In Neuseeland – Teil 5: Trinity Hill und Sileni

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Mit Michael Henley, CEO bei Trinity Hill und früher bei Craggy Range, war ich unterwegs in den Gimblett Gravels. Er hat mir die Ebene erklärt und wir sind durch die verschiedenen Teil gefahren und gegangen, in denen Trinity Hills Syrah steht, der Chardonnay, aber auch Veltliner (in Neuseeland übrigens normalerweise einfach Gruner genannt, Tempranillo, Arneis, Viognier, Rousanne und, und, und). Während man mit manchen Sorten schon auf höchsten Level arbeitet, wird parallel experimentiert und Spaßwein erzeugt. Der Montepulciano ist so ein Spaßwein, den man einfach gerne trinken will.

Trinity Hill
Die Geschichte von Trinity Hill beginnt, als sich der Weinmacher John Hancock 1987 in das Londoner Restaurant Bleeding Heart von Robyn und Robert Wilson setzt, eine Flasche seines preisgekrönten Chardonnay unterm Arm, den er damals für Morton Estate gemacht hatte. Die drei verstanden sich auf Anhieb und entwickelten die Idee eines gemeinsamen Weinguts und John Hancock kümmerte sich um den Erwerb der richtigen Weinberge (ähnelt der Craggy-Range-Story, ich weiß). Die Gimblett Gravels waren damals noch ziemliches Niemandsland und kaum jemand hatte das ausgetrocknete Bett des Ngaruroro-Flusses auf dem Plan. Neben den schon typischen Sorten für Hawke’s Bay (Chardonnay, Cabernet, Merlot) wurden Syrah und Viognier gepflanzt sowie Tempranillo, Montepulciano und Arneis. All diese Sorten werden bis heute sortenrein ausgebaut und vor allem der Viognier und der kräftige Tempranillo haben mich beeindruckt.

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Mit Michael Henley in den Grimblett Gravels, die man rechts in der Ebene sieht. Am Hügel steht der Syrah für La Collina.

Die Weine haben genau das, was mir an anderer Stelle in Hawke’s Bay doch häufiger fehlt: Sie haben Kanten, Charakter oder, wie Michael Henley es formulierte, als ich ihn darauf beim Verkosten ansprach: Sie haben den Beauty-Spot, der etwas, was eh schon schön ist, interessant macht. Im Weinberg versucht man dies durch wenige Eingriffe zu erzeugen. Das Blattwerk unterscheidet sich deutlich von den vorher besuchten Betrieben. Es bleibt dichter, die Reben geschützter, was allerdings auch ein etwas höheres Risiko in Bezug auf Reifung darstellt.

Verantwortlich für die Arbeit im Weinberg und auch im Keller ist Warren Gibson, der eine klare Handschrift hat, die sich im Laufe der letzten Jahre allerdings vor allem im Holzmanagement verändert hat. Es hat sich deutlich in den Hintergrund geschoben. Die Weine, und es geht jetzt um die für mich besten Weine des Weinguts, Chardonnay und vor allem Syrah, sind säurebetont, mit wunderbarer reifer Frucht, Finesse und Balance. Das sind Weine die ich trinken möchte. Der 2013er Gimblett Gravels Chardonnay aus den Klonen 95 und 15 hat 13,2% Alkohol, der 2012er Gimblett Gravels Syrah (hey, wieder 2012) gerade einmal 12% Alkohol, Medium-Body, Frische, florale Noten, Pfeffer, wunderbar balanciert. Der 2010er Homage Syrah ist sensationell gut: Dicht, floral, mit süßem Kern, schwerer als der „einfache“ Gimblett Gravels. Wenn der 2012er Côte Rôtie ist, dann ist das hier Hermitage. Nur mal so, als Typvergleich, um es nachvollziehbar zu machen.

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Cellar Door ist ein einträgliches Geschäft in den Wineries. Viele Touristen schauen in den Weingütern vorbei. Rechts: Mit Warren Gibson probiere ich den kommenden Syrah.

Warren hat oberhalb von Trinity Hill noch einige eigene Parzellen. Sie gehören zu den wenigen Hanglagen des Gebiets. Bilancia La Collina, so der Namen des daraus erzeugten Syrah, gehört zu den interessantesten und besten Syrah, die ich in Neuseeland probiert habe. Der Syrah wird kofermentiert mit Viognier-Häuten (nicht dem Saft) und wurde 22 Monate lang (ich habe 2009 probiert, da war das so) komplett im neuen Holz, allerdings ohne stärkere Toastung und mehr Puncheons als Barriques, ausgebaut. Der Wein hat eine fantastische Konzentration und Balance. Die neueren Jahrgänge dürften noch interessanter werden, denn auch hier fährt Warren das Holz immer weiter zurück.

