In Neuseeland – Teil 7: Martinborough und Gladstone

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Martinborough ist ein Ort, wo jeder jeden kennt, bunte Hunde fallen auf und zu diesen gehört definitiv Lance Redgwell, der die Gruppe von Winzern angeführt hat, mit der ich abends um die Häuser gezogen bin. Zwei Tage habe ich in Martinborough und Gladstone verbracht und bevor ich etwas über Lances Weine schreibe, will ich natürlich die Deutschen unter den Winzern des Gebietes vorstellen. Es sind Karl Heinz Johner und Kai Schubert. Beide haben mal zusammen angefangen nach Land zu suchen, als Karls Sohn Patrick und Kai Schubert mit dem Studium in Geisenheim fertig waren. Kai hatte keine im Familienbesitz befindlichen Weinberge, die er hätte übernehmen können und so musste er auf die Suche gehen während die Johners eher ein allgemeineres Interesse an guten Pinot-Lagen hatten. Karl Heinz Johner hat lange in England gearbeitet und entsprechend hatte auch er keine Berührungsängste mit dem anglophilen Raum. So kam es, dass sie Patrick in Australien besuchten, wo er eine Ernte mitgemacht hat, um dann auf eine kleine Pinot-Noir-World-Tour zu gehen, die sie unter anderem nach Neuseeland, Oregon und Kalifornien geführt hat. Oregon hat sie nachhaltig beeindruckt, kam letztlich aber für die Johners nicht ein Frage, weil sich die Erntezeitpunkte mit denen im schon bestehenden, bekannten Weingut in Baden überschnitten hätten. In Neuseeland, wo das Wasser andersherum im Becken abfließt, ist jedoch alles anders als bei uns, und so wird dort natürlich von März bis Mai geerntet.

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Pinot-Tüftler Karl Heinz Johner. Wir haben mal “eben” quasi alle Fässer des Kellers durchprobiert, Pinot, Pinot und etwas fabelhaften Syrah. Whole Bunch, teilentrappt, vollentrappt usw. Das war ausgesprochen lehrreich.

Was kurzfristig zusammen begonnen hatte, ging jedoch schnell eigene Wege und so gründeten die Johners ihr neuseeländisches Weingut in Gladstone während Kai den ersten, gemeinsam gefundenen Weinberg zusammen mit seiner Partnerin Marion Deimling in Masterton übernahm. Gründungsjahr für beide Weingüter im Bereich Wairarapa ist das Jahr 1998. Obwohl es schon eine Handvoll Weingüter wie das beschriebene Ata Rangi gab, war diese Zeit doch immer noch ganz klar eine Pionierzeit. Gerade in Gladstone und Masterton, etwas abseits von Martinborough gelegen, gab es zwar einige wenige Weinberge, aber noch kaum ernstzunehmenden Weinbau. Ich habe sowohl mit Karl Heinz Johner als auch mit Kai Schubert einen Podcast gemacht, so dass ich auf die beiden Weingüter bald zurück komme.

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Statt in die Stadt zu fahren um dort Essen zu gehen, gab es Barbecue im Garten, im Weingarten der Schubert. Priceless! Kai Schubert ist übrigens Importeur der Gabriel-Gläser, die auch bei mir die Standard-Verkostungsgläser sind.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag, als müsse das Weinmachen in Neuseeland ein einfaches Gewerbe sein, wenn die Weinberge eher Weinflächen genannt werden sollten, sieht sich nach einigen Gesprächen mit Winzern schnell getäuscht. Hier muss zwar keiner die Hügel oder Steillagen hoch wie Kai Schubert, als er bei Ernie Loosen gearbeitet hat oder wie Karl Johner, der die Erhebungen des Kaiserstuhls bezwingen muss, aber das Klima verlangt den Winzern und ihren Rebstöcken viel ab. Vor allem der harsche, kühle Wind, der ungebremst von der Antarktis, die hier nicht mehr so sonderlich weit entfernt ist, ist Segen und manchmal auch Fluch zugleich. Er kann entsprechend dazu beitragen, dass es hier sehr spät noch mal friert. Das Gebiet ist nichts für Weinmacher, die gerne mit hohen Erträgen arbeiten. Und so bleibt es wohl auch im Wesentlichen auf die kleinen Weingüter beschränkt, die das Gebiet so ungewöhnlich charmant machen.

