Der Grand Prix der Großen Gewächse 2020 – Teil 2

In diesem Teil geht es um die Spätburgunder aus 2018 bis 2015.

Da die Spätburgunder üblicherweise länger im Fass liegen, stammte hier das gros aus 2018 mit einigen Ergänzungen aus 2017 bis 2015. Insgesamt würde ich den 2018er Spätburgundern konstatieren, dass sie in der Menge recht spät gelesen wurden und sich somit oftmals ein recht süßes Geschmacksbild mit reifem Tannin und noch reiferer Säure ergibt. In manchen Betrieben hat man das wohl mit der Verwendung von Rappen ein wenig ausgleichen wollen, die dann hier und da noch recht ruppig und manchmal sogar etwas grün daher kommen. Manchem Wein würde es zudem besser stehen, wenn man den Holzeinsatz und die Toastung noch einmal verfeinern könnte, aber das ist Geschmackssache. Ein Spätburgunder-Traumjahrgang ist das für mich nicht. Gerade im Vergleich zum Burgund, wo es ja ebenfalls recht warm war und wo ich in den letzten Wochen doch recht viele Weine probieren konnte, fallen die deutschen Spätburgunder insgesamt ab – und ich vergleiche jetzt nicht mit den Grand Cru bester Häuser. Natürlich gibt es auch im Burgund überreife Weine, insgesamt aber habe ich das Gefühl, dass dort im Schnitt früher gelesen und die Frische entsprechend eher erhalten wurde und somit die Weine etwas spielerischer und tänzelnder wirken, was man hierzulande nur recht selten findet. Trotzdem gibt es hier einige wunderschöne Weine, die man durchaus feiern kann. 

VDP GG Wiesbaden ©Peter Bender

Franken

Zwei Weingüter und zwei Weinmacher in Churfranken haben sich in den letzten Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert: Sebastian Fürst und Benedikt Baltes. Benedikt hat es ja im letzten Jahr zurück in seine Heimat an die Ahr gezogen, wo er zusammen mit seiner Frau Julia das Weingut Baltes-Bertram gegründet hat. Das Weingut der Stadt Klingenberg, das kurz Benedikt Baltes hieß, heißt nun Steintal. Die 2018er dürften noch unter der Ägide oder doch zumindest mit deutlicher Beteiligung von Benedikt entstanden sein. Stilistisch kann man die Weingüter sehr gut auseinanderhalten. Gerade in jungen Jahren wirken die Fürst-Weine deutlich eleganter und seidiger, die Steintal-Weine rappiger, dunkler, trocknender und oft auch mit einem – wie ich es gerne nenne – Cassis-Böckser ausgestattet. So war das in Wiesbaden auch. Der Schlossberg 2018 Spätburgunder von Rudolf Fürst stellte sich elegant und seidig mit prägnantem und sehr gut eingebundenem Holz vor. Er zeigte gleichzeitig die Reife des Jahrgangs in Form von rotbeerigem Fruchtkomplott und viel Schmelz. Der Centgrafenberg 2018 Spätburgunder aus gleichem Hause deutete Maggikraut und Zimtrinde an, ferner Trockenholz und Kirsche samt Kernen. Dazu kamen einige dunkle Beeren, ein wenig mehr an Röstnoten und Tabak. Auch hier gab es viel Reife, eine leichte Süße und Schmelz. Der Hundsrück 2018 Spätburgunder gehört für mich wieder zu den schönsten deutschen Pinots des Jahrgangs. Er zeigt eine beeindruckende Eleganz und Seidigkeit, große Komplexität und Tiefe. Auch hier findet man eine recht üppige reife Süße von Süßkirschen, bestem Holz, etwas Vanille und Waldbeeren, dazu auch ein paar Noten von Zimtkirschen und Blutorangen. Was begeistert, ist die tiefe Mineralität dieses Weines, der elegante Holzeinsatz und ein sehr perfektes Tannin. Es ist ein ganz starker Wein.

