Vin Naturel – Eintagsfliege oder Here to Stay?

Wenn sich jemand auf face­book zum Thema Natur­wein oder vin naturel äußerst, hagelt es inner­halb kürzester Zeit Kri­tik und Gegenkri­tik. Das ist bisher beim Anteasern dieses Artikels aus­ge­blieben und das hat möglicher­weise einen Grund. Stephan Bauer schreibt sach­lich über die Geschichte der vin naturels in Frankre­ich, er wertet wenig son­dern erk­lärt. Das ist aus­ge­sprochen entspan­nend:

Seit gut einem Jahr wird in Deutsch­land heiß und lei­den­schaftlich über „Natur­weine“, Vins Naturels, Nat­ural Wines, Raw Wines, Non-inter­ven­tion­ist wines, Vini Nat­u­rali oder wie auch immer man sie nen­nen mag, disku­tiert, und das häu­fig eher abstrakt als anhand konkreter Beispiele. Einige Schlaumeier machen es sich sehr ein­fach und sagen: „Natur­wein gibt es nicht.“ Das ist natür­lich auf einem sehr niedri­gen Niveau kor­rekt, denn Wein ist immer ein Kul­tur­pro­dukt. Es greift aber zu kurz, denn eine existierende Szene ver­schwindet nicht dadurch, dass man sie auf­grund formeller Argu­mente negiert.

Andere kom­men über die tech­nis­che Def­i­n­i­tion. Weil nie­mand definieren kann, was diese Vins Naturels eigentlich sind, kön­nen sie auch nicht für sich in Anspruch nehmen, das zu sein, was sie vorgeben. Auch dieser Ansatz greift zu kurz. Aber er wirft natür­lich die Frage auf, was einen „Natur­wein“ eigentlich tech­nisch gedacht aus­macht? Biol­o­gis­cher oder bio­dy­namis­cher Anbau gehört dazu, ebenso wie der Verzicht auf Hil­f­s­mit­tel im Keller wie Reinzuchthe­fen, Schö­nungsmit­tel (Eiweiß, u.ä.), Fil­tra­tionsan­la­gen und vor allem Schwe­fel­dioxid. Da einige in der Vin-Naturel-Szene erzeugte und geschätzte Weine zusät­zlich in die Kat­e­gorie „Orange“ (d.h. mais­chev­er­gorener Weißwein) fallen oder in Amphoren, Betoneiern oder anderen unkon­ven­tionellen Behäl­tern ver­goren und aus­ge­baut wer­den, wird auch über solche Weine im Zusam­men­hang mit Vins Naturels disku­tiert, auch wenn sie nicht aus Bio-Anbau stam­men oder in nor­malem Maße geschwe­felt wer­den.

Im Rah­men der eher tech­nikgeprägten Diskus­sion wird eini­gen Vins Naturels man­gel­nde Kon­se­quenz vorge­wor­fen. Ist ein Wein aus nicht biol­o­gisch oder bio­dy­namisch zer­ti­fiziertem Anbau, wird aber ungeschwe­felt abge­füllt, wird seine Eigen­schaft als Vin Naturel in Zweifel gezo­gen. Das Gle­iche gilt für Weine, die „schwach“ geschwe­felt sind, also z.B. mit max­i­mal 20 mg/l freiem Schwe­fel­dioxid und das nur kurz vor der Abfül­lung oder nach der mal­o­lak­tis­chen Gärung. Mit solchen tech­nis­chen Diskus­sio­nen und der Frage nach der Kon­se­quenz kann man Stun­den ver­brin­gen und ist am Ende der Diskus­sion auch nicht viel schlauer, denn auch diese Diskus­sion streift das Thema nur am Rande.

Wodurch zeich­nen sich diese „Natur­weine“ denn dann aus? Das lässt sich deshalb nicht beant­worten, weil es nicht den Natur­wein gibt, son­dern viele ver­schiedene aus ganz vie­len ver­schiede­nen Szenen und mit unter­schiedlichen Vor­bildern. Zeit, sich diese Szenen ein­mal näher anzuschauen, hier mit dem beson­deren Fokus auf Frankre­ich.

Ein kleiner Rück­blick – Jules Chau­vet, Pierre Over­noy, Nico­las Joly
Vin Naturel hat eine lange His­to­rie. Die Anhänger der Natur­wein-Kern­szene beziehen sich let­ztlich immer auf Jules Chau­vet (1907–1989), einen studierten Chemiker und Winzer aus dem Beau­jo­lais. In der dun­klen Zeit des Beau­jo­lais, in der es um schnelle Vinifika­tion, die Bedi­enung von Märk­ten (vor allem des Mark­tes für Beau­jo­lais Nou­veau) und nicht in allererster Linie um Qual­ität ging, strebte er danach, die Qual­ität seiner Beau­jo­lais und vor allem die Qual­ität seiner Weine als Beau­jo­lais zu verbessern. Das bedeutete für ihn eine Land­wirtschaft unter Verzicht auf chemis­che Dünger und Her­bizide, den Verzicht auf Chap­tal­i­sa­tion, auf Reinzuchthe­fen, auf Fil­tra­tion, auf Schö­nung und vor allem (möglich dank der reduk­tiven Vergärung mit­tels macéra­tion car­bonique) den Verzicht auf Schwe­fel­dioxid.

Davon ließen sich andere Winzer im Beau­jo­lais inspiri­eren: zunächst Mar­cel Lapierre, Jean Foil­lard, Guy Bre­ton und Jean-Paul Thevenet, später zahlre­iche weit­ere. Wie in Ker­mit Lynch’s her­vor­ra­gen­dem Buch Adven­tures on the Wine Route (25th Anniver­sary Edi­tion 2013) nachzule­sen ist, waren bei Lapierre, Foil­lard, Bre­ton und Thevenet allerd­ings jahre­lange Exper­i­mente mit und ohne Schwe­fel­dioxid, in der Vinifika­tion, im Aus­bau, etc. erforder­lich, bis die Weine das Level an Sta­bil­ität, Halt­barkeit und auch klarem Geschmack hat­ten, die die Winzer anstrebten. Den Berichten von Ker­mit Lynch zufolge ging es Jules Chau­vet am Ende darum, seine Weine beson­ders bekömm­lich (durch Verzicht auf Schwe­fel­dioxid), möglichst pur und möglichst gut trinkbar zu vinifizieren. Es ging also nicht um Ide­olo­gie, son­dern um Qual­ität.

Eine weit­ere Ref­eren­zper­son für die Vin-Naturel-Szene ist Pierre Over­noy. Over­noy über­nahm die famil­iären Wein­berge in Arbois-Pupillin im Jura im Jahr 1968 und bewirtschaftete diese von Beginn an ökol­o­gisch. Er war mit Jules Chau­vet befre­un­det und tauschte sich mit diesem regelmäßig über Vinifika­tion­stech­niken, die Boden­be­wirtschaf­tung, etc. aus. Ab den 80er Jahren verzichtete Pierre Over­noy auf den Ein­satz von Schwe­fel­dioxid und ebenso auf Chap­tal­i­sa­tion, Fil­tra­tion und Schö­nung. Diese Grund­sätze über­nahm auch sein Ziehsohn Emmanuel Houil­lon, der die Domaine heute führt. Over­noys Weine gehören zurecht zu den meist­ge­suchten weltweit, wer­den streng zugeteilt und finden sich auf den Weinkarten der besten Restau­rants. Auch Over­noy und Houil­lon fol­gen keiner Ide­olo­gie, son­dern wollen pure Weine erzeu­gen, die ihre Herkunft zeigen. Sie sind sich aber auch bewusst, dass ohne Schwe­fel­dioxid Weine ohne offen­sichtliche Fehler nur möglich sind, wenn die Trauben reif, aber nicht über­reif geern­tet wer­den, faule Trauben rig­oros aus­sortiert wer­den und im Keller sauber gear­beitet wird. coulee

