Großer Gewächs Grand Prix 2019 in Wiesbaden Teil 2

Im zweiten Teil dieser Zusammenfassung geht es ausschließlich um Rieslinge (wer Teil 1 noch gar nicht gelesen hat, findet hier den Bericht). Und zwar um die aus Franken, Baden, Württemberg, von der Nahe, aus dem Rheingau und von der Mosel. Schließlich soll es noch eine kurze Zusammenfassung geben für all jene, denen der Gesamttext einfach zu lang ist.

Franken
Nachdem mich die fränkischen Silvaner aus 2018 und 2017 diesmal etwas kalt gelassen hatten, war ich umso mehr auf die Rieslinge Frankens gespannt – schon weil mich normalerweise die Silvaner eher anfixen als die fränkischen Rieslinge. Aber was ist schon normal? Diesmal war es jedenfalls eher anders herum. Es begann mit Luckerts Maustal Riesling 2018. Das ist ja mittlerweile eine Bank und ein Weingut, das nicht mehr wegzudenken ist aus der Riege der Besten – zumal ich den Eindruck habe, das hier jedes Jahr – auch in den schwierigen – noch ein bisschen mehr an der Stellschraube gedreht wird (Notiz: phenolig,hell, leicht steinig, immer kräutriger werdend mit Minze und Sommerwiese. Dann Früchte mit weißem Fleisch; am Gaumen saftig, sehr hell, leicht birnig und apfelig, recht verschlossen, pikant mit reifer aber markanter Säure; 92P). Rudolf Fürsts Centgrafenberg Riesling 2018 ist herber und kompromissloser (Notiz: karg, herb, apfelig mit Apfelschale, phenolisch, steinig; am Gaumen recht pikant, steinig, phenolisch mit viel Gripp, auch hier Apfel, Apfelschale, sehr druckvoll und lang; 93P). Der Horst Sauer Am Lumpen Riesling 2018 ist wie der Silvaner ebenfalls ganz vorne für mich dabei. Er wirkt so, als sei Holz im Vordergrund, frisches Holz, dazu der für Sauers Lumpen typische leichte Petrol samt Hefe und etwas Gärkohlensäure. Am Gaumen ist der Riesling saftig, transparent, frisch und klar mit viel Würze und Stein, geerdet, darüber eine apfelige und zitrische Frucht (92P). Beim Silvaner haben ich H. Sauer noch vor R. Sauer gesehen, hier finde ich die beiden Weine gleich gelungen. Reiner Sauers Am Lumpen Riesling 2018 ist etwas herber in der Nase und auch am Gaumen, etwas kompromissloser steiniger, etwas nussiger, mit gelungener Säurestruktur, auch hier eher apfelig, apfelschalig, saftig und leicht salzig (92P). Für mich ebenfalls in dieser Spitzengruppe ist sicherlich Paul Weltners Küchenmeister »Hoheleite« Riesling 2018 (Notiz: leicht cremig, Apfel und Apfelschale, etwas nussig; am Gaumen kalkig, erinnert an Bleistift, zitrische Frucht, etwas Kernobst, steinig, straight (92P). Von den angestellten 2017er Rieslingen war es Hans Wirschings Kammer Kronsberg Riesling 2018, der mit seiner leisen und aktuell er duftige Art, hinter der sich aber viel Kraft und Tiefe verbirgt, die jetzt noch nicht ganz einsehbar ist, begeistert hat (91P).

Baden
Die drei Riesling GGs aus Baden kamen zusammen mit den Überfliegern von Dr. Wehrheim und Ökonomierat Rebholz aus dem Kastanienbusch in einem Flight. Poor Baden! Aber das ändert nichts daran, wenn man sich nach der Pfalz ordentlich den Mund ausgespült hat, Andreas Laibles Plauelrain »Am Bühl« Riesling 2018 eine astreines Performance zu bestätigen: etwas brausig noch zu Beginn mit Noten vom Almdudler, dann aber erstaunlich leichtfüßig, hell und transparent für Baden, zitrisch, zwar immer noch etwas süß aber nicht pappig, zudem gleichzeitig herb und druckvoll (91P).

