Ein Treffen mit Peter Gago – über 170 Jahre Penfolds und einen neuen Weinjahrgang

Kürzlich traf ich Peter Gago in Hamburg. Gago ist der Chief Winemaker von Penfolds, der australischen Wein-Legende. Penfolds wurde 1844 vom Einwanderer Christopher Penfolds gegründet und ist älter als der Staat selbst. Das große Weingut, dass in allen wichtigen Landesteilen Weinberge besitzt, gilt als Nationales Erbe, gehört also zu den wichtigsten historischen Institutionen Australiens. Ebenfalls Teil des National Trust ist der Wein, der das Weingut auch international berühmte machte. Es ist der Grange, der früher Grange Hermitage hieß und eigentlich die Erkennungsnummer (Barrel Identification Number) BIN 95 trägt. Der Grange ist so etwas wie eine Hommage an den berühmten Hermitage-Weinberg in Tain an der Nord-Rhône. Diesen hatte Max Schubert, der Jahrzehnte lang Chief Winemaker bei Penfolds war, in den 1950er Jahren genauso schätzen gelernt, wie den europäischen Umgang mit Rebstöcken im Weinberg und den reifen Trauben im Keller. Es war eine Europa-Reise, die beim deutschstämmigen Weinmacher Schubert zu einem kompletten Umdenken in der Weinproduktion bei Penfolds geführt hat. Das Ergebnis war ein großes Experimentieren im Weinberg wie im Keller mit neuen Anbaumethoden, Reifezeiten, Analysewerten, Hefen und Ausbauarten die schließlich nach und nach zu Neuerscheinungen im Weinmarkt führten, die bis heute international den Ruhm von Penfolds ausmachen und historische Fassnummern tragen. Neben dem BIN 95 sind das zum Beispiel der BIN 389, BIN 128 oder BIN 28.

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Peter Gago, Chief Winemaker

Im Gegensatz zum Analysten und Eigenbrötler Schubert, der Tage am Stück in den Kellern und Laboren des Unternehmens verbringen konnte ist Peter Gago, der Schubert-Nachfolger in vierter Generation, heute vor allem das Gesicht eines Unternehmens, das schon seit den 1970ern nicht mehr im Familienbesitz ist sondern vielmehr der Leckerbissen im Portfolio diverser Getränkekonzerne, bei denen immer wieder die Eigner wechseln. Gerade in den letzten Wochen gab es wieder einen Bieterwettbewerb um den Eigner von Penfolds, Treasury Wines, zu denen noch ein paar Dutzend weiterer Weingüter gehören.

Während also draußen die Bieterschlacht um den Besitz von Penfolds tobte, saßen wir in kleiner Runde in einem Hinterzimmer des Hamburger Fairmont-Hotels Vier Jahreszeiten und begutachteten den neuen Jahrgang von Penfolds. Auch das ist Teil des Jobs von Peter Gago, den ich frage, wann er denn überhaupt noch Wein macht. „Im April und Mai mache ich keinerlei Reisen, dann kommen die Trauben rein und ich schaue mir an, wie die Gärung verläuft.“ Ansonsten dürfte der Mann über die Platinum-Card eines oder mehrerer Vielfliegerprogramme verfügen. Denn neben Masterclasses die er leitet und Treffen mit Händlern und Journalisten gibt es da noch die Recorcing Clinic, die jährlich an verschiedenen Orten der Welt stattfindet – auch schon hier in Deutschland und nebenan in Zürich, in der Sammler sich nicht nur Gewissheit über die Echtheit ihrer Penfolds-Weine verschaffen können sondern auch noch eine Auffüllung und einen neuen Korken erhalten – wenn nötig. Die Teilnahme ist kostenfrei, äußerst populär und als Teil der Kundenbindung ein genialer Marketing-Coup, wie ich finde.

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Überhaupt Marketing… Penfolds ist groß im Marketing. Das beginnt bei der Flaschenausstattung mit dem hohen Wiedererkennungswert der Label. Das geht weiter bei klaren Linien im Angebot und es manifestiert sich in den Icon-Wines, in den extrem seltenen Abfüllungen des Weinguts, mit denen man Sehnsüchte schafft, Begehrlichkeiten und damit das ganze Portfolio aufwertet.

