Pionieren der Gegend gehörende Weingut des Grafen Goëss-Enzenberg baut den Pinot in den Lagen Mason auf 450 Meter an. Der vier Hektar große Weinberg ist ein nach Süden ausgerichtetes Hochplateau mit sandigem Lehm im Oberboden und unterschiedlichen Gesteinsarten wie Dolomit, Porphyr, Gneiss und Granit im Unterboden. Der Pinot wird spontan in offenen Holzbottichen vergoren. Nach zwei Wochen Mazeration mit einmaliger pigeage am Tag wurde der Wein von Weinmacher Helmuth Zozin über 12 Monate im Barrique ausgebaut (25 % Neuholz).

Was den aktuellen Trinkfluss und die Eleganz angeht, so lag der Mason di Mason ganz weit vorne. Hier stimmt das Holzmanagement, das sich in einer feinen rauchigen Note ausdrückt und sich mit ganz leicht balsamischen Noten verbindet. »Der Wein ist leise, aber sensationell,« wurde schnell klar und wir konnte dieses Leise auch im fünften Flight noch ohne Probleme würdigen. Der Mason di Mason ist elegant und gleichzeitig zeigt er eine gute Konzentration. Die säure ist brillant und exzellent eingebunden, die Kirschfrucht saftig und kühl und am Gaumen wirken Frucht, Kühle und rauchig-schokoladige Note wie eine Schwarzwälder Kirschtorte bester Provenienz. Diese Weine aus dem Südtirol, für den der Wein stellvertretend steht, auch wenn er frisch auch in Südtirol herausragt, hat man viel zu wenig auf dem Schirm. »Unglaublich. Sehr elegant, absolut überzeugend.« Dass der Wein von jemandem am Tisch 15 Punkte erhalten hat ist mir, das muss ich sagen, völlig unverständlich. Der Wein hätte sonst verdientermaßen noch ein wenig besser abgeschnitten.

Zur Verfügung gestellt von Manincor.
Preis liegt bei rund € 50,-.
Der Wein hat zwischen 15 und 18,5 Punkte erhalten und lag im Durchschnitt bei 17,61 (Das ist Platz 6 von 30).

 

Burn Cottage, Pinot Noir 2012, Central Otago
In Bezug auf Neuseeland war es mir wichtig, auch aus den beiden bekanntesten Pinot-Regionen Central Otago und Wairarapa noch einen Weinen dabei zu haben. Und da bot sich Burn Cottage an, dem Schwesterweingut von Koehler-Ruprecht, wenn man so will. Beide Weingüter gehören den größten Rinderzüchtern der USA, der Sauvage-Familie. Koehler-Ruprecht haben sie übernommen, Burn Cottage 2002 neu gegründet. Auf einer ehemaligen Schafweide mit einem irgendwann mal abgebrannten Hüttchen – »Das war eine Schafweide? Der Wein erinnert da dran« (kleiner Scherz aus der Runde) – ist im Laufe der Zeit ein biodynamisch betriebener Vorzeige-Weingarten geworden, den ich 2015 besuchen konnte (link). Als Weinmacher konnte Marquis Sauvage keinen geringeren als Ted Lemon gewinnen, dessen Pinot seines eigenen Weinguts Littorai wir schon in einem Flight hatten.

Central Otago hat ein deutlich anderes Klima und eine ebenso andere Bodenzusammensetzung als Marlborough. Central Otago ist so ziemlich das südlichste Anbaugebiet der Erde mit massiven kühlen Einflüssen aus der Antarktis. Gepflanzt wurde der 10,5 Hektar große Pinot-Weingarten auf Granit- und Schieferverwitterungsböden. Es sind 10 unterschiedliche Klone auf fünf unterschiedlichen Unterlagsreben, die hier Verwendung finden. Der Ganztraubenanteil liegt bei 10 %, vergoren wird in großen Holzfermentern, ausgebaut in bester französischer Eiche mit 25 % Neuholzanteil. Der Wein ist, ganz typisch für Central Otago dunkel und würzig. Der Pinot ist deutlich strenger als die rotfruchtigen Exemplare aus Marlborough. Dabei ist der Burn Cottage ebenso saftig und frisch mit markantem aber harmonisch eingefügtem Tannin und guter Länge. Trotzdem hat der Wein nicht überzeugt. Die Aussage »der Wein hat alles, außer Charakter,« ist mir deutlich zu massiv, aber es gab Zustimmung dazu. Ihm fehlt ein wenig die Seele, obwohl der Aufwand, der dort von Könnern und sehr engagierten Menschen eigentlich zum Gegenteil führen sollte.