Württemberg
Im ersten Teil hatte ich es schon angedeutet, nun kann ich es weiter ausführen: Die Württemberger Rieslinge sind mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau angelangt. Was mich besonders begeistert: Sie sind sehr eigenständig und zeigen so manchen doch recht süßen und flauschigen Rieslingen, die weiter im Norden entstanden sind, wo der Hammer hängt in Bezug auf Frische, Transparenz und Gripp. Los ging es mit einem bemerkenswerten, mir bisher völlig unbekannten Fürst Hohenlohe Oehringen Verrenberg Riesling 2018, der mit einer leicht oxydativen Note von herben Kernobstnoten, Nussschalen und Kräutern startete und am Gaumen saftig, etwas süß vielleicht im mit leicht herber Cidre-Aromatik, frischer Säure und gutem Druck am Gaumen überzeugte (91P). Dautels Steingrüben Riesling 2018 preschte vor mit einer noch leicht reduktiv und schwefelböckserigen Knallplättchen-Note. Doch auch dort ging es dann über Richtung mürbem Apfel und Apfelschale. Am Gaumen war dann viel Saft und Kraft, Druck und Phenolik saftig, druckvoll, auch hier deutlich phenolisch, mit viel Würze und Kräutern. Dazu kam eine beachtliche Länge. Das waren für mich lockere 92–93 Punkte und ein ganz starker Auftritt. Gleich zwei Asse hintereinander hatte Aldinger im Ärmel. Zunächst mit dem Aldinger Gips Marienglas Riesling 2018 (Notiz: wirkt noch etwas rappig und holzig aber spannend: am Gaumen zunächst cremig, dann Druck aufbauend, saftig, etwas weicher als der Lämmler, viel Spiel, saftig, kraftvoll, hinten heraus herb, lang; 92P) und Aldingers Lämmler Riesling 2018: straight, kühl anmutend, zitrisch, etwas phenolisch; am Gaumen saftig hell, frisch, mit klarer Säure, nicht verspielt, sondern straight, kräuterig, etwas kalkig und auch phenolisch hinten raus, sehr stark; 92P). Kaum weniger spannend und immer auf der hellen, druckvollen Seite Wöhrwags Herzogenberg Riesling 2018, Karl Haidles Pulvermächer Riesling 2018Heids Pulvermächer Riesling 2018 und Jürgen Ellwangers Altenberg Riesling 2018 (Notiz: etwas herb leicht oxydativ wirkend, Kernobst, zitrisch mit Kräuterauszug; am Gaumen druckvoll, lang und auch mit dieser pikanten mürben Kernobstfrucht samt Kräutern; 91P). Noch mal einen Drauf gesetzt haben Schnaitmanns Götzenberg Riesling 2017 (93P) und Beurers Pulvermächer »Berge« Riesling 2017 (94P). Da ich in den letzten Verkostungszügen war, habe ich mir dazu keine Notizen mehr gemacht. Aber beide Weine waren zunächst verschlossen, öffneten sich dann Gaumen jedoch recht schnell und zeigten eine große Spannung, einen exzellenten Druck am Gaumen und eine vibrierende Lebendigkeit, wie sie in dieser Konsequent nur selten in den drei Tagen zu spüren war. Großartig! Das gehört definitiv zum Spannendesten an Riesling, was gerade in Deutschland abgeht.

Rheingau
Mit 49 Weinen aus 2018 und 2017 war der Rheingau zahlenmäßig wieder sehr stark vertreten. Was die Qualität der Weine angeht, so gibt es für mich einige Leuchttürme und einige freudige Überraschungen; vor allem aber Winzer, die sich stetig weiter nach vorne arbeiten; aber es gibt natürlich auch Stagnation und Stillstand. Das ist im Rheingau vielleicht etwas deutlicher sichtbar, als in anderen Regionen. Einer der Leuchttürme ist natürlich Weils Gräfenberg Riesling 2018, der klassische Grand Cru des Rheingaus in Bestform: fein, hell, strahlend mit großer Eleganz, recht verschlossen aber eine erahnbare Cremigkeit und helle Frucht: am Gaumen tief, präzise, kraftvoll, immer druckvoller werdend mit viel Würze, ganz feiner Süße, die aber eher vom Hefelager kommt, und dabei unglaublich entspannt und in sich ruhend; 94P).