Der charmante Peter Gago, der im ersten Leben Lehrer war und erst später ein Studium der Önologie angeschlossen hat, verkörpert diese Marketing-Philosophie und gibt der Idee und dem Großunternehmen das wichtige Gesicht, den Charakter. Alles in der Außendarstellung ist auf ihn abgestimmt. Und warum saß ich mit ihm in Hamburg zusammen? Weil Penfolds seine Weine ab diesem Jahr, dem 170sten der Unternehmensgeschichte, nicht mehr im Frühjahr, sondern im Herbst auf den Markt bringt. Bisher war es üblich, dies kurz nach der Ernte des neuen Jahrgangs zu machen, doch macht Penfolds vor allem schwere Rotweine, und im Mai und dem darauf folgenden Sommer hat kaum jemand Lust auf 14.5 bis 15.5%-Weine. Zudem hat dies etwas mit dem Wirtschaftsjahr der Unternehmen zu tun, die Penfolds die Weine abnehmen sollen. Werden die Weine im Oktober präsentiert, bleibt für den Kauf mehr Zeit. Alles bei Penfolds ist durchdacht und optimiert und das Weingut erinnert mich, wenn ich Vergleiche ziehen soll, an Champagner-Häuser wie Moët, Ruinart oder Roederer. Auch die sind Teil großer Luxusgüterkonzerne, auch dort sind es die Chef de Cave, die für die Außendarstellung verantwortlich sind und im Keller nur noch die elementar wichtigen Entscheidungen treffen. Auch dort wird auf Luxus und Begehrlichkeiten gesetzt. Vor allem aber, ist das Weinmachen ganz ähnlich. Viel ähnlicher als bei Weingütern à la Rothschild, beispielsweise. Auch die Rothschilds, ob nun Mouton oder Lafite, sind ja große Weinunternehmen mit vielerlei Streubesitz. Doch gibt es hier immer noch die Philosophie des Château und des Terroirs, vor allem natürlich im Bordelais. Das Weingut definiert sich über das Terroir, auf dem es steht. Bei Penfolds und auch bei den großen Champagne-Häusern ist dies vollkommen anders. Da gibt es diese seltenen Single-Vineyard-Weine nur als Ausnahme (Krug mit dem Clos de Mesnil, Penfolds mit dem Magill Estate – beides Weine von kleinen, legendären Weinlagen). Ansonsten sind es regional blends von ganz unterschiedlichen Lagen in einer Region oder sogar multiregional blends aus unterschiedlichen Regionen. Der Icon Wine von Penfolds, der Grange, beispielsweise stammt aus Lagen im Barossa Valley, Clare Valley, aus den Adelaide Hills, dem McLaren Vale und dem Magill Estate, wo Penfolds entstanden ist.

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Penfolds in Magill bei Adelaide, Copyright: Penfolds.com

Dies ist eine Idee des Weinmachens, die hier in Europa bei Champagner zwar akzeptiert wird, bei der wir aber sonst immer noch große Probleme haben. Oder kann sich hier jemand vorstellen, dass beispielsweise Wilhelm Weil einen Ultra-Riesling für 500 Euro die Flasche auf dem Markt bringt, dessen Trauben von ausgewählten Weinbergen aus dem Rheingau, aus Franken, der Mosel, der Nahe und aus Rheinhessen stammen? Wohl kaum.

Begonnen haben wir übrigens auch bei Penfolds mit einem Riesling. Es ist der Penfolds BIN 51 Riesling 2014 Eden Valley. Auch dieser stammt aus zwei unterschiedlichen Regionen und man geht, ganz typisch für diese Philosophie des Weinmachens ganz pragmatisch vor. Man nimmt das Material, das die geforderte Qualität hat. Deshalb hat man in verschiedenen Cool-Climate-Gebieten Verträge mit Winzern abgeschlossen (auch hier gibt es natürlich neben dem großen Eigenbesitz jede Menge Vertragswinzer – wie in der Champagne). Da kann dann das Traubenmaterial auch mal aus Tasmanien stammen. Der Wein hat kein 2 Gramm Restzucker bei 3,1 ph-Wert, 7,1 Gramm Säure und 12,5% Alkohol. Er ist kräftig, hat viel gelbe Frucht, eine leicht tropische Note und Zitronenschale, ist intensiv und sehr saftig. Der Wein hat mir sehr gut gefallen, da ist nichts Fettes, nichts Überreifes, alles ist elegant und klar.