Inter­es­san­ter­weise bezieht sich kaum jemals jemand in der Vin-Naturel-Szene auf Nico­las Joly, einen der Vor­re­iter des bio­dy­namis­chen Weinan­baus in Europa. Er hat bere­its Anfang der 1980er Jahre zunächst den berühmten Wein­berg Coulée de Ser­rant und später seine weit­eren Wein­berge auf bio­dy­namis­chen Anbau umgestellt. Er hat seine Weine stets spon­tan ver­goren, nicht chap­tal­isiert, sie aber leicht fil­tri­ert und nor­mal geschwe­felt. Im Prinzip sind die Saven­nières Coulée de Ser­rants von Nico­las Joly Parade­beispiele für den heuti­gen Gout Vin Naturel mit ihrer urwüch­si­gen Art, ihrer manch­mal schwieri­gen Mis­chung aus oxida­tiv und reduk­tiv, ihrer ungestü­men Botry­tis, ihrem manch­mal ungezügel­ten Alko­hol­nebel und ihrer Unvorherse­hbarkeit. Geg­ner wer­fen den Weinen vor, sie seien reine Konzeptweine, bei denen die Trinkbarkeit sich dem Konzept unter­w­erfe. Fans preisen neben der häu­fig, aber nicht immer spür­baren Expres­siv­ität und Qual­ität der Weine vor allem die Tat­sache, dass die Weine eine ziem­lich pure und ungeschminkte Inkar­na­tion ihrer Herkunft und ihrer Erzeu­gung sind und viel Seele haben.

Dass Nico­las Joly in der Vin-Naturel-Szene eine eher unter­ge­ord­nete Rolle spielt, ist umso erstaunlicher, als er die Vere­ini­gung Renais­sance des Appela­tions ins Leben rief, in der viele der besten Winzer aus ver­schiede­nen Län­dern (u.a. Zind-Hum­brecht, Domaine Leroy, Domaine Leflaive, Wittmann, Reb­holz) zusam­mengeschlossen sind. Sie unter­w­er­fen sich ver­schiede­nen Regeln, in deren Zen­trum ein bio­dy­namis­cher Anbau steht, zu denen aber auch unter anderem der Verzicht auf Reinzuchthe­fen, auf Schö­nungsmit­tel, auf Holzchips, auf Chap­tal­i­sa­tion und auf Ster­il­fil­tra­tion gehört. Kein Wort findet sich in der Qual­itäts-Charta der Renais­sance des Appela­tions zum Thema Schwe­fel­dioxid.

Vin Naturel und seine Szenen
So viel zu ein paar wichti­gen Fig­uren aus den Ursprün­gen des Vin Naturel. Wo ste­hen wir heute? Heute schwap­pen die Weine, die in diversen Restau­rants und Bars in Paris Anfang der 00er Jahre aus­geschenkt wur­den und in immer mehr Restau­rants und Bars in ganz Frankre­ich aus­geschenkt wer­den, die Mitte bis Ende der 00er Jahre zunehmend auf den Weinkarten in Kopen­hagen standen und auch heute noch ste­hen, langsam aber sicher auf andere Län­der über. Wie aber eigentlich alles heutzu­tage, hat sich die Szene aus­geweitet und aus­d­if­feren­ziert.

In der Vin-Naturel-Szene gibt es zum einen die Klas­siker, die schon seit recht langer Zeit biol­o­gisch oder bio­dy­namisch arbeiten und ihre Weine nicht chap­tal­isieren, spon­tan vergären, nicht oder allen­falls sanft fil­tri­eren, nicht schö­nen und nicht oder nur schwach (meist bis 20 mg/l) schwe­feln. Aus dem Beau­jo­lais gehören immer noch Matthieu Lapierre (der die Domaine nach dem Tod seines Vaters Mar­cel über­nom­men hat), Jean Foil­lard, Guy Bre­ton und Jean-Paul Thevenet dazu, aber auch Yvon Mêtras, Jean-Louis Dutraive und andere. Im Jura sind neben Pierre Overnoy/Emmanuel Houil­lon Jean-Fran­cois Ganevat, die Domaine Pig­nier und die Domaine Labet bekannt. Die Loire ist ein Hot-Spot der Vin Naturel Szene. Zu den bekan­ntesten „Klas­sik­ern“ an der Loire gehören Mark Angeli (Ferme de la San­son­nière), Richard Leroy und Cathérine & Pierre Bre­ton. Weit­ere bekan­nte Namen sind Dard & Ribo (nördliche Rhône), Cyril Fhal (Clos du Rouge Gorge, Rous­sil­lon), Tom Lubbe & Sam Har­rop (Matassa, Rous­sil­lon) oder Léon Bar­ral (Langue­doc).

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Was diese Klas­siker eint, ist, dass sie auf den Weinkarten der besten Restau­rants zu finden sind, dass sie sich nicht nur an Kun­den von Vin Naturel richten, son­dern auch von eher kon­ser­v­a­tiven Weinkäufern gekauft wer­den und dass sie (Aus­nah­men bestäti­gen die Regel) über­wiegend die offiziellen Appela­tio­nen in ihren Gegen­den nutzen und sich nicht auf die „alles ist möglich“ Appela­tion des Vin de France zurückziehen. Bei diesen Weingütern ist das allererste Kri­terium die Qual­ität der Weine. Fragt man sich, warum die Weine so gut sind, kann man auf die Idee kom­men, dass es die am Anfang des vorheri­gen Absatzes genan­nten Anbau- und Vinifika­tion­s­meth­o­den sind. Es sprechen dur­chaus einige Argu­mente dafür. Allerd­ings schmeckt auch die geschwe­felte Ver­sion des Mor­gon von Marcel/Mathieu Lapierre bril­lant, pur und abso­lut rein­tönig. Und auch die Weine von Jean-Fran­cois Ganevat waren bere­its her­aus­ra­gend, bevor er anf­ing, auf die Schwe­felung seiner Weine zu verzichten. Unter Umstän­den liegt die hohe Qual­ität der Weine der Klas­siker des Vin Naturel daran, dass die entsprechen­den Winzer extrem sorgfältig arbeiten, weil unsorgfältiges Arbeiten nicht zu kaschieren ist.

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Neben den Klas­sik­ern und zahlre­ichen sehr vielver­sprechen­den Winz­ern, die sich von den Klas­sik­ern inspiri­eren lassen, von ihnen ler­nen und sie als Vor­bild nehmen, gibt es eine Vielzahl von Weingütern, deren Weine deut­lich kon­tro­verser disku­tiert wer­den, als die der Klas­siker. In dieser Gruppe, die eigentlich keine ist, findet man alles, was das kon­tro­verse Herz begehrt.

Es gibt zum einen die Gruppe der Vins de Soif, der “Weine über den Durst“, der Spaßweine, der unkom­plizierten Durstlöscher. Bei diesen Weinen ist die Herkunft an sich egal. Sehr viele wer­den ohne­hin nur als Vin de France oder Vin de Table, also als Wein ohne genauere Herkun­fts­beze­ich­nung aus­gewiesen und zeich­nen sich optisch eher durch eingängige Namen und pop­pige Etiket­ten aus. „Soif du Plaisir“, „Vin des Amis“, „You fuck my wine“, „Va te faire boire“, usw. Über diese Weine lässt sich nur sel­ten stre­iten, sie sind im besten Falle genau das, was sie aus­drücken wollen: jung zu trink­ende Weine, über die man nicht groß nach­denken muss.