Die größte Überraschung für mich stellten die Weine von Künstler da, die mir persönlich oft zu reif, zu üppig, zu cremig sind. In 2018 aber ist das präzise und klar. Nicht einmal die Hochheimer Hölle bietet zu viel an Hitze. Vom Künstler Berg Schlossberg Riesling 2018 (Notiz: kräutrig herb, gelbes und grünes Kernobst, leichte Süße mit dabei, reife zitrische Noten; steinig und würzig mit recht herber Frucht, spannungsvoll, leider etwas unangenehm bitter; 88P) über den Berg Rottland 2018 (Notiz: exotische Noten vom Holzeinfluss; leicht herb, recht weiche Säure, saftig, etwas laktisch, etwas parfumierter Pfirsich; 90P) hin zu Weiß Erd 2018 (Notiz: zitrisch cremig attraktiv, hell in der Frucht und trotzdem mit einer prägnanten und leicht rauchigen Note; auch am Gaumen hell und klar, leicht würzig und kräutrig bitter mit Schliff und Spannung, die Säure ist präzise, das macht Spaß; 92–93P), Hölle 2018 (Notiz: auch hier eine attraktive Nase mit der Kombination aus Würze und Zitrusfrüchten. Leicht herb; am gaumen ist das schon warm und weich, und im besten Fall hätte es noch mehr Säure haben können, dafür aber durchaus lang und auch saftig; 91P) und Kirchenstück 2018 (Notiz: floral und duftig wie kein anderer im Feld, mit Kernobst und Zitrus auf einem Bett von Stein; am Gaumen seidig und kühl, hell, leicht cremig mit feiner Würze, die im Finale immer prägnanter wird; 93-94P) zieht sich ein Band an kräutrigen, teils herben und steinigen, vor allem aber herben Limettennoten, die dem immer leicht cremigen Charakter sehr gut stehen.

Eine – man muss mittlerweile schon sagen – gewohnt starke Kollektion lieferte von Oetinger mit von vonOetinger Siegelsberg Riesling 2018 (Notiz: tolle Nase, feine pfeffrige Würze und zitrische Frucht, durchaus reif aber schön auf den Punkt gebracht; saftig, fast ein wenig schmelzig mit viel ins Zitrische gehender Frucht, pikant, lang, stoffig und druckvoll; 92P), Hohenrain 2018 (Notiz: würzig, zitrisch, sehr cremig und elegant mit Kräuternoten, sehr appetitlich und pikant; auch am Gaumen recht cremig, würzig mit einer beeindruckenden Tiefe und Klarheit. Zitrische Noten, sehr kraftvoll und dunkel, starker Auftritt: 93P) und Marcobrunn 2018 (Notiz: eine zu Beginn noch etwas dropsig wirkende Steinobstfrucht, dann Struktur mit zitrischen Aspekten, Trockenholz und Stein; auch am Gaumen eine dropsige Frucht, dann immer kühler und mineralischer werdend, Stein, es fehlt hier etwas Tiefe im Mittelbau; 90P).

Besonders gelungen empfand ich zudem Fritz Allendorf Berg Roseneck Riesling 2018 (Notiz: zurückhaltend fein, blütenduftig, weiße Blüten; transparent, leicht würzig, saftig, hell mit würzigen Noten, durchaus kraftvoll, es fehlt noch ein wenig die Balance, im Mittelbau könnte er etwas mehr Frucht haben, dafür aber recht lang, etwas Süße und Herbe hinten raus; 92P), August Kesseler Berg Roseneck Riesling 2018 (Notiz: Reif, cremig, buttrig, etwas Grapefruit mit drin und Steinobst; am Gaumen seidig, fast weich, dann kommt aber doch die Säure durch, durchaus kräftig aber balanciert, lebendig und mineralisch; 92P), Balthasar Ress Berg Rottland Riesling 2018 mit ganz eigenem Stil (Notiz: wild, phenolisch mit herben Apfelnoten und Apfelschalen; am Gaumen sehr eigenständig, würzig, leicht bitter aber dabei süffig, feine Hefesüße, leicht salzig, mundwässernd; 92P) und schließlich Prinz Schönhell Riesling 2018 (Notiz: recht karg und würzig ohne satte Frucht, eher etwas zitrisch, sehr kräutrig; am Gaumen kompromisslos karg, sehr steinig, eher fordernd, lang; 92P). Außerdem empfehlenswert, wenn auch nicht ganz in die Liga vorstoßend aber mit wirklich schönen Weinen sind Jakob Jung, Diefenhart und Joachim Flick die alle drei eine eigene Stilistik entwickelt haben und immer besser werden. Überraschend fand ich die Weine vom Kloster Eberbach und von Schloss Vollrads.