Der Penfolds Reserve BIN 13A Chardonnay 2013 Adelaide Hills wird spontan angegoren und neun Monate lang zu 40% in neuen und zu 60% in gebrauchten französischen Barriques ausgebaut. Dabei kommt der Wein direkt von der Presse in die jeweiligen Barriques, so dass jedes Barrique deutliche Unterschiede aufweist. 13% Alkohol hat der Wein, der zu 100% eine malolaktische Gärung durchlaufen hat. Er präsentiert sich offen, rund mit viel Steinobstfrucht, Zitronensorbet, etwas Banane mit gerösteten Nüssen und erstaunlich zurückhaltendem Holz. Es fehlt mir allerdings etwas die Säure und das etwas Kantige, das, was Charakter ausmacht.

Penfolds Yattarna BIN 144 Chardonnay 2012 South Eastern Australia dagegen ist momentan dicht wie eine beleidigte Auster. Ein gutes Jahr älter als der BIN 13A und aus verschiedenen Gebieten stammend ist er der weiße Icon Wine des Unternehmens und präsentiert die typische Idee einer Gebiets-Cuvée. Während vergleichbar teure Weine aus Meursault nach einzelnen Lagen ausgesucht werden, stammen die Trauben für diesen Wein aus Tasmanien, Victoria und Adelaide Hills, Weinberge also, die hunderte Kilometer voneinander entfernt sind. Der Wein wird etwas kürzer (acht Monate) in mehr gebrauchtem Holz ( 55%) ausgebaut aber ähnlich verarbeitet wie die Reserve BIN, also Nach Gebiet und dann noch mal einzeln direkt nach der Pressung Fass für Fass gesondert ausgebaut. Der Wein ist viel weniger rund und auf Show gemacht wie die Reserve. Vor allem hat er die Frische, die mir bei der Reserve etwas gefehlt hat. Auch wenn er momentan verschlossen ist, zeigt sich das Pure, das Elegante, der feine Nusston, das ganze fruchtige Aromenspektrum fein verwoben und komplex. ein toller Chardonnay!

Alter Rebstock in KalimnaKalimna_Old_Vine_Credit_Penfolds

Der rote Penfolds BIN 28 Kalimna Shiraz 2012 South Australia ist ein guter Einstieg in die Shiraz-Welt von Penfolds. Der erste Jahrgang stammt aus der Max-Schubert-Zeit und wurde 1959 abgefüllt. Der Shiraz stammt aus dem McLaren Vale, Wrattonbully, Langhorn Creek, Barossa Valley, Padthaway und Upper Adelaide und hat 14.5% – wie alle Roten die nun folgen. Der Wein reift 13 Monate in alten Hogsheads aus amerikanischer Eiche. Hogshead war übrigens ein englisches Volumen-Flüssigkeitsmaß, das man in den Hansestädten als Oxhoft bezeichnet hat. Bei Wein war dies ein Volumen von 285 Liter, bei Ale waren es 218 Liter und bei Porter 245 Liter, aber das nur am Rande. Der Wein ist typisch dunkel mit reifer Johannisbeer- und Kirschfrucht, Leder, Erde, Trockenkräuter, Anis und am Gaumen mit viel dunkler Frucht. Nur ganz leicht marmeladig, saftig, schon sehr rund und schmeichelnd und von einer angenehmen Frische.

Den Penfolds BIN 150 Marananga Shiraz 2012 Barossa gibt es erst im fünften Jahr. Er gehört zu den regional blends, genauer gesagt ist er ein sub-regional blend, denn er stammt aus der Sub-Region des Barossa Valley namens Marananga, einer Talsohle im Barossa, aus der auch Frucht für den Grange verwendet wird. Der berühmteste Plot in dieser Subregion ist das Seppeltsfield, einer der ältesten Weinberge des Landes. Der Wein wird 14 Monate in neuem Holz (25%) und alten Holz zu je 25% aus französischer Eiche und amerikanischer Eiche unterschiedlicher Größe (330-600L) gelagert. Der violett-blaue Wein zeigt deutlich mehr Kraft als der BIN 28. Er ist dichter und hat von allem mehr – vor allem einen anderer Typus. Hier findet sich etwas von Eukalyptus und einer medizinalen Note mit einer Noten von Leinsamen (erstaunlich), Veilchen, Nutella und mehr Holz als beim BIN 28. Am Gaumen dann konzentrierte fleischige Frucht, viel Tannin, Konzentration und Dunkelheit. Weglegen…