Der Schlossberg 2018 Spätburgunder vom Steintal erhebt sich mit dem schon angesprochenen Cassis-Böckser. Dazu kommen herbe Noten, Trockenholz, Grafit, Rauch und Tabak. Der Wein ist noch sehr von der Vergärung geprägt und ebenso wenig, wenn auch vielleicht ein bisschen besser zu beurteilen als der Bischofsberg 2018 Spätburgunder vom Steintal, wo neben Cassis-Böckser, Reduktion und Hefe so gut wie nichts hängen bleibt. Beim Hundsrück 2018 Spätburgunder ist es dann neben der Reduktionsnote vor allem Teer und Johannisbeer-Joghurt, den ich in der Nase habe. Am Gaumen wirkt der Wein angenehm kühl, gut strukturiert und straff mit prägnanter Säure. Den Steintal-Weinen muss man noch viel Zeit geben. Danach kommen für mich drei Pinots der Kategorie Village oder Erste Gewächse. Der Bischofsberg 2018 Spätburgunder des Staatlichen Hofkellers Würzburg duftet nach gegorenem Kirschsaft mit herben, erdigen und pflanzlichen Noten. Er besitzt angenehm viel Säure und Frische neben einem damit verbundenen griffigen Tannin. Das macht Spaß, zumal es angenehm süffig wirkt. Der Hohenroth 2018 Spätburgunder von Schmitt’s Kinder wirkt dagegen und im direkten Vergleich weich und leicht süß mit Hefezopf und Vanille. Am Gaumen kommen dann noch ordentlich Holz und Speck dazu. Der Maustal 2018 Spätburgunder vom Zehnthof Luckert gefällt mir ähnlich gut wie der Bischofsberg vom Staatlichen Hofkeller. Der Wein wirkt kirschig mit etwas zugesetzter Waldfrucht. Er hat eine feine Würze, einen angenehmen Holzeinsatz, allerdings aktuell auch einen Hauch von Geranienerde. Insgesamt hat der Wein seine Balance noch nicht gefunden. Im letzten Flight wurde ich zudem mit dem Schloss Proschwitz 2018 Spätburgunder konfrontiert, der einerseits eine ansprechende Kirsch- und Waldhimbeeraromatik zeigt, recht straff und druckvoll wirkt, bei dem das Holz aber noch neben der Frucht steht und eine süßliche Note nicht so recht ins Gesamtbild passt.

Rheinhessen

Rheinhessen beginnt mit Ingelheim, und zwar mit J. Neus. Der Pares 2018 Spätburgunder von J. Neus wirkt ähnlich unfertig wie die Steintal-Weine aus Franken. Dieser Vertreter hier ist dabei aber zunächst viel rotbeeriger und bringt dann eine ausladende Josta-Note mit ins Spiel, die mich an Sauvignon blanc denken lässt und die auch am Gaumen sehr präsent ist. Noch ist er reduktiv, zeigt sich auch am Gaumen noch weitgehend verschlossen, aber immerhin mit einem angenehmen Zug und mit Grip. Der Horn 2018 Spätburgunder von J. Neus wirkt da ein ganz klein wenig offener mit etwas weniger Reduktion, dafür mit mehr Teer und Waldbeerfrucht. Am Gaumen ist der Wein saftig und frisch, wieder mit etwas Cassis oder Josta, die ein wenig an Ahoibrause erinnert. Gleich hinterher kommt der Kreuz 2018 Spätburgunder von Kühling-Gillot, dessen Holzeinsatz mit einer leicht süßlichen und ganz leichten Röstnote noch deutlich zu stark im Vordergrund steht. Gleichzeitig aber wirkt der Wein schon jetzt sinnlich und sexy mit seiner schmelzenden Schokolade und den eingelegten Kirschen. Am Gaumen ist der Wein sehr saftig, lebendig, belebt. Hier findet man neben den Süßkirschen auch saftige Sauerkirschen und einen kühlen mineralischen Zug. Wenn das Holz einmal integriert ist, wird das richtig gut.

