In Neuseeland – Teil 18: Central Otago, Burn Cottage und Felton Road

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Burn Cottage
Den Besitzer des Weinguts könnte ich mir auch als Bandmitglied von Motörhead oder Megadeth vorstellen. Und außerdem heißt er so, wie es eigentlich nur dem Kopf eines verwirrten Marketing-Strategen entsprungen sein kann. Der Mann heißt Marquis Sauvage. Doch der Rest der Familie heißt erstaunlicherweise ebenfalls Sauvage und stammt aus dem us-amerikanischen Kansas. Es scheint also mehr als ein Künstlername zu sein. Marquis hat als junger Kerl eine Weinbar in Colorado betrieben und dann als Weinverrückter und talentierter Geschäftsmann einen Teil des Familienvermögens in amerikanische Weinhandelsunternehmen gesteckt. Das war ihm allerdings nicht genug und deshalb ist es auf die Suche gegangen nach einem geeigneten Stück Land, um dort eine eigene winery aufzubauen. Auf der Suche nach den richtigen Weinbergen ging es ihm ähnlich wie den schon früher erwähnten deutschen Kollegen Kai Schubert und Karl Johner oder wie Claudia und Mike von Pyramid Valley. Sie reisten durch die Welt, suchten in Oregon, in sSüdamerika oder Südafrika und Neuseeland. Fündig geworden ist er bei seinen Reisen Anfang der 2000er in Central Otago, genauer gesagt in der Nähe von Cromwell in den Ausläufern der Pisa-Ranges. Es hat allerdings noch mal ein paar Jahre gedauert, bis das Stück Land von ca. 24 Hektar zum Verkauf stand. Außerdem musste er für den Erwerb ein paar Konkurrenten ausstechen, die die Hänge ebenfalls ins Blickfeld genommen hatten. Sauvage, der als einer der ganz wenigen ausländischen Investoren mit Koehler-Ruprecht auch ein renommiertes deutsches Weingut übernommen hat, verfügte aber wohl über die finanziellen Mittel, um ab 2002 ein biologisch-dynamisch arbeitendes Weingut zu etablieren, dass er so nannte wie den Ort, auf dem er es gründete: Burn Cottage.

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Ich stehe im verhältnismäßig seltenen Regen inmitten der Rebzeilen des Burn Cottage Vineyards, der ein wenig einem Amphitheater ähnelt. Mit Shane Livingstone schaue ich auf penibel gepflegte Reben, Berge von Kompost, das Feld mit den friedlich weidenden schottischen Rindern und dem See im Hintergrund. Die Luft riecht frisch wie seit langem nicht. Der kompostierte Boden duftet gesund, wir haben alle Zeit der Welt. Shane erklärt mir die penible Arbeitsweise, die er an den Tag legen kann. Das ist ganz ähnlich wie bei Struan McDuff im Pyramid Valley. Diese ganze biodynamische Kiste erfordert sehr, sehr viel Aufmerksamkeit im Weinberg. Ähnlich wie bei Pyramid Valley war von vornherein klar, welcher Weg beschritten werden sollte. Weideten in Canterbury Rinder auf den Flächen, die heute Weinberge sind, waren es hier bei Burn Cottage Schafe. Die Flächen haben nie chemische Spritzmittel oder organische Dünger gesehen.