Der Penfolds BIN 407 Cabernet Sauvignon bildet zusammen mit dem neuen BIN 150 und dem Klassiker BIN 389 die obere Mittelklasse der Fass-Serie (unten fängt es an mit BIN 2, BIN 8, BIN 9, Mittelklasse ist BIN 28, BIN 128, BIN 138). Der reinsortige Cabernet stammt aus unterschiedlichen Regionen (Wrattonbully, Padthaway, McLaren Vale, Coonawarra, Langhorne Creek) und wird 14% Monate in 22% neuer französischer Eiche und desweiteren in neuer und gebrauchter amerikanischer Eiche ausgebaut. Hätte ich den Wein blind im Glas gehabt, hätte ich nicht auf Cabernet getippt sondern ebenfalls auf Shiraz. Cabernet-Puristen, die bei dieser Sorte eher linkes Ufer Bordeaux oder Ähnliches im Sinn haben, werden mit diesem wein kaum glücklich. Jene, die jedoch mit Cabernet auch Kalifornien und die höhere Reife, Saftigkeit und dichte verbinden, werden diesen Wein sehr mögen denn er ist innerhalb des Stils exzellent gemacht. Im Gegensatz zu klassischen Coonawarras wie beispielsweise von Wynns, ist diese Cuvée viel üppiger, konzentrierter, ein Ausbund an reifer Frucht, Fleisch, reifer Süße in der sich erst mit der Zeit typische Cabernet-Attribute wie Cassis, Zeder, Grafit offenbaren. Wenn der BIN 389 der Baby-Grange ist (so wird er ja gerne genannt weil er in alten Grange-Fässern ausgebaut wird), dann ist das hier der Baby-707. Wobei das mit dem Baby naürlich kompletter Unsinn ist. Beide Weine, 407 wie 389 neun sind aus dem Stadium, in dem man fürsorglich sein müssten längst raus.

Coonawara_Rote_Erde_Credit_PenfoldsCoonawarra mit dem typischen roten Boden, Copyright: Penfolds.com

Der BIN 389 Cabernet Shiraz  wurde von Max Schubert zum ersten Mal mit dem Jahrgang 1960 abgefüllt und besteht meist aus mehr oder weniger 50% Cabernet und 50% Shiraz aus Wrattonbully, Barossa, McLaren, Langhorne Creek und Robe. Der Wein wird, ich schreib es bereits, 12 Monate lang zu 60% in Grange-Fässern ausgebaut und zu 40% in neuer Amerikanischer Eiche. Puh, das ist Konzentration pur, dunkle Marmelade, eingekocht, wie das Gewürzpflaumenmus, das ich letztens gekocht habe. Dazu aber dunkle, flüssige Schokolade, Salz, Teer, rohes Fleisch, ein Wein, den man kauen muss mit konzentrierter Frucht, Dattel- und Feigenkuchen mit Vanille und Zimt. Trotzdem mit gewisser Frische und Säure, die die Konzentration etwas abfedert.

Angekommen in Premier-League des Weinguts haben wir mit dem Penfolds St. Henri Shiraz 2011 einen Wein mit Ausnahmestellung unter den Penfolds-Erzeugnissen. Schon das Etikett ist klassischer und er ist noch vor der Max-Schubert-Ära auf den Markt gekommen. Der Shiraz ist immer der europäischste Wein, der am ehesten an die Heimat des Syrah, die Nord-Rhône erinnert. die Trauben stammen aus dem McLaren Vale, Barossa und den Adelaide Hills und der Wein wird 12 Monate lang in– Achtung! – großen alten Holzfudern ausgebaut. Im Gegensatz zu allen Rotweinen davor und danach findet sich hier nicht die dunkle Frucht, die schwarze Olive und die Marmelade sondern es ist rote Frucht, es sind rote Johannisbeeren, Preiselbeeren, grüne Olive, grüner Pfeffer, etwas rohes Fleisch, etwas Teer, alles fein verwoben und lang. Wenn ich mir von allen Weinen der Probe einen hätte mit nach Hause nehmen können, ich hätte definitiv den St. Henri genommen!