Anbieter: schreiblehner.de € 45,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,72 (Platz 16 von 30).

 

Fazit
Einen gemischten Flight mit zwei besonderen Höhen hatten wir hier in den Gläsern. Der Manincor war ein Wein, den ich direkt nachkaufen möchte und ab jetzt die Entwicklung über die nächsten Jahre hinweg verfolgen möchte. Da war so viel Harmonie in dem Wein, das hat schon viel Spaß gemacht. Beim Burn Cottage, ebenfalls biodyn, fehlt die noch. Aber das ist noch ein junges Projekt, das, wenn man in den Weinberg schaut, auch noch im Versuchsstadium ist. Nicht, weil die Leute noch üben müssten – die sind alle erfahren – aber der Ort und die richtigen Reben werden noch in Einklang gebracht, da bin ich mir ziemlich sicher. Bei Kollwentz war ich ein wenig enttäuscht, das muss ich zugeben. Ich mag die Blaufränkische des Weinguts ausgesprochen gerne, da ist so viel Eleganz und Kraft drin, das begeistert mich jedes Mal. Hier fehlte die Begeisterung diesmal und der Wein wirkte auch nicht unbedingt so, als wäre das in fünf Jahren anders. Aber vielleicht gibt es ja eine Überraschung. Der Sancerre von Pinard war eine solche. Da ich seit Jahren die Pinots von Vacheron verfolge, wusste ich, dass Sancerre hier einen ganz eigenen Stil zu bieten hat. Und diesen kontinentalen, kühlen Pinot-Stil hat Pinard hier eindrucksvoll in die Flasche gebracht.

Flight 6
: Albert Mann – Daniel Twardowski – Fourrier – Tolpuddle – Klaus Peter Keller

Albert Mann, »Grand P« 2014, Alsace
Grand P steht für Grand Cru aus dem Pfersigberg in Wintzenheim im Elsass. Dort entsteht auf Sandstein und Kalk der biodynamisch erzeugte Pinot von Maurice und Jacky Barthelmé. Die Weißweine der beiden sind mir lange bekannt, der Pinot war es noch nicht, da habe ich ganz dem Urteil des Importeurs vertraut und er lag richtig. Denn bisher habe ich immer gehört, dass Elsass zwar Weißwein auf hohem Niveau (das ist kein Geheimnis), bei Pinot aber nicht überzeugt. Dieser Wein beweist das Gegenteil.

Der Grand P hat einen sehr starken Auftritt hingelegt. Beim Öffnen habe ich den Wein als durchaus kühl und streng wahrgenommen mit Noten von Unterholz, Erde und feinsäuerlichen roten Früchten. Doch auch schon beim Probieren hat mich der Wein mit seiner Saftigkeit, der Straffheit, dem süßen Kern und dem Druck, den er an den Gaumen gebracht hat, beeindruckt. Beim Tasting hat der Grand P dann noch eine zusätzliche Dimension an Feinheit dazu bekommen. »Die Säure trägt den Wein wie ein Perserteppich,« war ein gelungenes Bild dazu, denn die Säure ist wirklich markant bei diesem Wein. Sie durchzieht in fein bis in die letzten Verästelungen und wirkt äußerst lebendig und mineralisch. Dazu kommt die der Druck am Gaumen, die dichte im Geschmack. Das war ein ganz hervorragender Wein, oder anders ausgedrückt: »Wahnsinn, das ist unfassbar gut.« Und das Aufdecken und Bekanntmachen der Herkunft hat natürlich auch hier für ungläubiges Staunen gesorgt.

Zur Verfügung gestellt von vinaturel.de, € 53,-.
Der Wein hat zwischen 17 und 18,5 Punkte erhalten und lag im Durchschnitt bei 17,58 (Das ist Platz 7 von 30).