Die beiden Güter, die jetzt schon so lange ihr Potential nicht ausgeschöpft haben, entwickeln sich positiv. Der Schloss Vollrads Greifenberg Riesling 2017 völlig überraschend gnadenlos guter Rheingau-Riesling mit einer reduktiven Note, die ein wenig an eine ICE-Vollbremsung erinnert, dann aber geröstetes Holz – darüber kann man trefflich streiten, ob man das gut findet, aber der Wein integriert das und es funktioniert zusammen mit der weißen Frucht reifer Birnen und Reineclauden, einer leichten Salzigkeit, brillanten Säure und schöner Länge. Das, war eine der nächsten Überraschungen im Rheingau (93P). Die 2017 von Peter Jakob Kühnsind in diesem Jahr deutlich unauffälliger. Dabei sind sie keineswegs schwach, nein, nein, aber hier zeigt sich so ein bisschen der Jahrgang, der eben nicht so brillante Kühns bzw. nicht so auffällige Kühns hervorgebracht hat wie in einigen der letzten Jahre, trotzdem natürlich eine klare Empfehlung.

Mittelrhein
Bei der Bewertungs-Erklärung zu Beginn des ersten Teils hatte ich es schon angesprochen: Es gab Verkoster, die sahen die Mittelrhein-Rieslinge alle bei über 93 Punkten. Bei mir lagen die Bewertungen niedriger, weil ich die Weine zwar als gelungen und gut ansehe, aber nicht als der Weisheit letzter Schluss. Ich bin mir sicher, dass am Mittelrhein mehr möglich sein müsste, vielleicht aber nicht in einem Jahr wie 2018.

Copyright: VDP

Nahe
Wenn es ein Weinbaugebiet gibt, dessen 2018er Weine ich schon in jungen Jahren einfach so wegschlürfen möchte, dann sind es die Weine von der Nahe. Das sind hedonistische Weine geworden, oft genau auf des Messers Schneider zwischen Kraft, Gripp und Spannung einerseits und einer reifen, saftigen und süßen Frucht andererseits. Bei manchen Weinen ist es ein zu viel an Süße geworden, aber insgesamt war das ein beeindruckender Auftritt. Allerdings muss man auch sagen, dass es gerade einmal acht Weingüter sind, die hier ihre GGs präsentiert haben.

Wie außergewöhnlich der Jahrgang tatsächlich ist kann man sehr gut daran sehen, dass man selbst bei Schäfer-Fröhlichs frisch gefüllten Weinen nicht etwa angewidert den Kopf verdreht, sondern vielmehr über einen kleinen Stinker hinweg sieht und sich dann beispielsweise beim Schäfer-Fröhlich Kupfergrube Riesling 2018 eher mit reifen gelben Pflaumen, etwas Zuckergebäck, Cassis und Kräuternoten beschäftigt. Am Gaumen ist der Wein fein, saftig und fruchtbetont, druckvoll gar mit Gripp, Säure und Mineralität. Im Hintergrund stört mich noch eine knallplättchenartige Note (92P). Das Felseneck 2018 hat ein wenig mehr vom Stinker in der Nase, zeigt reifes weißes Steinobst und Zitrusfrüchte; am Gaumen sehr saftig, freundlich, floral, fast schwebend duftig aber mit Kraft (92P). Der Felsenberg 2018 dagegen ist wild, aber cremig, fleischig, fruchtig mit eingelegten Äpfeln und Birnen, Steinobst und vielen Zitrusfrüchten (93P). Das Frühlingsplätzchen 2018 ist druckvoll aber charmant mit spürbarer Restsüße und mit einer Bitternote, die zusammen deutlich an Bitter Lemon denken lässt, zumal das noch vorhandene Gär-CO2sein Übriges tut. Das ist wirklich ungewöhnlich charmant und offenherzig (93P). Schließlich krönt der Halenberg 2018 die Kollektion mit einem Wein, der ebenfalls durchaus üppig ist. Auch hier fühlt man sich erinnert an Brause, allerdings sind da mehr rote und exotische Noten drin sowie ein Kräuterauszug. Der Wein ist aber dadurch keineswegs banal sondern verfügt über viel Druck; Kraft und Struktur und ist enorm saftig. Auch das möchte man schon jetzt gerne trinken (94).

Wo ich schon mal beim Halenberg bin: Emmrich-Schönlebers Halenberg Riesling 2018 ist ebenfalls ein höchst beeindruckender Wein geworden. Der ist genauso entspannt wie das ebenfalls vorzügliche Frühlingsplätzchen 2018 (Notiz: wunderbar klar, schwebend hell, angenehm trocken mit leichter Phenolik, Kräutern und einer vibrierend frischen Säure und Mineralität; 93–94P). Die Schönlebers haben diesen Jahrgang für meinen Geschmack perfekt interpretiert und die Reife perfekt eingefangen. Der Halenberg baut sich aus einer Ruhe (in der ja bekanntlich die Kraft liegt) ganz langsam auf. Der Wein zeigt eine reife Frucht, noch mehr Würze und noch viel mehr untergründige Kraft. Er wirkt mit zunehmender Luft auch zunehmend üppig ohne allzu opulent zu werden. Zumal der Wein über eine brillante Säure verfügt. Ziemlich gigantisch (94P).