Wenn wir schon von Ausnahmestellung reden, dann gehört dieser Wein eigentlich auch dazu. Der Penfolds Magill Estate Shiraz 2012 ist eben jener Single-Vineyard-Wein, der am ehesten mit den klassischen Chateau-Weinen des Bordelais zu vergleichen ist – auch wenn es sich hier um einen reinsortigen Shiraz handelt, wirkt er tatsächlich relativ europäisch. Er stammt aus dem nur noch 5.2 Hektar kleinen Weinberg, der den Grundstein des Penfolds-Imperiums geliefert hat. Magill ist heute längst von Adelaide eingemeindet und der kleine Besitz am Stammhaus liegt im Ort. Der Wein wird 15 Monate lang zu 65% in französischer Eiche ausgebaut, der Rest in teils neues, teils gebrauchte amerikanisches Holz. Dieser Shiraz ist durchaus fein und energetisch, duftet ein wenig nach einer klassischen Cabernet-Merlot-Cuvée mit Zedernholz, Tabak, Grafit, Pflaume und Cassis. Dann aber kommen eukalyptische Noten, zunehmend Leder, Nelke, Zimt. Am Gaumen dann eher intensive rote Frucht, komplex, würzig mit präsentem Holz und viel Tannin. Viel zu jung natürlich, aber schön.

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Das RWT im Penfolds RWT Barossa Valley Shiraz 2012 steht für Red Wine Trial, ein ungewöhnlicher Name für ein Luxusprodukt. Es war der Versuch, einen Shiraz-Counterpart zum Grange auf ähnlichem Niveau zu machen. Der Grange, in amerikanischer Eiche ausgebaut, muskulös, extrem dicht und voller Energie, der RWT vor allem in französischer Eiche ausgebaut etwas opulenter, schwebender aber auch fleischiger mit viel Pfeffer, Cassis und Schokolade. Üppig, dicht und strukturiert mit viel Extrakt. Bei längerer Reifezeit allerdings nähert er sich weit stärker den Syrah vom Hermitage-Weinberg der Norsd-Rhône an als es der Grange tut, der den Namen Hermitage ja sogar lnge im Namen getragen hat.

Das Cabernet-Flaggschiff des Hauses ist der Penfolds BIN 707 Cabernet Sauvignon 2012. Der Wein wurde als 1964er Jahrgang in der Schubert-Ära das erste Mal abgefüllt und ist so etwas wie die australische Cabernet-Ikone, die allerdings auch nur dann abgefüllt wird, wenn das Traubenmaterial zu 100% die Erwartungen erfüllt (2011 war das beispielsweise nicht der Fall). Die Trauben stammen von den roten Böden des Coonawarra, Padthaway, Barossa, Wrattonbully und den Adelaide Hills. Der Wein lagert zu 100% in neuer amerikanischer Eiche und spielt stilistisch eher im großen Konzert der Kalifornier mit denn in dem Franzosen. Dieser Wein ist ein wenig so wie BIN 407 nur von allem noch viel mehr. Mehr Dichte, mehr üppige Frucht, mehr Konzentration. Es ist ein gewaltiger Cabernet voller Cassis und Kirsche, Rauch, Fleisch, Sojasoße, schwarzen Oliven, Zeder, Lakritze, Eukalyptus, Tiramisu, Nuss, am Gaumen würzig, explodierend, mit extrem reifer aber nicht überreifer Frucht, mit einem ganzen Schokoladenbrunnen, Vanille, Zimt und Eiche. Eleganz trifft Geilheit, irgendwie. Man will das in großen Schlucken trinken, so gut ist das. andererseits eben auch so üppig, das es zum jetzigen Zeitpunkt fast ein wenig ordinär wirkt. Trotzdem, der Wein ist purer, australischer Cabernet-Wahnsinn. Aber man sollte diesen, genauso wie den nächsten Wein sowieso erst einmal vergessen, wenn man sich ihn denn für ca. 320€ die Flasche in den Keller legen will. Überhaupt schraubt sich in der Oberklasse von Penfolds die Preisspirale zunehmend deutlich nach oben. Den St. Henri bekommt man kaum unter 100€, der RWT liegt dann schon bei ca. 170€, und für den 2010er Grange will man so ca. 600€ die Flasche haben – das ist ambitioniert.