Aus Westhofen kommen die Weine von Gutzler und Keller, und auch H. O. Spaniers Weinberg liegt nicht weit abseits. Alle Weine stammen von durch Kalk geprägten Böden. Das Brunnenhäuschen von Gutzler stammt wie auch der Morstein aus 2017. Beide Weine wirken auf mich aktuell recht grün und rappig. Limetten findet man bei ihnen, Blattwerk und geröstetes Holz. Eigentlich wollte ich den Spätburgunder Brunnenhäuschen 2017 gar nicht in den Mund nehmen, und tatsächlich war er keine Wohltat. Der Morstein 2017 Spätburgunder von Gutzler wirkte ebenfalls recht grün, wenn auch weniger ausgeprägt. Da findet sich noch etwas Reduktion, Teer, Rauch und Erde. Am Gaumen wirkt der Wein sehr kernig und knackig, ja robust. Beide Weine sind aktuell sehr weit davon entfernt, als groß bezeichnet zu werden. Das sieht beim Bürgel 2018 Spätburgunder von Klaus Peter Keller ganz anders aus. Dieser Wein steht tatsächlich all dem, was ich in den letzten Wochen aus Burgund probiert habe, am nächsten. Die Nase ist ätherisch, kühl, präzise und durchsetzt mit knackigen Kirschen, mit Beeren und zerstoßenem Stein. Am Gaumen ist das ein saftiger, energetischer, ja geradezu tonischer Wein mit exzellenter Struktur. Kellers Verbundenheit mit dem Burgund wird hier mehr als deutlich. Begeisternd war auch der Kirchenstück 2018 Spätburgunder von Battenfeld-Spanier. Der Wein tänzelt zwar nicht so leichtfüssig wie der von Keller, dafür aber ist das Auftreten des Weines genauso elegant, wie es üblicherweise bei Battenfeld-Spanier der Fall ist: etwas reduktiv noch, bläulich in der Aromatik, dazu etwas Teer mit einer wunderbaren Kombination von seidig elegantem Tannin, dunkler reifer, aber noch knackiger Frucht und einer Kalkstein-Vibration am Gaumen. 

VDP GG Wiesbaden © Peter Bender

Württemberg

Man muss es so sagen, die wenigsten Weine, die hier präsentiert wurden, haben das Niveau von Großen Gewächsen – zumindest wie ich sie mir vorstelle. Die Weine vom Staatsweingut Weinsberg und den Weingütern Hohenlohe-Öhringenzu Neipperg, Wachtstetter und leider auch Dautel haben weder tiefere Komplexität noch Frische. Sie pendeln irgendwo zwischen zu viel vordergründiger Süße und Fruchtigkeit, Röstigkeit, pflanzlichen und auch bitteren Noten. Das macht wenig Spaß. Deutlich besser wurde es mit dem Gips Marienglas® 2018 Spätburgunder von Aldinger. Noch leicht reduktiv ist dieser Wein, aber mit einem angenehmen Duft von blauen Blüten, roter und blauer Frucht, etwas Trockenkirsche samt Kernen, Holz, Stein und Pfeffer. Am Gaumen vergleichsweise kühl und strukturiert, saftig mit sauren Kirschen und Kräutern ausgestattet, verfügt der Pinot über Grip und Zug. Ähnlich gut, aber schwerer einzuschätzen, weil noch sehr unfertig, präsentiert sich der Lämmler 2018 Spätburgundervon Aldinger mit etwas Reduktions-Teer in der Nase. Dazu gibt es rote Beeren, Kräuter und Stein. Der Wein präsentiert sich rappig, herb und druckvoll mit einem angenehm zurückhaltenden Holzeinsatz. Der Lämmler 2018 Spätburgunder von Rainer Schnaitmann ist da schon ein wenig offenherziger mit Zimtkirschen- und Cassiseis plus Sahne. Der Wein ist frisch, elegant und auch komplex mit ein wenig Röstholz, das sich aber jetzt schon gut einfügt. Der Pinot wirkt druckvoll und strukturiert, ist leicht herb und hölzern am Gaumen und hat aktuell noch etwas zu viel vom Cassis. Beim Lämmler 2018 Spätburgunder von Heid stört mich eine aktuell unsaubere Nase mit gekochter Frucht und Oxidations-Noten. Am Gaumen wirkt der Wein recht matt, marmeladig und gerbstoffhaltig. Er wird in diesem Flight dann auch direkt vom Mönchberg -Öde Halde- 2017 Spätburgundervon Jochen Beurer versenkt, dessen florale dunkelblaue bis violette Blüten- und Fruchtnoten strahlen und am Gaumen von Frische, von wiederum dunkler Frucht mit gekonntem Rappen-Einsatz (so schmeckt es jedenfalls) begleitet werden. Der Burghalde 2018 Spätburgunder von Karl Haidle gefiel mir auch. Der Wein ist im Prinzip recht rustikal mit Speck und Röstnoten, aber auch druckvoll und saftig. Kein Wein, den ich zu meinen Favoriten zählen würde, der aber in sich stimmig und harmonisch ist. 

