Drei Weine von Benedikt Baltes – Weingut Stadt Klingenberg

Gestern hatten wir zum ersten Mal drei Weine eines Weinguts in der Live-Sendung bei WRINT Flaschen. Ich hatte mich bei der Weinauswahl für ein Weingut entschieden, das für mich (und natürlich nicht nur für mich) zu den Aufsteigern der letzten Jahre gehört. Es handelt sich um das Weingut Stadt Klingenberg. Es heißt deshalb so, weil es bis vor wenigen Jahren der Stadt gehörte. Doch es gab Missmanagement und Scherereien, irgendwann stand es zum Verkauf und einer, der das Weingut haben wollte, war der Mayschosser Benedikt Baltes. Er, Sohn eines Winzerehepaares von der Ahr ist mit Spätburgunder aufgewachsen und das ist genau das, was es in Klingenberg hauptsächlich gibt. Der Spätburgunder steht vor allem in arbeitsintensiven historischen Steillagen. Diese sehenswerten Lagen erfordern, wenn man es richtig machen will, enorm viel Arbeitsaufwand (gerne mal 2.000 Stunden pro Hektar). Doch der Erfolg gibt Benedikt recht, es lohnt sich, diese Zeit zu investieren.

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Benedikt Baltes vor ausgewählten Fässern mit Hölzern aus der Region, Foto © Andreas Durst

Heute habe ich die gestern geöffneten Weine noch mal nachverkostet. Natürlich haben sie sich weiterentwickelt. Der 2011er Portugieser vom Buntsandstein ist deutlich fruchtiger geworden. Gestern lag für mich das trockenholzige, das etwas Erdige und Kräutrige im Vordergrund, heute ist es deutlich mehr die Kirsche und ein bisschen Holunder. Dahinter dann das Bett aus Trockenkräutern. Am Gaumen ist dieser Wein, der so leicht und durchsichtig schimmert wie ein Spätburgunder, kräftig, hat Substanz und Struktur. Das hat nichts mit der dünnen Plörre zu tun, die man so gemeinhin bei Portugieser erwartet. Das erinnert mich eher daran, als ich zum ersten Mal den Trollinger von Hans Hengerer probiert habe, da war ich ähnlich überrascht. Was wirklich Spaß macht an dem Wein, ist seine Ernsthaftigkeit, ich kann es nicht anders ausdrücken, seine Balance zwischen Erdverbundenheit und leichter Fruchtigkeit und vor allem die Säure. die war gestern bei ersten Glas noch etwas zu präsent, jetzt hat sich sich längst integriert und gibt dem Wein etwas Erfrischendes. Dass dieser Wein € 7.50 kostet ist eigentlich ein Witz, nein, ein Segen, denn so viel Trinkspaß unter € 8,- gibt es nur selten.

die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Die drei Weine und eine Hand voll Buntsandstein. Foto rechts © Andreas Durst

Der zweite Wein des Abends war der 2011er Rücker Spätburgunder. Ortslage aus Rück, etwas von Klingenberg entfernt, etwas andere Ausrichtung, wärmer und alkoholreicher als die Klingenberger Lagen. Dieser Wein war gestern schon sehr offen, üppig und reif. In der Nase findet sich ein ähnlicher, altholziger Ton, unterstützt von erdigen und steinigen Aromen. Damit verwoben ist die Frucht aus reifen roten und schwarzen Beeren, die wirken als habe man sie mit Crème Double gemischt. Dazu taucht schon in der Nase das Mineralische auf, eine deutliche Salznote und selbst die Säure meine ich im Duft zu spüren. Am Gaumen ist der Wein, wie auch gestern, üppiger, als die recht kühle Nase preis gibt. Reife Beeren, Holz, ein süßer Kern, gleichzeitig erdverbunden, genau die richtige Säure, dazu etwas Bitterschokolade und Virginiatabak. Das ist echt richtig gut. Dass es den Wein für € 12.50 gibt, macht die Sache noch besser. Kaufen!

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ist schon steil dort. Foto © Andreas Durst

Ebenfalls auf Ortswein-Niveau steht der 2011er Klingenberger Spätburgunder. Dieser Wein hat mit 13% ein halbes Prozent weniger Alkohol als der Rücker. Er wirkte gestern sehr verschlossen, erst mit langer Wartezeit im großen Zalto-Burgunderglas wurde er etwas zutraulicher. Aber hey, das ist 2011, das muss jetzt noch nicht aus dem Glas springen. Was heute jedoch noch klarer wird als gestern ist die Feinheit und Eleganz, die dieser Wein immer behalten wird. Der wird nie so expressiv wie der Rücker, soll er nicht, will er nicht. Dieser Klingenberger setzt überhaupt nicht auf opulente Frucht, hat mit dem, was wir früher mal und leider heute immer noch zu oft als Deutschen Spätburgunder wahrgenommen haben nichts zu tun. Da ist nicht mehr diese plumpe Erdbeer-Himbeeraromatik, da ist vor allem kein plumpes Holz. Das Holz hier ist zurückhaltend und tragend, mehr nicht. Wenn also das Holz nicht im Vordergrund steht und auch nicht die üppige Frucht, was dann? Es ist die Duftigkeit, das Steinige, das Mineralisch-Salzige, es sind Kräuter und die leicht pfeffrige Note, es ist dieser Hauch von Kirsche, ein wenig Eisen habe ich in der Nase und dann wieder diese beeindruckende Säure, die diesen Wein mit trägt. Eleganz, Balance und Vielschichtigkeit zeichnen diesen Wein aus. Der Wein liegt bei € 17.00. Das ist für einen Spätburgunder dieser Klasse ebenfalls keineswegs teuer, eher im Gegenteil.

Die Weine gibt es bei K&M-Gutsweine

7 Kommentare

  1. Danke für die wieder einmal sehr schöne Sendung mit Lerneffekt. Wir sind “nach Diktat verreist” 😉 und haben den Wein jetzt 4 Tage später nochmal probiert, der Rücker gefällt uns immer noch besser als der Klingenberger Spätburgunder. So oder so – beides erstaunlich lecker, auch wenn wir uns hier einig sind, dass wir für 17€ pro Flasche schon begeisterter waren im Rahmen des Podcasts. Aber dafür sind Geschmäcker ja untschiedlich.

    chrysophylax.de

  2. Der Rücker ist deutlicher offener und voller momentan, der Klingenberger bleibt ein wenig verschlossen und wird erst in den nächsten Jahren richtig aufgehen. Davon sollte man sich ein, zwei Fläschen aufheben und ein paar Jahre vergessen. Grüße, Christoph

  3. Hatte es schon bei WRINT Flaschen kommetiert – Ihr habt in mir wohl einen neuen Fan gefunden. Ganz ein toller Podcast – Freuen mich schon auf weitere :-).

    “…Der Chinese will ja alles haben…”

    in diesem Sinne LG 🙂
    Michael

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