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Erinnert ein wenig an eine Kleinstadt, wie ich sie mir mittleren Westen der USA vorstelle. Allerdings hängen hier deutlich weniger Flaggen.

Der ganze Ort, der, ich sprach es im Artikel über Ata Rangi schon an, von einem Kaff ohne Kneipe mit all den sich ansiedelnden Weingütern beständig gewachsen ist, lebt von und mit dem Wein wie ein Ort an der Mosel. Es kommen beständig Gäste aus der nahgelegenen Hauptstadt und entsprechend gibt es gute Restaurants und Hotels. in einem davon fand am ersten Tag meines Besuchs in Martinborough ein Seminar über maischevergorene Weine statt, zu dem ich mit Lance Redgwell gegangen bin und das von einem der feinsten und besten Weinmacher des Landes geführt wurde. Andrew Hedley ist Weinmacher bei Framingham in Marlborough. Das Weingut ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt weil es sich auf Weine spezialisiert hat, die es bei uns in Hülle und Fülle gibt: aromatische Weine, vornehmlich Riesling von trocken bis zur Trockenbeerenauslese. die Rieslinge von Andrew sind für mich die besten, die ich außerhalb der deutschsprachigen Länder bisher probieren konnte. In Neuseeland, aber beispielsweise auch in england gehört es zu den angesehensten Riesling-Weingütern überhaupt. Andrew schaut weit über den Tellerrand hinaus und importiert in kleinen Menge Freakstoff aus Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien usw.

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Lance Redgwell, Das Orange-Wine-Seminar mit Andrew Hedley und ein entsprechender Orange-Pinot-Gris von Lance’ Cambridge Road Vineyard.

Zu den Weinmachern, die sich mit maischevergorenen Weinen, Amphoren und gemischten Sätzen beschäftigen gehört der schon genannte Lance Redgwell, dessen Cambridge Road Vineyard Weine ich beginnend mit dem Pet Nat beeindruckend fand. Es gibt bei ihm eine Cuvée aus weiß gekeltertem Pinot mit Riesling und vor allem Pinot Gris namens Papillon blanc, es gibt es gibt einen herrlich saftig-würzigen Papillon Rosé: In der kleinen Korbpress langsam gepresst und zu 70% in alten Fässern vergoren und zu 30% im Stahl, bestehend aus Pinot und 24% Syrah. Herrlich saftig und frisch mit Zug und erdig-würzigen Komponenten. War das schon gut, gibt der Arohanui Rosé erst richtig Gas: Es ist der beste Rosé, den ich in Neuseeland probiert habe. 72% Pinot und 28% Syrah, dunkel und mysteriös im Glas, erdig, würzig, salzig mit dunkler Frucht und Tiefe am Gaumen, jetzt schon sechs Jahre alt, ein Traumrosé. Der Dovetail greift das Mischungsverhältnis der Rosé auf. Etwa 75% Pinot und 25% Syrah direkt vom Homeblock am Haus. 4% Whole Bunch, 96% entrappt, 30 Tage auf den Traubenhäuten, kaum Schwefel, aus einem perfekten Jahr (2010), dunkel, erdenschwer, würzig, mit Anissamen und Trockenkräutern, trockenem Holz und Blättern. Feine Säure, Länge, schreit nach mehr. Noch einen drauf setzten Syrah und Pinot aus demselben, perfekt kühlen Jahrgang 2010. auch diese beiden Weine sind dunkel und erdig mit schwarzer Frucht und einer Menge an Waldboden, Feigen und Süßholz (der Pinot) und rohem Fleisch, Veilchen, Salz und Süßholz (Syrah).