Pfalz

Der erste Pfalz-Flight begann mit Weinen aus 2018, 2017 und 2016. Philipp Kuhn und Knipser liefern die bekannten Röst- und Speckaromen, die wohl ihre Liebhaber haben – aber mich nicht. Dabei zeigt der Steinbuckel 2017 Spätburgunder von Philipp Kuhn trotz der süßlichen Frucht und dem Kräuterwürzigen, den leicht grünen, aber reifen Noten und dem besagten Speck sogar eine gewisse Eleganz, die ich beim Kirschgarten 2017 Spätburgunder von Philipp Kuhn nicht feststellen kann. Dort riecht es für mich zunächst süß, dann zunehmend herb und auch laktisch nach Blaubeerjoghurt. Am Gaumen ist der Wein durchaus fordernd, allerdings auch leicht scharf, dafür ist aber das Holz schon besser integriert. Der Kirschgarten 2016 Spätburgunder von Knipser ist nun im vierten Jahr. Er präsentiert neben dem Speck eine Art Rumtopf mit üppiger reifer Frucht, aber auch mit minzig-ätherischen Noten. Auch wenn ich nicht auf Speck stehe, so mag ich doch gelegentlich diese den Knipserweinen so eigene Holznote. Am Gaumen ist der Wein strukturiert mit gut eingebundenem klaren Tannin und einer ebenso klaren Säure. Hinzu kommt eine beeindruckende Länge. Der Wein gefällt mir deutlich besser als der Im großen Garten 2016 Spätburgunder von Knipser, bei dem das Weniger an Kräutern und Frucht zu einem Mehr an Speck führt. Der Wein wirkt sehr reif und gereift, ist aber angenehm saftig am Gaumen. Was hier ganz klar herausragt, sind die beiden 2018er von Andreas Rings. Der Felsenberg 2018 Spätburgunder von Rings duftet fein parfümiert und saftig nach Blüten und Kirschsaft, der es auch an den Gaumen schafft mit einer angenehm druckvollen Säure und einem recht fleischigen Mittelbau. Das ist endlich mal wieder ein Wein auf der saftig frischen Seite. Das gefällt mir diesmal richtig gut. Schließlich will man die Weine ja irgendwann auch mal mit Genuss trinken. Noch einen drauf legt der Saumagen 2018 Spätburgunder von Rings mit sehr saftigen roten Beeren und Sauerkirschen. Auch hier zeigt sich ein druckvoller und saftiger Pinot noir, dem es zwar aktuell noch an einer gewissen Eleganz fehlt, die er aber mit vibrierender Energie wettmacht. Das wird richtig gut, braucht aber noch Zeit. Ich schätze es so ein, dass dieser Wein irgendwann zum Besten gehört, was es an Pinot in diesem Jahr aus der Pfalz gibt. 