Mit Shane Livingstone im Weinberg und im Kompost

Mit Shane Livingstone im Weinberg und im Kompost

Angelegt wurde vor allem Pinot Noir und nur an den Seitenrändern findet sich ein wenig Riesling und Gruner, wie der Grüne Veltliner hier genannt wird. Der Weinberg ist in einem gewissen Sinne immer auch Versuchsweinberg. Zehn verschiedene Pinot-Klone stehen auf fünf verschiedenen Unterlagsreben (diesmal im Gegensatz zu Pyramid Valley, wo wurzelecht gepflanzt wurde). Die Pflanzdichte liegt bei 5.000 Stöcken pro Hektar. Hier gibt es einen Link zur Liste der verwendeten Klone etc., hier eine Übersicht, wo sie im Weinberg gepflanzt wurden. Das perfekte Lesegut übergibt Struan dann Claire Mulholland und Ted Lemon. Während Claire den neuseeländischen Weinbau in und auswendig kennt und als Associate Winemaker gleichzeitig auch die Funktion des General Manager inne hat, hatten die Sauvages das Glück, mit Ted Lemon eine wirkliche Pinot-Koryphäe zu verpflichten. Ted hat sein Handwerk im Burgund gelernt, von der Université de Bourgogne über Engagements bei de Villaine, Dujac, oder Bruno Claire bis zur Tatsache, dass er als erster Amerikaner überhaupt ein Burgund-Weingut geleitet hat, nämlich die Domaine Guy Roulot in Meursault. Ted hat dann 1993 zusammen mit seiner Frau in Sonoma Littorai Wines gegründet und produziert dort einige der feinsten Cold Climate Pinots und Chardonnays in Kalifornien.

Burn_cottage_03

Probiert habe ich den Burn Cottage Central Otago Pinot Noir 2012 und 2013. Interessanter Weise erinnern mich die Weine an sehr gute Beaujolais Crus aus Moulin à Vent mit ihrer dunkelfruchtigen, würzigen und blumigen (Iris, Veilchen) Art. Neben der typischen Kirschfrucht, in die ein paar Blaubeeren gefallen sind, zeigen sich exotische Noten von Zimt, Sandelholz, dazu Orangen- und Zitronenschale, etwas rote Beete aber auch Mokka und Pfeffer. Der 2012er ist heller, ein wenig säurebetonter und schlanker im Sinne von „schlank“ und „schlanker“, denn bei Pinots gehören zu den zwar dunkel würzigen Weinen aber immer auch zu denen mit mittlerem Körper. Mit zunehmender Luft zeigt sich ein wenig die grüne Note der Stile und Stengel, die in Teilen mit vergoren werden. Unterm Strich zeigen sich beide Weine relativ verschlossen, der 2012er noch mehr als der 2013er. Genauso klar ist aber auch, wie viel Potential in diesen Weinen steckt.

Felton Road
Der letzte Programmpunkt meiner Reise war ein Besuch bei Felton Road. Das Weingut des Briten Nigel Greening gehört zu den berühmtesten in ganz Neuseeland. Es steht, was die Reputation angeht auf einer Höhe mit Ata Rangi und trägt ebenfalls den Titel Tipuranga Teitei o Aotearoa, was so viel heißt wie Grand Cru of New Zealand. Die Geschichte geht zurück ins Jahr 1991, als Stuart Elms die ersten Stöcke auf dem Elms Vineyard in Bannockburn gepflanzt hat. Nigel Greening, früher Creative Director einer Londoner Werbeagentur und bekennender Pinot-Geek, probierte damals die ersten Central-Otago-Pinots, war begeistert und erwarb 1998 einen 9-Hektar-Block direkt am Seeufer des Lake Dunstan, einem Stausee, der in den 1990er entstanden ist. Der Ort, Cornish Point, war damals schon teuer. Er erwarb den Weingarten für 64.000 Pfund, ein Rekordpreis für damalige Verhältnisse. Mit Alan Brady, einem Pinot-Pionier und dem Gründer der Gibbston Valley Winery hatte er den richtigen Mitspieler gefunden. Brady leistete Starthilfe und bekam im Jahr 2000 auch zu Ohren, dass Felton Road, das Weingut von Stuart Elms verkauft werden sollte. Greening zögerte nicht lange und innerhalb von 72 Stunden gehörte das 15-Hektar-Weingut ihm.