Dr. Crusius liefert die Rieslinge für jene, die ein bisschen fett einstiegen wollen mit sehr viel Saft und Reife. Bei Dr. Crusius Mühlberg »Im Rotenfels« Riesling 2018 und Steinberg Riesling 2018 fand ich das definitiv zu viel des guten, bei der Bastei Riesling 2018 wurde es schon stimmiger, bei der Kupfergrube Riesling 2018 schaffte die Säure gerade so die Balance zur reifen Frucht und der Felsenberg Riesling 2018 wurde schließlich sogar leicht grasig in der Nase mit mürbem Apfel und viel steiniger Würze, dafür weniger Süße, die von der Säure gut eingefangen wurde (91P).

Kruger-Rumpf war mit drei Weinen vertreten, wobei mir der Kruger-Rumpf Im Pitterberg Riesling 2018 von allen dreien am besten gefallen hat (Notiz: ähnlich saftig wie der Dautenpflänzer, etwas phenolischer, tiefgründiger, etwas mehr Druck, aber auch diese leichte Süße, die trotzdem attraktiv ist; 91P).

Johann Baptist Schäfer ist der dritte Betrieb, der auf hohem Niveau die GG-Basis dieses Gebietes liefert. Joh. Bap. Schäfer Pittermännchen Riesling 2018 (Notiz: etwas Schwefelböckser, würzig, druckvoll, dunkel, rauchig; 90P) und Goldloch 2018 (Notiz: etwas herb, kräuterwürzig, dahinter feine Frucht; etwas weich und glatt zu Beginn, doch dann kommt die Säure und die dunkle Würze, sehr schön; 92P).

Diels Interpretation dieser Lagen ist ganz anders. Der Schlossgut Diel Pittermännchen Riesling 2018 ist elegant, fein, cremig, ja fast etwas buttrig, mit einem Hauch Zimt und sehr fein im Duft. Am Gaumen ist cremig elegant, gleitet fast schwebend über die Zunge und ist immer auf der feinen Seite; 92P). Der Schlossgut Diel Goldloch Riesling 2018 zeigt ebenfalls Eleganz und Finesse sowie eine zu erahnende Seidigkeit im Duft mit weißer Frucht und feiner Würze. Das wirkt leise aber eindringlich. Am Gaumen bestätigt sich die Seidigkeit, der Wein ist sehr elegant und tief, mit feiner Würze, reifer Säure und einer packenden Phenolik; 93–94P. Der Schlossgut Diel Burgberg 2018 schließlich durfte länger reifen und kam aus 2017. Er wirkte in sich noch geschlossener und harmonischer als die beiden anderen angestellten Weine. Dabei war er genauso leise und eindringlich, wirkte jahrgangsbedingt etwas weniger warm und cremig, glänzte vielmehr mit einem noch feineren Säuregerüst. Das ist ein Wein, den ich gern in ein paar Jahren mal in Ruhe genießen möchte (94P).

Gut Hermannsberg wartete mit dem Rotenberg Riesling 2018 (Notiz: rauchig, steinig, dunkel; leicht süß und saftig, rund aber mit Power und Druck; 91P) und mit dem Felsenberg Riesling 2018 (Notiz: cremig, etwas Nougat, weniger rauchig; saftig, cremig mit viel weißer und etwas gelber Frucht, auch Orange, Würze, zu viel Flausch; 90P) auf sowie mit Bastei Riesling 2017 und Hermannsberg Riesling 2017. Beide 2017er waren sehr saftig, aber auch in gewisser Weise süß, zumindest die Bastei. Der Hermannsberg verband die Saftigkeit mit einer steinigen Würze, was frisch und lang. Der Wein hat mir am besten aus der Vierergruppe gefallen- Da ich die beiden 2017er aber nur kurz im Glas hatte um überhaupt noch die meisten 2017er zu schaffen, ordne ich sie nicht nach Punkten ein.