Der zweite Pfalz-Flight begann mit dem Idig 2018 Spätburgunder von A. Christmann, bei dem Sophie Christmann im letzten Jahr schon ein Ausrufezeichen gesetzt hatte. Das wird in diesem Jahr unterstrichen. Dieser Wein ist einfach ein Genuss mit seinen duftig floralen Noten, den dunklen und auch roten Beeren und den knackigen Kirschen, die vom Holz begleitet werden, bei dem ich mir eine Spur mehr Zurückhaltung gewünscht hätte; denn diese leichte Süße und Röstung hat der Wein gar nicht nötig. Dabei bleibt der Holzeinsatz definitiv im eleganten Bereich, und das nicht nur im Duft, sondern auch am Gaumen. Dort wirkt der Idig seidig und duftig mit süßem Kern und sehr sanftem, fast weichem Tannin. Die Säure ist reif, aber zum Glück recht lebendig. Der Wein ist für sich genommen frisch und transparent trotz der warmen Fruchtnoten. Der Kalkberg 2018 Spätburgunder von Bergdolt • Klostergut St. Lamprecht zeigte sich mir noch recht ruppig, rappig und herb dunkelbeerig sowie mit trocknendem Holz ausgestattet, weshalb ich ihn nicht leicht zu bewerten fand. Der Münzberg „Schlangenpfiff“ 2017 Spätburgunder von Münzberg – Lothar Keßler & Söhne zeigte vor allem Klebstoff in der Nase, präsentierte sich aber am Gaumen vergleichsweise saftig, elegant und auch pikant mit einer angenehm lebendigen Mineralität im Finale. Der Rosenkranz-Zinkelerde 2017 Spätburgunder von Theo Minges (Öde HaldeSchlangenpfiff und Zinkelerde, wer kommt auf solche Namen?) wirkt geradezu derb, und ich muss seufzen, was man alles so probieren soll bei dieser GG-Verkostung. Herb, rustikal, rappig, röstig und gleichzeitig reif und etwas pappig wirkt dieser Wein auf mich. Da wollte es wohl jemand deutsch verdichtet haben. Schön, dass der Flight dann ähnlich gut endete, als er begonnen hatte, wenn auch anders. Der Im Sonnenschein 2015 Spätburgunder ist ein typischer Ökonomierat Rebholz. Lange im Fass, immer noch mit ein wenig Cassisdrops ausgestattet, wird es hier aber deutlich komplexer im Zusammenspiel von Frucht, Würze, Kräutern und Holz. Am Gaumen wirkt er zunächst recht süß, rund sowie reif, und das oft so röstig wirkende Holz und das trocknend wirkende Tannin sind zwar vorhanden, aber in diesem Jahr deutlich feiner. Der Wein ist kein Schmeichler und auch nicht die Eleganz in Person, dafür aber ein kraftvoller und auch in sich stimmiger Vertreter. Der Kastanienbusch „Köppel“ 2017 Spätburgunder von Dr. Wehrheim zeigt sich recht rund wie auch seidig und ist irgendwo zwischen reifer Frucht und etwas Teer, mit etwas Rauch und kühler Mineralik angesiedelt. Für sich genommen, ist das ein ansprechender Village-Pinot. 

Den letzten Pfalz-Flight mit Kranz, Bernhart und Friedrich Becker habe ich zum Schluss ebenso wenig geschafft wie die Burgunder von der Ahr, aus dem Rheingau und die württembergischen Lemberger. Schließlich hatte ich mich vorher noch mit den Baden-Pinots beschäftigt.

Baden

Los ging es hier mit dem Herrenberg Oberklamm 2018 Spätburgunder von Seeger. Das war ein recht süßes Gebilde irgendwo zwischen Zimtkirsche und Himbeeren, dazu gab es trockenes Holz und etwas Speck. Am Gaumen wirkte der Wein trotzdem saftig sowie gut strukturiert mit einer gewissen Säure. Allerdings überdeckte die Vanille aktuell noch recht viel. Der Königsbecher 2017Spätburgunder von Heitlinger bot recht süße blaue und rote Beeren und etwas Teer in der Nase, zudem Pflanzliches und etwas Rauch und Waldboden. Am Gaumen blieb die Süße. Der Löchle 2017 Spätburgunder der Burg Ravensburg wirkte auf mich im Duft geradezu verkitscht, dunkel und süßlich, ja dropsig und dazu noch reduktiv. Das war noch sehr unfertig, zumal noch eine Gemüsenote hinzukam. Am Gaumen war der Wein (noch) aber immerhin mit einem kühlen Zug und etwas Grip ausgestattet. Der Kirchgasse 2018 Spätburgunder von Wöhrle zeigte sich dagegen durchaus elegant wie auch leicht seidig und saftig mit guter Struktur. Auch hier gab es eine satt reife Frucht, aber eben auch Struktur und Tannin sowie eine gewisse Frische. Die fällt direkt auf. 

Die Huber-Festspiele begannen mit dem Bienenberg 2018 Spätburgunder von Bernhard Huber