Cornish Point, regenverhangen

Cornish Point, regenverhangen

Das Weingut verfügt heute über mehrere Cru-Lagen, die allesamt seit vielen Jahren biodynamisch bewirtschaftet werden. Neben Cornish Point und dem Bannockburn Elms Vineyard sind dies die im Elms Vineyard gelegenen Block 3, Block 5 und der Calvert, dessen Teilfläche gepachtet und mittlerweile auch zur Hälfte erworben ist, während andere Teile von Pyramid Valley und Craggy Range gepachtet sind. Hinzu kommt der in der Nähe vom Calvert gelegene, neu hinzugekommene MacMuir, dessen erste Erträge 2015 eingefahren wurden. Der Fokus liegt im Wesentlichen auf Pinot Noir, auch wenn es einige hervorragende Rieslinge und Chardonnay zu probieren gibt.

Zunächst haben wir uns vom anderen Ufer aus den Cornish Point am Rande von Cromwell angeschaut, wo schon mit dem ersten Blick klar wird, in welch besonderer Lage sich der Weingarten befindet. Der Ort war Mitte des 19. Jahrhunderts während des Goldbooms eine Goldgräbersiedlung, die von Einwanderern aus Cornwall bewohnt wurde. Später wurden hier Aprikosenbäume gepflanzt. Der Weingarten liegt zwischen dem Clutha River und dem Kawarau, die seit den 1990ern beide in den Lake Dunstan zurückgestaut werden. Hier herrscht stetig eine frische Brise, die sowohl Pilz- als auch Frostgefahr minimiert. Die Böden bestehen aus Löss, der auf Flussstein und Schluff liegt. Tief im Boden finden sich Ton, Calciumcarbonat und Schiefer. Die acht Hektar sind heute in 25 verschiedene Blöcke mit 18 verschiedenen Klon- und Unterlagskombinationen unterteilt (Pinot Noir B114, B115, B667, B777, DRC Abel, AM10/5, UCD 5, und UCD 6 sowie D95 Chardonnay). Mike Wolfenden, der aus UK stammende assistant winemaker von Blair Walter, mit dem ich an diesem Nachmittag unterwegs bin, mag die Weine von diesem vineyard auf Grund ihrer Generosität besonders gerne. Die Trauben reifen von allen am frühesten. Sie zeigen eine verschwenderisch frische, dunkle Kirschfrucht und verfügen selbst in jungen Jahren schon über eine feinkörnige Tanninstruktur.

The Calvert

The Calvert

Von Cromwell aus fahren wir nach Bannockburn und besuchen kurz den Calvert und den angrenzenden MacMuir. Wie auch beim Cornish Point handelt es sich um flache Lagen mitten in den ehemaligen Goldabraumhalden. Bevor der Weingarten 1999 gepflanzt wurde gab es hier Schafe. Nichts Neues eigentlich. Egal wo man hinschaut, gab es vor den ersten Pflanzungen entweder Schafe oder Obstbäume, manchmal auch anderes Nutzvieh. Auch der Calvert profitiert von beständigen leichten Winden, die durch die Abraumhalden ziehen. Der Boden ist der typische Bannockburn-Boden: verfestigter, deep silt loam, also Schlamm und Treibsand, der hier gepresst, ja gebacken wurde und ähnlich bröselt wie Schiefer. Je nach Block kommen Ton, Quartz und Schiefer hinzu sowie ein wenig Löss an der Oberfläche. Hier steht ausschließlich Pinot Noir, und zwar B667, B777, B115 auf folgenden Unterlagsreben: 3309, 101.14, Riparia Gloire in doppelter Guyot-Erziehung. Wie der Cornish Point sind auch Calvert und MacMuir demeter-zertifiziert. Der Pinot Noir aus dem Calvert zeigt sich noch dunkler als der Cornish Point. Die Textur und Balance der Weine ist hervorragend, die Tannine im Allgemeinen sehr fein.