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Dann gibt es die exper­i­mentelle Frak­tion, zu der auch viele Quere­in­steiger ohne nen­nenswerte önol­o­gis­che Erfahrung gehören. Auch hier findet man nur sel­ten AOCs auf dem Etikett, son­dern nur die Beze­ich­nung Vin de France oder Vin de Table. Mit diesen Weinen tue ich mich ganz beson­ders schwer und hier beginnt der Vin Naturel, kon­tro­vers zu wer­den. Beze­ich­nend war eine Wein­be­gleitung zu einem Lunch im Restau­rant Relae in Kopen­hagen im Früh­jahr let­zten Jahres. Das Relae und die gegenüber liegende Wein­bar Man­freds og Vin sind Hotspots der Vin-Naturel-Lieb­haber in Kopen­hagen, in denen man allerd­ings leichter einen Platz kriegt als im noma. Die Weinkarte ist extrem Vin-Naturel-lastig und ist ganz über­wiegend mit eher obskuren Winz­ern bestückt, die Nicht-Ken­nern der Szene eher kein Begriff sein dürften (und mir zu einem großen Teil auch kein Begriff waren).

Eine miss­lun­gene Vin-Naturel-Wein­be­gleitung in Kopen­hagen
Los ging es mit einem 2013er Chardon­nay aus der Ardèche Gegend, ein wenig west­lich von der Rhône, von einem jun­gen Winzer namens Gré­gory Guil­laume. Ein Vin Naturel mit allem was dazuge­hört (inkl. Bewirtschaf­tung der Wein­berge mit Pfer­den). Trotz leichter Apfel­most­noten ließ er sich pass­abel trinken, war aber am Ende harm­los und seicht. Hat die Boden­be­wirtschaf­tung mit Pfer­den und der Verzicht auf Schwe­fel, Schö­nung, Fil­tra­tion, etc. hier irgen­deinen geschmack­lichen Vorteil? Aus meiner beschei­de­nen Sicht nicht. Viele 8 Euro Mâcons oder Bour­gogne Blancs von Zweite-Reihe Winz­ern aus dem Bur­gund weisen mehr geschmack­liche Tiefe und vor allem mehr Span­nung auf. Es bleibt das Gefühl der Rat­losigkeit. Näch­ster Wein: ein 2007er Vin de France „Navine“ von der heute nicht mehr existieren­den Domaine les Gri­ottes, die von zwei Rebellen namens Sébastien Dervieux und Pat Desplats geführt wurde. Auch hier wird nicht geschwe­felt, nicht ein­mal bei den Süßweinen. Vin-Naturel-Freaks wird der Navine sicher begeis­tern, für Novizen bietet er eine span­nende Hor­i­zon­ter­weiterung. Er schmeckt aber auch ein wenig gener­isch nach Vin Naturel mit seinen Matschapfel­noten, seinen Fino-Sherry-Noten, seiner kar­gen Adstrin­genz im Mund, der teear­ti­gen Sprödigkeit und dem leicht stumpfen Mundge­fühl, das bleibt. Das ist beim ersten Mal span­nend, beim zweiten Mal wün­scht sich der Vin-Naturel-Freak das gle­iche nochmal und der eher kon­ser­v­a­tive Wein­trinker (wie ich) einen La Lune von Mark Angeli oder einen Anjou “La Varenne du Poirier” der Domaine les Grandes Vignes, also etwas ähn­liches, nur in gut und ohne störende Oxi-Noten.
11037892_960741753970934_8068451969652870394_nEs ging zweit- bis drit­tk­las­sig weiter mit einem Moulin-à-Vent „La Petite Oseille“ von Michel Guig­nier aus dem Beau­jo­lais, der weniger mit Oxi­da­tion als vielmehr mit über­mäßiger Reduk­tion zu kämpfen hatte, Stich­wort: Bremsspur. Matt, ohne die unbeschw­erte Frucht guter Beau­jo­lais, zwar leicht, aber nicht süf­fig und ohne aus­re­ichend Geschmack. So einen Wein bekom­men andere Winzer ohne Schwe­fel und wieder andere Winzer auch mit Schwe­fel deut­lich besser hin. Wieder bleibt ein Frageze­ichen. Zum Schluss wurde es dann noch ein­mal ganz obskur mit einem Vin de France “Ori­on­ides” der Domaine La Coulée d’Ambrosia, wieder aus der Gegend um Anjou. Das ist ein Pétil­lant Naturel (Pet’Nat) aus Chenin Blanc, der regel­recht braun ist, nach Roggen­brot und ziem­lich oxida­tiv schmeckt und vor allem wieder matt und seicht. Das, was die Vin Naturel Fans als Haup­tqual­itätsmerk­mal der von ihnen geschätzten (ungeschwe­fel­ten) Weine angeben, näm­lich die Klarheit und Purheit im Geschmack, war bei keinem der vier servierten Weine zu erken­nen. Im Gegen­teil: alle vier wirk­ten matt und müde, span­nungsarm und dumpf und machten nur wenig Freude.

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Eine gelun­gene Vin Naturel Wein­be­gleitung in Beziers
Ganz anders allerd­ings die Vin Naturels, die vor ein paar Jahren im Restau­rant Octo­pus in Béziers im Langue­doc eingeschenkt wur­den. Weniger obskur, klas­sis­cher und weniger kat­e­gorisch einer bes­timmten Szene zuzuord­nen. Serviert wur­den unter anderem ein weißer Vin de France Mac­cabeu und ein roter Vin de France „Tout Nature“, beide von der Domaine Ledogar aus Cor­bières-Boutenac, beide großar­tig, sauber, klar, pur. Ebenso klar und pur, aber noch mit einer Extra-Dimen­sion aus­ges­tat­tet, war ein Vin de Pays de la Val­lée du Par­adis “La Begou” von Maxime Magnon, eben­falls aus Cor­bières. Beze­ich­nen­der­weise findet man die Weine von Domaines wie Ledogar und Maxime Magnon in den Kat­a­lo­gen von weg­weisenden Wein­händlern wie Ker­mit Lynch oder Sebastien Visentin, nicht aber auf reinen Vin Naturel Weinkarten wie im Relae oder in den Kat­a­lo­gen von strik­ten Vin Naturel Wein­händlern.

Vin Naturel und der Ein­heits­geschmack
Inter­es­sant wird es, wenn man sich mit der „Kern-Vin-Naturel Szene“ und ihren Weinen etwas näher beschäftigt. Zunächst fällt auf, dass diesel­ben Namen immer wieder auf­tauchen, sei es in Kopen­hagen, Lon­don, Paris oder Berlin. Aus dem Elsass sind das z.B. die Domaines Meyer, Rietsch, Ban­nwarth und Schueller, aus dem Jura die Domaines des Cavar­o­des, de l’Octavin, Ganevat und Labet, aus der Bour­gogne die Domaines Philippe Pacalet, A&O de Moor, Fanny Sabre und Vini Viti Vinci, von der östlichen Loire Sébastien Rif­fault, von der mit­tleren Loire zu viele, um sie aufzuzählen, Hervé Souhaut und Dard & Ribo an der nördlichen Rhône, Mar­cel Richaud an der südlichen Rhône und dann wieder sehr viele aus dem Langue­doc und dem Rous­sil­lon.

