Zur 1.000: Champagne Vouette & Sorbée, Textures R14

Es ist gute Tradition hier im Blog, nach jeweils einhundert neuen Veröffentlichungen mal wieder eine besondere Flasche Champagner zu öffnen. Bei der 900 war es eine 2008er Closerie Les Béguines von Jérôme Prévost, zur 800 ein Jacquesson 738 und zur 700 Charles Dufours Blanc de Noirs Brut Nature 2002.

Zur 1000. Veröffentlichung auf Originalverkorkt – die Podcasts nicht mitgezählt – gibt es einen Vouette & Sorbée Textures R14. Dies ist ein Champagner, dessen Grundwein zwar komplett aus 2014 stammt, der aber nicht lange genug sur lattes gereift ist, um als Jahrgangs-Champagner durchzugehen. Er wurde 2016 degorgiert. Es ist in vielerlei Hinsicht ein völlig ungewöhnlicher Champagner, denn es ist ein reinsortiger Pinot Blanc, dessen Grundwein über den Winter im Quevri, also in der georgischen, in der Erde vergraben Amphore ausgebaut wurde.

»Dieser einzigartige Champagner mit Maischegärung (10 Monate) ist ein 100% Pinot Blanc. Die Geschichte entstand aus dem Weinberg meines Bruders, einer vergrabenen georgischen Amphore und dem Rat von italienischen und kroatischen Freunden. Die Schalen, Kerne und das Fruchtfleisch ermöglichen es uns, die Textur dieser klassisch diskreten oder sogar schlanken Rebsorte beizubehalten. Die Aromen von grüner Birne und die samtige Note sind Ausdruck der Vermählung einer bescheidenen Rebsorte mit einem großen Terroir aus weißem Ton.« Bértrand Goutherot

Das Weingut von Bértrand Goutherot, dass nach zwei seiner Lagen Vouette & Sorbée benannt wurde, ist seit 1998 demeter-zertifiziert. Bértrand ist einer der Vorreiter des biologischen und biodynamischen Weinbaus in der Champagne. Das Weingut liegt an der Aube, also an der Côte des Bar, schon kurz vor dem Chablis, ganz im Süden der Appellation. Mit dem Chablis teilt sich die Aube ein ähnliches Terroir von Kimmeridge-Kalk, zusammen mit weißem Ton. Diese Bodenformation kann man in dem Wein sehr gut erkennen. Und zwar an der Säure. Mein Freund Ralf, der ein sehr guter Verkoster ist, hat die Aube als Ursprung direkt geschmeckt, als ich ihm den Wein blind serviert habe. Es liegt an der Säure, die einfach anders ist als bei Weinen aus der Montage de Reims oder der Côte de Blancs. Die Säure der Montage ist reifer und runder, die der Kreideböden durch die anderen pH-Werte noch schneidender und vibrierender. Aube ist wie Chablis: druckvoll, prägnant aber auch elegant und seidig. Mit dieser Säure macht auch Pinot blanc Sinn, der als Rebsorte meist einfach zu breit und füllig daher kommt. Hier nicht. Hier liefert der Pinot blanc ein echtes Gefühl von Blanc de Blancs. Der Ausbau in Quevris macht den Champagner zu etwas Besonderem, aber nicht zu etwas wildem. Bei Gautherot gibt es keine Dosage, keine Chaptalisation, keine Schönung und keine Filtration.

© Vouette & Sorbée

Der Champagner ist strukturiert, klar und präzise. Er erinnert in seiner Aromatik an Limetten und reife Zitronen, an grüne Äpfel und Birnen, an weiße Blüten und an durchnässten Kalk mit etwas kaltem Rauch, aber auch an einen Hauch von Süße wie in einer weißen Yuna-Schokolade. Am Gaumen zeigt sich ein recht feines Mousseux dafür, dass der Champagner gar nicht so lange auf der Hefe war. Die Säure ist zunächst schneidend, fängt sich aber dann und bleibt klar und präzise. Es ist beeindruckend, wie klar strukturiert und straff dieser Wein sich zeigt. Er hat, nachdem ich ihn jetzt zwei Jahre nicht probiert hatte, deutlich zugelegt. Die nächste Flasche werde ich aber erst in zwei bis drei Jahren wieder öffnen. Der Textures braucht einfach Zeit. 1.000 weitere Artikel werde ich in der Zeit aber wohl nicht mehr schaffen.

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