Bleiben schließlich noch die sechs GGs von Dönnhoff … Manche davon sind mir zu weich und kuschelig, andere wieder voller Energie und Mineralität. Zu sehr jahrgangsbetont saftig und rund fand ich den Dönnhoff Krötenpfuhl Riesling 2018 (Notiz: Krötenpfuhl: feine Süße, Kräuter, etwas phenolisch; Cremig am Gaumen, kräuterbetont, durchaus ein wenig herb, dann aber wieder ins Süße kippend mit einer reifen Säure, die die Süße nicht ganz kontert. Trotzdem attraktiv, ein Schmeichler; 91P) und den Dönnhoff Felsenberg Riesling 2018 (Notiz: kräuterwürzig charmant mit etwas Creme und gelbem Steinobst sowie gelber zitirischer Frucht; am Gaumen seidig charmant mit zunehmendem Druck, auch markant würzig, insgesamt aber recht weich und cremig: 91P). Am Übergang von den Charmeure zu den Steinweinen befindet sich der Dönnhoff Dellchen Riesling 2018 (Notiz: leicht wirkend, fast zart, schwebend, kräuterduftig und auch steinig; etwas Süße und Reife vorne an der Zungenspitze, dann packt das Dellchen die Hanteln aus, wird immer kräftiger, baut sich auf, bekommt Druck, wird salzig und richtig saftig; 93P). Der Dönnhoff Brücke Riesling 2018 wirkt noch recht unfertig mit Noten von Hefe und Schwefel – insgesamt scheint hier recht viel Schwefel im Spiel; zunächst sehr weich, dann wie beim Dellchen immer mehr Druck aufbauend, kräuterwürzig, immer mehr Phenole, Salz, Säure, mundwässernd; 92P). Mit dem Dönnhoff Höllenpfad im Mühlenberg Riesling 2018 haben die Dönnhoffs tatsächlich einen Steinwein im Programm, der wohltuend von dem auf Dauer doch etwas zu süßlichen Gesamtangebot der Nahe abrückt: Attraktiv klar in der weißfleischigen und etwas zitrischen Frucht, dann wird es auch in der Nase steinig. Am Gaumen ist der Wein saftig, vor allem aber so frisch, dass er die auch hier vorhandene leichte Süße gut einfängt und fast vergessen macht. Eine weiße Frucht verbindet sich mit Grapefruits, es wird immer säurefrischer, immer pikanter, immer kräuterwürziger und steiniger. Das ist wohltuend; 92P). Die Dönnhoff Hermannshöhle 2018 zeigt sich zunächst verhalten kräuterwürzig und etwas zitrisch, auch hier kommt mir der Begriff »zart« in den Sinn. Dann aber: Roller coaster ride durch die Windungen von flüssigem Stein und Erde, getrockneten Kräutern und steiniger Würze, immer mehr Bitterorange und Grapefruit, immer mehr Phenolik, bis irgendwann alle Frucht zur Seite geschoben wurde und der Wein tiefgründig aber mit hellem Klang da steht – bis ins lange Finale – ich gebe zu, ich habe geschluckt (95P). Was für ein wohltuend klarer Abschluss.

Mosel
Jetzt kommt’s. Ich habe nicht einmal die Hälfte des Mosel-Angebots wahrgenommen. Weshalb? Weil es sehr stark anfing und mich dann immer unbefriedigter zurückließ, ich dann die Mittelmosel und Ruwer erst einmal ignoriert habe, um noch mal bei der Saar einzusteigen und zu schauen, dass ich den Rest der Mosel erst im Frühjahr des nächsten Jahres wahrnehme, wenn die Tour durch Deutschland geht. Weshalb? Weil es irgendwann bei 450 Weinen dann auch zu viel des Guten war mit restsüßen Weinen – wenn man doch eigentlich trockene GGs probieren will. Die Weine waren natürlich nicht gesetzlich restsüß, sondern als restsüß empfunden wegen der teils sehr reifen Frucht, der reifen Säure die, die nicht immer frisch wirkte und die Süße nicht binden konnte, so dass es dann diesen Flausch-Effekt gibt, den ich schon an der Nahe allzu oft empfunden habe. Das stört mich nicht bei einzelnen Weinen, die ich wirklich mit Genuss trinken möchte, aber wenn das dann so geballt kommt, wird es noch einmal zusätzlich anstrengend.