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Bei eini­gen, aber bei weitem nicht allen, der oben aufgezählten ist ein gewisser geschmack­licher Kon­sens nicht zu verken­nen. Beim Weißwein sind das Apfel­most, ganz leichte bis stärkere oxida­tive Noten, hefige und brotige Anklänge, teear­tige „weiße“ Tan­nine. Bei Rotwein geht es mehr in eine stark erdige Rich­tung, Kräuter, Zweige und Blät­ter finden sich assozia­tiv auch häu­fig. Das lässt die Frage entste­hen, ob es evtl. mit­tler­weile einen „gout vin naturel“ gibt, der über Län­der- und Region­s­gren­zen hin­aus gemein­same Nen­ner hat. Ich bin davon überzeugt, denn die geschmack­liche Übere­in­stim­mung diverser Natur­weine ist ein­fach zu groß, um darüber hin­wegzuse­hen. Ries­linge von Rita & Rudolf Trossen an der Mosel schmecken z.B. in erster Linie nach Vin Naturel und erst danach nach Mosel­ries­ling. Das­selbe gilt für die Weine von Patrick Meyer aus dem Elsass.

An dieser Stelle wird deut­lich, warum der Vin Naturel so kon­tro­vers ist. Den „gout vin naturel“ mag nicht jeder. Für die Fans dieser Weine sind kon­ven­tionelle Weine, die eher mit klarer Frucht als mit Erdigkeit punk­ten, nur noch lang­weilig. Die Geg­ner dieser Weine wiederum stören sich an diversen Aspek­ten der wirk­lich „naturel“ schmeck­enden Weine: Oxdi­a­tion, Reduk­tion, Kohlen­säure, fehlende Klarheit, manch­mal flüchtige Säure bzw. ein Essigstich, usw. Zur Kon­tro­verse trägt zudem bei, dass die Befür­worter und die Geg­ner der Vin Naturels für sich beanspruchen, zu wis­sen, was einen guten Wein an sich aus­macht. Es geht um nicht weniger als Wahrheit bzw. die Seele des Weins. Wenn die Organ­is­torin der Raw Fair, Isabelle Leg­eron, in einem Inter­view mit der Welt sagt, der Natur­wein sei per se der bessere Wein, da Fil­tra­tion den Geschmack ent­ferne, unter­drückte mal­o­lak­tis­che Gärung der Per­sön­lichkeit im Wege stehe, spricht das Bände.

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Würde ich nur noch Vin Naturel trinken, würde ich mich ver­mut­lich an einige Aromen, die mich derzeit stören, schnell gewöh­nen. Ich würde im Wein nach bes­timmten Merk­malen suchen, nach Apfel­mostaromen im Weißwein, nach teear­tiger Sprödigkeit, nach Erde und nicht nach klarer Frucht. Weine, die so nicht schmecken, wür­den mir unter Umstän­den nicht mehr schmecken. Für mich ist der manch­mal etwas uni­form wirk­ende „gout vin naturel“ aber ger­ade das, was er nicht sein will: kon­ven­tionell in seiner Nis­che, gle­ich­machend, Unter­schiede zwis­chen ver­schiede­nen Reb­sorten und Ter­roirs eher negierend als unter­stützend. Die entsprechen­den Weine zeigen ger­ade nicht ihre Herkunft, son­dern sind so oder so ähn­lich mit den entsprechen­den Mit­teln ander­swo genauso gut repro­duzier­bar.

Ganz anders sieht es bei den ein­gangs erwäh­n­ten Klas­sik­ern aus, den wahren Kön­nern, den „Maßstäbe-Set­zern“. Ein Chardon­nay von Jean-Fran­cois Ganevat oder von Julien Labet und seinen Geschwis­tern schmeckt klar nach Chardon­nay, aber ganz anders als ein Chardon­nay von der Côte de Beaune oder aus dem Chablis. Würziger, etwas nach Jura, mehr nach dem durch Lehm dominierten Boden im Sud-Rever­mont als nach dem durch Kalk dominierten Boden im Chablis. Für einen Poul­sard von Pierre Over­noy und Emmanuel Houil­lon gilt das­selbe. Die Reb­sorte ist hier unverkennbar, ihr Poul­sard fügt dem Geschmack­spro­fil allerd­ings so viele weit­ere Aspekte hinzu, die bei den Poul­sards anderer Erzeuger fehlen. Der Mor­gon von Mar­cel Lapierre oder der Fleurie von Yvon Mêtras (aus guten Flaschen) oder auch die Fleuries von Jean-Louis Dutraive sind Parade­beispiele für Gamay aus ihrem jew­eili­gen Ort, an denen sich jeder andere Erzeuger ori­en­tieren kann. Die Aro­matik ist so pur und klar, dass die Seele des Weins tat­säch­lich durch­scheint.

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Die Spreu vom Weizen tren­nen
Über Geschmack lässt sich bekan­ntlich stre­iten, für mich sind aber die Unter­schiede zwis­chen den guten und den schlechten Vin Naturels so groß, dass es dem all­ge­meinen Image des Vin Naturel gut tun würde, wenn die ein­schlägi­gen Händler, Som­me­liers und Blog­ger die Unter­schiede zwis­chen gut und schlecht bzw. mit­telmäßig noch etwas stärker her­ausheben wür­den, die Spreu vom Weizen tren­nen wür­den. So wie es auch die guten Händler kon­ven­tioneller Weine tun bzw. die guten Som­me­liers in Restau­rants, in denen kon­ven­tionelle Weine aus­geschenkt wer­den. Ein Vin Naturel ist nicht deshalb gut, weil er aus bio­dy­namis­chem Anbau kommt, spon­tan ver­goren, nicht geschwe­felt, nicht geschönt und nicht fil­tri­ert ist, son­dern nur dann, wenn man seine Herkunft schmecken kann, wenn er Trinkvergnü­gen bere­itet, wenn er Tiefe und Kom­plex­ität (jew­eils auf der entsprechen­den Stufe) aufweist. Also die Qual­itäten hat, die Ref­eren­zweine bes­timmter Gegen­den haben.

Es ist kein Zufall, dass Weine wie z.B. die Chablis von Jean-Marie Rave­neau und Vin­cent Dau­vis­sat, die Sancer­res von Edmond Vatan, von Fran­cois und Pas­cal Cotat oder von Gérard Boulay, die Saumurs und Saumur-Champignys der Fou­cault-Brüder, die Cor­nas von Thierry Alle­mand und Auguste Clape oder die roten Bur­gun­der von Jean-Marie Four­rier, Syl­vain Cathiard oder von Christophe Roumier weltweit so begehrt sind. Wenn man diese Weine trinkt, erschließt sich einem sehr häu­fig (wenn auch nicht immer) die spezielle Typ­iz­ität von Reb­sorten, Ter­roirs und ihrem Zusam­men­spiel. Sich einen solchen Ref­eren­zs­ta­tus zu erar­beiten, gelingt zunehmend auch strikt naturel arbei­t­en­den Winz­ern. Beispiele wur­den hier mehrere genannt. Wenn der Vin Naturel aus der Nis­che her­aus will (wobei er das vielle­icht gar nicht will und erst recht nicht muss), dann gilt es, die Ref­eren­zwinzer her­auszuheben und die nicht so guten nicht besser zu machen, als sie es sind, nur weil sie naturel erzeugt wur­den.