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The Elms Vinyard inklusive Block 3 und Block 5

The Elms, der Weingarten, der sich rund um das schmucklose Anwesen erstreckt, ist mit 14,4 Hektar der größte im Portfolio und auch am längsten bepflanzt, nämlich seit 1992. Einige Blocks stechen dabei besonders heraus: Der Block 3 liegt unterhalb des Anwesens und besteht aus dichten, sandigen Lehm. Das Ausgangsgestein hier ist Sedimentgestein, Schiefer und Löss. Die Formation nennt sich Waenga. In Teilen des Untergrundes befindet sich Flusssediment und Flussgestein. Im ebenfalls einzeln ausgebauten Block 5 ist der Boden etwas schwerer, mit einem höheren Anteil festen Tons. Block 3 wurde 1992 mit Wadenswil-Pinots, also mit einer Mischung aus Schweizer Klonen bestockt während Block 5 1993 mit UC-Davis Pommard-Klonen bestockt wurde. Der Block 3 Pinot Noir zeigt sich komplex und fein während sich der Block 5 Pinot Noir wie der große Bruder präsentiert, der schon eine Zeit ins Fitnessstudio geht.

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In den anderen Teilen des Elms Vineyard findet sich ein noch höherer Anteil von leicht brüchigem Schiefergestein, durchsetzt mit sandigem Ton und Lehm. Auf den weichsten Blocks dieses Gesteins stehen Riesling und Chardonnay. Die alten Pflanzungen von 1992 bis 1994 sind mit einer Dichte von um die 2.500 Stöcke pro Hektar bepflanzt, die neueren liegen bei einer Dichte von 4.000. Insgesamt stehen hier 8,1 Hektar Pinot, 4,1 Hektar Chardonnay und 2,2 Hektar Riesling in doppelter Guyot-Erziehung. Die Weine werden so ausgebaut, wie man es erwartet. Freier Fluss ohne Pumpen, wilde Hefen, wilde Malo, bei den Pinot ca. 25 bis 30% Ganztraubenvergärung, keine Filtration oder Schönung, wenig Schwefel.

Die Weine von der Felton Road sind welche, die schon früh Berühmtheit erlangt haben und vor allem in UK gefeiert werden. Bei uns gibt es mal wieder keinen Händler, der sich dieser wirklich exzellenten Weine annehmen würde. Sie zeigen jedoch exemplarisch die Klasse, die gerade der Pinot in Neuseeland entwickelt. Vor allem zeigt er auch die Eigenständigkeit, und das über die klare Herausarbeitung der einzelnen Lagen hinweg. Die Weine sind von einer begeisternden Lebendigkeit, Energie und sicher auch Langlebigkeit.

Bya Bye New Zealand

Bya Bye New Zealand

Wenn ich auch gestehen muss, dass ich an diesem Tag nach einer Geburtstagsfeier und mehr als zwei Wochen intensiven Reisens durch die Weinwelt Neuseelands nicht mehr gänzlich frisch und aufnahmefähig war, so waren diese beiden Besuche doch ein gelungener Abschluss. Was folgte war die Fahrt zum Flughafen, der Flug einmal über Neuseeland hinweg nach Auckland und dann der lange Weg zurück nach Hause. Was abschließend folgt, ist mein persönliches Fazit.

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man O’ War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke’s Bay

Teil 4: In Hawke’s Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke’s Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: In Marlborough, bei Johanneshof, Greywacke, Dog Point

Teil 10: In Marlborough, über Sauvignon Blanc, einen Besuch bei Yealands und die Nachhaltigkeit

Teil 11: In Marlborough mit Framingham und Seresin

Teil 12: In Marlborough mit Huia, Hans Herzog, Fromm

Teil 13: In Marlborough mit Clos Henri, Te Whare Ra und Rockferry

Teil 14: A Day Off (Von Marlborough nach Canterbury)

Teil 15: In Canterbury, Pegasus Bay

Teil 16: In Canterbury, Black Estate, Pyramid Valley

Teil 17: In Central Otago, Rippon, Quarz Reef

Teil 18: In Central Otago, Burn Cottage und Felton Road

Teil 19: Ein Fazit

 

Map_Neuseeland_Central_Otago

Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

 

4 Kommentare

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