Colombaia, Vigna Nuova Rosso Toscana 2008 – zehn Jahre nach dem ersten Schluck

Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich hier im Blog mal einen Wein des Weinguts Colombaia von Dante und Helena Lomazzi besprochen. Ehrlich gesagt, hatte ich den Text vergessen und erst, als ich Google bemüht hatte zu diesem Wein, wurde er in die Suchergebnisse gespült. Dass ich den Wein vor zehn Jahren eingelagert hatte um mal zu sehen, wie er sich so entwickelt, ist in meinem Kellerbuch notiert. Eigentlich ist das gar kein Wein, der für zehn Jahre gedacht ist, denn es ist dezidiert der Vigna Nuova Rosso Toscana. Doch spätestens seit dem Jahrestag des Judgement of Paris wissen wir, dass sich auch Weine junger Reben hervorragend entwickeln können. Und hey, immerhin ist das hier Sangiovese aus biodynamischer Bewirtschaftung, warum also nicht?

Colombaia Toscano Rosso 2008 Flaschenabbildung

Tatsächlich bin ich gerade sehr froh, dass ich mir diesen Wein zur Seite gelegt hatte, denn der Duft des Colombaia ist betörend. In der Farbe ist der Sangiovese dunkel ziegelrot, im Duft erinnert er an getrocknete Kirschen und Leder, an dunklen Tabak und Unterholz, an Trockenkräuter und ein kleines Stück geriebener dunkler Schokolade. Allein für’s Schnuppern  hätte es sich schon gelohnt. Am Gaumen dann zeigt sich die Schönheit eines nicht übermäßig komplexen aber in Würde gealterten Sangiovese, bei dem tatsächlich alles zusammen passt. Das Tannin ist mürbe, die Säure klar und druckvoll, die Frucht dunkel und verbunden mit Kräutern und Gewürzen, wiederum Tabak, Leder und diesmal auch ein wenig Eisen und einem Hauch von Dill – ganz fein aber durchaus spürbar und die Reifung anzeigend. Der Wein bleibt lange am Gaumen und zeigt mal wieder eindrücklich, wie schön Sangiovese reifen kann, gerade und vor allem auch dann, wenn er eher transparent und klar nach klassischer Chianti-Art ausgebaut ist denn konzentriert und dicht, wie es heute so gerne gemacht wird. Zwölf Monate lag er damals in großen Fudern aus Slawonischer Eiche. Ich glaube, das hat dem Wein genau die Struktur gegeben, von der er heute profitiert. Und die Säure ist so was von schön, die Frucht wird immer süßer mit Luft und das Tannin immer mürber und feiner und bleibt doch präsent. Das ist richtig schön.

2 Kommentare

  1. Michael

    Lieber Christoph,
    auf deine Beschreibung hin, habe ich mir den Wein auch mal geschnappt, er steht nämlich noch bei uns in der Weinhandlung Suff, in Kreuzberg. Und was soll ich sagen, recht hast du. Toll.

    Beste Grüße,

    Michael

  2. Oh, das freut ich, Michael. Ich wusste, dass Suff ihn mal hatte, hätte aber nicht erwartet, dass das heute auch noch ist. liebe Grüße, Christoph

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