Vin Naturel ist mehr als nur ein vorüberge­hen­der Trend, das muss jedem klar sein, der sich mit Winz­ern unter­hält und sich die Trends set­zen­den Weinkarten anschaut, die nicht erst seit gestern, son­dern schon seit ein paar Jahren zunehmend biol­o­gisch bzw. bio­dy­namisch arbei­t­ende Winzer her­ausstellen, die auch im Keller Maß wal­ten lassen. Für Winzer wie Syl­vain Pataille in Marsan­nay, die auch zahlre­iche andere Winzer beraten, gibt es aktuell nur eine Rich­tung: weniger ist mehr, aber mit Maß. Ver­langt der Jahrgang etwas mehr Schwe­fel­dioxid, dann wird nicht kat­e­gorisch damit gegeizt. Aber behut­sam wird aus­gelotet, was den Weinen durch Weglassen gut tut und was unter Umstän­den risiko­r­e­ich ist.

Die Vin-Naturel-Bewe­gung wird sich mit der Zeit immer mehr in die Mitte bewe­gen, so, dass etablierte Winzer ihre Meth­o­den über­denken, ger­ade wenn die näch­ste Gen­er­a­tion das Ruder übern­immt, dass auf der anderen Seite die Matschapfel­wein, die Orange Pet’Nats und die Elsässer Pinot Gris sous voile das bleiben, was sie sind: Nis­chen­weine für Freaks, die mal was anderes trinken wollen, die aber allen­falls einzelflaschen­weise gekauft wer­den und nicht kisten­weise. Die größte Gefahr für den Vin Naturel, der heute Gegen­stand der Kon­tro­verse ist, ist nicht der kon­ven­tionelle Wein, son­dern der gute Vin Naturel, bei dem u.U. dann doch kleine Kom­pro­misse gemacht wer­den und in dem jahre­langes Know-How und vor allem das Bestreben um stetige Verbesserung stecken.

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22 Kommentare

  1. Prima his­torische Aufar­beitung des The­mas. Stimme in vie­len Punk­ten auch in der Betra­ch­tung der aktuellen Sit­u­a­tion überein und sehe auch den Aus­blick in die Zukunft sehr ähn­lich. Ein sehr pos­i­tiver Beitrag zum Thema.

  2. Thorsten Melsheimer

    Danke für viele neue Name (für mich neu). Da wartet einiges ent­deckt zu wer­den.

  3. Hallo Christoph Stephan (Anm.d.Red.),
    toller Artikel, der in vie­len Punk­ten den Nagel auf den Kopf trifft und zeigt, wie zer­split­tert die Szene inzwis­chen und schwierig es ist, da gemein­same Nen­ner zu finden.
    Ich erin­nere mich noch gut daran wie vor eini­gen Jahren schon einige Winzer mit denen ich zusam­men arbeite die von der Raw in Lon­don zurück­ka­men, völ­lig entsetzt waren über Zunahme an fast nicht geniess­baren Weinen und über­legten nicht mehr dor­thin zu gehen, um nicht in den gle­ichen Topf gewor­fen zu wer­den.
    Aber die Bewe­gung ist nicht aufzuhal­ten und deine Prog­nose zeigt ja auch den nor­malen Ver­lauf einer jeden Bewe­gung im kom­merziellen Bere­ich.
    Mitläufer sind da ja noch harm­los weil sie eventuell ler­nen kön­nen. Schlimm ist die Anzahl an Prof­i­tier­ern, die nur Zahlen im Kopf haben und die auf der Welle rei­t­end, höhere Erträge erhof­fen.
    Ich komme ger­ade von den drei Salon off zur Milles­ime bio aus Mont­pel­lier zurück und frage mich, ob ich darüber auf dem Blog etwas veröf­fentliche. Der Auss­chuss dort war groß. Auch wenn es nicht kom­plett deine krassen aber bekan­nten Erfahrun­gen in Kopen­hagen wider­spiegelt.
    Aber wenn Domainen wie Jacques­son, Albert Mann, Foradori, Coulet dort ste­hen (neben Foil­lard, Bre­ton – oder dieses Woch­enende auch Joly und Angeli in Angers), dann wun­dert man sich manch­mal, wie mutig manche Winzer sind, sich daneben zu stellen.
    Allerd­ings finde ich die dort anzutr­e­f­fende Qual­ität nicht so schlimm, wie Du es erfahren hast. Das liegt vielle­icht daran, das auf solchen Salons meist eher Einkäufer sind, die nicht ger­ade den Laden um die Ecke oder jedes kleine Bistro beliefern. Deswe­gen ist es manch­mal schwer, solche Weine über­haupt zu bekom­men. Und wenn man auf der Welle mitschwim­men möchte, hat man ja auch kein Prob­lem andere Winzer zu finden, die einem natür­lich auch alles Gute ver­sprechen. Und da gehören Schlaw­in­er­winzer genau so dazu wie leicht­gläu­bige Händler. So sehe ich eher das Prob­lem in den wenig wirk­lich ambi­tion­ierten oder völ­lig uner­fahre­nen Ladenbe­sitzern, die Dir dann auch nur (hart aber fair) Müll anbi­eten kön­nen.
    Und ehrlich, man muss auch 2 Dinge bedenken.
    1. Gas­tro – Den nor­malen 400+ % Auf­schlag, der es von Anfang an verun­möglicht, wirk­lich gute Weine präsen­tiert zu bekom­men und
    2.Handel – die Schwierigkeit durch fehlende Beziehung (sprich Bezugsquelle) oder fehlende Menge über­haupt an die Weine zu kom­men.
    Einem All­ge­meingeschmack von vin naturell kann ich nicht zus­tim­men in dem hier ver­mit­tel­ten Sinne. Es liegt doch eher an der lei­der breit auftre­tenden nicht ger­ade hochw­er­ti­gen Qual­ität die im bre­iten Han­del anzutr­e­f­fen ist. Aber auch das ken­nen wir doch von allen anderen kom­merzial­isierten Pro­duk­ten. Das ist somit kein Makel vom Pro­dukt sel­ber, son­dern zum Einen vom Macher, der sich wegen Unsicher­heit oder Unkön­nen an all­ge­meinen Maßstäben fes­thält und das Pro­dukt dahin trimmt und zum Anderen an dem harten Gesetz des Mark­tes. Wenn in Deutsch­land halt nur 2,83 Euro pro Liter aus­gegeben wird und 90 % des Umsatzes von Weinen unter 9 Euro bestrit­ten wird, wird es für wirk­lich gute VN’s sehr,sehr schwer. Und das wird auch nicht aus­re­ichend kom­mu­niziert : Du kannst für unter 16 Euro in Deutsch­land im Han­del guten VN bekom­men, und unter 30 keinen Top­wein. Punkt. Stre­itet nicht darüber, son­dern lieber über das miese Lohn­niveau durch das man sich Gutes nicht mehr leis­ten kann.
    Deine Argu­men­ta­tion kön­nte man ja auch auf die kon­ven­tionellen Pro­dukte anwen­den. Du kannst nicht kri­tisieren, das ein Syrah der vin naturel ist, keine klare Stilis­tik zeigt. Jeder der die Pro­duk­tion kon­ven­tionellen Weines kennt, weiß auch um die Meth­o­den, warum da Aro­matik so klar und deut­lich ist. Selbst in Jahren und bei Kon­di­tio­nen, die so etwas gar nicht zulassen wür­den bekommst Du da eine aus­geprägte fast gle­iche Aro­matik. Das ist doch absurd. Und von den anderen Inhaltsstof­fen beim Gift­pro­dukt “kon­ven­tioneller Wein” wollen wir doch gar nicht sprechen. Wenn ich daran denke, kann doch in keinem Fall so etwas wie Genuss aufkom­men. So gese­hen, sind selbst die mieses­ten VN’s noch besser als kon­ven­tionelle Weine. Und nochmal : viele denken nicht daran, das nicht nur Leute wie Leroy, son­dern auch R-C bio­dy­namisch arbeiten und somit eher strahlende Beispiele für VN’s im weitesten Sinne sind, als für kon­ven­tionelle Weine.
    In einem Punkt bin ich abso­lut deiner Mei­n­ung : über die Prob­lematik bei der Qual­ität sel­ber und ihrer Bew­er­tung­meth­o­den , sowie der Betra­ch­tung der ganzen Bewe­gung muss mehr disku­tiert wer­den. Ger­ade wir Blog­ger sind da gefragt. Das sind dann oft nicht ger­ade angenehme Berichte und man läuft Gefahr als Mies­macher oder notorischer Pes­simist ange­se­hen zu wer­den. Dem muss man sich stellen.
    Aber in die andere Rich­tung geht es ja auch. Ich sage nur Cor­nas Billes noires” von Matthieu Bar­ret. Wein zum Träu­men. Und selbst wenn es das in kon­ven­tionell geben sollte, dann ist dass Bewußt­sein der kon­ven­tionellen Gift­brühe doch nicht aus­geschal­tet und es stellt sich ein­fach die Frage, warum muss das so pro­duziert wer­den, wenn es auch anders geht – ohne Unter­stützung der Chemiein­dus­trie und späteren Belas­tung der Krankenkassen. Und da sind Som­me­lieres und Fachjour­nal­is­ten gefragt, das mal etwas klarer und deut­licher darzustellen, statt süff­isant VN’s generell zu belächeln.