Bei Knebel aber war gar nichts anstrengend. Wie schön, dass diese Weine das Angebot der Mosel GGs nun ergänzen. Ich habe beide Weine als extrem wohltuend empfunden. Der Knebel Röttgen Riesling 2018 steigt direkt sehr hoch ein (Notiz: herb, wild, leicht, schieferwürzig, wunderbar steinig duftig; leichte aber sehr feine Süße, dabei druckvoll, herb, leicht oxydatives Kernobst, lebendig, vibrierend, saftig, lang, sehr eigenständig; 94P). Ja, das war der erste Wein der Moselreihe und der war so gut, dass es fast alle anderen sehr schwer hatten, da heranzukommen, Chapeau! Der Knebel Uhlen Riesling 2018 war fast ebenso attraktiv mit einem etwas hellerem Rauch, war zitrisch, etwas cremiger und pikant würzig. Am Gaumen dann druckvoll, zitrisch würzig, hell, leicht phenolisch mit langem Finale. Auch sehr gut, wenn auch etwas verschlossener (93P).

Bei Heymann-Löwenstein gab es einen ganzen Fächer an Varianten. Der Heymann-Löwenstein Röttgen Riesling 2018 zeigt sich zunächst reduktiv rauchig, etwas flintig und schieferwürzig, öffnete sich dann saftig, etwas charmanter als bei Knebel, aber immer noch dunkelwürzig und durchausfordernd (92P), Uhlen »Blaufüßer Lay« Riesling 2018 wirkte ungewöhnlich süßlich und so gar nicht bläulich, eher gelbsaftig (90P),Uhlen »Laubach« Riesling 2018 war auch eher auf der reifen fast gefällig wirkenden Seite, am Gaumen sehr weich, allerdings mit angenehm feinen, herben Noten (89P). Wenn man den 2017er, also den Uhlen Roth Lay Riesling 2017 dagegen probiert, kann man gut die Herausforderungen von 2018 erkennen. Der Roth Lay war sehr komplex und changierte zwischen zitrischen und minzigen Noten, viel Stein und etwas Bleistift mit einer auch am Gaumen hellen, herben, auch zitrischen Aromatik, die viel mehr Druck und Säure bot. Letztlich ist das alles immer auch eine Sache der eigenen Vorlieben, die bei mir deutlich bei den etwas kühler und herberen Varianten liegen. Der Kirchberg Riesling 2018 zeigte sich exotisch zwischen Ananas und Grapefruit mit deutlich mehr Druck als bei den 2018er Uhlen. Der Wein war auch phenolischer, wenn auch hier wieder etwas süßlich, durchaus auch opulent aber angenehm zitrisch herb (91P).

Abschließend zu Terrassen-Mosel der Clemens Busch Marienburg Riesling 2018, der noch reichlich unfertig wirkte mit seiner fest gewirkten, gerade sehr herben Art. Am Gaumen zeigt er sich hell und dunkel zugleich. Hell in seiner zurückhaltenden Frucht, die zwischen zitirschen und apfelschalig herben Noten sowie rauchig steinigen Noten pendelte. Dabei zeigte sich der Wein tief und noch unergründlich, aber voller Saft und Energie. Ich denke, das wird richtig gut (93P).

Auf zwei Weine möchte ich noch eingehen, weil sie in ihrer Stilistik so deutlich aus dem Rest herausstachen und mich so richtig angemacht haben. Es sind Andreas Barths Weine bei von Othegraven. Der Von Othegraven Altenberg Riesling 2018 ist ein dunkelwürziges und rauchiges Monument. Über dem eine florale Note liegt. Gleichzeitig wirkt der Wein saftig und frisch. Am, Gaumen dann zeigt sich wieder dieser Blütenton, dazu jede Menge Schiefer. Der Wein ist so herrlich in sich ruhend, so entspannt und unaufgeregt und doch voller Energie und Saft. Das ist jetzt schon exzellent (94P). Der Von Othegraven Bockstein Riesling 2018 wirkt fast wie ein gelungener Experimentalwein. Was sich Andreas Barth dabei wohl gedacht hat? Ich muss ihn mal fragen. Im Duft wild, ungebunden, rauchig, herb, phenolisch voller Schalen; am Gaumen mit viel Gripp und ein Textur, als wäre der Wein in Teilen in der Amphore ausgebaut. Auch hier die herbe Apfelschalenaromatik und einer leichten Süße, wie sie bei längeren Standzeiten vorkommen kann und die nicht so wirkt, als wäre es eine Restsüße. De Wein ist sehr saftig und frisch mit einer perfekten Säurestruktur. Kurz, ein Wen, der völlig aus dem Rahmen fällt, den ich aber definitiv in meinem Keller haben möchte (93P).