 

Daniel Twardowski, Pinot noix 2014, Mosel
Kommen wir zum Wein des Tastings. Dass das der Wein ausgerechnet des einzigen Winzers am Tisch sein würde, war nicht unbedingt zu erwarten und tatsächlich hat beim Tasting auch niemand aber wirklich niemand auf Mosel-Pinot getippt. Bis auf den Macher, der seinen Wein erkannt und notiert hat aber schön dem Mund gehalten hat als alle anderen die sich geäußert haben auf Frankreich tippten: »Das kann nur der Gevrey-Chambertin Vieille Vigne sein. Da lehne ich mich aus dem Fenster, das kann eigentlich Nichts anders sein.« Doch der Gevrey kam danach und es hat ihn keiner erkannt. So ist das in Blindproben, man wird immer wieder demütig. Zurück zu Daniel Twardowski und seinem 2014er Pinot noix. Daniel ist Raritätenhändler mit besonderem Bezug zum Burgund. Er hat entsprechend viel Verkostungserfahrung und ich bin mir ziemlich sicher, dass genau das die wichtigste Voraussetzung dafür ist, gute oder sehr gute Weine machen zu können. Der Rest ist erlernbar. Der Norddeutsche, den es mit seinen Eltern an die Mosel verschlagen hat, hat sich 2006 dazu entschlossen, erste Parzellen im Dhroner Hofberg zu erwerben. Diese Lage gehörte früher zu den Grand-Cru-Lagen der Mosel, war aber zwischenzeitlich weitgehend vergessen. Entsprechend günstig waren hier die Quadratmeterpreise. Wenn man es mit dem Burgund vergleicht, dann hat Daniel die ersten Parzellen fast umsonst bekommen. Das ist jetzt zwar auch schon anders aber natürlich immer noch nicht zu vergleichen. Die Reben hat er natürlich aus dem Burgund bekommen und alle einzeln burgundisch dicht gepflanzt. Später hat er dann die Reiser auf bereits bestehende alte Riesling-Unterlagen gepfropft und hat so quasi schon eine alte Rebe im Untergrund. Die französischen Klone stehen auf Blauschiefer mit Eisenoxid und werden über 14 bis 18 Monate in französischer Eiche, vor allem gebrauchten Fässern von Armand-Rousseau und Romanée-Conti ausgebaut. Bei diesem kleinen Weingut, das über weniger als drei Hektar verfügt ist alles hands-on, im Keller wird mit Schwerkraft statt mit Pumpen gearbeitet, Twardowski verfügt über eine Korbpresse mit der langsam gepresst wird. Es wird außerdem normal geschwefelt. Die Legendenbildung ist so, dass Carlo Wolf, Gründer von Wein Wolf, Rungis Express und Weinart irgendwann vorbeikam und das »Zeug saugeil« fand. Also hat Daniel angefangen, es in Flaschen zu füllen und zu verkaufen.

»Das ist zeitlos. Das ist der beste Wein,« hieß es sehr schnell in der Runde und tatsächlich wurde der Wein auch entsprechend bewertet. Der Weine hatte alles, was einen hervorragenden Pinot ausmacht. Obwohl jung war klar, dass er großes Zukunftspotential hat. Die Nase war klar und ansprechend in ihrer Frucht und Lebendigkeit. Am Gaumen zeigte sich der Wein fein, elegant, druckvoll, saftig mit viel Kraft und einer pefekt integrierten Säure sowie einem wunderbaren Zusammenspiel aus reifer Frucht und ebenso reifem Gerbstoff. Der Holzeinsatz ist präzise, ja der ganze Wein ist präzise und dabei voller Charakter. Natürlich gab es beim Aufdecken viel Applaus. »Wir sind erleichtert, dass das Wein so gut ist,« sagte Gerhard und sprach uns dabei aus der Seele. Ja, was für eine Überraschung. Denn einigen am Tisch ging es bisher so, dass sie den kleinen Hype um Mosel-Pinots bisher nicht nachvollziehen konnte. Dass Moselschiefer und Pinot zu Größe führen können, ist nun aber bewiesen. Zumal wir noch den 2015er probiert haben, der wohl aktuell nicht ganz die Punktzahl bekommen hätte aber auf einem ganz ähnlichen Niveau angesiedelt ist.