  4. Gottfried

    eigentlich ist das Ganze schon sehr ver­wirrend, aber der Artikel gefällt mir weil er viel Wahrheit enthält!

    Und: wie war das noch schnell mit VDP und Natur­wein – das steht doch dort in den Statuten. Hat aber nichts mit aufox­i­diertem Wein zu tun..

  5. Der VDP ist die Nach­fol­ge­or­gan­i­sa­tion des Ver­ban­des Deutscher Natur­wein­ver­steigerer, die sich 1910 zusam­mengeschlossen hat­ten. Das hat aber mit dem heuti­gen Natur­wein nichts zu tun.

  6. Stephan Bauer

    Lieber Karl Brunk,

    mit vielem, was du schreibst, stimme ich voll überein. Weingüter wie die von Math­ieu Bar­ret würde ich trotz Bio­dy­namie und Verzicht auf Chap­tal­i­sa­tion, Fil­tra­tion und Schö­nung trotz­dem nicht in die enge Vin Naturel Szene stecken, die in dem Blog­post beschrieben ist. Weil er seine Weine schwe­felt, wenn auch die Schwe­felung Jahr für Jahr zurück­ge­fahren wird. In den ein­schlägi­gen Bars und Restau­rants sind seine Weine deshalb auch nur dann zu finden, wenn der Barbe­sitzer / Som­me­lier ein biss­chen offen für Undog­ma­tis­ches ist.

    Es ist auf jeden Fall auch richtig, dass es ganz selb­stver­ständlich bei kon­ven­tionell erzeugten Weinen riesige Qual­ität­sun­ter­schiede gibt und die ganz große Mehrheit eine Reb­sorte oder eine bes­timmte Herkunft nicht zeigt. Mir ging es um das Argu­ment, dass vin naturels per se die Rebsorte(n) und die Herkunft beson­ders gut zeigen, WEIL sie erzeugt wur­den wie sie erzeugt wur­den. Die Praxis zeigt für mich, dass das so pauschal nicht funk­tion­iert, son­dern nur bei den wahren Kön­nern.

  7. Lieber Stephan,

    Nico­las Joly zählst Du allerd­ings auc zu den Natur­wein-Winz­ern, obwohl er seine Weine immer geschwe­felt hat, Schwe­fel als Lichtquelle ansieht und die Schwe­fel­gaben meines Wis­sens auch jetzt nicht zu knapp waren. Inwiefern unter­schei­dest Du zwis­chen Bar­ret und Joly?

  8. Stephan Bauer

    Hallo Christoph,

    das kommt in dem Blog­post vielle­icht nicht so gut raus, aber Joly würde ich auch nicht als Natur­wein zählen, weil er schwe­felt. Allerd­ings sind seine Prinzip­ien der Bio­dy­namie und auch der Verzicht auf sehr viel (außer Fil­tra­tion und Schwe­felung) m.E. weg­weisend für die Vin Naturel Szene gewe­sen, und einige wie Mark Angeli beziehen sich ja auch offen auf ihn als Inspi­ra­tionsquelle. Daneben finde ich den Coulée de Ser­rant geschmack­lich auch sehr ähn­lich wie einige Vin Naturels aus der Anjou Gegend. So hatte ich das gemeint.

  9. Zitat Karl Brunk:
    “Und selbst wenn es das in kon­ven­tionell geben sollte, dann ist dass Bewußt­sein der kon­ven­tionellen Gift­brühe doch nicht aus­geschal­tet und es stellt sich ein­fach die Frage, warum muss das so pro­duziert wer­den, wenn es auch anders geht – ohne Unter­stützung der Chemiein­dus­trie und späteren Belas­tung der Krankenkassen. Und da sind Som­me­lieres und Fachjour­nal­is­ten gefragt, das mal etwas klarer und deut­licher darzustellen, statt süff­isant VN’s generell zu belächeln.”

    Genau mit so etwas habe ich ein großes Prob­lem, da wird pauschal von Gift­brühe bei kon­ven­tionell erzeugten Weinen gesprochen, da wird behauptet, dass solche Weine krank machen und impliziert, dass dies Vin Naturel nicht machen wür­den. Sorry aber das ist doch bil­lige Polemik und hilft dem Gedanken der möglichst naturbe­lasse­nen Weinen nicht wirk­lich weiter.