Der zeigte sich saftig und klar mit elegant reifer, aber lebendiger Säure. Der Wein hatte einen feinen Biss in der Säure, das Tannin aber war recht weich und rund. Im Finale gab es noch einen Schwung Mineralik. Der Bienenberg Wildenstein 2018 Spätburgunder zeigte sich noch einmal deutlich klarer und auch ein wenig kühler. Struktur und eine feine Textur begeisterten, auch wenn der Wein mir dank des Jahrgangs einen Touch zu weich im Tannin war, dafür aber sehr elegant und dicht mit einem schönen Grip in der Textur und einem gelungenen Säurezug. Das war sehr stark, und es ging gleich weiter mit dem Schlossberg 2018 Spätburgunder. Bei dem gab es noch ein Extra an Kräutrigkeit und Frische bei gleichzeitig mehr reduktiven Noten in der Jugend. Insgesamt bleibt es dank des Jahrgangs trotzdem bei einer recht warmen Frucht und bei seidiger Säure. Hier bietet sich viele Saftigkeit, der Wein ist ausgesprochen elegant, ein wenig straff, und ihm fehlt ein wenig der Druck, um wirklich herausragend zu sein. Aber keine Frage, die beiden Weine sind, gemessen am Jahrgang, großes Kino. Hubers Portfolio wird abgerundet von dem Sommerhalde 2018 Spätburgunder. Auch hier gibt es eine gewisse Frische und Saftigkeit, die an den Wildenstein erinnert, aber sich insgesamt weniger komplex, dafür ausgesprochen charmant präsentiert mit Zug, mit Sauerkirsche, mit Druck. Das ist schon sehr gut, aber nicht allzu komplex, dafür sehr charmant mit recht warmer Frucht und einer kühlenden Mineralik im Finale. Huber ist halt die Benchmark.

Der Feuerberg Kesselberg 2018 Spätburgunder von Bercher hatte es nach der Huber-Parade natürlich schwer, aber er setzte einen sehr positiven Akzent mit einer floralen und kräutrigen Note in Verbindung mit steinigen und rotbeerigen Noten. Hier verband sich ebenso die warme Frucht mit einer kühlen Steinigkeit und Erdigkeit wie beim Eichberg 2018 Spätburgunder von Franz Keller. Dieser Wein zeigte sich noch etwas feiner und wirkte sowohl saftig als auch dunkel. Hier zeigte sich ein Mehr an Substanz durch gut eingebundene und reife Rappen-Noten, dazu kamen blaue Blüten und Früchte, etwas Tabak, Holz und Trockenkräuter. Das war nicht überaus komplex, aber einfach schön zu trinken und sehr gelungen. Weitere Weine aus Baden habe ich mir nur ganz kurz notiert. Ich mochte Salweys 2018er Eichberg mit seiner leichten Pfeffrigkeit und seiner kühlen Saftigkeit, die für Zug sorgt. Kellers 2018er Engelsberg zeigte sich holzwuchtig, aber eben mit diesem für Keller so typischen klassisch hochwertigen Holz, was selbst dann sexy ist, wenn es etwas zu viel ist. Dabei war der Wein schon jetzt elegant, aber noch unfertig. Das Sonnenstück 2017 von Blankenhorn zeigte nach dem Weißburgunder auch beim Spätburgunder, dass das Weingut erst in den VDP hineinwachsen muss. 

Meine Empfehlungen:

Hundsrück 2018 Spätburgunder, Rudolf Fürst (aktuell für mich bei 93P)

Bürgel 2018 Spätburgunder, Klaus Peter Keller (aktuell für mich bei 94P)

Kirchenstück 2018 Spätburgunder, Battenfeld-Spanier (aktuell für mich bei 92P)

Saumagen 2018 Spätburgunder, Rings (aktuell für mich bei 92P)

Idig 2018 Spätburgunder, A. Christmann (aktuell für mich bei 91P)

Bienenberg Wildenstein 2018 Spätburgunder, Bernhard Huber (aktuell für mich bei 94P)

Eichberg 2018 Spätburgunder von Franz Keller (aktuell für mich bei 92P)

Gips Marienglas® 2018 Spätburgunder von Aldinger (aktuell für mich bei 91P

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5 Kommentare

  1. What an absolute pleasure to read these reports, Christoph! You do a tremendous job of putting the reader in your place at the tasting and conveying a precise sense of the wines while also explaining the factors that lead to these impressions. May I ask whether these Pinots were consistently decanted for any amount of time before the tasting and whether you think this would have made any difference among the examples you sited as “not ready”?

  2. And also here: Thank you very much 🙂 I do not believe that the Pinots were decanted. That would have been logistically impossible for such a large quantity of wines and guests. Where did I write that in my opinion they were not yet ready? I can’t find it right now. With the wines of J. Neus perhaps? The wines appear as if they have to mature for another year or two before they should be opened. They still have no balance.

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