Anbieter: weinart.de € 69,- (vom Weingut erhalten).
Der Wein hat zwischen 17 und 19,5 Punkte erhalten und lag im Durchschnitt bei 18,3 (Das ist Platz 1 von 30).

 

Jean-Marie Fourrier, »Vieille Vigne« 2014, Gevrey-Chambertin, Burgund
Dass nun der wahre Gevrey-Chambertin direkt neben dem Wein stand, der für den Ausdruck dieser Provenienz gehalten wurde, hat mir Spaß gemacht. Dass der Fourrier dann (im aktuellen Vergleich zu Recht) abgeschlagen dahinterlag, hat mich dagegen bekümmert. Ja, es war kein Fourrier Cru, den wir im Glas hatten aber es war ein Wein von alten, teils hundert Jahre alten Reben in den Lagen Griotte und Clos St. Jacques. Das ist eigentlich ein Wein, der über jeden Zweifel erhaben ist und doch nicht punkten konnte. Während der Vieilles Vignes am Abend des Öffnens noch durchaus die Meisterschaft von Jean-Marie Fourrier verraten hat, das Zusammenspiel von dunkler Frucht und feinem Holz und die markante Sauerkirschnote am Gaumen begeisterte und der Wein lediglich sehr verschlossen wirkte, fiel er während der Probe am Gaumen etwas in sich zusammen. Es mangelte an Substanz und Länge – Schade.

Zur Verfügung gestellt von vinisüd.de, Preis, ca. € 54,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,77 (Platz 15 von 30).

Tolpuddle Vineyard Pinot Noir 2015, Tasmanien
Tasmanien ist ohne Zweifel eines der kühlen Gebiete mit einem aufstrebenden Weinbau. Eines der Topweingüter dort ist Tolpuddle, dessen Geschichte ich schon beim Chardonnay-Tasting erzählt habe. Der Pinot noir wurde 1988 im Coal River Valley auf sandigen Böden über Sandstein gepflanzt. Der Ganztraubenanteil dieses Weines liegt bei 50 %. Martin Shaw und Adam Wadewitz haben dem Wein neun Monate in französischer Eiche gegönnt von der ein Drittel neu war.

Jancis Robinson, die nicht unbedingt für ihre hohen Bewertungen bekannt ist, hat diesem Wein 18 Punkte verliehen. Da muss ich sagen, dass er die bei uns am Tisch nicht bekommen hat. Wohl aber hat der Wein gefallen. Die Nase war zwar während des Tastings etwas schwierig, denn der Wein roch etwas sehr phenolisch, dazu gab es Eukalyptus und Bohnenkraut. Am Gaumen aber war der Wein voll da, präsent, klar, schlank, saftig mit schönem Biss und Druck und einer markanten Salzigkeit. Vielleicht wegen des nicht ganz sauberen Geruchs wurde der Wein teilweise recht schlecht bewertet, entsprechend fand er sich im unteren Feld wieder.

Zur Verfügung gestellt von Apell.de, € 59,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von
15,91 (Platz 24 von 30).

 

Klaus Peter Keller, »Nieder-Flörsheimer Frauenberg« Spätburgunder 2014, Rheinhessen
Klaus Peter Kellers Frauenberg stammt aus einer rund 20 Jahre alten burgundischen selection massale, die auf Kalksteinboden steht. Er wird in drei bis vier Jahre alten Fässern bester burgundischer Herkunft ausgebaut. KPK sagt selber über den Wein, dass er ein Grenzgänger sei, immer am Limit, immer mit bemerkenswerter Säure, dabei zart und finessenreich. Diese Säure, die dem Wein tatsächlich so etwas von rotem Riesling gibt, wie es Keller ja selbst formuliert, war auch beim Tasting die mit Abstand markanteste Eigenschaft. »Wow, da ist ja mal eine ordentliche Säure vorhanden,« hieß es dann auch in der Runde. Tatsächlich überschattete sie die Komplexität des Weines und ebenso die Finesse, die der Wein am Abend des Öffnens durchaus hatte. Cassis war da im Vordergrund, Minze, ja es erinnerte mich ein wenig an Eukalyptus. Der Wein war druckvoll und sehr lebendig, tänzelnd leicht und schwebend. Dass die Säure das beim Tasting mehr oder weniger überlagert hat spricht dafür, dem Wein deutlich mehr Zeit zu gönnen.