  10. Ste­fan und Christoph :
    ich halte es auch für schwierig festzule­gen, wo VN anfängt und wo ein Wein es nicht mehr ist. Lei­der gibt es diese doofe Natur und die ver­hagelt einem manch­mal die Reben oder es gibt zuviel oder zuwenig oder zu den flaschen Zeiten Regen, Sonne oder gar nur Feuchte. Was soll ein Winzer denn machen mit der Ernte wenn das Lesegut let­z­tendlich nicht so per­fekt ist. Ich hatte let­ztes Jahr auf der Renais­sance des Terorirs in Bor­deaux noch aus­giebig mit Nico­las Joly über seine Schwe­fel­w­erte gesprochen. Er ver­packt es gut in Argu­menten und ehrlich gesagt finde ich es abso­lut auch nicht schlimm. Es ist nur erstaunlich viel wenn man seine Werte mit denen anderer ver­gle­icht und erstaunlich wenig wenn man seine mit “nor­malen” Weinen ver­gle­icht.
    In den Diskus­sio­nen mit vie­len VN-Winz­ern kom­men immer drei wider­stre­i­t­ende Punkte ans Licht : Kon­se­quenz, Qual­ität, Real­ität.
    Keiner von den Winz­ern, die wir so gut finden würde ohne Grund Schwe­fel zugeben. Man sieht es ja an den Men­gen. In guten Jahren gibt es bei fast allen auch Abfül­lun­gen, wo nur Micro­dosen am Schluss zugegeben wer­den, oder gar gar nichts. Sie entschei­den das an der Qual­ität des Leseguts im jew­eili­gen Jahr. Um da auf Dauer hin zu kom­men, liegt ihr Haup­tau­gen­merk auf der Unter­stützung der Parzellen während des Jahresver­laufs mit den Mit­teln, die im weitesten Sinne nicht inva­siv sind, hier also : nichts Art­fremdes der Rebe oder später dem Saft zufü­gend. Da kann durch Lüf­tung, Beschat­tung, Rückschnitt, Ent­laubung oder Förderung der Bio­di­ver­sität von Pflanzen oder Tieren, Förderung der Microor­gan­is­men im Boden viel getan wer­den, um den späteren sta­bil­isieren­den oder auch glät­ten­den Ein­satz von S zu ver­ringern.
    Auf Teufel komm raus keinen rein zu tun, ist eher für die gesamte Szene kon­trapro­duk­tiv. Das sture No ist oft ver­bun­den mit einer gewis­sen Non­cha­lance bei allen anderen Vorgän­gen. Man über­läßt der Natur wirk­lich alles und macht echten Natur­wein. Deswe­gen ist die Aus­sage, dass Wein immer ein Kul­turgut ist, abso­lut berechtigt bei Winz­ern wie Joly, Angeli, Pla­geoles … Natür­lich wird dort in den nor­malen Enste­hungs-Ver­rot­tung­sprozess der Pflanze “Wein” einge­grif­fen.
    Aber wie gesagt – diese Winzer sehen den Punkt Qual­ität neben der Real­ität in Form ihres wirtschaftlichen Inter­esses und dessen Notwendigkeit und dem Ver­such, so kon­se­quent wie möglich zu sein als gle­ich­berechtig an. Und das ist nötig wenn die Weine später bei Pierre Gag­naire, Michel Bras, Olivier Roellinger, Michel Trois­gros lan­den wollen. Das wird keiner der Weine aus Kopen­hagen wohl jemals schaf­fen.
    —-
    Ste­fan nochmal:
    Das mit der Typ­iz­ität und Wieder­erkennbarkeit der Reb­sorten hatte ich auf die kon­ven­tionellen Weine bezo­gen. Dort wird mir zuviel Ein­deutigkeit pro­duziert die die Leute ver­an­lasst zu denken, man könne einen Syrah an einer irgend­wie geart­eten aro­ma­tis­chen Iden­tität erken­nen. Diese Unmöglichkeit zeigen nicht nur die VN’s , die neben den Reb­sorten, auch den Jahresver­lauf , Boden und Alter der Stöcke wiederzus­piegeln. So sind die Weine jedes Jahr zum Teil mas­siv anders, je nach­dem wie deut­lich die Rebe auf den Jahresver­lauf reagiert. Ein Punkt scheint mir beson­ders wichtig : die VN-Weingüter machen extrem deut­lich, welchen Ein­fluss die Bodenbeschaf­fen­heit hat. Da reichen manch­mal 20 m nach rechts oder links und schon ändert sich die Charak­ter­is­tik. So gese­hen sind Massen­weine von mehreren bis zu hun­derten Ha für mich völ­liger Irrsinn. Ich erhalte am Ende mit der sel­ben Rebe einen Cuvée aus hun­derten von ver­schiede­nen Aro­matiken. So kann doch keine Typ­iz­ität entste­hen.
    Noch schlim­mer wird es wenn wir das Ganze global betra­chten. Ich liebe Wein­proben mit Weinen einer Reb­sorte. Aber aus ver­schiede­nen Regio­nen, Län­dern, Kon­ti­nen­ten, Höhen­la­gen, anderen Böden und Jahren und natür­lich auch anderen Winz­ern. Zeig mir mal dann ein­mal, was denn nun eigentlich einen Syrah aus­macht.
    Aber ich möchte es, weil es ger­ade richtig lustig wird noch weiter gehen. Global!! Wieviele Reb­sorten kan­nten (und ich meine hier wirk­lich leib­haftig ken­nen!) wir denn vor 20–30 Jahren?
    Wenn auf der Prowein der Gemein­schafts­stand der Georgier uns fast 140 autochtone Reben vorstellt, von denen wir noch nicht ein­mal die Namen richtig aus­prechen kön­nen, wohin führt uns das denn. Die Vielfalt ist fan­tastisch und erschreck­end. Jeglicher Ver­such in der heuti­gen Wein­welt mit mehr als 600000 ver­schiede­nen Weinen Ein­deutigkeiten zu schaf­fen, scheint mir zum Scheit­ern verurteilt. Das ist schon in der einge­gren­zten kleinen Welt der Som­me­liers mit ihren 1000+ Weinen im Keller eine Glan­zleis­tung. Und trotz­dem scheit­ern auch da Jahr für Jahr über 90% beim Mas­ters in Lon­don Aug in Aug mit den 7 Gläsern. Ist hart. Die müssen natür­lich auch Domaine und Jahr erken­nen. Aber es gibt genug Beispiele von Blind­proben, wo Weinken­ner bei guten Mono­cepa­gen aus unbekan­nten Gegen­den oder unbekan­nten Winz­ern selbst die Reb­sorten nicht erken­nen. Liegt das dann an den Weinen oder schlicht nur an dem irrwitzi­gen Ver­such es erken­nen zu wollen?
    Ist mal wieder lang gewor­den und trotz­dem nicht genug. Ein Wort noch zu 

    Armin:

    Tut mir echt leid Dich da zu echauffieren. Ich musste mich in dem Punkt krass aus­drücken, weil es unertäglich ist, was da mit uns gemacht wird.
    Ich weiß dass man, wenn man mit den Winz­ern spricht, einem oft die Trä­nen kom­men, wie sorgfältig und beson­nen sie arbeiten und natür­lich nur so wenig wie möglich und nötig an phy­tosan­itären Mit­teln (Her­biziden, Fun­giziden, Larviziden) ein­set­zen. Aber! Das sind genau so Geschichten wie in der VN-Szene, wenn die Winzer auf Salons behaupten keinen Schwe­fel einzuset­zen. Genug Händler glauben das, weil es so natür­liche und nette Burschen sind. Ich mache es konkreter :
    Frankre­ich ist nicht nur im Ver­brauch von Anti­de­pres­siva Welt­meis­ter. Ebenso beim Ein­satz von Chemie in der Land­wirtschaft. Das ist schon hart genug. Aber es wird noch schlim­mer, wenn man die Rela­tio­nen betra­chtet. 30 % des gesamten Chemie­ver­brauchs fallen im Wein­bau an. Allerd­ings macht der Wein nur 8% der land­wirtschaftlichen Flächen aus!
    Und auch hier erzählen die alten Opis mit ihrem süff­isan­ten Lächeln das sie Bio für Hum­bug hal­ten und sie sel­ber fast gar nichts an Chemie benutzen. Toll für die Indus­trie. Das Zeug wird also gekauft, aber gar nicht benutzt. Dage­gen sprechen allerd­ings die Analy­sen von Wein. Gren­zw­erte wer­den da natür­lich nur ab und zu über­schrit­ten, aber wenn ich 8 oder mehr ver­schiedene Sub­stanzen ein­setze und die nur einzeln betra­chtet wer­den ist das doch auch ver­ständlich. Mutig genug nun endlich von der franzö­sis­chen Ver­wal­tung eine Art des Kreb­ses ein­deutig als Winz­erkrebs zu tit­ulieren, weil er durch diese besagten Mit­tel aus­gelöst wird. Und zur Zeit häufen sich die Kla­gen von ein­fachen Arbeit­ern auf Weingütern, die ohne genug aufgek­lärt wor­den zu sein, erkrankt sind.
    Implizit sage ich damit auch nicht automa­tisch, dass VN’s “gesün­der” sind. Alko­hol ist Alko­hol und somit per se ab einem gewis­sen Maß nicht gesund.
    Allerd­ings muss ich noch ein­mal ein Argu­ment auf­greifen : wenn Wein­bau ohne Chemie möglich ist und dabei trotz­dem absolute Spitzen­weine, eventuell mit die besten Weine der Wel t(was auch immer das sein soll) her­aus kom­men kön­nen, dann stellt sich mir doch die Frage, warum man dann Chemie über­haupt ein­setzt.
    Also : ich lasse mich deshalb in dem Fall gerne als bil­li­gen Polemiker beze­ich­nen, aber da reden wir in eini­gen Jahren noch ein­mal drüber wenn die Sache in einem anderen Licht betra­chtet wird.