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Aussicht aus der Lodge, die leider nur für eine Nacht meine Unterkunft war, ich hätte schon wegen dieses Baumes länger bleiben mögen. In der Martinborough Brewery. John Douglas vom Te Hera Vineyard links, Alex Craighead von Don Wines und Alexis Moore vom Gladstone Vinyard

Wer sich ebenfalls mit alternativem Weinausbau beschäftigt ist Alex Craighead, der mich zusammen mit Alexis Moore, Weinmacherin beim Gladstone Vineyard, während des Regional Tastings begleitet hat. Alex ist Weinmacher bei Alana und hat mit Don Wines sein eigenes Label gegründet. Seiner erster Pinot Noir kommt diesen Monat raus, beeindruckend charaktervoll war aber schon sein Erstlingswerk, der (Orange) Pinot Gris. Was mich beim Regionaltasting mit am meisten beeindruckt hat, war der Wein von John Douglas, den ich beim Orange-Wine-Symposium kennengelernt habe. Johns Te Hera Kiritea 2011 Pinot war feinduftig und fast kristallin, hat 11 Monate in komplett altem Holz gelegen und wurde mit weinbergseigener Hefe vergoren. Saftig frische Frucht und ein tolles Säurespiel aus dem kühlen Jahrgang 2011 ziehe ich beim Regional Tasting den recht fett wirkenden 2012ern, die aber fast alle Winzer besser finden, vor.

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Abschied im Morgengrauen, der Nebel liegt noch über den Feldern.

Neben den bereits genannten Winzern empfehle ich zu probieren: Dry River, Escarpement, Martinborough Vineyard und Kusuda. Kusuda, von dem Jancis Robinson sagt, dies wäre einer ihrer weltweiten Favoriten, ist eine Boutique Winery mit einer völlig aberwitzigen Geschichte. Hiro Kusuda war eigentlich Anwalt und später Diplomat, der von einer Pfälzer Spätlese angefixt wurde und seitdem dem Wein verfallen ist. Er ist irgendwann nach Neuseeland gekommen, hatte mit diversen Schwierigkeiten zu tun und jahrelang keinen Pfennig Geld verdient. Heute reisen Dutzende von Japanern zur Ernte auf eigene Kosten aus Japan an um einmal dabei gewesen zu sein, wenn Kusuda seine Trauben einfährt und selektioniert, wie es kein anderer tut. Jancis Robinson beschreibt es hier wunderbar. Mir bleibt nur die Empfehlung seiner Weine, die extrem schwer zu bekommen sind.

Nach all den Verkostungen sind wir dann Bier trinken gegangen, wie man das halt so macht. Weine probieren, Bier trinken. Nein, ganz so ist es dann doch nicht. Aber in Martinborough boomt nicht nur der Wein, der Ort hat mittlerweile auch eine eigene Brauerei.

In Neuseeland:

Teil 1: Auckland, Waiheke und die Bucht von Man O’ War

Teil 2: Einige erste Gedanken zum neuseeländischen Weinbau

Teil 3: In Hawke’s Bay

Teil 4: In Hawke’s Bay bei Craggy Range und Elephant Hill

Teil 5: In Hawke’s Bay bei Trinity Hill und Sileni

Teil 6: In Martinborough bei Ata Rangi

Teil 7: In Martinborough und Gladstone

Teil 8: In Nelson bei Woollaston und Neudorf

Teil 9: In Marlborough, bei Johanneshof, Greywacke, Dog Point

Teil 10: In Marlborough, über Sauvignon Blanc, einen Besuch bei Yealands und die Nachhaltigkeit

Teil 11: In Marlborough mit Framingham und Seresin

Teil 12: In Marlborough mit Huia, Hans Herzog, Fromm

Teil 13: In Marlborough mit Clos Henri, Te Whare Ra und Rockferry

Teil 14: A Day Off (Von Marlborough nach Canterbury)

Teil 15: In Canterbury, Pegasus Bay

Teil 16: In Canterbury, Black Estate, Pyramid Valley

Teil 17: In Central Otago, Rippon, Quarz Reef

Teil 18: In Central Otago, Burn Cottage und Felton Road

Teil 19: Ein Fazit

 

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Die Reise erfolgte auf Einladung und wurde mit mir und nach meinen Wünschen hervorragend organisiert von: nzwine-2x

 

12 Kommentare

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