Anbieter: weinundglas-berlin.de € 91,20.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,52 (Platz 17 von 30).

 

Fazit
Was für ein verrücktes Auf und Ab bot dieser Flight. Die Weine, die man dem Namen nach ganz oben einsortiert hätte, lagen weit abgeschlagen hinter einem mehr als bemerkenswerten Elsässer und einem großartig aufspielenden Moselaner. Das sind letztlich beides Appellationen, den in Sachen Pinot nicht wirklich viel zugetraut wird. Klar, es hat sich auch schon vor dem Pinot noix etwas an der Mosel getan und Molitor wie Steinmetz finden mit ihren Weinen immer öfter Erwähnung. Doch auch mich hat das bisher selten abgeholt. Dann schon eher der Wein, den Gernot Kollmann eher nebenbei neben all den Rieslingen vinifiziert. Was Fourrier und Keller angeht, so sprechen wir uns in fünf Jahren noch mal.

 

Flight 7
: Chandon de Briailles – Pataille – Ata Rangi – Baltes

Chandon de Briailles, »Île de Vergelesses« 2014, Côtes de Beaune
Dieser Pinot stammt von der 3,13 Hektar großen Premier-Cru-Lage Ile de Vergelesses in Pernand-Vergelesses. Die Lage wird eingerahmt von Savignys Les Vergelesses sowie Pernands Les Vergelesses. Die Qualität des Terroirs gilt als höher als die aller anderen Premier-Cru-Lagen des Ortes. Für Clive Coates ist das eigentlich eine Qualität auf Grand-Cru-Niveau. Das Terroir von Pernand-Vergelesses ist vergleichbar mit dem des nahen Corton-Hügels, also von kiesel- und kalkhaltigem roten Mergel geprägt, der über einen hohen Eisenanteil verfügt. Die Reben liegen im Alter bei durchschnittlich 40 Jahren, teils sind es 80-jährige Reben, die seit 2008 von der Familie de Nicolay biodynamisch bewirtschaftet werden. Die Trauben wurden nicht entrappt, spontanvergoren und ausschließlich in gebrauchten Fässern ausgebaut. Bei Chandon de Briailles wird kaum geschwefelt.

Schon am Vorabend beim Öffnen und Zusammenstellen der Flaschen war dies ein intensiver Pinot mit einer ungemein intensiven mineralischen Komponente und einem vielschichtigen fruchtigen Bouquet. Da ist viel dunkle Frucht drin (Cassis, Schwarzkirsche) aber auch ein paar Himbeeren und Walderdbeeren. Der Wein ist aber vor allem während des Tastings erdig, fast ein bisschen animalisch, dunkel mit einem markanten Tannin und einer gleichzeitig gelungenen Textur und frischer Säure. Ein kraftvoller Wein am Anfang seiner Entwicklung.

Zur Verfügung gestellt von vinaturel.de, € 56,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,88 (Platz 13 von 30).

 

Sylvain Pataille, »Clos du Roy« 2014, Marsannay, Burgund
Was Sylvain Pataille mit seinen Weinen bietet ist einfach unglaublich. Schon beim vergleichsweise »kleinen« Wein seines Portfolios, denn wir hier dem aktuell völlig verschlossenen großen Wein vorgezogen hatten, zeigt sich das Talent dieses Ausnahmewinzers. Clos du Roy ist eine der ältesten Lagen im Burgund und wird seit 1280 bewirtschaftet. Der Boden ist ähnlich wie in Beaune, Pommard oder Volnay neben dem Kalk von weißem Lehm geprägt. Darauf stehen zur Hälfe 30jährige als auch uralte, bis zu hundert Jahre alte Rebstöcke. Biologisch-organisch zertifiziert wird schon lange gearbeitet, mittlerweile sogar biodynamisch und Sylvain bewirtschaftet ganz klassisch mit Pferd im Weinberg. Die Ernte wird penibel, teils mit Fotoauslese, selektioniert und das beim einfachen wie beim großen Wein, da gibt es keine Unterschiede. Es wird sehr langsam mit Korbpresse gepresst und sehr zurückhaltend geschwefelt. Null bei der Vinifikation, 1 Gramm pro Hektoliter beim Abstechen, 2 Gramm pro Hektoliter bei der Füllung. Ausgebaut wird in 228ern und 600ern mit 20 % Neuholzanteil.