Was ich gerne in meinem Keller hätte
Ja, das ist ja schließlich eine nicht ganz unwichtige Frage. Was würde ich denn selber gerne einlagern nach diesen drei Tagen? Hier meine Liste:

Mosel
Von Othegraven Bockstein Riesling 2018
Von Othegraven Altenberg Riesling 2018
Clemens Busch Marienburg Riesling 2018
Knebel Röttgen Riesling 2018 

Nahe
Dönnhoff Hermannshöhle 2018
Schlossgut Diel Burgberg 2018
Joh. Bap. Schäfer Goldloch Riesling 2018

Rheingau
Fritz Allendorf Berg Roseneck Riesling 2018
Künstler Weiß Erd Riesling 2018
Weil Gräfenberg Riesling 2018

Württemberg
Schnaitmann Götzenberg Riesling 2017
Beurer Pulvermächer »Berge« Riesling 2017
Aldinger Lämmler Riesling 2018

Franken
Rudolf Fürst Centgrafenberg Riesling 2018
Zehnthof Luckert Silvaner Maustal 2018
Rudolf Fürst Spätburgunder Hundsrück 2017
Benedikt Baltes Spätburgunder Hundsrück 2017

Rheinhessen
Battenfeld-Spaniers Riesling Zellerweg am schwarzen Herrgott 2018
Wittmann Morstein Riesling 2018
Wagner-Stempel Heerkretz Riesling 2018
Bischel Hundertgulden Riesling 2018
Kühling-Gillot Riesling Pettenthal 2018

Pfalz
Rebholz Kastanienbusch Riesling 2018
Rebholz Im Sonnenschein Spätburgunder 2014
Kuhn Schwarzer Herrgott Riesling 2018
Christmann Idig Riesling 2018
Dr. Wehrheim Kastanienbusch »Köppel« Riesling 2018

Abschließend sollte klar geworden sein, dass dieser Jahrgang mit dem langen Sommer und teilweisem Trockenstress und sehr reifem Lesegut seine Spuren hinterlassen hat. Das ist halt so, es ist Natur. Und wie ebenfalls klar geworden sein sollte, gibt es einige, ja eine ganze Menge wirklich interessanter und sehr schöner, teils auch berührender Weine. Doch es sind meiner Ansicht nach einfach zu viele. Die Diskussion lief schon auf Facebook zum ersten Teil dieser Zusammenfassung, es gab sie auch schon davor und es wird sie weiter geben, denn es ist ja gar nicht so einfach, dieses System der Großen Gewächse wieder aufzubrechen. Manche Weingüter tun das, in dem sie mit den Late Releases, ihre besten Großen Gewächse von den einfachen Großen Gewächsen unterscheiden, indem sie sie erst ein Jahr später rausbringen. Ich kann das sehr gut verstehen, weil es wirklich großen Weinen durchaus gut tun kann, länger auf der Feinhefe zu ruhen. Doch der Idee des Großen Gewächses hilft das natürlich nicht. Und die Menge an GGs hilft auch nicht. Wenn ich mir vorstelle, dass ich ein Weinhändler aus zum Beispiel Oregon bin und ich will die Spitze des Deutschen Weinbaus anhand der VDP-GGs kennenlernen. Woran orientiere ich mich denn? Was, wenn dieser Weinhändler drei eher einfache GGs in die Hand bekommt und danach urteilt? Die Menge der GGs macht den Begriff meiner Ansicht nach viel zu schwammig. Damit verliert er dann seinen Wert und seine Strahlkraft. Meiner Ansicht nach müsste man die Ebenen darunter, die Ersten Lagen und die Ortslagen noch viel deutlicher stärken. Aber – das ist leichter gesagt als getan.

Für mich kommt nach jetzigem Stand der Dinge die Kollektion der Vorpremiere vom Ökonomierat Rebholz. Das Anbaugebiet der Vorpremiere ist für mich Württemberg. Der Burgunder der Vorpremiere kommt von Paul Fürst. Die Überraschung der Vorpremiere liefert Schloss Vollrads. Und die Rieslinge der Vorpremiere sind für mich Rebholz’ Kastanienbusch Riesling 2018, Dönnhoff Hermannshöhle 2018, Wagner-Stempel EMT 2018 (leider Versteigerungswein), Battenfeld-Spanier Zellertal Kreuzberg Riesling 2018 (leider auch Versteigerungswein) und Beurers Pulvermächer »Berge« Riesling 2017.

Und noch etwas. Ich bin natürlich nicht der Einzige, der umfassend berichtet hat. Auch die mir vertrauten Kollegen Felix Bodmann und Dirk Würtz haben berichtet, und zwar live, was mir immer zu stressig ist  – aber sie haben es perfektioniert. Felix findet ihr hier mit zwei weiteren Teilen, Dirk findet Ihr hier.

2 Kommentare

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