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  12. Vin Naturell hin oder her, Wein ist für mich ein Kul­tur­pro­dukt und lebt von der kreativen Kraft, der Liebe zur Natur und vorallem den han­derk­lichen Fähigkeiten ihrer Erzeuger.
    Die eigentliche große Chance der VN-Bewe­gung ist die Anre­gung zur Diskus­sion über die großen Zivil­i­sa­tion­s­the­men – Umwelt, Human­ität und
    Bewußt­sein( Nach­haltigkeit, Fair­ness usw.)
    Der zweite pos­i­tive Aspekt ist für mich dabei, daß auch die Pro­duzen­ten, die sich schon lange mit diesen The­men befassen, eine weit­ere Plat­tform erhal­ten, sich und ihre großar­ti­gen Weine einem jun­gen und offe­nen Pub­likum zu präsen­tieren.

  13. Dürfte ich Ihr Augen­merk auch auf die Gruppe respekt-BIO­DYN lenken? 19 namhafte Winzer aus Öster­re­ich und Deutsch­land, einer aus Südtirol und einer gren­züber­greifend in Ö und Ungarn, die bio­dy­namis­che Weine in ihrer gesamten Band­bre­ite von fruchtig & frisch bis hin zu orange pro­duzieren.

    Die Winzer/innen:
    Achs, Beck, Busch, Christ­mann, Feiler, Fritsch, Man­in­cor, Gsell­mann, G.Heinrich, Hirsch, Loimer, Nit­tnaus, Ott, Pit­tnauer, Preisinger, Reb­holz, Weninger, Wieninger, Wittmann.

  14. Claudia Sontheim

    Vie­len Dank für diesen Artikel. Bei mir stellt sich jetzt die Frage: Warum hat ein Wein­bauer wie Ganevat, der jahre­lang im Bur­gund Keller­meis­ter im kon­ven­tionellen Top-Weingut Jean-Fraçois Morey war, beschlossen, nach hause zurüchzukehren und bei seinen eige­nen Reben im Jura auf jeglichen Ein­griff bei der Vinifizierung zu verzichten, nach­dem er während seiner sehr erfol­gre­ichen Zeit im Bur­gund die Weine von Philippe Pacalet, Leon Bar­ral und Bruno Schueller und andere ken­nen­gel­ernt hatte?

  15. Stephan Bauer

    Offen gesagt weiß ich das nicht. Bei anderen im Sinne des Natur­weins arbei­t­en­den Winz­ers, mit denen ich mich unter­hal­ten habe, gibt es ein gewisses wiederkehren­des Muster. Sie sind auf irgen­deine Wein­bauschule gegan­gen (meis­tens die in Beaune) und haben sich schon in der Aus­bil­dung gefragt, ob das, was da schul­buch­mäßig emp­fohlen wird, eigentlich wirk­lich alles notwendig ist. Und waren erschrocken darüber, wie tech­nisiert der Wein­bau gelehrt wird. Dann haben sie nach Vor­bildern gesucht, die Erfahrung mit Weglassen haben und sich anschließend so langsam an ihre bevorzugte Wein­bere­itungsmeth­ode range­tastet. Vielle­icht war das bei Ganevat ja auch so, aber das wäre gemut­maßt.

  16. Claudia Sontheim

    Danke für Deine Antwort Stephan. Die Antwort die ich mir gebe, ist, dass Ganevat zunächst von der Qual­ität und dem Geschmack der Weine von Philippe Pacalet, etc. überzeugt war. Das ist das Muster, das ich in meinen Gesprächen mit Wein­bauern immer wieder ent­decke. Am Anfang steht die sinnliche Erfahrung.

  17. @ Clau­dia, Ste­fan :
    In die Rich­tung geht auch meine Erfahrung. Einige junge Leute die auf solche Schulen gehen, sind tat­säch­lich geschockt über den Chemiewahn der dort immer noch gelehrt wird. Und wer sich wirk­lich für Wein inter­essiert, hat schon von anderen Winz­ern, anderen Meth­o­den gehört und andere Weine getrunken. Da sprin­gen einige ab und ler­nen dann über eine andere Schiene.
    Viele der Winzer in der Bio oder Vin naturel Szene sind gerne bereit junge Tal­ente in der Praxis auszu­bilden indem sie sie durch ver­ant­wortliche Mitar­beit auf dem Hof in ihre Arbeitsweise ein­führen. So zeigt sich am Besten, was warum wie gemacht wird.
    Ältere Kaliber sind oft Quere­in­steiger. So Jean Bap­tiste Senat im Min­er­vois oder René Mosse im Anjou. Leute die eher Links anzuord­nen sind und die sich auf anderen Gebi­eten schon mit Alter­na­tiven beschäftigt haben. Ihnen geht der angeglich­ene Trott in ihrem Beruf oder der Lebens­führung (meist Leute aus Paris) auf den Geist und sie machen einen Schnitt. Wein machen in einer Art Natur, scheint da sehr beliebt zu sein.
    Dann gibt es noch eine Sorte. Die, die jahre­lang im Geschäft sind und irgend­wann den Wahn mitkriegen. Das kann durch die ständige Auseinan­der­set­zung mit den immer weiter in Ver­ruf kom­menden Inter­nas der kon­ven­tionellen Wein­pro­duk­tion sein, aber auch durch die Begeg­nun­gen mit Weinen und Winz­ern, die sie über­raschen und überzeu­gen.
    Die “Aktivis­ten” der Vin naturel Szene haben oft im Blick wer etwas vom Metier ver­steht und schwankt. Sie sind darauf bedacht mit den Leuten ins Gespräch zu kom­men und zu bleiben. Eine der großen und schwieri­gen Auf­gaben ist es, die Angst vor der Umstel­lung zu nehmen.
    Von Seiten der Inter­essierten ist die Angst auch ver­ständlich. Wer jahre­lang mit der chemis­chen Keule Kriege führt, kann sich ein Über­leben ohne diese Waf­fen nur schwer vorstellen. Kred­i­traten zwin­gen zu kon­stan­ten Einkom­men. Und wer ein­mal die Angst vor einem Ern­tev­er­lust, oder einer schief gehen­den Fer­men­ta­tion in sich trägt, der scheut sich zuerst ein­mal.
    Einige Gespräche mit benach­barten anders arbei­t­en­den Winz­ern wür­den da schon helfen. Aber lei­der ist es erschreck­end, dass viele Winzer sich da genieren. Das ist Schade und da muss man immer wieder antreiben.
    Viel schlim­mer sind allerd­ings die sich hart­näckig hal­tenden Vorurteile, dass eine andere als die kon­ven­tionelle Machart nie funk­tion­ieren kann und deshalb Biow­inzer auch pfuschen. Ausser­dem kön­nen die Weine nicht gut sein. Auf die Frage, ob sie denn mal mit den Winz­ern gesprochen, oder die Weine pro­biert haben, hört man meist ein ein­deutiges Nein. Ich kanns manch­mal nicht glauben. Nicht mal eine Flasche? Ne –noch nie.
    Das ist immer lustig wenn ich in der Jury der Medail­len­ver­gabe sitze und dort mit den wirk­lich net­ten und lusti­gen “Nor­malen” spreche. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen – aber Baff bin ich immer wieder.

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