Wenn eine Gruppe von Weinleuten andächtig vor dem Glas verweilt und dann nur raunt: »Das ist super«, um sich dann wieder dem Wein zu widmen, dann hat der Winzer Vieles richtig gemacht. So war es bei diesem Wein, der sich sehr kraftvoll, fokussiert und konzentriert präsentiert hat. Das Holz war markanter als bei vielen anderen Weinen der Runde, aber es passt, es fügt sich ein. Vor allem beim Tasting. Am Vorabend war es mir noch zu vordergründig präsent mit etwas zu viel Karamell und einer Note von Rumtopf. Aber beim Tasting zeigt sich eine traumhaft klare Kirschnote, eine brillante Säure und eine dichte Saftigkeit. Der Wein hat enorm viel Zug.

Anbieter: www.gute-weine.de, Preis, ca. € 37,-.
Der Wein hat zwischen 16,25 und 18,5 Punkte erhalten und lag im Durchschnitt bei 17,69 (Das ist Platz 5 von 30).

 

Ata Rangi, Pinot Noir 2014, Wairarapa
Wenn es um Pinot noir und Neuseeland geht, dann ist Ata Rangi Legende. Ich habe diese Legende mal genauer umschrieben, und zwar hier im Blog. Auf jeden Fall gehört der Gründer des Weinguts Clive Paton zu den Pionieren des modernen neuseeländischen Weinbaus und er hat in seinem Weingarten den so genannten Gumboot- oder auch Abel-Clone angebaut, der wohl tatsächlich ursprünglich aus einen Romanée-Conti-Weinberg stammt. Gleichzeitig hat Paton den Weinbau in Wairarapa begründet, das heute ein Zentrum des Pinot noirs in Neuseeland ist. Die heutige Weinmacherin Helen Masters nutzt verschiedene Weinberge rund um den kleinen Ort Martinborough mit 90 % Abel- und 10 % Dijon-Clones, die Reben stehen im Wesentlichen auf alluvialem Schwemmland mit Löss- und Lehmschichten. Die Weinberge werden seit langer Zeit biologisch-organisch bewirtschaftet. Dier Ernte wird zu 65 % entrappt und in französischer Eiche mit 35 % Neuholzanteil ausgebaut.

Im Gegensatz zu den Marlborough-Pinots besteht hier keine Verwechselungsgefahr mit Burgund. Wenn überhaupt, dann kann man den Wein vielleicht mit Pfälzer Pinots von fetteren Böden vergleichen. Aber eigentlich ist das ein sehr eigenständiger Wein, »speckig, rauchig, tief und wirklich gut,« wie es in der Runde hieß. »Ein Monster«, sagte jemand, und meinte das durchaus positiv. Denn dieser Wein ist nicht etwa fett oder okay, er ist sehr dunkel mit sehr viel Unterholz, feuchtem Waldboden. »Der hat was, was ich beim Pinot noir leibe, das ist das sous bois, das morbide,« hieß es ebenfalls in der Runde.

Zur Verfügung gestellt von vinabonus.de / Neuseeland-Weinboutique.de (Endkunde) € 55,-. Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 16,91 (Platz 12 von 30).

 

Benedikt Baltes, »Terra 1261« Pinot noir 2014, Churfranken
Wenn man von den großen, jungen Aufsteigern der deutschen Weinszene spricht, dann wird der Name Benedikt Baltes schnell fallen. Denn Benedikt, heute in seinen frühen Dreißigern hat das Weingut der Stadt Klingenberg schon mit Mitte zwanzig übernommen und ist dabei, dem Namen Klingenberg wieder zu alter Größe zu verhelfen. Schließlich wird auf den Buntsandsteinböden am terrassierten, steilen Klingenberger Schlossberg schon seit mindestens 1261 Weinbau betrieben. Und deshalb heißt der Wein auch so. Es ist das beste Fass aus den wenigen Fässern, die Benedikt als Großes Gewächs des Schlossbergs vinifiziert. Im Weinberg wird so konsequent gearbeitet wie selten sonst. Bio, biodyn, mit Permakultur, mit dem Ausbau aus Spessarteichenholz, das um die Ecke wächst. Das ist schon sehr beeindruckend. Natürlich gibt es hier eine kühle Vorvergärung, dann eine Spontangärung, es wird wenig geschwefelt und nicht filtriert.