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Der Penfolds BIN 95 Grange 2010 ist eine Cuvée aus 96% Shiraz und 4% Cabernet, aus alten Anlagen des Barossa Valley, des Clare Valley, den Adelaide Hills, McLaren Vale und dem Magill Estate stammend. Er wurde 17 Monate lang in neue amerikanische eiche gelegt. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt ein Wein, dessen Tragweite nur zu erahnen ist. Definitiv war 2010 ein ziemlich perfekter Jahrgang für diesen Wein und so präsentiert der Grange sich tief und konzentriert mit sehr viel Spannung und enormer Komplexität. Dieser Wein ist ja grundsätzlich, bis auf den Alkohol, nicht mehr weit von einem Jahrgangsport bester Provenienz entfernt, so dicht ist die Frucht, so konzentriert die schwarzen Kirschen, das Cassis, das Süßholz, die schwarze Schokolade, das Zedernholz und das Fleischige. Dabei findet sich Samt auf der Zunge, wunderbar eingebundenes Tannin und auch hier eine enorme Tiefe. Ein souveräner, großer Wein in einem Stil, der in seiner Opulenz vielleicht nicht jedem gefällt, der in seiner außerordentlichen Qualität jedoch über jeden Zweifel erhaben ist.

Wenn ich mir die Preise so ansehe bin ich fast froh, dass ich gar nicht mehr in Erwägung ziehen muss, ob ich mir von irgendeinem dieser Weine etwas in den Keller legen würde. Lediglich beim Bin 28 könnte ich theoretisch schwach werden, denn der liegt heute so in etwa auf dem Preisniveau, das damals der BIN 389 hatte. Er ist ein wirklich guter Einstieg in die Welt und Stilistik von Penfolds. Die eigentliche Basis ist der Koonunga Hill, ein Wein, der schon immer so um die 10 (Mark/Euro) gekostet hat und sehr respektable Qualität liefert. Überhaupt finde ich es schon bemerkenswert, wie man bei Penfolds diese Qualität, das Blending und den logistischen Aufwand gemeistert kriegt. Auch wenn im Keller natürlich mit vielen üblichen Tricks gearbeitet wird (Tanninpulver, Kastanienmehl etc.) und ich davon jetzt wahrlich kein Fan bin. Weinmachen bei dieser Größe und bei solch umkämpften Märkten, auch im Luxus-Segment, hat eben nichts mehr mit Romantik zu tun – die scheint nur noch nach außen. Da tun sich die Großen nichts, die Tricks bei Penfolds dürften sich da kaum von denen auf bekannten Bordeaux-Cru-Classé-Gütern unterscheiden. Stilistisch erinnern mich die Icon-Wines unter Strich, wenn ich Vergleiche ziehen will, an so etwas hier, während ich persönlich eher diesen Stil bevorzuge (wenn ich mal auf annähernd ähnlichem Preisniveau bleibe). Trotzdem, was Penfolds bietet ist – wie schon gesagt – Weinmachen auf höchstem Niveau, und darüber hinaus ein außergewöhnliches Stück Weingeschichte. Das 170jährige Jubiläum fällt übrigens mit meinem eigenen zusammen. Denn wenn ich richtig gerechnet habe, dass habe ich 1994 zum ersten Mal Weine von Penfolds probiert und es waren die ersten, die ich mir am Beginn meiner Weinleidenschaft in den Keller gelegt habe – präzise gesagt waren es einige Flaschen BIN 389. Damals hat eine Flasche dieses Weins 22 Mark gekostet. Heute kostet eine aktuelle Flasche so um die €75,- Nicht schlecht, hm? (Und das ist noch nichts im Vergleich zum Preisanstieg beim Oberklasse-Bordeaux)

 

3 Kommentare

  1. Sehr schöner Bericht – danke! Da freue ich mich umsomehr, dass ich noch zwei Flaschen Grange im Keller liegen habe 🙂
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

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