 

Sileni Estates
Auch Sileni ist einer jener größeren Betriebe der an großen Betrieben reichen Bucht. 106 eigene Hektar stehen unter Reben, von 50 weiteren Hektar wird Frucht dazu gekauft. Im Gegensatz zu den drei erstgenannten allerdings ist hier der Gründer als Präsident und CEO vor Ort und leitet die Geschicke des unprätentiösen Betriebs. Ich habe den Betrieb zunächst einmal hauptsächlich deshalb besucht, weil wir ein, zwei Weine beim Hanseatischen Wein & Sekt Kontor verkaufen. Ich wollte wissen, was sich hinter dem Namen verbirgt – und hatte einen sehr angenehmen Nachmittag mit dem ruhig-entspannten Chief Winemaker Grant Edmonds sowie dem Senior Winemaker Cairn Coghill, der die Rotweine des Weinguts verantwortet.

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Links hinter der Flasche Sauvignon Blanc Sparkeling Craig, rechts Grant.

Grant hat früher im Verkauf bei Esk Valley gearbeitet. Damals hat Graeme S Avery, der Gründer von Sileni, noch Weine gekauft, statt sie zu machen und er war der Besitzer eines weltweit operierenden Fachverlags für Medizinische Informationsblätter. Ende der 1990er hat er den Verlag jedoch verkauft und irgendwann schneite er wieder bei Esk rein und fragte Grant, den er schon eine Zeit lang kannte, ob dieser nicht jemanden kennen würde, der mit ihm ein eigenes Weingut gründen wolle. Grant bejahte die Frage und hob den Finger. Der Chief Winemaker von Esk Valley ist damals mit Sack und Pack in eine kleine Hütte in Bridge Pa gezogen und hat von Null angefangen. Er ist immer noch da, und in dieser Zeit hat er Sileni zu einem der wichtigen Betriebe dort gemacht. Im Gegensatz zu den drei vorher genannten Betrieben, ist Sileni nicht unbedingt darauf aus, im hochpreisigen Segment die Krone zu erwerben sondern eher im Einstiegssortiment zu glänzen, um dann die beiden darüber liegenden Stufen ebenfalls mit ausgezeichneter Qualität zu bedienen.

Die Cellar Selection ist das, wofür Neuseeland steht: Blitzsauber gemachte, sortenreine Weine, von denen mir vor allem der 2014er Syrah mit klarer, würziger Frucht und dem typischen Pfeffer besonders gefallen hat. Wie gut auch Pinot Noir in Hawke’s Bay in einem günstigeren Preisgefüge (ca. 32 NZ-Dollar) sein kann, zeigt in der Estate Selection der 2013er The Plateau Pinot Noir.

Was ich in Hawke’s Bay noch probiert habe und empfehlen möchte:

Esk Valley Hawkes Bay Chardonnay 2012, 12 Monate französisches Holz, 60% neu

Esk Valley Gimblett Gravels Syrah 2010, 17 Monate französisches Holz, 40% neu

Alluviale Gimblett Red Wine (Merlot, Cabernet) 2012, bio, 88% Merlot, 12% Cabernet

 

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man O’ War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke’s Bay

Teil 4: In Hawke’s Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke’s Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: In Marlborough, Johanneshof, Greywacke, Dog Point

Teil 10: In Marlborough, über Sauvignon Blanc, einen Besuch bei Yealands und die Nachhaltigkeit

Teil 11: In Marlborough mit Framingham und Seresin

Teil 12: In Marlborough mit Huia, Hans Herzog, Fromm

Teil 13: In Marlborough mit Clos Henri, Te Whare Ra und Rockferry

Teil 14: A Day Off (Von Marlborough nach Canterbury)

Teil 15: In Canterbury, Pegasus Bay

Teil 16: In Canterbury, Black Estate, Pyramid Valley

Teil 17: In Central Otago, Rippon, Quarz Reef

Teil 18: In Central Otago, Burn Cottage und Felton Road

Teil 19: Ein Fazit

 

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Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

 

5 Kommentare

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