Der Wein war am Ende der gesamten Veranstaltung noch mal eine große Herausforderung, so anders präsentierte er sich. Dass er bei diesem Tasting nur Platz elf belegt hat, kann ich verstehen, denn er war kompliziert und sehr jung. Dabei aber in seinen Anlagen außergewöhnlich, ja hervorragend. So viel Präzision, so viel Saftigkeit und Druck, säurebetont weil aus einem extrakühlen Jahr, dabei noch etwas ungehobelt wirkend am Gaumen, dabei mit viel Kraft und dunkler, erdige Würze. Das ist ganz sicher einer meiner Favoriten für das Tasting in fünf Jahren.

Zur Verfügung gestellt vom Weingut. Anbieter: gutsweine.com, € 118,-.
Der Wein erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 17,13 (Platz 11 von 30).

 

Fazit
Das war noch mal ein herausfordernder Flight zum Schluss. Und es war für mich einer der Flights, die nach dem Öffnen relativ nah zusammengeblieben sind. Es war der Flight mit den dunkelsten Weinen und einem sehr hohen Potential für die Zukunft.

 

Zum Schluss:

Was bringen solche Verkostungen? Für mich bringen sie vor allem eine viel bessere Übersicht, als ich sie vorher hatte. Das war der Grund, weshalb ich mit der Organisation dieser Reihe begonnen habe. Den Einwand, dass ja von fast überall her das Beste der Regionen auf dem Tisch stand, nur beim Burgund nicht, kann ich dabei sehr gut nachvollziehen, diesen Einwand gab es schon beim Chardonnay-Tasting. Doch sprengt es meinen persönlichen Rahmen, gleichzeitig das Beste aus dem Burgund auf den Tisch zu stellen. Darauf kam es mir persönlich auch gar nicht an. Weil es für mich kein Kräftemessen sein sollte. Aus diesem Grunde hatte ich beim Chardonnay-Tasting auch keine Punktezahlen ausgelobt. Man kann das machen aber es gibt nur eine Momentaufnahme wider. Und die sie bei vielen, auch geübten Verkostern durchaus sehr unterschiedlich aus. So wurde bei manchen Weinen übers ganze Spektrum von 12 bis 18 Punkten gewertet (Kollwentz), andere wurden vergleichsweise homogen bewertet (by Farr mit 17 bis 19). Das ist also sehr relativ. Wichtiger fand ich die Erkenntnis, dass diese Rebsorte noch viel weiter auseinander diffundieren kann als es der Chardonnay getan hat und es fast trotzdem immer unverwechselbar Pinot war. Nur einmal kam der Gamay Verdacht auf, was nicht verwundert, da der Wein per macération carbonique vergoren wurde. Hätten Weine von Leroy, DRC oder Coche-Dury auf dem Tisch gestanden, um nur einige Wenige zu nennen, hätte das Burgund sicher stärker gestrahlt. Aber dass es strahlen kann, wissen wir alle. Bemerkenswert fand ich die teils fantastische Qualität von Regionen, die wir viel zu selten auf dem Schirm haben. Das Burgund hat es nicht nötig entdeckt, oder neu entdeckt zu werden. Doch Pinots aus Victoria, Marlborough aber auch Südtirol, dem Elsass, der Mosel oder dem Sancerre in so außergewöhnlicher Qualität im Glas zu haben, war meiner Ansicht nach der eigentliche Reiz dieser Probe.

Hier die Auflistung der höchst bewerteten zehn Weine:

Platz 1
Daniel Twardowski, Pinot noix 2014, Mosel ø 18,30 (17-19,5)

Platz 2
By Farr, Sangreal Pinot noir, Victoria ø 18,05 (17-19)

Platz 3
Dog Point, Pinot noir 2014, Marlborough ø 17,97 (17,25-19)

Platz 4
Blank Canvas, Pinot Noir 2014, Marlborough ø 17,86 (16,5-19)

Platz 5
Sylvain Pataille, Clos du Roy 2014, Marsannay ø 17,69 (16,25-18,5)

Platz 6
Manincor, Mason di Mason 2014, Alto Adige ø 17,61 (15-18,5)

Platz 7
Albert Mann, Grand P de Pfersigberg 2014, Alsace ø 17,58 (17,18,5)

Platz 8
Vincent Pinard, »Charlouise« 2014, Sancerre ø 17,47 (16,5-18,5)

Platz 9
Newton Johnson Family Vineyards, Pinot Noir 2015, Upper-Hemel-en-Aarde ø 17,38 (16,5-18,5)

Platz 10
Littorai, »Hirsch Vineyard« Pinot Noir 2014 ø 17,36 (16,5-18,5)

 

 

Wie auch beim ersten Tasting, möchte ich hier noch mal meine persönlichen Favoriten abbilden. Dazu gehört übrigens außer der Reihe auch der vorzügliche Vouette & Sorbet Blanc de Noirs fidèle von Bertrand Gautherot, mit dem wir unsere Geschmackssinne aktiviert haben:

herausragend
Daniel Twardowski »Pinot noix«

exzellent
Sylvain Pataille »Clos du Roy«, Manincor »Mason di Mason«, Dog Point Pinot noir,
Albert Mann »Grand P«

sehr gut, mit großem Potential
Benedikt Baltes »Terra 1261«, Jamie Kutch »Mc Dougall Ranch«, Blank Canvas, Ata Rangi, Chandon de Briailles, Jean-Marie, Fourrier,

sehr gut
By Farr »Sangreal«, Vincent Pinard »Charlouise«, Newton Johnson, Littorai

gut
Georges Noëllat, J. Christopher »Sandra Adele«

gut, mit viel Potential
Klaus Peter Keller »Frauenberg«, Tom Litwan »Auf der Mauer«

 

Anwesend waren am 20.11.2017:

Christoph Raffelt (G.O., hat nicht mit gewertet)
Axel Bode, Witwenball
Ralf Kawelke (Weinakademiker etc.)
Gerhard Retter (Fischerklause, Cordobar)
Markus Budai (Lobenberg, Weinwisser)
Bertel Bruun (privater Weinliebhaber)
Christoph Nicklas (Meininger Verlag)
Hendrik Thoma (Mastersommelier, Wein am Limit)
Paolo Ardente (CWD)
Daniel Twardowski (Raritätenhändler, Pinot Noix)
Joseph Viehhauser (Koch)
Tom Schramm (Sommelier, Winery Heilbronn)
Frank Krüger (Wein & Glas Compagnie)

 

2 Kommentare

  1. Nach dem Chardonnay-Tasting wieder einmal ein toller Bericht, vielen Dank dafür! Mitnehmen kann man wohl defintiv eine Portion Experimentierfreude in Hinblick auf Pinots aus Regionen, wo dieser nicht im Mittelpunkt steht.
    Können Sie bitte noch ein paar Informationen zum Sieger-Pinot von Herrn Twardowski geben? Sie schreiben ja, dass er eine alte Korbpresse nutzt. Da er ja professionell mit Burgundern gehandelt hat und im Burgund mehrere Praktika absolviert haben soll und er das Burgund offen als sein Leitmotiv benennt, vermute ich, dass er außerdem mit Ganztraubenpressung arbeitet? Und wissen Sie noch mehr zur Genetik der burgundischen Reben, die er angepflanzt hat? Handelt es sich um die brühmten 777er-Klone oder eher um etwas wie eine Selection Massale? Viele Grüße Laurenz

  2. Danke für das positive Feedback, Laurenz. Daniel Twardowski wägt von Jahr zu Jahr ab, inwiefern er Ganztrauben mit einbezieht. 2014 waren es 30 %, wenn ich mich recht erinnere, 2015 hat er keine verwendet. Die Korbpresse ist eine moderne Korbpresse und zu den verwendeten Klonen hat er sich nicht genauer geäußert, muss ich gestehen. viele Grüße, Christoph

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